RTZapper

Küsst euch! Die große Show zum CSD

Montag, den 8. Juli 2019
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SO 07.07.2019 | 21.45 Uhr | WDR

Jochen Schropp ist Britney Breakfast und steht als Dragqueen auf der Bühne. Und er tanzt und schwingt seine Hüften. Und das alles übertragen vom WDR. Das hätte sich Jochen Schropp noch vor einem Jahr vermutlich auch nicht erträumen lassen, dann hat er sich geoutet. Gut so!
Gut auch, dass sich Schwule, Lesben, Transleute, Bisexuelle so zeigen und so feiern können, wie sie sind und wie sie sich in der Öffentlichkeit zeigen wollen.

50 Jahre nach Stonewall und zum Jubiläum des Christopher Street Days gab es am Sonntagabend im WDR die Show “Küsst euch!”. Zwar konnte man sich offenbar nicht durchringen, zum 50. Jubiläum auch die ColognePride, also den Kölner CSD mal wieder live zu übertragen (im Gegensatz zum rbb nicht mal im Livestream), aber immerhin schenkte der Sender der Community diese Show.

Denn natürlich ist noch längst nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen – auch wenn es heißt, inzwischen seien alle und jedermann so tolerant, dass keiner mehr Probleme habe. Aber immer noch ist das Outing für viele ein großes Problem. Und diese Show zeigte auch, dass es vor allem die stillen Helden sind, die etwas für die Gleichberechtigung getan haben. Zu Gast war ein Paar, das damals noch festgenommen worden ist – nur weil sie schwul und zusammen waren. Jochen Schropp erzählte von seinem Outing 2018, Claudia Roth berichtete davon, wie sie einst mit Rio Reiser in einer WG lebte, Conchita darüber, wie sie Grenzen der Geschlechter sprengt.

“Küsst euch!” war eine große Party, ein großes Treffen der Community, eine unterhaltsame Show. Sie zeigte aber auch, dass der Kampf um Anerkennung einfacher geworden ist, aber auch nie wirklich ganz vorbei ist.

Hits: 141

KeineWochenShow

#131 – Wir ziehen in die Lindenstraße!

Sonntag, den 7. Juli 2019
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Bevor im März 2020 die Ära der “Lindenstraße” in Deutschland endet, haben wir der Serie in Köln-Bocklemünd einen Besuch abgestattet. Wir haben uns ein wenig in der Außenkulisse umgehen. In KeineWochenShow gibt es einen kleinen Eindruck davon.

Natürlich geht es auch diesmal wieder um Politik: Geht Uschi von der Leyen zur EU? Will in Krangen echt keiner in den Ortsbeirat? Gibt es in Liebenwalde wirklich keinen, der gegen den aktuellen Bürgermeister antreten will? Haben Parteien wirklich nichts Besseres zu tun, als so schnell wie möglich Wahlplakate aufzuhängen? Und um den Song der CDU in Brandenburg für ihren Boss geht es auch.

Natürlich darf auch DAS Thema der Woche nicht fehlen: Heidi Klum und Tom Kaulitz sind schon verheiratet! Außerdem fragen wir uns, ob ein kostenloser Nahverkehr möglich ist und schauen auf die “Fridays for Future”-Demo in Oranienburg.
Das und mehr in KeineWochenShow #131 auf Youtube.

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RTelenovela

Köln (6): Brüsseler Rummelplatz

Donnerstag, den 4. Juli 2019
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(5) -> 3.7.2019

Ich möchte nicht am Brüsseler Platz in Köln wohnen.
Es ist eine laue Sommernacht nach einem sehr heißen Tag. Wir laufen durch das Belgische Viertel und kommen zum Brüsseler Platz. Der Lärmpegel steigt schlagartig.
Hunderte Menschen stehen auf dem Platz und unterhalten sich, trinken, hören Musik. Es ist ein unglaublich lautes Stimmengewirr. Drumherum gibt es Spätis und Kneipen, wo sich noch mehr Leute aufhalten.
Es ist der blanke Wahnsinn, und ich möchte nicht wissen, wie lange dieser Lautstärkepegel anhält.
Es hießt, das Real gehöre zu den Lieblingsorten der Kölner, aber vor allem der Touristen. Und dass es dort so voll ist, zeigt auch, dass da was dran ist.
Bei mir hat dieser Ort eher ein seltsames Unbehagen ausgelöst.

