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Olympia live: Beachvolleyball, Finale der Frauen

Freitag, den 19. August 2016
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DO 18.08.2016 | 5.00 Uhr | ZDF

Es war das Traumfinale mit einem Traumergebnis. Jedenfalls für uns, aus deutscher Sicht. Die Brasilianer fanden das nicht so – und buhten.
Am frühen Donnerstagmorgen übertrug das ZDF das olympische Beachvolleyball-Finale der Frauen. Und das Tolle (also für uns, wie gesagt) war, dass Laura Ludwig und Kira Walkenhorst das Spiel sehr eindeutig für sich entschieden. Gold!
Für die Gegnerinnen aus Brasilien war das schade. Für das brasilianische Publikum aber offenbar so richtig Mist. Buh!

Immer wenn eine der beiden deutschen Frauen den Anwurf hatte, buhte das brasilianische Publikum. Willkommen bei Olympia in Rio. Denn wie sich die heimischen Zuschauer dort präsentieren, macht nicht immer Spaß. Und die Szenen beim Beachvolleyball waren kein Einzelfall.

Zwei Tage davor fand das hochspannende Finale im Stabhochsprung statt, auch übertragen vom ZDF. Erst um kurz vor 5 Uhr deutscher Zeit stand fest, wer Gold gewinnt. Davor lieferten sich der Brasilianer Thiago Braz da Silva und der Franzose Renaud Lavillenie das letzte Duell um den Sieg. Und weil da Silva völlig überraschend einen sehr hohen Sprung schaffte (und seine eigene Bestmarke um viele Längen übertraf), entschloss sich Lavillenie, eine Marke zu überspringen. Das ist sein gutes Recht, denn auch er war die Höhe, um die es nun ging, schon mal erfolgreich gesprungen. Und es machte das Match noch mal spannend.
Aber die Zuschauer im Stadion? Die buhten. Sie buhten laut. Es war einfach nur unschön. Den Brasilianern passte nicht, dass der Franzose ihrem Mann den Sieg stehen wollte – dabei war er ja genau deshalb da, um Gold zu gewinnen. Das kann ihm doch keiner zum Vorwurf machen!? Die Brasilianer machten es.
Lavillenie riss die Marke, der Brasilianer gewann Gold. Und die Masse jubelte.
Okay, der Franzose machte danach einen sehr unpassenden Vergleich, den hätte er sich verkneifen können. Aber dass das Publikum in Rio oftmals extrem und enttäuschend unfair ist, musste nicht nur der Franzose erleben.

Viele Olympioniken sind über das Verhalten irritiert. Gerade die Beachvolleyballer, die immer extrem fair zueinander sind, sich ständig abklatschen, die immer locker mit dem Gegener umgehen. Buhrufe passen da nicht.

Aber immerhin war die Arena mal einigermaßen gefüllt, auch beim Beachvolleyball. Das ist nur sehr selten der Fall, weil die Eintrittspreise so hoch sind, dass die meisten Brasilianer sie sich nicht wirklich leisten können. Um so mehr klang es wie blanker Hohn, als ein Verantwortlicher, in einer Pressekonferenz darauf angesprochen, meinte, die Stadien seien ja oft ausverkauft. Aber es seien eben auch immer viele Leute gerade unterwegs, um was zu essen zu kaufen. Oder so.
Und ich fürchte: Die glauben wirklich, was sie da labern.

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Olympia live: Leichtathletik – Diskus-Finale der Herren

Sonntag, den 14. August 2016
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SA 13.08.2016 | 15.05 Uhr | ZDF

Immer stand er im Schatten von Robert. Immer war es Robert, auf den alle setzten und dem die Herzen zuflogen. Es heißt, Christoph und Robert sprechen nicht miteinander.
Nun aber hatte Christoph seinen großen Tag.
Während Robert Harting gesundheitliches Pech hatte und es nicht ins Diskus-Finale bei den olympischen Spielen in Rio schaffte, gelang seinem Bruder Christoph Harting der ganz große Wurf: Olympiasieg. In letzter Minute, bei letzten Wurf.
Es war ein Sportkrimi, den das ZDF am Sonnabendnachmittag übertragen hat. Aber nicht nur das. Sondern auch etwas, was im Nachhinein als Skandal gesehen wird.

