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Rügen 2015 (5): Dessertkrise auf der Moritzburg

(4) -> 17.4.2015

Einer der schönsten – und sicherlich der gemütlichste – Aussichtspunkt auf Rügen ist die Moritzburg in Moritzdorf. Es war nicht das erste Mal, dass ich raufgekraxelt bin, schon zu DDR-Zeiten war das Lokal eine Attraktion. Dazu gehört übrigens auch die kleine Fähre zwischen dem Hafen in Baabe und Moritzdorf. Der Fährmann rudert die Leute per Hand ans andere Ufer.

Früher führte der Aufstieg zur Moritzburg noch recht weitläufig über Feldwege nach oben, inzwischen gibt es eine Treppe. Da kommt man ganz schön außer Puste.
Das ist auch das Phänomen aller neuen Gäste dort oben: Sie müssen erst mal tief durchatmen und wirken ein wenig, nun ja, geschafft.
Aber man wird belohnt: Mit einem fantastischen Blick auf Moritzdorf und den Baaber Hafen. Und: Es herrscht eine wahnsinnige Ruhe. Es ist dort so ruhig, dass man sogar hört, was da ganz unten gesprochen wird. Eine echte Oase.

Die Moritzburg ist ein Lokal, und ich hatte leckeren Fisch. dazu noch Sonne, dazu einen klaren Himmel – was will man mehr?
Okay, dass die 0,4 Liter große Cola mehr als das Doppelte der 0,2-Liter-version kostet, hat mich dann schon ein wenig irritiert.

Drei Tische weiter saß ein älterer Herr, der ganz offensichtlich auch allein dort oben war. Schweigen war jetzt nicht so seine Sache. Lang und breit erklärte er der Kellnerin, dass er aus Berlin komme, und die Berliner ja alle ganz schön anstrengend seien. Was auf der Moritzburg für ein großes Hallo sorgte, denn der Berliner war nicht unter sich. Was sie ihm auch mitteilten.
Die Berliner seien ja überall, was daran liege, dass Berlin ja so verdammt groß sei und die Stadt so anstrengend sei. Der Mann redete sich um Kopf und Kragen.
Als die Kellnerin keine Lust mehr hatte, sprach er die Leute an den Nachbartischen an. Er sei ja alleine hier, und er spreche immer gern Leute an, und es sei ja ganz schön warum heute.
Dann stand er plötzlich auf, zückte den Fotoapparat und stellte sich an den Nachbartisch mit der jungen Familie. Den Jungen, etwa 10 Jahre, fragte er, ob er ihn mal fotografieren dürfe. Er wollte nicht. Der Mann meinte daraufhin, warum sich denn der Junge so habe, schließlich sei er doch hübsch, und er machte das Foto.
Irgendwie seltsam. Und ein bisschen, nun ja, eklig.

An einem weiteren Nachbartisch fand sich inzwischen ein älteres Ehepaar ein. Sie begann die Karte zu lesen und mumelte dann zu ihm: “Du teilst die Suppe mit mir.” Ihr Göttergatte sah sie daraufhin an. “Ach so?”
Am Ende nahm sie nur was zu trinken, und er einen Häppchenteller.

Hinter mir machte es sich eine Großfamilie gemütlich. Alle außer Atem, aber sie kriegten sich bald ein. Kiba war angesagt! Und Eis!
Zur Auswahl stehen ein Eis mit Apfelmus und eins mit Erdbeeren. Man sei noch nicht auf die Eissaison eingestellt, sagte die Kellnerin. Die Familie bestellte für die Kinder zweimal Eis mit Erdbeeren.
Minuten später: Oh, sorry, wir haben nur noch einmal Erdbeeren! Ist das schlimm? War es nicht. Stattdessen bestellte die Familie Vanilleeis, ohne Erdbeeren.
Minuten später: Oh, sorry, das Vanilleeis ist alle. Ist das schlimm? War es nicht. Stattdessen bestellte die Familie Joghurteis. Selbst die Kinder waren erstaunlich gelassen, das hätte auch alles sehr nach hinten losgehen können.

Aber vielleicht liegt es an der herrlichen Idylle, dass auf der Moritzburg alle ein bisschen entspannter sind.
Selbst wer nicht auf die Moritzburg möchte: Ein Spaziergang durch Moritzdorf ist unbedingt zu empfehlen. Abseits vom Trubel, vom Autoverkehr, nahezu ohne Lärm – man fühlt sich unglaublich wohl.

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Ein Kommentar zu “Rügen 2015 (5): Dessertkrise auf der Moritzburg”

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