Wir holten uns aus einem Kiosk ein bisschen was zu trinken und suchten uns dann auf dem Platz einen Platz zum Sitzen. Wir fanden ihn neben einem Spielplatz. Da waren ein paar Bänke frei.
Wir waren mitten im Gespräch, als plötzlich eine Gruppe junger Leute vor uns stand. Sie wiesen uns darauf hin, dass man am Spielplatz nicht sitzen und etwas trinken dürfe, schon gar keinen Alkohol. Da hinten sei schon das Ordnungsamt.
Harte Sitten, da in Köln. Aber vermutlich sind die auch unterwegs, um Falschparker aufzuschreiben (bis 1 Uhr!) und um für Ruhe zu sorgen. Letzteres dürfte ihnen nicht so leicht gelingen.

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RTelenovela

Köln (5): Pssst, bitte nicht über die Philharmonie latschen!

Mittwoch, den 3. Juli 2019
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(4) -> 2.7.2019

Als wir in Köln die Domplatte erreichen, läuten die Glocken des Doms unentwegt. Natürlich müssen wir, wenn wir schon dort sind, auch in den Dom rein. Offenbar findet ein Gottesdienst statt, aber wir sagen, dass wir dabei sein möchten. Wir setzen uns auf eine Bank, und schon geht es los.
Die Orgel spielt, ein Chor singt. Der Pfarrer und die Ministranten kommen Weihrauch schwenkend durch die Kirche zur Kanzel gelaufen.
Ohne Mikro wäre niemand zu verstehen, zumal das Domradio den Gottesdienst überträgt. Immer wieder stehen wir auf, um zu beten oder irgendeinen Segen oder Spruch in Empfang zu nehmen – oder um zu singen.
Nach etwa 20 Minuten schleichen wir uns raus.

Direkt neben dem ist die Kölner Philharmonie. Unterirdisch. Die Decke der Philharmonie ist gleichzeitig der Fußboden des Heinrich-Böll-Platzes. Blöderweise muss der seit einigen Jahren etwa 1000-mal im Jahr gesperrt werden. Wegen Tritt- und Rollgeräuschen, die unten im Saal gehört werden. Ob die Planer wenigstens eine schallende Ohrfeige bekommen haben, ist nicht bekannt. Ein paar Ordner standen auch wieder auf dem Platz, als wir drüber laufen wollten.
Wir liefen dran vorbei – auf die Hohenzollernbrücke. Die ist dafür bekannt, dass Liebespaare ihre Schlösser daran befestigen. Inzwischen aber sind da so viele Schlösser dran, dass kein Platz mehr ist. Das wirkt dann leider ziemlich albern, weil man die einzelnen Schlösser gar nicht mehr wahrnimmt. Einfach nur noch bekloppt, und hoffentlich bricht die Brücke nicht irgendwann mal ein…

Wer in eine Kneipe in Köln geht, kann gar nicht anders, als ein Kölsch zu trinken. Wenn die Kellnerin kommt, fragt sie zwar, aber wenn man was anderes will, überhört sie das und stellt einem trotzdem ein Kölsch hin. Was man dann auch trinkt, und das eigentlich auch gar nicht so schlecht schmeckt. Und noch eins nimmt. Prost!

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RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Lindenstraße

Mittwoch, den 3. Juli 2019
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SA 29.06.2019 | WDR-Produktionsgelände Bocklemünd

Ende Dezember 2019 ist Schluss. Dann wird in Köln-Bocklemünd die allerletzte Szene für die “Lindenstraße” gedreht. Im März 2020 soll sie im Ersten ausgestrahlt werden. Im 35. Jahr der Serie zieht die ARD den Stecker. Dass das ein gewaltiger Fehler ist, sei mal dahingestellt.
Bevor es aber vorbeigeht, wollte ich endlich mal hin. Ich habe jede Folge gesehen, seit Anfang an bin ich dabei. Die Serie hat mich ein Leben lang begleitet. Sonntag für Sonntag war ich in dieser Lindenstraße – aber nur am Fernseher. Aber ich wollte sie mal real sehen.
Dazu muss man sich für eine Führung anmelden – sie führt über das WDR-Produktionsgelände, die Außenkulisse der “Lindenstraße” ist ein Teil davon.

Die Illusion ist ziemlich perfekt. Wer in der Mitte der Lindenstraße steht, könnte meinen, die Straße sei wirklich echt. Auf einer Seite stehen die beiden Mehrfamilienhäuser Nummer 1 und 3. Letzteres mit freundlicher blauer Farbe, die Nummer 1 eher noch oldschool. An der Ecke steht das Arztpraxis-Gebäude, in dem oben Dr. Dressler lebt und unten Dr. Brooks praktiziert. Das Gebäude sieht schon ein bisschen abgewrackt aus – aber so ist das ja auch im wahren Leben, dass Sanierungsbedarf besteht.

