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Silvesterfeuerwerk am Kölner Dom

Mittwoch, den 4. Januar 2017
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SA 31.12.2016 | 23.50 Uhr | WDR

Silvester 2015 im WDR: Während vor dem Kölner Hauptbahnhof und Nahe des Doms der Mob tobte, übertrug man live aus der Kölner City, das ach so schöne Neujahrsfest. Was wirklich da los war, hatte irgendwie kaum einer mitbekommen.
Silvester 2016 im WDR: Irgendwie war allen nicht so richtig nach Feiern zumute. Zwar hieß die Sendung, die zehn Minuten vor Mitternacht begann, “Silvesterfeuerwerk am Kölner Dom”, aber darum ging es eigentlich nicht wirklich.

Stattdessen quasi eine Live-Sondersendung zur Lage am Hauptbahnhof. Darüber, wie nun Hundertschaften der Polizei vor Ort waren. Darüber, ob denn schon Straftaten passiert sind. Welche Gegenaktionen geplant waren. Wie sich die Leute ein Jahr nach den Vorfällen fühlen.
Das hatte so gar nichts von “Happy new Year”.
Aber der WDR konnte in diesem Jahr gar nicht anders, als das Feiern hintenan zu stellen, auch wenn das eventuell die eine oder andere Silvesterparty zu Hause stimmungstechnisch gedrückt haben könnte.

Seltsam aber auch: Es wird ein Silvesterfeuerwerk angekündigt, dann kommt aber keins. Stattdessen zeigen die Kameras nach 0 Uhr einfach die vielen kleinen Feuerwerke, die sowieso in der Kölner City gezündet werden. Imposant ist was anderes.
Ebenfalls seltsam: Um 23.59.45 Uhr blendete der WDR die Uhr aus – der Zehn-Sekunden-Countdown ließ danach aber länger als fünf Sekunden auf sich warten. Nämlich 14 Sekunden. Da hat wohl irgendjemand die Uhr nicht richtig gestellt gehabt?

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Das war 2016!

Samstag, den 31. Dezember 2016
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Was war das für 1 Jahr???!!!!11!!
Die Welt wird immer verrückter. Nein, eigentlich sind es die Menschen, die immer irrer werden. Die sich gegenseitig anstacheln, die nur noch ihre eigenen Wahrheiten akzeptieren, alles andere als Lüge abtun. Die immer und überall Verschwörungen wittern und nicht mal mehr offiziellen Mitteilungen der Polizei glauben.
Stattdessen wird immer mehr als gefühlte Wahrheiten gesetzt. Was ich fühle, wie ich etwas empfinde, ist auch ein Fakt. Wir leben im postfaktischen Zeitalter, und das ist auch das Wort des Jahres. Eigentlich ja eher das Unwort.

RT Deutsch zum Beispiel. Das russische Auslandsfernsehen sei reine Propaganda, sagen die einen. Das sei alles die Wahrheit, und nur dort gebe es sie, sagen die anderen. Als in Berlin angeblich ein Asylbewerber eine junge Russlanddeutsche entführt und vergewaltigt, kocht die Volksseele, angestachelt auch durch Berichte von RT Deutsch. Dass das Mädchen die Schule geschwänzt und der Mann ihr Freund war – irgendwann hat es schlicht keinen der Demonstrierenden mehr interessiert.
Es sind nämlich nicht nur von Gefühlen geprägte Kommentare, die verbreitet werden – sondern auch Fakenews, Nachrichten, die schlicht ausgedacht, die eine Lüge sind. Da werden Politiker Worte in den Mund gelegt, die sie nie gesagt haben. Oder Gerüchte über angebliche Taten von Ausländern gegenüber Deutschen, die so nie stattfanden.
So haben EU-Gegner den Brexit in Großbritannien erreicht, dass die Wähler für den Austritt des Königreiches aus der EU stimmen, hatten wenige für möglich gehalten. So hat es Donald Trump in den USA geschafft, Präsident zu werden. Gefühle statt Fakten. Irgendwelche Zahlen statt echtem Inhalt.
Oder eben irgendwas daher gelabert. So macht das Mario Barth. In New York sendete er live auf Facebook und wunderte sich, dass zwar über Anti-Trump-Demo berichtet werde, er aber keine sehe. Dass es am Tage war und die Straße, an der er stand, gesperrt – na ja, das hat Mario ja nicht wissen können.
Facebook, Twitter und Co. werden aufgefordert, etwas gegen die Verbreitung solcher Fakenews zu unternehmen. Darüber wird 2017 noch zu reden sein.