Christoph Harting gewinnt Gold und dreht auf. Und ein bisschen ab. Ein bisschen merkwürdig war seine Show von Anfang an. Verbeugungen sind ja noch eine schöne Sache. Bei Hampeleien während der Nationalhymne hört der Spaß bei vielen Deutschen aber auf. Und in der Tat musste man sich ein bisschen wundern. Harting muss sich ja nicht die Hand ans Herz halten, aber so eine Siegerehrung kann man dennoch mit Würde hinter sich bringen.
Interviews gab er auch keine, den Handschlag des ZDF-Reporters schlug er aus, ging einfach vorbei, an ein Gespräch war gar nicht zu denken. In der Pressekonferenz sagte er nur, dass er ungern Interviews gebe.

Aber da gab es diesen spannenden Moment. Harting, der ernste. Harting, der feixende. Harting, der lamentierende. Dann aber brach die Fassade einen kurzen Moment auf, irgendwas löste sich da. Tränen? Überwältigung? Der Aussetzer dauerte nur kurz. Er gab sich einen Ruck, setzte wieder seine heiter-ablehnende Miene auf – und war wieder der Rebell.
Christoph Harting wird wissen, warum er sich so gibt. Er wird schon wissen, warum er den Leuten, die mit ihm mitgefiebert haben, so vor den Kopf stößt.
Es hagelte Kritik, vor allem in den sozialen Netzwerken, aber auch von seiner Olympiamannschaft. Einige der heimischen Zuschauer schrieben, dass Harting doch lieber für ein anderes Land antreten solle. Das ist natürlich übertrieben. Dass so ein Verhalten aber nicht so gut ankommt, ist auch verständlich. Harting ist’s wurscht. Aber vielleicht hat er ja mal eine Erleuchtung.

RT im Kino

Zeit für Legenden

Mittwoch, den 10. August 2016
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1936, Olympia in Berlin. In der deutschen Hauptstadt ist das neue Olympiastadion der Ort für den Sport – und für die Nazipropaganda. Dass die USA überhaupt mit einem Team an den Spielen teilnimmt, sorgt für Proteste. Aber sie bringen einen echten Helden hervor, und passend zum 80. Jahrestag und den gerade laufenden olympischen Sommerspielen in Rio, ist dieser Film in die Kinos gekommen: “Zeit für Helden”, die Geschichte von Jesse Owens in Berlin.

1934 beginnt der Leichtathlet Jesse Owens (Stephan James) in Ohio das Training. Sein Ziel: Olympia. Aber er muss sich durchbeißen, und das nicht nur sportlich. Schwarze haben in den USA einen schweren Stand, die Diskriminierung ist alltäglich. Als er aber erste Wettbewerbe gewinnt, steigt auch sein Ansehen.
Kurz vor der Eröffnungsfeier in Berlin, will die schwarze Community auf ihn Einfluss nehmen: Sie bittet ihn, nicht nach Berlin zu reisen, nicht den Nazis eine Bühne zu geben, stattdessen ein Zeichen zu setzen.
Owens reist dennoch nach Berlin. Er will es allen zeigen, und jeder Nazi weniger auf dem Siegertreppchen, sei ein gutes Zeichen.

