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Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn

Sonntag, den 26. Juli 2020
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MI 22.07.2020 | 21.00 Uhr | NDR

Die Reeperbahn in Hamburg auf St. Pauli ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Kann sie auch gar nicht sein. Das Coronavirus sorgt dafür, dass nur noch sehr wenig geht. Dass wochenlang gar nichts ging. Erst nach und nach wird der Kultur-, Party- und Sexbetrieb wieder hochgefahren.

Wenn man selbst bislang ganz gut durch die Coronakrise gekommen ist, dann hat man ja vieles nicht so auf dem Schirm. Dabei sind es ganze Branchen, die derzeit am Abnippeln sind. Und ganze Stadtteile – wie eben das Viertel rund um die Reeperbahn.
Das zeigte am Mittwochabend “Die Reportage: Sex und Party mit Abstand? Hoffnung auf der Reeperbahn” im NDR.

Wer schon mal auf der Reeperbahn war, der weiß: Da brennt die Luft. Dort ist es voll, dort ist es laut, es ist ein bisschen dreckig und anrüchig, aber immer aufregend.
Die Reeperbahn im Coronajahr 2020: leer, leise – traurig. Die Herbertstraße ist dunkel, auf der Partymeile sind kaum oder keine Leute.
Die Kneipen durften kürzlich wieder öffnen – aber die Umstände bleiben schwierig. Die kleine Bar darf nur noch vier Leute gleichzeitig bedienen. In der Kiezkneipe nebenan geht es plötzlich um Abstände und Mundschutz. Wie will man da genug Umsätze machen? Zumal auch weiter nicht Party gemacht werden darf, DJs müssen ihre Musik leise drehen – tanzen is’ nich.
Auch das “Schmidt”-Theater ist wieder da, es war wohl das erste in Deutschland, das wieder den Betrieb aufnahm. Allerdings dürfen auch dort weniger als die Hälfte Menschen rein, und man versuchte das mit vielen Pflanzen im Theaterraum zu kaschieren.
Alle nehmen sie die aktuellen Regeln hin. Weil es nicht anders geht, und weil sie sagen, sie wollen ja ihren Gäste auch nicht schaden.

Weiterhin nicht arbeiten dürfen die Prostituierten. Wegen der Abstände, heißt es. Die Sexbranche liegt am Boden, die Frauen können momentan kein Geld verdienen, und langsam wird es für sie alle bitter. Auch weil sich noch nicht abzeichnet, wie es für sie weitergeht. Ob es für sie weitergeht.

Die Hamburger Reeperbahn. St. Pauli. Diese Doku zeigt, wie gerade ein ganzer Stadtteil auf der Kippe steht. Und keiner kann sagen, wer oder was denn noch zu retten ist.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 21. Juli 2021)

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Tschüss Jan

Freitag, den 17. Januar 2020
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DI 14.01.2020 | 13.55 Uhr | NDR

Mal ganz andere Musik im Hamburger Michel: Deep Purples “Child in Time”. Bob Dylans “Knockin’ on Heaven’s Door”. Und die Melodie vom “Großstadtrevier”.
Gespielt oder begleitet auf der großen Orgel. Alles für Jan Fedder.

Am Dienstagnachmittag nahm Hamburg Abschied von seinem Ehrenpolizisten. Jan Fedder ist kurz vor Silvester im Alter von 64 Jahren gestorben.
Es ist der Dienstag, an dem er seinen 65. gefeiert hätte. Sie kamen alle zusammen – aber um zu trauern.
Der NDR übertrug die Trauerfeier live, und es war eine ergreifende Veranstaltung.

Gespielt wurden seine Lieblingslieder, und es sind Songs, die vermutlich selten bis gar nicht in der Kirche gespielt werden. Seine Frau verabschiedete sich am Sarg von ihrer großen Liebe, und am Ende brach ihre Stimme. Eine Gruppe Polizisten erwiesen ihm die letzte Ehre und trugen dann seinen Sarg aus der Kirche – zu den Orgelklängen des “Großstadtreviers” und zu einem von Jan Fedder selbst gesungenen Song.
Als Fedder dann aus der Kirche getragen wurde, läuteten die Glocken des Michel – und aus dem Hafen erklangen lange und durchdringend die Tuten der Elbfähren.

Hamburg nahm sehr würdig, sehr nordisch, sehr rührend Abschied von ihrem Hamburger Jung.

-> Die Übertragung in der ARD-Mediathek (bis 14. Januar 2021)

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Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee

Montag, den 10. Juni 2019
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SO 09.06.2019 | 11.30 Uhr | NDR

Etwas mehr als 100 Kilometer. Das Segelschulschiff “Alexander von Humboldt II” braucht etwas mehr als fünf Stunden von Hamburg bis nach Cuxhaven.
So lange dauerte am Pfingstsonntag auch die entsprechende Übertragung im NDR. Stichwort: Slow-TV.