Ganz unschuldig sind die Medien aber nicht, dass man ihnen nicht glaubt. Als in der Neujahrsnacht rund um den Kölner Hauptbahnhof hunderte Männer Frauen begrapschen und Passanten berauben, dauerte es Tage, bis umfassend berichtet worden ist. Der WDR sendete um Mitternacht sogar live aus der Domregion – da hat man das offenbar nicht mitbekommen. Beim ZDF war selbst am 4. Januar, als alle anderen endlich berichteten, noch nichts dazu zu sehen. Man bat um Verzeihung. Im Laufe des Jahres ist dann aber recherchiert worden: Dass es sich vorwiegend um Täter aus Nordafrika handelt. Dass die Polizei haarsträubend unterbesetzt war, dass Fehlentscheidungen getroffen und in einer ersten Pressemitteilung beschönigt worden ist.

Es war kein schönes Jahr. Terror, Unglücke, Todesfälle.
Und immer startet die Breaking-News-Maschine. Ein Zwischenfall in Berlin? Da darf gern mal schwadroniert und vermutet werden – immer mit der Betonung, man wolle nichts vermuten. Amoklauf in München? Da zeigt man bei RTL schon mal, wie Leichen abtransportiert werden und live hinter dem Reporter, wie Polizisten mit Waffen auf Passanten zielen. Auch der Teilzeitnachrichtensender N24 ist da ganz weit vorn mit bei.
Und immer wieder der Vorwurf an ARD und ZDF, es werde in solchen Fällen zu spät reagiert. Nach dem Zugunglück in Bayern ging der BR erst nach Stunden auf Sendung, nach dem Berliner Zwischenfall das ZDF erst nach fast zwei Stunden.

Und dann immer wieder die Empörungswellen, die durch Deutschland rollen.
Letzter Platz beim Eurovision Song Contest? Empörung! Keiner hat uns lieb! Alles Fake! Und überhaupt! Dass unser Song mies war, zieht keiner in Betracht – obwohl er in den deutschen Charts auch unterbelichtet war. Na ja, diese Fakten halt.
Die Sache mit dem Nachbarn Boateng. AfD-Mann Alexander Gauland habe gesagt, keiner wolle, dass Boateng sein Nachbar sei. Mag er so gesagt haben, er meinte aber wohl eher, dass viele Deutsche erst mal schlucken würden, wenn ein Dunkelhäutiger nebenan einziehen würde. Dennoch: Empörung! Aber eher eine geheuchelte, weil nicht weiter nachgedacht, sondern nur auf einen Satz Bezug genommen wurde, aber nicht auf den Kontext.
Fußball-Bundestrainer Jogi Löw kratzt sich während eines EM-Spiels an den Eiern und riecht dann an seiner Hand. Groooße Aufregung! Viele Berichte und Artikel, als ob wir keine anderen Sorgen haben.
Diskuswerfer Christoph Harting gewinnt Gold bei Olympia und erdreistet sich, bei der Hymne nicht ernsthaft zu sein. Empörung! Wie kann er nur so respektlos sein!! Meine Güte.
Und so weiter.

