RT liest

Jan Weiler: Kühn hat Ärger

(1) -> 19.2.2016

Zum zweiten Mal legt der Erfolgsautor Jan Weiler einen Roman mit dem Münchner Kommissar Martin Kühn vor. Und mit diesem Roman gelingt ihm ein absoluter Volltreffer.

Martin Kühn wird zu einem Tatort gerufen. An einer Tramhaltestelle in München wird ein junger Mann tot aufgefunden. Ihm ist rohe Gewalt zugefügt worden. Schnell ist klar, um wen es sich handelt: Es ist Amir Bilal, der Sohn libanesischer Einwanderer. Er ist eine lange kriminelle Karriere hinter sich, galt als gewalttätig, in der Schule machte er – wenn er hinging – große Probleme. Aber in den vergangenen Wochen ging mit ihm eine große Veränderung einher. Er hatte sich verliebt. In ein Mädchen aus reichen, deutschen Kreisen. Plötzlich ging er in einer Familie ein und aus, die ein schickes Haus in Grünwald hat, plötzlich hatte er Ziele, er ging in die Schule, er fühlte sich akzeptiert.
Aber warum ist er ermordet worden – und dann noch so brutal? Was steckt dahinter? Kühn will es rausfinden.
Allerdings hat Kühn auch Ärger. Zu Hause läuft es nicht gut. Seine Frau hat wohl einen andern, und in der Siedlung gibt es große Probleme mit der Bausubstanz.

“Kühn hat Ärger” ist der Titel des zweiten Romans aus der Reihe. Das ist eigentlich der einzige Minuspunkt, denn der Titel ist seltsam lapidar, wie auch das Cover des Buches.
Jan Weiler dröselt die Story sehr geschickt auf. In einer etwa 40-seitigen Einführung lernt der Leser Amir Bilal kennen. Wir erfahren, was ihn umtreibt und wie er sein Mädchen kennenlernte und in die Familie eingeführt wird. Die Art, wie Weiler das erzählt, fesselt. Die Sprache hat einen so wunderbaren Erzählton, dass es einen gleich reinzieht.
Das führt sich fort. Es ist fesselnd zu lesen, wie Kühn in den Kriminalfall eintaucht. Aber auch, welche Probleme er in seinem Job hat, mit seiner Gesundheit, mit seiner Familie.
Jan Weiler hat eine Gabe in einem Ton zu schreiben, der irgendwie ruhig ist, in dem immer mal wieder wie beiläufig Ungeheuerlichkeiten erzählt werden.
Eine sehr spannende Geschichte mit vielen Facetten mit einer Auflösung, die fasziniert und gleichzeitig schockiert. Außergewöhnlich und doch mitten aus dem Leben.

Jan Weiler: Kühn hat Ärger
Piper, 394 Seiten
10/10

Hits: 181

Einen Kommentar schreiben: