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Jan Weiler: Kühn hat Hunger

(2) -> 1.8.2019

Martin Kühn muss abnehmen, denn so geht das einfach nicht mehr weiter. Eine neue Trend-Diät muss es sein, und da gibt es einen Belgier, der in der Hinsicht sehr berühmt geworden ist. Schnell wird aber klar, dass diese Diät die reinste Qual, der absolute Wahnsinn ist und er irgendwie gar nichts mehr essen darf. Oder ein bisschen Blumenkohl. Roh.
Aber natürlich hat es der Münchner Kommissar wieder mit einem neuen Mordfall zu tun. Auf einem Industriegelände wird eine Leiche gefunden. Wie bald festgestellt wird, liegt die junge Frau da schon mehrere Wochen lang. Und klar ist auch: Der Fundort ist nicht der Tatort.

Der Leser allerdings weiß alles. Jan Weiler legt ihm die Geschichte dieses Mordes gleich am Anfang haarklein dar. Wieder brilliert der Autor mit einer Erzählung, die harmlos beginnt und von einem 21-Jährigen handelt, der ein unscheinbares Leben zu führen scheint. Sebastian ist Polizei, arbeitet in der Wache auf dem Hauptbahnhof. Sebastian beobachtet Frauen. Er selbst hat keine. Keine scheint sich für ihn zu interessieren. Wie aus diesem Mann – ja, eigentlich noch ein Junge, der bei seinen Eltern draußen in Landshut lebt – ein Mörder wird, das erzählt Jan Weiler einmal mehr meisterhaft.
Die Art, wie er dem Leser das Wesen von Sebastian darlegt, wie aus diesem Mann scheinbar aus Versehen ein Mörder wird, das liest sich fesselnd, so bitter das auch alles ist.
Wir sind dann dabei, wie Martin Kühn und seine Kollegen dem Fall nachspüren. Dass das trotzdem alles spannend ist, ist einmal mehr ein großes Plus dieser Krimireihe. Nervig sind nur die meist viel zu langen Kapitel, die aus Sicht des belgischen Diätgurus erzählt werden. Diese Passagen sind einerseits albern, anderseits leider eher langweilig.

Jan Weiler: Kühn hat Hunger
Piper, 413 Seiten
8/10

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