Da geht es schon mal fast unter, wenn Journalisten etwas enthüllen – die Panamapapers. Es ging um Briefkastenfirmen in Panama und um Geldwäsche von Unternehmen und Promis. Da wird ein großes Ding aufgedeckt, es ist das, was die Menschen fordern: diese Art des Enthüllungsjournalismus. Zwei Abende lang ist das ein Thema, dann verpufft es schon wieder. Empörung? Hält sich in Grenzen.
Oder wenn Jan Böhmermann in seiner zdf_neo-Show “Neo Magazin Royale” aufdeckt, wie die Leute in der RTL-Dokusoap “Schwiegertochter gesucht” arbeiten, wie sie die Teilnehmer und Zuschauer veralbern. Kurze Aufregung und gleich wieder verpufft. Quasi ohne Folgen.

Apropos Böhmermann: Nach einer “extra 3″-Satire über den türkischen Ministerpräsidenten Erdogan legte er in seiner Show noch einen drauf. Er wolle mal zeigen, was denn ein Schmähgedicht sei und wie es klingen müsse: und trug eines vor. Und wieder: groooooße Aufregung. Das ZDF löschte vorsichtshalber die Passage aus der Mediathek, in der Wiederholung lief die Show verkürzt. Erdogan forderte eine Strafe, die Bundesregierung gab den Fall zur Ermittlung frei. Böhmermann zog sich einige Wochen zurück. Am Ende siegte dennoch die Satirefreiheit. Zumal viele Kritiker schlicht den Kontext des Gedichtes ausblendeten. Dass Böhmermann Aufsehen erregen wird, ahnte er wohl, dass das Aufsehen so groß wird – inklusive Berichte in “Tagesschau” und Co., das ahnte er sicher nicht.

Aber zwischendurch waren die Deutschen sowieso mit, ähm, wichtigeren Dingen beschäftigt: dass sich Sarah und Pietro getrennt haben. Weshalb RTL II das auch ordentlich ausschlachtete. Dass Babette von Kienlin (Einstmann) zum zweiten Mal in ihrer ZDF-”Drehscheibe” zusammengebrochen ist. Dass irgendwo irgendwelche Horrorclowns aufgetreten sind.
Oder dass sich Til Schweiger unfassbar toll findet. Sein Nick Tschiller im “Tatort” sei der beste Krimi, der je im Fernsehen lief, und jeder Kritiker habe keine Ahnung, so schrieb er auf Facebook. Von Fernsehgeschichte war da die Rede. Nun ja.

Einer hat keine Lust mehr auf den Zirkus: Im Herbst hing Tobias Schlegl seinen Fernsehjob an den Nagel – um sich zum Notfallsanitäter umschulen zu lassen.
Auch Jürgen Domian will nicht mehr – jedenfalls nicht Nacht für Nacht im 1LIVE-Studio sitzen. Nach 22 Jahren endet seine Call-in-Show “Domian”. Sie wird schwerstens vermisst.

Viele werden am Ende des Jahres vermisst. Sehr viele Promis – sehr viele Musiker sind 2016 gestorben.
George Michael ist tot, ebenso Prince und David Bowie. Leonard Cohen und Roger Cicero. Achim Mentzel und Ekki Göpelt. Außerdem “Trio”-Schlagzeuger Peter Behrens und Manfred Durban von den Flippers. Der Publizist Roger Willemsen, die Politiker Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher, Lothar Späth, Peter Hintze, Jutta Limbach, Hildegard Hamm-Brücher, Henning Voscherau und Walter Scheel. In Kuba Fidel Castro. Der Produzent Wolfgang Rademann. Die Schauspieler Götz George, Manfred Krug, Uwe Friedrichsen, Alan Rickman, Bud Spencer, Maja Maranow, Gisela May, Hans Korte, Hilmar Thate, Karl-Heinz von Hassel und Peter Lustig. Die Moderatorinnen Erika Berger und Miriam Pielhau, die Journalisten Günter-Peter Ploog und Jana Thiel, Tamme Hanken, Schriftsteller Umberto Eco, Synchronsprecher Arne Elsholtz, Comiczeichner Lothar Draeger, DDR-Regimefrau Morgot Honecker und der Boxer Muhammad Ali.

