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Überraschungsevent (42): Voll das Leben!

(41) -> 19.9.2020

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte sie das Event planen, beim nächsten Mal bin ich dran.

Es hätte passieren können, dass wir gar nicht reingekommen wären. Unser Ziel war das “C/O Berlin” im Amerikahaus an der Hardenbergstraße in Berlin-Charlottenburg. Wenn man in die Ausstellungen will, muss man normalerweise vorher ein Onlineticket kaufen, und dann hat man ein bestimmtes Zeitfenster für den Besuch.
Wir hatten kein Ticket, aber zum Glück gab es noch Spontankontingente.
So konnten wir uns die Ausstellung “Voll das Leben!” anschauen. Es ging um den Fotografen Harald Hauswald. Er ist 1954 in Radebeul geboren worden. 1977 geriet er ins Visier der Stasi, die wegen seines “alternativen Aussehens” auf ihn aufmerksam geworden ist. Später auch, weil er auch in westlichen Medien seine Fotos veröffentlichte.

In der Ausstellung sind etwa 250 seiner Fotografien zu sehen. Sie zeigen das Alltagsleben in der DDR, aber auch etwas andere Blinkwinkel auf Demos der damaligen Zeit.
Man sieht Jugendliche, die sich treffen, triste Straßenzüge, leere Schaufenster, Menschen auf den Straßen.
Die Bilder sind durchaus interessant, wenn ich auch zugeben muss, dass sie mir wenig Neues zeigten. Aus eigener Erfahrung ist mir der DDR-Alltag noch bekannt, und in der Hinsicht zeigen die Bilder wenig Außergewöhnliches, was nicht schon bekannt sein dürfte.
Auffallend ist, dass die Menschen auf den Fotos fast ausnahmslos traurig oder teilnahmslos gucken. Das ist etwas, was auch der Stasi aufgefallen war. In der Tat finde ich zwar, dass das Leben in der DDR viele Widrigkeiten hatte, aber dennoch gab es für die Menschen im Alltag ja auch viele gute Momente.
Für mich ist es eine interessante Erfahrung, so eine Art der DDR-Schau zu sehen – Bilder von damals. Es ist wieder der Gedanke, wie alt man doch schon ist, dass das alles zwar 35 Jahre her ist, man es aber selbst schon erlebt hat. Da ist es fast spannender, zu sehen, wie sich jüngere Leute die Schau ansehen, und was sie denn aus diesen Bildern mitnehmen.

Krass sind die dort ausgestellten Stasi-Akten, die zeigen, wie umfassend Hauswald beobachtet worden ist. Seien es die Beobachtungsprotokolle oder die IM-Berichte von seinem Geburtstag. Rund 40 Inoffizielle Mitarbeiter waren auf ihn bis 1989 angesetzt.

Noch bis 23. Januar 2021 ist die Ausstellung im C/O Berlin, direkt am Bahnhof Zoo, zu sehen. Der Eintritt kostet 10 Euro, dafür kann man in alle Ausstellungen des Hauses.

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