Der deutsche Titel “Zeit für Legenden” ist leider etwas schmalzig geraten, im Original heißt der Film von Stephen Hopkins schlicht “Race”. Interessant ist er aber natürlich trotzdem. Er zeigt, wie Jesse Owens sich mit allen damaligen Widrigkeiten auseinandersetzen musste. Schließlich hätten die Deutschen gern andere – nicht schwarze – Sieger Gold gewinnen sehen. Er gibt aber auch einen kleinen Einblick, wie die Deutschen ihre Spiele für ihre Propaganda missbrauchten.
Als die Nazis erreichen, dass das US-Team die beiden Juden aus der Staffellauf-Liste streicht, muss sich aus Owens entscheiden, wie er damit umgeht.
“Zeit für Legenden” ist ein solides, sehenswertes Porträt und Drama. Einige Rollen sind auch mit deutschen Schauspielern besetzt. Joseph Goebbels wird von Barnaby Metschurat gespielt, der deutscher Rennläufer Carl Long von David Kross.

Zeit für Legenden
D / Kanada / Frankreich 2015, Regie: Stephen Hopkins
Universum, 118 Minuten, ab 0
7/10

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Leichtathletik: World Athletic Today

Samstag, den 5. September 2015
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SA 29.08.2015 | 0.00 Uhr (So.) | Eurosport

Die Reporter von Eurosport hatten es bei der Leichtathletik-WM 2015 in Peking alles andere als einfach. Und freundlicherweise ließen sich ihre Zuschauer immer wieder daran teilhaben.

Der Regisseur des chinesichen Fernsehens CCTV war nicht gerade der beste Freund der Eurosport-Leute. Ständig bekamen wir nicht das zu sehen, was gerade wichtig war. Gab es in einem der Wettbewerbe gerade eine wichtige Entscheidung, jubelten die Zuschauer im Stadion – da sahen die Zuschauer den Einmarsch irgendwelcher Mannschaften. Nicht wirtklich relevant. Und sie hörten Kommentatoren, die kurz davor waren, auszurasten. Und schon erzählten, was die Zuschauer noch gar nicht sehen konnten und erst zwei Minuten später nachgereicht worden ist.
Der Ärger über die China-Regie entwickelte sich im Laufe der Woche zu einem Running-Gag.

Aber noch etwas hat die Eurosport-Leute verärgert: Wenn Sportler mal keine Rekorde hervorbrachten und stattdessen, nun ja, lahm waren. So richtig lahmarschig. Spektakulär langsam. Da waren Läufer plötzlich mehr als eine Minute langsamer als der Weltrekord. Oder warfen so weit, dass sie unter normalen Umstände nicht mal die Quali geschafft hätten. Bei Eurosport war man darüber not amused.
Klar, es geht bei der Leichtathletik-WM um die schnellsten Sportler und darum, doch bitte Rekorde zu brechen. Aber natürlich bitte, bitte ohne Doping, aber trotzdem am Limit. Man will ja trotzdem Spannung und so.
Irgendwie passen diese Denkweisen nicht so ganz zusammen.

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Leichtathletik-EM 2014 live

Donnerstag, den 14. August 2014
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MI 13.08.2014 | 9.10 Uhr | Eurosport

Wenn ARD/ZDF und Eurosport parallel Leichtathletik übertragen, dann fällt die Wahl auf den richtigen Sender weniger einfach, als man denken könnte. Zwar liefern ARD und ZDF bei Live-Übertragungen, wie jetzt bei der EM, mehr Hintergrundberichte und vor allem Interviews mit deutschen Sportlern. Was aber die Kommentierung des Events angeht, da ist Eurosport ganz weit vorn.

Bereits seit 1993 sind Sigi Heinrich und Dirk Thiele gemeinsam für die Leichtathletik-Übertragungen bei Eurosport zuständig. Sie sind ein eingespieltes Team, und den beiden zuzuhören, macht Spaß. Sie kommentieren, was auf dem feld gerade passiert, aber sie frotzeln sich auch mal gegenseitig an, finden aber immer rechtzeitig zurück zum Punkt, ohne dass es peinlich wird. Und sie sparen nicht mit Kritik, da, wo es angemessen ist. Sie sprechen aus, wenn sie etwas unfair oder blödsinnig finden.
Allein am Mittwoch waren die beiden zwischen 9.10 und 22.45 Uhr auf Sendung – 13 1/2 Stunden mit wenigen Unterbrechungen. Allein schon das ist eine logistische Leistung.