Drei Fernsehsender haben sich auch verabschiedet: Der Social-Media-Sender joiz ist erst verkauft worden, dann ging er in Insolvenz, das Studio ließ der Besitzer schon mal ausräumen – ein Musiksender sollte daraus werden. Am Ende zog man den Stecker. einsplus und zdf.kultur gibt es auch nicht mehr. Dafür aber das ARD/ZDF-Jugendangebot Funk – allerdings nur im Internet.
Und was ist mit Servus TV? Erst ließ Besitzer und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz verkünden, er mache den Sender zum Jahresende dicht. Zu Hohe Kosten. Und von der Gründung eines Betriebsrates war die Rede. Nur einen Tag später hieß es: Es geht doch weiter. Und dann: Servus TV beendet die Ausstrahlung in Deutschland. Und dann: doch nicht, alles geht weiter. Ein Hü und Hott.

Was war sonst so?
Der Deutsche Fernsehpreis ist nun eine rumpelige Gala in den Düsseldorfer Rheinterrassen. Eine öde Party.
Harald Schmidt ist auch noch da – in grausamen Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen – und auf dem Traumschiff.
Weibliche Fußball-Kommentatorinnen wollen einige deutsche Männer nicht haben: Als Claudia Neumann im ZDF ein Herren-EM-Spiel kommentiert, wird im Internet fies gepöbelt. Wo doch angeblich nur Asylbewerber nicht gut mit ihren Frauen umgehen. Wobei, sorry, im Fußball gelten natürlich andere Regeln.
RTL hat einen neuen Ableger: RTLplus. Noch mehr Sendeflächen für Gerichtsshow-Resterampen.
Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis teilen ihr Leben mit den RTL-II-Zuschauern: Hochzeit und Heiligabend live. Puh.
Auch puh, aber anders: Als Jörg Draeger, Frederic Meißner, Björn-Hergen Schmipf und Harry Wijnvoord den Jakobsweg liefen, entstand daraus die 12-teilige Dokureihe “OGOT” bei Tele 5. Slow-TV vom feinsten. Ein kleines TV-Highlight.
Sehr sehenswert war auch “Terror – Ihr Urteil”. Der Film bestand nur aus einer Gerichtsverhandlung um den Abschluss eines Flugzeuges, das von Terroristen entführt worden ist, und am Ende konnte das Fernsehvolk abstimmen. Ein spannendes Experiment, und immerhin ist das auch einen Tag diskutiert worden.
Olympia in Rio. Das letzte Mal bei ARD und ZDF – nun übernimmt Eurosport.
Als an einem Sonntag morgens um kurz vor halb 7 im ZDF der Horrorfilm “Halloween – Nacht des Grauens” statt Kinderfernsehen läuft, fragen ein paar Leute via Twitter mal nach. Erst da fällt den ZDF-Leuten was auf. Ups.

Da ist man schon mal aufgeregt. Und bei all dem Neuen blickt sowieso keiner mehr durch. Deshalb kommen nun auch viele Sendungen von damals wieder. Für die guten Gefühle. Oder so. Das “Glücksrad” ist wieder da. “Herzblatt”, das “Familien-Duell”, “Jeopardy!”, “Ruck Zuck”, “Akte X”, “Der heiße Stuhl” und – da haben wir ja wirklich drauf gewartet: “Tutti Frutti”.
Mal sehen, wer oder was 2017 alles zurückkommt. Und ob wir uns alle ein bisschen abregen. So ganz allgemein.
Guten Rutsch.

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Sessionseröffnung Kölner Karneval 2016/17

Samstag, den 12. November 2016
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FR 11.11.2016 | 10.30 Uhr | WDR

Originell sind sie ja, die Kölner.
„Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck!”, so heißt das Motto des 2016/17-er Karnevals. “Wenn wir unsere Kinder sehen, sind wir von den Socken”, heißt das übersetzt.
Und deshalb durften diesmal auch die Kinder die neue Session einleiten und am Freitagvormittag den Countdown runterzählen. Der WDR übertrug live.

