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Der Glaube an Gott als Lebensinhalt

Religion: Philipp Rüdiger (23) studiert im siebten Semester am Theologischen Seminar in Elstal

MAZ Falkensee, 23.10.2008

Zu wissen, dass Gott auf seiner Seite ist. Das sei die zentrale Grundlage seines Lebens, sagt Philipp Rüdiger. Der 23-Jährige möchte nach seinem Studium in Elstal Gemeindepastor werden.

ELSTAL
„Ich spüre Gottes Gegenwart, er ist um mich rum. Gott liebt mich, und deshalb kann ich leben.“ Das sind große Worte. Philipp Rüdiger lebt danach. Der 23-Jährige studiert im siebten Semester am Theologischen Seminar in Elstal.
„Ich merke auch, wenn ich Antworten von ihm bekomme“, sagt er. „Gerade, wenn ich die Bibel lese.“ Es sei ein Gefühl der Freude. Eine andere Freude als die, die man bei einem Tor beim Fußball verspürt. Eine, die auch dann vorhanden ist, wenn es gerade nichts zum Freuen gibt.
Wer Philipp auf seinem Zimmer in Elstal besucht, bekommt viele Bibelsprüche zu lesen, die überall an Wänden und Regalen kleben. Weltkarten, aber auch ein Spongebob-Poster. Es gibt für ihn auch ein Leben abseits der Bibel: Mit Freunden Fußball gucken oder am Computer zocken, wie er sagt.
Die Wurzeln für seinen Glauben liegen in der Familie. Aufgewachsen ist er in einem Dorf in der Nähe von Oranienburg. Seine Eltern haben ihn erzogen und ihn mit der Gemeinde in Kontakt gebracht. Seit er denken kann, war er dabei. Er findet: „Prägung spielt immer eine Rolle, ist aber nicht alles.“ Der Glaube an Gott ist sein Leben.
Getauft wurde Philipp, da war er elf. Bei den Baptisten kann jeder selbst entscheiden, ob er diesen Schritt gehen will oder nicht, das ist für ihn ein großer Unterschied gegenüber den anderen Kirchen. Er erinnert sich an ein Erlebnis in der Kindheit. „Da spürte ich plötzlich: Gott ist da.“ Richtig beschreiben kann er das Gefühl nicht. An dem Tag beschloss er jedoch, selbst auch ein Christ zu werden. Er besuchte regelmäßig die evangelisch-Freikirchliche Gemeinde in Oranienburg.
Sein Ziel ist es, Gemeindepastor zu werden. Dabei wollte er das erst gar nicht. „Ich fand das nie interessant“, sagt er. Auf dem Programm stand nach dem Abi das Studium der Geschichtswissenschaften. „Ich bin dann aber eines Morgens aufgewacht und habe über mein Leben nachgedacht. Plötzlich hatte ich eine klare Sicht.“ Der Entschluss stand fest, dem jungen Mann war nun klar, was Gott von ihm will: Philipp wird Gemeindepastor. „Anfangs hatte ich Befürchtungen, dass ich dem nicht gewachsen bin, aber jetzt spüre ich Vorfreude.“
Momentan hält er einmal pro Monat eine Predigt, entweder in der Heimatgemeinde oder hin und wieder auch anderswo. Wenn er das Studium in Elstal in zwei Jahren abschließt, hat er den „Master of Theology“ und kann seiner Lebensaufgabe nachgehen. „Zunächst eher in Westdeutschland, ich will erst mal raus“, sagt er. Aber irgendwann kann er sich vorstellen, eine kleine Stelle in Brandenburg anzutreten.
Es kommt nicht oft vor, aber manchmal stößt er mit einer Lebenseinstellung auch auf Ablehnung. „Beschimpfungen sind selten, manchmal von Betrunkenen auf dem Weg in die Gemeinde“, erzählt Philipp. Gleichgültigkeit findet er schlimmer. Zu sehen, wie andere ihr Leben wegwerfen. „Ihre Familie, ihre Zukunft sind ihnen vollkommen egal.“
Philipp ist der Überzeugung, dass das Leben die Gemeinschaft mit Gott ausmacht.“ Nichtgläubige verpassen in seinen Augen etwas Entscheidendes. Das heißt nicht, dass er sie anders behandelt. „Eine Beziehung ist nicht davon abhängig, ob es einen Glauben gibt oder nicht.“ Es gilt das Prinzip der Nächstenliebe, der bedingungslosen Akzeptanz. Auch in seinem Freundeskreis ist das immer wieder ein Thema.
Zum Lebensende, so stellt sich Philipp vor, wird er vor Gott stehen und Zeugnis abliefern, was er aus seinem Leben gemacht hat. „Ich werde die Ewigkeit bei Gott verbringen.“ Wenn das der Himmel ist, dann will er das nicht verpassen. Doch bis dahin hat der 23-jährige Student noch viel vor.

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