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Reeperbahn in Zeiten des Coronavirus

Dienstag, den 8. März 2022
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Gehen sie langsam zu Ende, die Zeiten des Coronavirus? Und das nicht nur, weil wir momentan ganz andere Sorgen haben, sondern auch weil die aktuelle Virusvariante zwar ansteckender ist und quasi nach und nach zur Durchseuchung der Bevölkerung führt, aber eben seltener zu Intensivstation-Aufenthalten führt – gerade wenn man geimpft ist.
Dementsprechend sind die Zahlen zwar extrem hoch – dennoch werden die Maßnahmen mehr und mehr zurückgenommen.

Sonnabendabend, Hamburg, Reeperbahn. Fast merkt man gar nicht mehr, dass es da so was wie einen Coronavirus mit Einschränkungen gibt. Fast, wie gesagt.
Wer in ein Restaurant oder in einen Club will, muss eine Maske tragen. Außerdem muss man seinen Impf-Nachweis oder den Test vorzeigen.
Und deshalb gibt es auf der Reeperbahn wirklich angesagten heißen Scheiß: die Corona-Teststationen. Am frühen Abend bilden sich dort lange Schlangen, und es gibt allein auf dieser Meile gleich mehrere dieser Stationen.

In “Schmidts Tivoli” sehen wir das Reeperbann-Musical “Heiße Ecke”, ich nach 2016 schon das zweite Mal. Wer rein will, muss auch hier alles nachweisen, was nachzuweisen ist. Drinnen müssen permanent Masken getragen werden, dafür wird aber der Saal wieder komplett gefüllt. Etwas, woran man sich erst mal wieder gewöhnen muss.

Am späten Abend ist die Reeperbahn sehr gut gefüllt. Das Partyvolk ist zurück. Vor einigen der Club bilden sich ewig lange Schlangen. Was auch hier damit zu tun hat, dass jeder überprüft wird – und vermutlich gibt es dort noch Obergrenzen. Vor jedem Geschäft – auch vor Burger King und Co – steht nun Security, die die Reinkommenden kontrollieren.
Ansonsten aber wirkt St. Pauli wie vor der Coronakrise. Auf der Großen Freiheit herrscht Gedränge, und auch im Gedränge hat niemand mehr Masken auf, weil es draußen eigentlich nicht mehr nötig ist. Wobei: Bei dichtem Gedränge eigentlich schon, oder?

Die Polizeipräsenz ist sehr hoch, mehrere Teams sind zu Fuß auf der Reeperbahn und in den Seitenstraßen unterwegs. Vor dem KFC sprechen Polizisten eine junge Frau an, die den Gehweg vor dem Eingang vollkotzt.
Was es scheinbar weniger gibt: Die Anheizer vor den Clubs, die die Leute ansprechen und reinlocken wollen, und auch Prostituierte sind scheinbar weniger unterwegs als früher, wo man ja quasi in jeder Straßenecke angequatscht worden ist.

In anderthalb Wochen fallen auch die letzten größeren Coronaregeln – dann ist nur nur die Maskenpflicht in Innenräumen übrig. Und vielleicht haben wir ja Glück, und das Ende der Zeiten des Coronavirus ist wirklich nah.

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Alkoholschluss in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 2. September 2021
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In Hamburg sind ist die Corona-Inzidenz relativ hoch, und das ist auch der Grund, warum nach 23 Uhr in der Hansestadt kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. So was wie eine Sperrstunde.

Es ist etwa 21.30 Uhr, als wir auf der Reeperbahn in St. Pauli ankommen. Einige von uns gehen in einen Laden, um Getränke zu kaufen, doch schon ab 20 Uhr ist der Außer-Haus-Verkauf von Alkohol verboten. Alles nicht so einfach.
Schnellen Schrittes laufen wir über die Reeperbahn, vorbei an den Clubs, Sexshops und Kneipen. Überall ist um 23 Uhr Schluss – zumindest mit dem Alkoholausschank. Viele der Läden schließen dann auch. Vermutlich weil es sich für die Kneipen dann nicht mehr lohnt.
Wir kommen schließlich am “Zwick” an und haben dann noch etwas mehr als eine Stunde, um diverse Getränke zu bestellen. Kurz vor 23 Uhr wird dann die letzte Runde ausgerufen, man kann noch bestellen und austrinken – aber der Kneipenbetrieb endet rund um 23 Uhr. Als wir kurz vor Mitternacht gehen, hat sich die Kneipe auch geleert.