Allerdings: Es war 11.09 Uhr.
Nun macht man schon so ein Gewese um den Karneval und um die Marke 11.11 Uhr, und dann geht’s in Kölle schon 11.09 Uhr los. Die Jecken erschleichen sich zwei Minuten mehr, wie dann die WDR-Moderatoren um 11.11 Uhr belustigt anmerkten.

Warum bekommen die Leute auf dem Heumarkt es eigentlich bis heute nicht hin – gern auch mit Hilfe des übertragenen WDR – einen vernünftigen 11.11-Uhr-Countdown auf die Beine zustellen?
Oder ist das die 11.09-Uhr-Verschwörung der Jecken im Jahr 2016?

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Der große Demokrator

Donnerstag, den 14. April 2016
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MI 13.04.2016 | 23.25 Uhr | WDR

In immer mehr Orten gibt es einen Bürgerhaushalt. Die Bewohner einer Stadt bekommen einen bestimmten Geldbetrag und können darüber abstimmen, in welche Projekte investiert werden soll.
Rami Hamze versucht in Köln ein Experiment: Mit 10.000 Euro aus Spendengeldern sollen die Bürger des Stadtteils Kalk entscheiden, was damit passieren soll. Es beginnt ein langer Diskussions- und Abstimmungsprozess.

Davon handelt die Doku „Der große Demokrator“, die am Mittwochabend im WDR lief. Der Film erzählt von einem außergewöhnlichen
Projekt, dem viele Menschen erst mal skeptisch gegenüberstehen.
Der Film selbst ist nicht uninteressant, aber leider für dieses Thema entschieden zu lang. Ewig Diskussionen, irgendwie dreht sich alles im Kreis. Zermürbend. Allerdings auch zermürbend wie das Projekt an sich. Aber ein kompakteres 45-Minuten-Dokuformat hätte da wahrscheinlich voll ausgereicht. Eine Doku in Spielfilmlänge ist nicht immer ein Vorteil.

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Seit 50 Jahren am Herd

Samstag, den 26. März 2016
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Es war und ist sein Traumberuf – der Kremmener Norbert Stolley hat 1966 seine Kochlehre begonnen

MAZ Oberhavel, 26.3.2016

Kremmen.
Die Kochhose wollte einfach nicht über die Jeans passen – und die Kochjacke nicht übers Hemd. Also Jeans aus, Hemd aus, und die Kochsachen angezogen.
Norbert Stolley war gerade mal 14 und ziemlich schüchtern. Es war sein erster Tag seiner Ausbildung im Kölner „Weinhaus Hugo Wolff“. Er wollte seinen Traumberuf lernen: Koch! Das war am 1. April 1966 – vor genau 50 Jahren. So lange steht Norbert Stolley nun schon professionell am Herd. Seit einigen Jahren im „Coldehörn“ im Kremmener Scheunenviertel.

Privat kocht er sogar noch länger. „Ich wusste schon mit sieben Jahren, dass ich Koch werden will“, sagt der 64-Jährige. Schon als Kind kochte er Pudding und Milchreis, briet er Spiegeleier und Bratkartoffeln. Zwischen dachte er zwar daran, Konditor, Dekorateur oder Tankwart („Meine Mutter meinte: Bist du wahnsinnig?“) zu werden, er blieb dann aber dabei: Koch.
Das Weinhaus war eine gute Adresse, „alles wurde dort per Hand hergestellt, es gab keine Konserven oder Tiefgefrorenes“, erinnert sich Norbert Stolley. Lehrlinge sind schlecht bezahlt worden. Dafür gab es aber sogar auch mal Schläge, wenn der Lehrling Fehler gemacht hatte: „Das war damals so. Mein Vater war sogar einmal bei meinem Chef, der aber bestand auf Zucht und Ordnung.“ Damals schon zweifelhaft und heute sowieso undenkbar

