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Radtour (27): Sackgasse ins Nichts

(26) -> 18.6.2013

Dass ich mich mal wieder auf eine Expedition begebe, war wirklich nicht geplant! Ich bin einfach so reingeraten.
Eigentlich wollte ich nach einem Besuch des Eiscafes am Oranienburger Lehnitzsee nur noch die übliche Runde fahren – entlang des Oder-Havel-Kanals bis Friedrichsthal und durchs Dorf zurück.
Aber es sollte anders kommen.

Erste neue Entscheidung: An der neuen Friedrichsthaler Brücke fahre ich noch weiter bis Malz – da ist Dorffest, vielleicht ist’s da nett. Also radele ich an der Werft und der Schleuse vorbei nach Malz.
Doch das, ähm, Dorffest ist eine Enttäuschung. Auf der Wiese stehen ein paar Bänke, ein paar Leute sitzen da rum, dazu ein bisschen Musik und Bierwagen. Das ist nicht mal ein Fotomotiv und kein Grund, eine Pause zu machen. Zumal ich sowieso nur noch 2 Euro dabei hatte.

Ich fahre eine Kopfsteinpflasterstraße entlang und erreiche den Ortsausgang von Malz. Welcher Ort danach kommt, und ob da überhaupt noch ein Ort kommt, steht da nicht. Die Fläche auf dem Schild ist jungfräulich gelb. Aber: Es gibt einen richtigen Radweg.
Und da ist sie – die Expedition. Ich radele weiter und weiß nicht, wohin.

Ein Radweg, der mir völlig unbekannt war. Von Malz aus führt er durch den Wald. Nebend er unbefestigten Sandpiste gibt es einen asphaltierten Weg. Und die Stille, die pure Natur. Ein herrlicher Weg!
Irgendwann aber biegt der Radweg links ab, das freundschaftliche Nebeneinander von Sand- udn Radweg endet. Jetzt geht es an einer Stromoberleitung entlang, durchs Feld. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo ich ankommen könnte. Ich tippe auf Nassenheide.

Ich komme an eine Straße – und ahne: Ich bin genau an der Grenze zwischen Neuholland und Freienhagen. Die Landesstraße.
Aber ist es wirklich die Landesstraße? Ich bin mir unsicher. Die Hinweisschilder für Radfahrer sind nicht ganz eindeutig. Freienhagen ist nicht ausgeschildert. Und: Gegenüber geht eine Straße ab, wohin sie führt, weiß ich nicht. Vielleicht bin ich auch nur zu blöd, die richtigen Schilder zu finden.
Ich entscheide mich – warum auch immer – diese schmale Straße entlang zu fahren. Ich komme an einer Pferdepension vorbei, dessen Namen ich noch nie gehört habe. Weiter an einem riesigen Rinderstall vorbei.

Erstaunlicherweise gibt es sogar im Nirgendwo eine Bushaltstelle. Vielleicht bekomme ich durch den Fahrplan heraus, wo ich bin.
Das Vorhaben scheitert allerdings daran, dass beide Fahrpläne beider Fahrtrichtungen dranhängen. Aber in welcher Richtung bin ich denn nun unterwegs? Die Haltestelle heißt: “Neuholland, Sperberhof”.
Immerhin ist nun klar: Ich bin tatsächlich in Neuholland, und ich war kurz davor tatsächlich an der Landesstraße. Wäre ich nur mal links abgebogen! Aber umdrehen kommt bei der Radtour nicht infrage.

Ich radele also weiter – bis zum Bergemannhof, einem Wohnplatz – gewissermaßen ein Ortsteil von Neuholland. Kannte ich vorher nicht. Wieder mal einer der Kleinstorte in Oberhavel, die ich neu entdeckt habe.
Ich biege in die kleine Straße ab, die so heißt die der Ort. Ein paar Höfe, wenige Häuser, ein paar Hunde, die müde rumliegen. Ansonsten weites Feld.
Erstaunlich. Ein gibt Orte im Nirgendwo, die vom Nirgendwo noch mal abgezweigt sind. Im verlauf der Straße gibt’s weitere einzelne Grundstücke. Und ein Sackgassenschild, das ich aber erst mal ignoriere. Ich fahre weiter und gelange an ein Grundstück – und ans Ende der Straße.
Hier geht es nicht weiter – und es ist das erste Mal auf meiner meiner Radtouren, dass ich umdrehen muss, dass ich wirklich nicht weiter komme, denn die Straße endet am Feld.

Also zurück. Aber nur bis zur Bushaltestelle. Denn dort biegt ein Plattenweg zum Sperberhof ab. Über holprige Betonplatten fahre ich entlang eines Wassergrabens ohne Wasser. Wo nun der Sperberhof ist, weiß ich nicht. Habe ich nicht gefunden – oder übersehen. Aus Beton wird Sand, aber selbst im Nichts gibt’s plötzlich ein Ortsschild: Freienhagen. Ich erreiche die Groß-Siedlung.
Große Pferdehöfe, hübsche Villen und ein besonders kurzer Ernst-Thälmann-Weg.
Am Ende der Siedlung bin ich wieder an der Landesstraße. Ich fahre Richtung Nassenheide. Inzwischen zut mir der Hintern weh, und ich will nun eigentlich auf dem direkten Wege nach Hause.

Der Bahnhof Nassenheide ist komplett neu gestaltet. Der alte Bahnsteig ist weggerissen, das Wartehäuschen ist weg – übrig nur nur eine neue Plattform auf der nach Freienhagen gerichteten Seite. Sehr schmucklos. Im Schaukasten hängt ein Zettel mit einem Foto des mehrköpfigen Bahnhofsteams – allerdings sitzt es nicht in Nassenheide, sondern irgendwo in Berlin. Aber schönes Foto…

Das mit dem direkten Weg gelingt mir in Nassenheide dann doch nicht – ich biege am Friedrichsthaler Weg falsch ab und verirre mich in einem lauschigen Wohngebiet. Sackgassenpleite Nummer 2.
Dann aber geht’s zurück – entlang der B96 und weiter nach Sachsenhausen. Nach einem Zwischenstopp im Imbiss von Ronald M.D. erreiche ich endlich wieder meine Straße – fast drei Stunden war ich unterwegs. Reicht erst mal wieder.

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Ein Kommentar zu “Radtour (27): Sackgasse ins Nichts”

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