Kleiner Wermutstropfen: die Reklame. Dass Eurosport Werbung sendet, ist völlig in Ordnung. Wenn man aber länger dabei ist, dann nervt es sehr, dass es immer wieder dieselben Spots sind.
Wenn man dann aufs ZDF zurückschaltet, dann ist das zwar auch völlig in Ordnung, und man freut sich auch über die zusätzlichen Sportlerinterviews, aber letztlich landet man doch wieder sehr schnell bei Eurosport. Heinrich und Thiele sei Dank!

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Berlin-Marathon 2012

Montag, den 1. Oktober 2012
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SO 30.09.2012 | 8.30 Uhr | n-tv

Wenn in Berlin am letzten September-Sonntag der Marathon beginnt, dann verwandelt sich der Nachrichtensender n-tv zu einem Sportkanal. Und wer sich diese Übertragung über längere Zeit angesehen hat, der weiß auch, wer der Hauptsponsor dieses Events ist, denn bei n-tv wurde er den Zuschauern regelrecht eingetrichtert – immer und immer wieder.

BMW ist dieser Hauptsponsor. Während der Marathon-Übertragung wurde etwa alle zehn Minuten für einen Werbespot das Programm unterbrochen: BMW präsentierte im immer selben Spot seine Autos. Ob so viel Penetranz wirklich dazu beiträgt, dass man die Marke mag und sich flugs noch schnell einen Wagen zulegt? So etwas kann sich ganz schnell auch in Hass verwandeln.
Wenn doch wenigstens die n-tv-Reporter immer gewusst hätten, wann dieser Spot das Programm unterbricht. Mitten im Satz knallte der Sender die Werbung rein – Absprache mit den Kollegen vor Ort: offenbar null.

Auch Eurosport übertrug den Marathon aus Berlin live. Das Event ist in der Hauptstadt ein echtes Volksfest. Im Fernsehen war das jedoch viel zu selten zu spüren. Über sehr weite Strecken verfolgten die Kameras nur die besten männlichen und weiblichen Läufer. Das wirkte leider sehr eintönig, obwohl genau das der Berlin-Marathon nicht ist.

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Leichtathletik live: Berlin-Marathon 2011

Sonntag, den 25. September 2011
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SO 25.09.2011 | 8.45 Uhr | Eurosport

Locker-flockig und scheinbar völlig entspannt. Nach 42 Kilometern im Laufschritt scheint Patrick Makau aus Kenia immer noch Reserven zu haben.
Beim Berlin-Marathon sorgt er für echte Emotionen. Weltrekord. 2:03:38 – die bisherige Weltbestzeit wurde um 21 Sekunden unterboten.

Bei Eurosport überschlugen sich die Stimmen der Reporter am Sonntagvormittag fast. Kein Wunder: Makau verirrt sich fast auf dem Weg ins Ziel und springt über eine Begrenzung. Nach dem Zieleinlauf rennt er weiter, läuft noch mal zurück, lässt sich von en Massen feiern. Und er wirkt dabei, als habe er einen lockeren Jogginglauf hinter sich und keine 42 Kilometer.
Dass ein Tempomacher, der eigentlich nach 25 Kilometern aussteigen wollte, drei Minuten später als Zweiter im Ziel ankam, war ebenso kurios wie der Mann, der – laut der Eurosport-Kommentatoren – ein Marathon-Wettbewerb-Debüttant war und ebenfalls unter den ersten zehn war.

Makau hätte wahrscheinlich noch ewig weiterlaufen können. Wahnsinn, was die Menschen schaffen, dass es immer noch möglich ist, immer schneller zu werden. Hoffentlich ohne medikamentöse Hilfe.