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Vermisste Abstandsregeln in Zeiten des Coronavirus

Kennst du das? Wenn du einen Raum betrittst und sich gleich so ein Unwohlsein einstellt? So ging es mir am Donnerstagabend im Zelt auf dem Spargelhof in Kremmen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kam zum 14. Spargelgespräch, organisiert von der CDU in Kremmen.

Als die Ministerin ankommt, hält sie relativ diszipliniert Abstand. Begrüßung höchstens mit dem Ellenbogen. Dann ging es ins Zelt. Dort standen die Tische dicht an dicht. Sicherheitsabstand? War da was? Ist das Coronavirus in der Sommerpause, und alle Regeln gleich mit?
Allein am Presse-Vierertisch saßen fünf Leute, eine Journalistin trug eine Gesichtsmaske, als einzige im Raum. Rücken an Rücken, wenige Zentimeter dahinter saßen schon die nächsten Leute. Ich stand abseits davon, ich wollte mich keinesfalls dort hinsetzen, auch nicht mit einer Maske,. die ich auch dabei hatte, aber nicht aufsetzte.

In ihrer Rede ging Julia Klöckner sogar noch auf die aktuellen Corona-Sicherheitsregeln ein. Was Corona für Veränderungen mit sich gebracht hat. Es sei noch nicht vorbei, sagte sie, und sie verwies auf die 1,50 Meter Sicherheitsabstand, und da blickte sie in die Runde, und eigentlich hätte ihr da was auffallen können.
Hinter den Kulissen herrschte teilweise leichter Unmut über die Tischordnung, die im normalen Restaurantbetrieb anders aussehe. Weil ich ja hinten stand, bekam ich das mit. Als Julia Klöckner locker-flockig über die Abstandsregeln sprach, war das Gemurmel hinten groß.

Später hieß es, dass man sich bei der Platzierung der Leute bemüht habe, dass Leute aus einem Haushalt oder Zusammenarbeitende zusammen am Tisch sitzen. An den großen Promitischen allerdings saßen längst nicht nur zwei Haushalte. Und überhaupt bringt das ja nichts, wenn der Nachbar so dicht dran steht, dass man Rücken an Rücken sitzt.

Es geht nicht darum, dass das Virus hierzulande momentan kaum Bedeutung hat – wahrscheinlich ist die Ansteckungsgefahr momentan nicht so hoch. Andererseits: Wer weiß das schon genau? Viele der Leute reisen sicherlich in der Gegend rum, und es reicht ja schon eine Person, die das Virus hat und es schön im Zelt hätte verteilen können.
Es geht vor allem um das Symbol. Wir halten alle Abstände, wo es geht. Wir arbeiten teilweise immer noch im Homeoffice, wir halten Abstand an der Schlange im Supermarkt, viele Eltern mussten mit geschlossenen Schulen und Kitas klarkommen. Auch heute heißt es auch in der Kita: Abstand! Wir halten auch Abstand zu anderen Tischen in den Lokalen. Die Politiker predigen: Haltet Abstand! Und was machen Politiker? Halten keinen Abstand. Sitzen eng an eng an den Tischen und feiern.

Sie bedienen absolut das Klischee, dass „die da oben“ sich nicht an das halten, was sie anderen vorgeben. Wie lässig wäre es gewesen, hätte Julia Klöckner vor ihrer Rede gesagt: „So, jetzt lasst uns hier erst mal die Tische umräumen, so geht das hier nicht.“ Hat sie aber nicht, stattdessen machte sie einen Witz darüber. Sehr uncool.

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