Auf der anderen Seite ist der Naro-Supermarkt, der aber, wenn man durch die Scheiben sieht, nur eine Fototapete ist. Am anderen Seite ist das Akropolis, das ehrlicherweise eher nicht so einladend aussieht, weil die Kneipe gar keine offenen Fenster hat. Der Biergarten sieht erstaunlich klein aus. Die Kneipe ist eingerüstet – da scheint sich noch mal was zu tun.

In den Querstraßen vorn und hinten sind die bespielbaren Kulissen – das Café Beyer, die Bar von Murat, das ehemalige Reisebüro. Auf der anderen Seite das Bistro und der Friseur. Daneben ist das Astor-Kino, hinter der Fassade befinden sich aber in Wirklichkeit die Studios.
Denn die Straße ist ansonsten tatsächlich nur Kulisse. Wer ins Haus Nr. 3 treten will, tritt ins Nichts. Hinter den Fenstern ist nicht wirklich was.

Interessant ist die Kulisse Lindenstraße 5: Das Haus ist eingerüstet und verhüllt. Dahinter soll ein neues Hotel entstehen, über das auch in den aktuelle Folgen diskutiert wird. Im Sommer 2020 soll der Bau fertig sein. So steht es auf einem Schild. Das bedeutet, dass wir die Fertigstellung wohl nicht mehr erleben werden.
Es gibt noch mehr interessante Details: So steht vor dem Supermarkt eine Zeitungsbox. Die Zeitungen darin sind aber allesamt von 2015. Die Filmplakate am Kino sind auch schon ein bisschen älter.
Der Tomatensalat XXL kostet im Akropolis 12,30 Euro, der Hirtensalat 12,90 Euro. Nicht gerade preiswert.
Das Klingelschild an Haus Nr. 3 ist immer auf dem neuesten Stand, und ich glaube, es ist eine Herausforderung für den Postboten, wenn in drei der zehn Wohnungen Beimers wohnen.

Bespielbar ist auch der Hinterhof des Hauses Nr. 3. Dort steht jetzt eine Holzsauna. Was es damit auf sich hat, wissen wir allerdings noch nicht. Man sieht dort aber auch, dass außerhalb der Kameraperspektiven der Blick auf das Hinterhaus offenbart, dass es sich wirklich nur um eine Kulisse handelt.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich so richtig in dieser Kulisse, in dieser Straße steht. Deshalb hat mich natürlich eine Frage ganz besonders interessiert: Was passiert eigentlich 2020 mit der Außenkulisse, mit der Lindenstraße? Dazu könne sie nichts sagen, meinte die junge Frau, die uns über das WDR-Gelände führte. Sie dürfe dazu nichts sagen.
Abriss? Ohne die Lindenstraße sieht es in Bocklemünd so oder so ziemlich düster aus. Aber vielleicht kann man ja damit noch was anfangen…

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ZAPPER VOR ORT: WDR-Studios in Köln-Bocklemünd

Dienstag, den 2. Juli 2019
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SA 29.06.2019 | Köln, WDR-Produktionsgelände Bocklemünd

WDR oder DDR? Manchmal haben wir uns diese Frage gestellt, als wir am Sonnabend in Köln-Bocklemünd das Produktionsgelände des WDR besucht haben.
Wer dort eine Führung mitmachen will, muss sich anmelden.

Momentan scheint das Pförtnerhaus umgebaut zu werden. Es ist eine Baustelle. Und es wirkt wie ein Museum. Der “Schalter” scheint ein Relikt aus den 70ern zu sein. Ein uralter Monitor steht dort, fehlt nur noch ein Telefon mit Wählscheibe.
Als wir mit der Besuchergruppe auf das Gelände laufen, wundern wir uns, wie abgewirtschaftet es dort aussieht. Das Gebäude gegenüber des Eingangs wirkt wie in der DDR. Wir laufen nach links in Richtung Werkstätten. Wir stoppen an einer Arena. Unten ist eine Bühne, drumherum eine Art Treppenbereich, auf der mal Zuschauerbänke gestanden haben müssen. Bis zu den frühen 90ern wurde hier regelmäßig “Hollymünd” aufgezeichnet, eine Sonntagnachmittagshow im damaligen West 3 und späteren WDR-Fernsehen. Heute ist es ein ziemlich verwitterter Platz.

