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Erinnerung ans Autokino Flatow: Filme aus dem Lkw

Von 2000 bis 2008 stand die zwölf Meter große Leinwand auf dem Gelände des stillgelegten Güterbahnhofs – Betreiberin Rita Marcinkowski erzählt

MAZ Oranienburg, 6.6.2020

Flatow.
Heute erinnert hinter dem ehemaligen Güterbahnhof in Flatow nichts mehr daran, dass dort mehrere Jahre lang immer im Sommer Kinofilme zu sehen waren. Rechts und links der alten Kopfsteinpflasterstraße ist das Gras hochgewachsen. In den Jahren 2000 bis 2008 befand sich auf dem Gelände das Autokino Flatow.

Rita Marcinkowski war damals die Betreiberin. „Das erste Jahr verlief sehr gut“, erzählt die Nauenerin. In der Stadt im Havelland hatte sie Ende der 90er-Jahre vergeblich nach einer Fläche für ein Autokino gesucht. Fündig wurde sie am alten Güterbahnhof in Flatow – an der stillgelegten Strecke zwischen Nauen und Kremmen. „Das war eine wunderschöne Fläche, die haben wir uns ausgesucht, die Bahn hat sie uns vermietet.“

Das Autokino Flatow war allerdings kein festes Gebäude, weshalb davon heute auch nichts mehr übrig ist. „Wir haben aus einem Lkw heraus gespielt.“ Die Leinwand hatte eine Größe von 144 Quadratmeter, war zwölf Meter hoch. Dazu gab es einen Imbisswagen, Popcorn konnten die Besucher natürlich auch kaufen. „Die Flächen sind geschoben worden“, erinnert sich Rita Marcinkowski. Die Flächen seien so gestaltet worden, dass kleine Anhöhen entstanden waren, so standen die Autos vorn höher, die Sicht für die Zuschauer wurde besser. Es gab 130 Stellplätze.
Die Autokino-Saison dauerte von April bis Oktober. „Die Jugend wollte Action sehen“, sagt die damalige Kinochefin. Es sei jedoch nicht einfach gewesen, immer die aktuellen Filme zu bekommen. „Da haben wir schon mal vier bis acht Wochen gewartet.“

Die ersten Jahre waren sehr erfolgreich. Aber dann sei es immer schwieriger geworden. „Die Zahlen gingen zurück.“ Schon 2007 war vom Aus die Rede, nach der Saison 2008 war wirklich Schluss. Einerseits weil Rita Marcinkowski in den Ruhestand ging, aber auch, weil bei einem Weiterbetrieb in neue Technik hätte investiert werden müssen.

Einer, der sich an diese Zeit erinnert, ist Enrico Gennrich. Er lebte in der Anfangszeit des Autokinos in Flatow. „Ich habe damals um die Ecke gewohnt“, sagt er. „Das war die Sturm- und Drangzeit. Wir sind vom Jugendclub aus öfter hingegangen.“ Sie seien nie mit dem Auto dagewesen, konnten sich stattdessen auf eine Bank setzen. „Sie haben für uns dort eine Box hingestellt, sie haben das für die Dorfjugend immer möglich gemacht.“ An die Betreiber erinnert er sich mit guten Gefühlen.
Heute ist Enrico Gennrich selbst Mitbetreiber eines Autokinos – nämlich in Nauen. „Wir sind eigentlich Veranstalter und DJs“, sagt er. „Wir machen das in Nauen aufgrund der Coronasituation.“ Weil momentan immer noch keine Kinos geöffnet haben, bieten sie das Autokino in Nauen an. Weil sie eine moderne LED-Wand haben, können sie auch tagsüber beispielsweise Kinderfilme zeigen. Tickets gibt es nur online. Über die Pfingstfeiertage seien die Vorverkäufe sehr gut gewesen, so Enrico Gennrich.

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