Er arbeitete nach der Lehre in einem Kölner Hotel sowie in Wertheim am Main. „Mit den Bayern kam ich damals aber nicht klar, anders als heute.“ Mit knapp 18 ging er nach Hamburg, heuerte als Matrose an, kochte auf dem Schiff, zehn Jahre war er auf See. „Das war das, was ich wollte.“ In Wilhelmshaven fing er danach als Koch im „Coldehörn“ an, übernahm das Geschäft wenig später. „So richtig zufrieden war ich dann aber doch nicht.“ Nach weiteren Stationen als Küchendirektor wurde er Küchenchef im bekannten Mövenpick-Café Kröpcke in Hannover. Nach dem Mauerfall wechselte er ins Europacenter in Berlin. „Das war damals ein Chaosbetrieb, die Mauer war offen, die Leute kamen. 350 Mitarbeiter im 23-Stunden-Betrieb.“
Dann ging es weiter in die dortige Schulungsabteilung. In diesem Business machte er sich später selbstständig. Er beriet unter anderem das Cliff-Hotel in Sellin auf Rügen sowie Hotels in Berlin – und hatte dann eine Eingebung: Obstsalat!

In einer kleinen Küche auf dem Berliner Großmarkt produzierten er und seine bis zu 70 Mitarbeiter 1,5 Tonnen Obstsalat täglich – die Lieferungen gingen in Hotels nach ganz Deutschland, Österreich, Schweiz und in die Benelux-Länder. Bis zum 11. September 2001. Danach blieben in den Hotels die Manager aus – es musste gespart werden. Die Obstsalatproduktion rentierte sich nicht mehr.
Mit seiner Frau Charlotte konzentrierte er sich nun wieder auf die Gastronomie. In Eichstädt eröffnete er das „Coldehörn Steak und Fisch“, unter Bikern war das Lokal sehr angesagt, sogar Peter Maffay und Wolfgang Fiereck kamen dafür in das Dorf.
Dennoch zog es die beiden eigentlich gen Norden – sie wollten sich was Neues aufbauen, landeten aber letztlich im Kremmener Scheunenviertel. Auch dieses Geschäft benannten sie nach dem Lokal, das Stolley einst in Wilhelmshaven gehörte: „Coldehörn“ – mit dem Zusatz „Wein und Käse“. „Der Name bedeutet: kalte Ecke. Viele Gäste fragen danach, und so kommt man mit ihnen ins Gespräch.“

In Kremmen steht er wieder jeden Tag am Herd, auch an den beiden Tagen, in denen das Restaurant nicht geöffnet ist. Die kleine Karte im Lokal ändert sich von Tag zu Tag. „Frisches Fleisch, frischer Fisch, der Gast honoriert das.“ Er selbst isst „unwahrscheinlich gerne Brot, dazu Schinken oder Käse.“ Oder Steak, „ein schönes Stück Fleisch, aber nicht zu häufig. Auch mal gern Fisch.“
Am Mittag geht es los. „Jeden Tag wird der Kühlschrank aufgeräumt.“ Die Vorräte werden überprüft und in neue Schalen gelegt. Stolley portioniert das Fleisch und den Fisch.

Für den kommenden Freitag, dem großen Jubiläumstag, hat er sich ein paar Gäste eingeladen. Das Menü hat er am 23. März 1969 schon mal zubereitet – es war Bestandteil seiner damaligen Prüfung. Es gibt Matjesfilet, Kraftbrühe mit Pfannkuchenstreifen, Poularde Pompadour und Reis Trauttmansdorff, also Milchreis mit Früchten.

In diesem Jahr wird Norbert Stolley 65, im Dezember bekommt er die erste Rente – wie es weiter geht, weiß er noch nicht. „Wir arbeiten ganz stark an unserer Gesundheit“, sagt er. Davon ist momentan viel abhängig. Auf jeden Fall möchte er weiterhin „für die Kollegen was machen“, sie in Sachen Kochen und Kücheneinrichtungen beraten.

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ZDF spezial: Gewalt gegen Frauen – Was geschah in der Silvesternacht?

