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Schlag den Paul

Freizeit: Ein 21-jähriger Hohen Neuendorfer veranstaltet Shows und moderne Versteckspiele

MAZ, 28.12.2011

Wenn sich der Student Paul Aurin mit Freunden zum Spielen trifft, dann sind das Großver- anstaltungen. Gerade läuft das Casting für die neue Ausgabe von „Schlag den Paul“.

HOHEN NEUENDORF
Wer Paul Aurin schlagen will, der kann das auf viele verschiedene Arten versuchen. Beim Schach- spielen, beim Verstecken oder aber in einer Show namens „Schlag den Paul“. Wenn der 21-Jährige zum Spiel einlädt, dann ist er niemals allein. Mehr noch: Dann ist das ein großes Event, und Paul liebt Events.

In Hohen Neuendorf (Oberhavel) feiert das Versteckspiel ein überraschendes Comeback. Als Paul Aurin neulich dazu einlud, kamen 25 Jugendliche auf den Bahnhofsvorplatz der Stadt vor den Toren Berlins. Heutzutage hat die Suche allerdings kaum noch was mit dem alten Spruch „Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein“ zu tun. Sie ist inzwischen ein multimediales Ereignis. Die Regeln sind simpel: Paul versteckt sich, alle anderen müssen ihn suchen. Hinweise bekommen die Mitspieler auf ihr Handy. „Alle fünf bis zehn Minuten gebe ich auf unserer Facebook-Seite einen Tipp“, erzählt Paul Aurin. Das sind Fotos oder Hinweise auf den Ort, an dem sich der Flüchtende gerade aufhält. Er könnte auch ortsgebundene Daten per GPS übermitteln, aber das funktioniere bei Facebook nicht so gut, sagt er.
Das Ganze nennt sich „Hiding in H-Town“. Hohen Neuendorf ist die H-Town. Ein Event muss einen griffigen Namen haben, findet Paul.

Obwohl er kein Schüler mehr ist, kennen ihn die meisten Marie-Curie-Gymnasiasten in der Kleinstadt. Jahrelang hat er bei der Schülerzeitung mitgeschrieben und layoutet, nach dem Abi arbeitete Paul an der Schule ein Jahr lang als Hospitant. Inzwischen studiert er Mathematik und Informatik an der Berliner Humboldt-Universität. „Ich möchte Lehrer werden“, sagt Paul.
Das Versteckspiel ist nur ein Projekt des Studenten. Momentan bereitet er eine Show namens „Schlag den Paul“ vor. Im März soll sie über die Bühne gehen, es ist die zweite Ausgabe vor großem Publikum in der Schulaula. Die Ähnlichkeit zur Pro Sieben-Show „Schlag den Raab“ ist nicht von der Hand zu weisen. Sie ist das Vorbild. Wie im Fernsehen stellt sich Paul einem Kandidaten in 15 Spielen. Die Show ist an seiner ehemaligen Schule inzwischen ein Großereignis. „Die Idee, das groß aufzuziehen, hatte ich schon länger“, erzählt Paul.
Am Mittwoch vor Weihnachten war das Kandidaten-Casting. Acht junge Männer mussten sich bei diversen Spielen messen. Die Aula war voller Zuschauer, und selbst dieses Casting war ein Event.

Paul erstellt für die Shows Grafiken, Vorschauvideos bei Youtube, er kümmert sich um den Ablauf, um Musikacts. Aber er kümmert sich nicht allein. „Es sind gut zehn Leute in meinem Team“, sagt er. Alle machen sie aus Spaß an der Freude mit. Aber er gibt auch zu: „Es ist schon schwierig, viele Leute zu finden, die das in ihrer Freizeit machen.“ Das große Vorbild, die Show auf Pro Sieben, hat er mit seinen Freunden schon fünfmal besucht – zuletzt reiste er am 17. Dezember nach Köln. Bislang sind aber Stefan Raab und sein Umfeld auf „Schlag den Paul“ noch nicht aufmerksam geworden. Auf entsprechende Mails von Aurin hat niemand reagiert.

In unregelmäßigen Abständen stehen auch Schachturniere auf dem Programm. Für 2012 hat Paul schon weitere Pläne für neue Spiele. Und in der Schülerhilfe ist er auch noch aktiv. Einen Abend lang mal nichts zu tun, das scheint für Paul unmöglich zu sein.
Das nächste Versteckspiel ist für das Frühjahr geplant. Die Jugendlichen in Hohen Neuendorf freuen sich schon darauf. „Das ist ein echtes Abenteuer“, sagt Cosima Krupp (19). Der ebenfalls 19-jährige Richard Hoffmann findet: „Wo gibt es heute noch so ein Abenteuer? Was Paul hier auf die Beine stellt, ist ganz toll und einzigartig. “

Für wen macht Paul das? Für sich? Für die anderen? Paul überlegt. „Ich denke, für die anderen“, sagt er dann. Und geht es dann immer nur ums Gewinnen? Er lächelt. „Ich möchte schon gewinnen, aber verlieren ist auch nicht schlimm. Wichtig ist mir, dass es allen gefallen hat.“ Das gilt für alle seine Events.
In diesen Tagen sichtet Aurin mit seinem Team die Bewerbungen für die nächste Ausgabe von „Schlag den Paul“. Auch an den Spielen für die Show basteln die Hohen Neuendorfer bereits. Ein hoher Aufwand für gut 120 Minuten Spannung und Spaß auf der Bühne.

Das bislang letzte Versteckspiel dauerte übrigens gut zwei Stunden. Paul hatte sich am Ende in einem Kaufhaus am Berliner Alexanderplatz versteckt. Als ihn eine Mitspielerin zwischen den Regalen erblickte, war das ein bedeutender Augenblick für den 21-Jährigen: „Alle Kunden haben uns angestarrt“, erzählt er. Man könnte meinen, das sei ihm ein bisschen peinlich gewesen. Aber in Wirklichkeit hat er es genossen, denn ein Paul-Event braucht einen ordentlichen Showdown.

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2 Kommentare zu “Schlag den Paul”

  1. RTiesler.de » Blog Archive » Mitreden – Der Countdown: 1. April

    […] und Finanzminister von Brandenburg, Helmuth Markov, und der Event-Organisator Paul Aurin (“Schlag den Paul”). Dazu gibt’s auch wieder Live-Musik vom […]

  2. RTiesler.de » Blog Archive » Mitreden – Der Brunchtalk (2)

    […] Paul Aurin veranstaltet eine Show namens “Schlag den Paul” in seiner ehemaligen Schule in Hohen Neuendorf. In unserer Talkshow erzählte er, dass er nach dem Abi für ein Jahr ein Praktikum an seinem Gymnasium machte, auch um zu sehen, ob der Lehrerberuf etwas für ihn ist. Nun studiert er auf Lehramt Mathematik und Informatik. Wo er später mal Lehrer sein möchte, stehe noch nicht fest. In Berlin würde man mehr verdienen als in Brandenburg. Was Helmuth Markov übrigens zurückwies – da habe sich einiges geändert. […]

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