“Die Elbe. Ganz in Ruhe. Von Hamburg bis zur Nordsee” hieß die Sendung, von der allerdings nicht so ganz klar war, ob sie live oder eine Aufzeichnung war. Sie sah jedenfalls live aus.
Moderator Arne-Torben Voigts begrüßte die Zuschauer, als sich das Schiff noch im Hamburger Hafen befand. Wir beobachteten das Ablegen, hörten, was die beiden Schiffsführer sagten. Wir sahen, wie die Landungsbrücken immer weiter abrückten und das Schiff an Fahrt aufnahm.

Es dauert, bis ein Schiff von A nach B gelangt, und diese Langsamkeit sollte auch in dieser Sendung vorherrschen. Lange Einstellungen, wenige Schnitte. 16 Kameras waren auf dem Schiff verteilt, außerdem offenbar eine Drohne.
Es gab Interviews, Berichte darüber, was auf dem Schiff passiert und wer da so arbeitet. Es ging um Entschleunigung, Ruhe und Achtsamkeit – und oft wurde auch minutenlang gar nicht geredet, und wir sahen die Elblandschaft an uns vorüberziehen. Manchmal mit Musik unterlegt oder auch mit Hörfunkbeiträgen, während wir weiter die Schiffsbilder sahen.

In Skandinavien ist Slow-TV wohl eine große Nummer, und dass der NDR so was auch probiert, ist toll. Dass das auch nicht nur im Nachtprogramm zu sehen ist, noch besser. Man konnte sich Zeit nehmen und einfach mal genießen, ganz ohne Hektik.

Fortsetzung sollte folgen! Norddeutschland hat noch viele Flüsse oder andere Dinge, die man in Echtzeit begleiten könnte.

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Vor dem Knall

Montag, den 9. Juli 2018
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FR 06.07.2018 | 22.30 Uhr | Tele 5

Nein, nein, da passiert nix. Das wird ein ganz entspanntes Wochenende. Wird voll easy.
Hieß es.
Es ist dann aber doch was passiert, es war alles andere als entspannt, und voll easy schon mal gar nicht.
Es ist jetzt ein Jahr her, dass die Demonstrationen rund um den G20-Gipfel in Hamburg eskalierten, dass auf allen Seiten Wut herrschte – und natürlich Entsetzen über die Gewalt, die da herrschte, während die Politiker gemütlich in der Elbphilharmonie saßen und der “Ode an die Freude” lauschten.

Tele 5 zeigte am Freitagabend die Dokumentation “Vor dem Knall”. Sie handelt von den Tagen vor dem G20-Gipfel und davon, wie die Menschen, die in den später betroffenen Vierteln leben, schon vorher ahnten, dass da was Unheilvolles auf sie zu kommt.
Und vom Journalisten Giovanni di Lorenzo, die in einem Interview in dieser Doku sagt, dass er davon überzeugt sei, dass der G20-Gipfel ohne größere Störung über die Bühne gehe. Und von Politikern, die das natürlich auch glaubten.

Tele 5 zeigte den Film werbefrei, da er auch auf Ohne-Profit-Basis entstanden ist. Das Gute ist, dass hier das normale Volk zu Wort gekommen ist. Ihre Sorgen, ihre Ängste, ihre Beobachtungen. “Vor dem Knall” ist ein etwas anderer Rückblick auf die Hamburger Chaostage.

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KeineWochenShow

#28 – Keine Blümchen für Bosbach

Montag, den 17. Juli 2017
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Neue Sendung, neues Glück und neues Studio.
Na ja, ein neues Studio haben wir nicht, aber die Renovierung des Kellerstudios ging nach der Oranienburger Regenflut doch schneller als gedacht. Aber neu eingerichtet ist es. Der Tisch und die Stühle stehen anders und wir sitzen auch anders.
Ganz optimal ist das noch nicht, da werden wir in den nächsten Wochen vielleicht noch dran feilen. Dass ich mich immer nach hinten umdrehen muss, wenn wir uns unterhalten, ist noch veränderungswürdig.

Ansonsten werten wir das G20-Wochenende in Hamburg aus. Die Chaoten, die Autos anzündeten, als ob sie damit gegen irgendwas Politisches demonstrieren würden. Über die Polizeieinsätze. Und über die unsägliche “maischberger”-Sendung, bei der alle verlernt haben, zuzuhören und vernünftig zu diskutieren. Stattdessen flüchtet Wolfgang Bosbach, weil er Jutta Ditfurth nicht zuhören kann und ihr nicht gewachsen ist, vernünftig gegen zu halten. Peinlich.

Außerdem geht es um Benjamin Blümchen, der seinen 40. Geburtstag gefeiert hat. Um das Morgenmagazin der ARD, das 25 geworden ist. Um einen Oranienburger Tennisspieler, in der Wimbledon angetreten ist. Wir fordern, dass, wenn er berühmt wird, dann auch als Oranienburger betitelt wird – und nicht als Berliner. Wir machen uns über den neuen DFB-Sponsor lustig und haben Mitleid mit den Urlaubern in Binz, die nicht den Kurplatz nutzen konnten, weil da die Beachvolleyballer spielten.