Einen Tag danach ändert sich die Situation, denn dann haben in Hamburg die Clubs die Möglichkeit die 2G-Regel durchzusetzen – nur Geimpfte und Genesene kommen rein, und dann gelten auch die Regeln nicht mehr. Wobei das Alkoholverbot davon wohl nicht betroffen ist.
Das merken wir auch in der Hotelbar. Selbst die schließt um 23 Uhr. Man darf nach 23 Uhr mit den gekauften Getränken nicht mal sitzen bleiben. Was nun wirklich albern ist. Die Regeln sind die Regeln…

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Ein Schall wie eine Tonstörung

Mittwoch, den 1. September 2021
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Das Hotel an der Hamburger Fleetinsel ist noch ziemlich neu, und eigentlich waren unsere Zimmer richtig großartig. Mein Bett war mit Blick zur Fensterfront, und wenn ich rausschaute, dann blickte ich auf den Michel. Ich konnte aber auch auf den relativ großzügigen Balkon gehen, und dort hatte ich einen Blick auf die Elbphilharmonie, und ganz hinten links konnte ich sogar sehen, wenn die großen Pötte durch den Hafen fuhren. Direkt unter mir war einer der kleinen Flüsse, die zum Hafen führen. Einfach herrlich.
Nur mit der Akustik im Zimmer stimmte was nicht. Wenn ich was sagte, dann entstand ein merkwürdiges Echo – man könnte es auch einen Sound nennen. Als ob man übers Internet telefoniert, und die Leitung schlecht ist und mies-digital klingt. Ich klatschte einmal in die Hände, und auch das klang ziemlich fies. Vermutlich muss da noch was an den Wänden gemacht werden – bei der Abreise sagte ich vorsichtshalber Bescheid. Fürs nächste Mal. Oder so.

Ansonsten lohnt ein Besuch von Hamburg ja immer. Bei schönstem Wetter spazierten wir am Hafen entlang. Wer ins Restaurant wollte, musste draußen auch nur die Luca-App bedienen – und zwar alle, die am Tisch sitzen, wie uns der Kellner klarmachte.
Wir liefen weiter über den Fischmarkt, der am Freitagabend natürlich noch leer ist. Auf der anderen Seite des Marktes kommt man irgendwann zum “Schellfischposten”, der Kneipe, in der “Inas Nacht” aufgezeichnet wird – und an einer Tafel standen schon die nächsten drei Aufzeichnungstermine, jetzt, Anfang September. Komischerweise hatte ich Inas Kneipe kleiner in Erinnerung. Sie hat die drei Tische, die man auch in der Show sieht, aber im Raum steht ein vierter, der bei den Aufzeichnungen weggeräumt wird, und am Tresen ist auch Platz – außerdem da, wo immer die Interviews stattfinden. Wir bekamen den Tisch zum Ausgang hin. Nur Ina fehlte.

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Olivia Jones / Lina Obschinsky: Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben

Sonntag, den 6. Juni 2021
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Dass Olivia Jones nicht nur schrill, unterhaltsam und extrem sympathisch ist, wissen wir längst. Dass sie an vielen Stellen schon ihren Mut bewiesen hat, auch.
Jetzt erzählt sie uns auch von ihrem Leben. Was sie über bestimmte Dinge denkt, wie sie in ihrem Leben geschafft hat, was anzupacken war.
Gemeinsam mit Lena Obschinsky hat sie ihre Biographie “Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben” herausgebracht.