Donnerstag, den 7. Januar 2016
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DI 05.01.2016 | 19.20 Uhr | ZDF

Es passieren schon merkwürdige Dinge im deutschen Fernsehen im noch jungen 2016. Da überträgt Silvester um Mitternacht der WDR live aus Köln, ist sogar mit einer Kamera auf der Domplatte vertreten, mit Schwenk in Richtung Hauptbahnhof. Aber keiner hat dort mitbekommen, dass sich zu diesem Zeitpunkt Dinge abspielten, über die nun zu reden sein wird?
Vier Tage danach kommen die Ungeheuerlichkeiten nach und nach ans Licht, und das ZDF bringt in der “heute”-Sendung immer noch nichts darüber?
Irgendwas läuft da falsch.

Hunderte wohl nordafrikanisch aussehende Männer (so die offizielle Aussage) hatten sich Silvester vor dem Kölner Hauptbahnhof versammelt und wahllos Blitzknaller und Raketen gezündet. Nach Mitternacht sollen dann hunderte Frauen von einigen der Männer – oder auch Gruppen heraus – sexuell belästigt und bestohlen worden sein. Bis Mittwoch gingen etwa 100 Anzeigen ein.
In diesem Ausmaß ist es eine Ungeheuerlichkeit, die da passiert ist. Und es ist ganz klar, dass diese Dinge aufgeklärt werden und die Männer bestraft werden müssen.

Es dauerte ungeheuerliche vier Tage, bis die bundesweiten Medien den Fall aufgriffen. Wer hat da versagt?
War es die Polizei, die die Ereignisse in der ersten Zusammenfassung zu Neujahr erstaunlich harmlos dargestellt hat? Ist es der Umstand, dass die Ungeuerlichkeit der Ereignisse erst nach und nach wirklich ans Licht kommt? Dass das, was dort passiert ist, vermutlich von außen erst mal kaum ersichtlich war?

Andererseits: Lokale Medien haben wohl schon früher berichtet, und auch in den sozialen Medien ist diskutiert worden. Die bundesweiten Medien sprangen trotzdem nicht drauf an.
Warum? Aus Angst, es könne sich im Netz nur um eine aufgebauschte Sache handeln? Weil man runterspielen wollte, dass Ausländer (vielleicht Asylbewerber, das weiß man ja noch nicht) beteiligt waren und man in kein Wespennest stechen wollte?
Immerhin läuft der Meinungskampf im Social Web nun auf Hochtouren. Vor allem die rechten Kräfte schöpfen aus Köln neue Kraft, es wird gehetzt und gemutmaßt, und viele steigen darauf ein.

Wenn das ZDF also am Dienstagabend – fünf Tage danach – ein “ZDF spezial” sendet, dann ist das rein thematisch zwar sehr berechtigt. Aber definitiv zu spät, wenn man das Ganze einen Tag davor noch ignoriert hat.
Im Fall des Kölner Massenmobbings haben jedenfalls einige versagt – die Polizei, und die Medien auch. Ganz vorn das ZDF.

RTelenovela

Köln (3): Berliner kaufen Berliner, nennen sie aber Pfannkuchen

Mittwoch, den 20. März 2013
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(2) -> 6.5.2012

In Köln muss am Wochenende eine Werbeaktion für Berliner stattgefunden haben. Dabei geht es aber nicht um die Bewohner der Hauptstadt, sondern um das, was die Berliner selbst als Pfannkuchen bezeichnen. Eine Bäckereikette verschleuderte das Gebäck – zwei Stück für 1 Euro. Das ist in der Tat nicht so teuer, und weil man wohl damit rechnete, dass die Einkaufsmeilenspaziergänger darauf abfahren, stapelte man Unmengen von Pfa…, äh, Berliner in eine Auslage. Das sah durchaus imposant aus, wenn um die 100 solcher Dinger vor dem Bäckerladen rumliegen. Und da vor drei oder vier solcher Läden, die uns im Laufe des Nachmittags begegneten.

Einer meiner Freunde – ein (zugezogener) Berliner – schlug zu und kaufte sich zwei solcher Berliner. Und als wir die Innenstadt verließen, war der Stapel gegenüber dem WDR-Gebäude auch schon sehr viel kleiner geworden. Die Berliner waren dann wohl in aller Munde…