Und ein Bier gibt es auch. Aber kein Gutes. Seht selbst – auf Youtube: KeineWochenShow #28.

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News spezial: Der G20-Gipfel

Sonntag, den 9. Juli 2017
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FR 07.07.2017 | 20.00 Uhr | n-tv

In Hamburg herrscht Krieg, und das Fernsehen steht mittendrin.
Der Reporter von n-tv steht im Schanzenviertel. Er hat einen Helm auf und blickt sich immer wieder um. Hinter ihm ist Blaulicht zu sehen, Polizisten in Kampfuniform und auch Randalierer. Eine Barrikade brennt, und der Reporter erzählt von alldem.

Als am Freitagabend in St. Pauli die Lage eskalierte, als die Proteste gegen den G20-Gipfel zur dumpfen Randale wurde, da zoomten die Nachrichtensender noch mal richtig ran. Stundenlang berichtete n-tv in einem “News spezial” live direkt aus dem Brennpunkt. Immer mal wieder musste der Reporter abbrechen und seinen Standort wechseln, weil er von der Polizei abgedrängt wurde. Weil es einfach zu gefährlich wurde.

Ebenso auf N24. Die Nachrichten kamen direkt aus dem Hamburger Krisengebiet. Jeder Steinwurf, jedes Feuer – live und direkt. Die Tagesschau hatte ebenfalls einen Reporter vor Ort, und auf Facebook bot sie immer wieder einen Livestream an, auf dem unkommentiert ebenfalls Livebilder aus dem Schanzenviertel zu sehen waren.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits ist es gut, ein ungefiltertes Bild von der Situation zu bekommen, irgendwie dabei zu sein, aus erster Hand zu sehen, was sich abspielt. Andererseits ist es natürlich auch eine Befriedigung von Sensationsgier und ein Stück Voyeurismus. Es ist, als wären wir in Hamburg dabei und würden gaffend auf der anderen Straßenseite stehen. Zehntausende waren über das Internet über Streams auf Facebook und Youtube live dabei, und morgen regen wir uns auf, wenn wir andere bei Autobahnunfällen doch mal wieder neugierig sind und gaffen.

Die Hamburger Ausschreitungen waren in jedem Fall auch wieder eine kleine Zäsur in der Live-Berichterstattung. Per Internet sind wir mittendrin statt nur dabei.

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RTelenovela

G20-Chaostage: Dumpfer, doofer, blanker Hass

Samstag, den 8. Juli 2017
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In Hamburg herrscht Krieg.
Wir leben in einer Demokratie, und in einer Demokratie gehören Demonstrationen und Proteste dazu.
Was sich aber in St. Pauli abspielt, das hat weder etwas mit Protest und schon gar nichts mit unserer Demokratie zu tun.

Wegen des G20-Gipfels gibt es Gegendemos. Das ist legitim und es gibt viele Gründe dafür.
Aber Autos anzuzünden? Wahllos in einem Wohnviertel rumrennen und die Karren abfackeln? Ist das Protest? Einfach mal den Wagen vom Pflegedienst abbrenne – das ist also Protest gegen Trump?
Nein, das ist blinde, dumme Wut. Gegen wen, weiß ich weiß. Vermutlich gegen alles und jeden. Gegen Leute, die mehr Geld haben als andere. Aber wissen denn die Brandstifter, wessen Wagen sie anzünden? Ob sich derjenige ein neues Auto einfach mal so leisten kann? Oder ob er vor dem Ruin steht? Das ist diesen Verbrechern natürlich wurscht. Weshalb diese Aktionen einfach nur widerlich sind.

Läden werden geplündert, Barrikaden angezündet – Polizisten mit Messern beworfen. Protest? Gegen G20? Gegen Trump? Ach, hört doch auf. Blinde Gewalt ist das, Zerstörungswut, Hass. Damit erreicht man nichts. Gar nichts.

Es heißt, die Politik habe in Hamburg versagt, weil sie zuließ, dass dieser Gipfel dort stattfindet.
Man kann der Politik sehr viel vorwerfen. Aber für die Krawalle sind die Chaoten zuständig. Sie drehen an der Gewaltspirale.
Grundsätzlich muss es möglich sein, so eine politische Veranstaltung in Städten durchzuführen. Ob sie inhaltlich was bringen, ist dabei nicht der Punkt. Ob eventuell die Polizei hier und da zu hart war, auch nicht.
Der Punkt, dass in Hamburg Gewalttäter am Werk sind. Sie üben Gewalt aus, um Gewalt auszuüben. Der G20 ist der Anlass, aber es hätte auch ein ganz anderer sein können.

Man kann nur hoffen, dass es unter den Polizisten nicht noch mehr Verletzte gibt. Dass die Anwohner keine Schäden davon tragen. Dass keine Unbeteiligten verletzt werden. Dass der Wahnsinn bald ein Ende hat.

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