Dabei ist Olivia Jones in der Öffentlichkeit genau das nie: ungeschminkt. Denn hinter Olivia steckt auch Oliver. Aufgewachsen in einer niedersächsischen Kleinstadt hat Oli schon vor der Pubertät heimlich die Kleider von der Oma probiert. In der Schule hat er früh gezeigt, dass er zeigen wollte, wer er ist. Mit auffälligen Outfits und Make-ups sorgte er schnell für Aufsehen. Was ihn nie davon abhielt, es sein zu lassen.

Auf spannende, aber auch sehr plauderhafte Art – wie man Olivia Jones kennt – berichtet sie, wie aus Oliver irgendwann Olivia wurde. Von ihren ersten Auftritten, vom Weg nach St. Pauli auf die Reeperbahn. Wie sie inoffizielle Bürgermeisterin von St. Pauli wurde. Wie sie beim NPD-Parteitag die Neonazis aufmischte. Wie sie unbedingt ins Dschungelcamp wollte und dort mit allen Mitteln Olivia bleiben wollte – was natürlich in 16 Tage Dauer-Kamerabeobachtung alles andere als einfach war.
Ihr Buch ist sehr unterhaltsam, gespickt mit bemerkenswerten Begebenheiten und Erlebnissen. Schön ist es zu lesen, wie sie sich ihre Olivia-Jones-Familie um sich geschart hat.
Wie es sich für eine schrille Autobiografie gehört, gibt es in der Mitte auf 32 Seiten viele Bilder aus Olivers und Olivias Leben.

Olivia Jones / Lina Obschinsky: Ungeschminkt – Mein schrilles Doppelleben
ro ro ro, 320 Seiten
7/10

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Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn

Sonntag, den 26. Juli 2020
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MI 22.07.2020 | 21.00 Uhr | NDR

Die Reeperbahn in Hamburg auf St. Pauli ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Kann sie auch gar nicht sein. Das Coronavirus sorgt dafür, dass nur noch sehr wenig geht. Dass wochenlang gar nichts ging. Erst nach und nach wird der Kultur-, Party- und Sexbetrieb wieder hochgefahren.

Wenn man selbst bislang ganz gut durch die Coronakrise gekommen ist, dann hat man ja vieles nicht so auf dem Schirm. Dabei sind es ganze Branchen, die derzeit am Abnippeln sind. Und ganze Stadtteile – wie eben das Viertel rund um die Reeperbahn.
Das zeigte am Mittwochabend “Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn” im NDR.

Wer schon mal auf der Reeperbahn war, der weiß: Da brennt die Luft. Dort ist es voll, dort ist es laut, es ist ein bisschen dreckig und anrüchig, aber immer aufregend.
Die Reeperbahn im Coronajahr 2020: leer, leise – traurig. Die Herbertstraße ist dunkel, auf der Partymeile sind kaum oder keine Leute.
Die Kneipen durften kürzlich wieder öffnen – aber die Umstände bleiben schwierig. Die kleine Bar darf nur noch vier Leute gleichzeitig bedienen. In der Kiezkneipe nebenan geht es plötzlich um Abstände und Mundschutz. Wie will man da genug Umsätze machen? Zumal auch weiter nicht Party gemacht werden darf, DJs müssen ihre Musik leise drehen – tanzen is’ nich.
Auch das “Schmidt”-Theater ist wieder da, es war wohl das erste in Deutschland, das wieder den Betrieb aufnahm. Allerdings dürfen auch dort weniger als die Hälfte Menschen rein, und man versuchte das mit vielen Pflanzen im Theaterraum zu kaschieren.
Alle nehmen sie die aktuellen Regeln hin. Weil es nicht anders geht, und weil sie sagen, sie wollen ja ihren Gäste auch nicht schaden.

Weiterhin nicht arbeiten dürfen die Prostituierten. Wegen der Abstände, heißt es. Die Sexbranche liegt am Boden, die Frauen können momentan kein Geld verdienen, und langsam wird es für sie alle bitter. Auch weil sich noch nicht abzeichnet, wie es für sie weitergeht. Ob es für sie weitergeht.