Weiter geht es in die Werkstätten. Dort werden Requisiten für die Shows in Bocklemünd, aber auch für das WDR-Haus in der Kölner Innenstadt gebaut. Am Rande stehen sogar noch Kulissen von “Geld oder Liebe” rum, das ja schon Ewigkeiten nicht mehr produziert wird. In einem Zeitschriftenständer liegen verstaubte WDR-Magazine rum, die schon einige Jahre alt sind.
In einer der Werkstätten erklärt uns ein Mitarbeiter, dass er gerade an einem neuen Fußboden für die “Aktuelle Stunde” arbeitet, die demnächst von Düsseldorf nach Köln ziehen soll.

Weiter geht es in die Außenkulisse der “Lindenstraße” – aber davon demnächst mehr.
Es ist brütend heiß. Deshalb freuen wir uns, als wir in einer der klimatisierten Hallen ankommen. Noch am Vortag ist dort der “Kölner Treff” aufgezeichnet worden. Das Studio macht was her. Die Kulissen sollen eine alte Lagerhalle suggerieren, was im Fernsehen sicherlich gut rüberkommt.
Auf dem Tisch in der Mitte liegen noch die Moderationskarten von Bettina Böttinger. Aufgezeichnet wird immer um 18 Uhr, gesendet erst um 22 Uhr – allerdings als Live-Aufzeichnung. Was bedeutet, dass im Nachhinein nichts mehr an der Sendung geändert wird. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass nach einem gravierenden Fehler nicht an der Aufzeichnung geschnitten wird…

Weiter geht’s ins Nebenstudio. Das ist noch größer. Dort werden auch die Hirschhausen-Shows aufgezeichnet. Gerade standen die Kulissen von “Für immer Kult”, einer neuen, wohl noch nicht ausgestrahlten WDR-Show. Lauter alter Kultkram stand im Hintergrund rum, und alle wollten mal am Ratepult Platz nehmen.
Warum das Studio offenbar permanent so kühl gehalten wird, wollte jemand wissen. Eine Antwort gab es nicht, aber man wolle mal nachfragen, hieß es.

Alles andere als kühl war es dafür im Studio von “Tiere suchen ein Zuhause”. Da roch es ein wenig nach Zirkus, und man kann nur hoffen, dass dort nicht so eine Demse herrscht, wenn aufgezeichnet wird.

Auf dem Weg zurück kommen wir noch am Gebäude des ARD/ZDF-Beitragsservice vorbei. Da werden also unsere Gebühren hingebracht. In eine vernünftige Architektur ist es jedenfalls nicht geflossen.
Es ist immer wieder spannend, zu sehen, wie es im Hintergrund der Fernsehwelt aussieht. Die Studios sind interessant und wirken modern. Aber alles in allem macht das Gelände in Bocklemünd einen erschreckend ramschigen Eindruck.

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RTelenovela

Köln (4): Hohenzollernring

Dienstag, den 2. Juli 2019
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(3) -> 20.3.2013

Der letzte Freitagabend im Juni. Köln ist voller feiernder Jugendlicher – vermutlich feiern die alle ihr hoffentlich gutes Abi. Der Hohenzollernring ist zur Partymeile geworden. Vor einem der Club stehen sie und warten. Irgendwer meint gerade, er müsse schnell noch was auf Insta posten. Sie alle haben sich schick gemacht, und plötzlich fühle ich mich ziemlich alt.
Ich suche unterdessen die Location, in der vor fast 25 Jahren “Die Harald Schmidt Show” aufgezeichnet worden ist. Bevor er nach Mülheim gezogen war, wurde die Show in einem ehemaligen Kino am Hohenzollernring aufgezeichnet. Wir finden es nicht, und erst später finde ich das “Capitol” im Internet, das heute nicht mehr wiederzuerkennen ist.

Wenn man am Vormittag über den Hohenzollernring spaziert, dann zeigt sich ein ganz anderes Bild, und das ist ziemlich erschreckend. Viele scheinbar Obdachlose laufen die Wege entlang. Auch Kranke, Humpelnde. Eine blasse Frau schiebt mit gebücktem Rücken ihren Koffer den Weg entlang. Es wirkt fast wie eine Zombie-Apokalypse im Film. Das mag gehässig sein, aber dieser Gedanke kommt einem tatsächlich.

Eigentlich wollen wir im Kamps-Bäcker frühstücken, aber es gibt beim besten Willen nichts, was ich irgendwie ansprechend finde. Alles, was in der Auslage liegt, sieht seltsam künstlich aus. Ich kaufe ein trockenes Brötchen, und das ist nichts anderes als pappig.
Beim späteren Bummel entdecken wir eine bessere Frühstückslocation – für den nächsten Tag.

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