Die Hamburger Reeperbahn. St. Pauli. Diese Doku zeigt, wie gerade ein ganzer Stadtteil auf der Kippe steht. Und keiner kann sagen, wer oder was denn noch zu retten ist.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 21. Juli 2021)

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Tschüss Jan

Freitag, den 17. Januar 2020
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DI 14.01.2020 | 13.55 Uhr | NDR

Mal ganz andere Musik im Hamburger Michel: Deep Purples “Child in Time”. Bob Dylans “Knockin’ on Heaven’s Door”. Und die Melodie vom “Großstadtrevier”.
Gespielt oder begleitet auf der großen Orgel. Alles für Jan Fedder.

Am Dienstagnachmittag nahm Hamburg Abschied von seinem Ehrenpolizisten. Jan Fedder ist kurz vor Silvester im Alter von 64 Jahren gestorben.
Es ist der Dienstag, an dem er seinen 65. gefeiert hätte. Sie kamen alle zusammen – aber um zu trauern.
Der NDR übertrug die Trauerfeier live, und es war eine ergreifende Veranstaltung.

Gespielt wurden seine Lieblingslieder, und es sind Songs, die vermutlich selten bis gar nicht in der Kirche gespielt werden. Seine Frau verabschiedete sich am Sarg von ihrer großen Liebe, und am Ende brach ihre Stimme. Eine Gruppe Polizisten erwiesen ihm die letzte Ehre und trugen dann seinen Sarg aus der Kirche – zu den Orgelklängen des “Großstadtreviers” und zu einem von Jan Fedder selbst gesungenen Song.
Als Fedder dann aus der Kirche getragen wurde, läuteten die Glocken des Michel – und aus dem Hafen erklangen lange und durchdringend die Tuten der Elbfähren.

Hamburg nahm sehr würdig, sehr nordisch, sehr rührend Abschied von ihrem Hamburger Jung.

-> Die Übertragung in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2021)

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Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee

Montag, den 10. Juni 2019
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SO 09.06.2019 | 11.30 Uhr | NDR

Etwas mehr als 100 Kilometer. Das Segelschulschiff “Alexander von Humboldt II” braucht etwas mehr als fünf Stunden von Hamburg bis nach Cuxhaven.
So lange dauerte am Pfingstsonntag auch die entsprechende Übertragung im NDR. Stichwort: Slow-TV.

“Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee” hieß die Sendung, von der allerdings nicht so ganz klar war, ob sie live oder eine Aufzeichnung war. Sie sah jedenfalls live aus.
Moderator Arne-Torben Voigts begrüßte die Zuschauer, als sich das Schiff noch im Hamburger Hafen befand. Wir beobachteten das Ablegen, hörten, was die beiden Schiffsführer sagten. Wir sahen, wie die Landungsbrücken immer weiter abrückten und das Schiff an Fahrt aufnahm.

Es dauert, bis ein Schiff von A nach B gelangt, und diese Langsamkeit sollte auch in dieser Sendung vorherrschen. Lange Einstellungen, wenige Schnitte. 16 Kameras waren auf dem Schiff verteilt, außerdem offenbar eine Drohne.
Es gab Interviews, Berichte darüber, was auf dem Schiff passiert und wer da so arbeitet. Es ging um Entschleunigung, Ruhe und Achtsamkeit – und oft wurde auch minutenlang gar nicht geredet, und wir sahen die Elblandschaft an uns vorüberziehen. Manchmal mit Musik unterlegt oder auch mit Hörfunkbeiträgen, während wir weiter die Schiffsbilder sahen.

In Skandinavien ist Slow-TV wohl eine große Nummer, und dass der NDR so was auch probiert, ist toll. Dass das auch nicht nur im Nachtprogramm zu sehen ist, noch besser. Man konnte sich Zeit nehmen und einfach mal genießen, ganz ohne Hektik.

Fortsetzung sollte folgen! Norddeutschland hat noch viele Flüsse oder andere Dinge, die man in Echtzeit begleiten könnte.

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