Parkhaus bleibt Sorgenkind

Flächen am Bahnhof in Bergfelde werden weiterhin nur wenig genutzt – Der Hohen Neuendorfer Stadtverordnete Michael Gerlach sieht grundsätzliche Probleme

MAZ Oberhavel, 30.1.2026

Bergfelde.
So gut wie leer: So hat das neue Parkhaus am S-Bahnhof in Bergfelde Schlagzeilen gemacht. Im Frühjahr 2025 war es eröffnet worden. Kostenpunkt: etwa 6 Millionen Euro. Die sogenannte „Verknüpfungsstelle“ Bergfelde sollte dafür sorgen, dass die Pendler ihr Auto am Bahnhof Bergfelde stehenlassen, um dann mit der S-Bahn nach Berlin zu fahren.

Doch das Parkhaus wurde so gut wie nicht genutzt. Als erste Maßnahme wurde die Zeit des Freiparkens von zwölf auf 16 Stunden erhöht. Wer das Auto im Parkhaus parkt, wird beim Ein- und Ausfahren automatisch registriert. Es gibt vor Ort keine Stelle, wo bezahlt werden muss.
Im Sommer war die MAZ ein zweites Mal vor Ort – auch da war das Parkhaus ziemlich leer. In Hohen Neuendorf hatte man zu dem Zeitpunkt gehofft, dass es sich nach den Sommerferien füllen würde.

Aber wie sieht es jetzt, im Winter 2026, aus? „Die Auslastung des Parkhauses ist aus Sicht der Verwaltung besser geworden und liegt geschätzt bei 50 Prozent“, erklärte Daniel Dinse, der Pressesprecher der Hohen Neuendorfer Verwaltung, am Mittwoch.
Die MAZ war noch mal vor Ort. Am Dienstag war das untere Parkdeck ganz gut gefüllt, aber nicht voll. Auf dem zweiten Parkdeck standen am Mittag genau zwei Autos, das obere Deck war gesperrt. „Die oberen Parkdecks waren aufgrund der Glätte gesperrt, da sie nicht überdacht sind“, so Daniel Dinse weiter.

Erklärungen, warum das Parkhaus nicht so gut angenommen und derzeit nicht bei den erwähnten 50 Prozent liegt, gibt es auch in diesem Fall: „Aktuell, wo auf allen Medien dazu aufgerufen wird, das Auto möglichst nicht zu bewegen, wird diese Auslastung mutmaßlich nicht erreicht.“
Allerdings stehen rund um das Parkhaus an der Brückenstraße in den Parktaschen diverse Autos – allerdings standen sie beim Vor-Ort-Besuch am Dienstagmittag schon länger, viele von den Fahrzeugen waren zugefroren.
Wer länger als 16 Stunden am Bahnhof Bergfelde parken will, kann die teilweise überdachten Flächen nicht nutzen – bei einer Parkzeitüberschreitung muss eine Strafgebühr gezahlt werden.

Der Hohen Neuendorfer Stadtverordnete Michael Gerlach (parteilos) sagt: „Aus heutiger Sicht zeigt sich, dass die Anlage deutlich hinter den damaligen Erwartungen zurückbleibt.“
Sommerferien, Winterwetter – immer gab es Erklärungen. Oder war es eine allgemeine Fehleinschätzung gewesen? „Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass der tatsächliche Bedarf geringer ist als ursprünglich angenommen“, so Michael Gerlach weiter.
„In Hohen Neuendorf verteilen sich Pendler auf mehrere gut erreichbare Bahnhöfe, sodass sich der Park-and-Ride-Bedarf nicht in dem Maße bündelt, wie es bei der Planung offenbar unterstellt wurde.“

Das Parkhaus soll auch für Besucher des Sportparks Stellflächen bieten. Aber „auch die Nutzung des Sportparks erzeugt eher punktuelle als dauerhafte Nachfrage, was eine hohe Grundauslastung kaum erwarten lässt.“
Darüber hinaus wird an diesem Projekt ein strukturelles Problem deutlich. „Die Stellplatzsatzung arbeitet mit pauschalen Vorgaben und lässt bislang nur wenig Spielraum für eine realistische Bedarfsprüfung“, erklärt der Stadtverordnete.
Das könne dazu führen, „dass Stellplätze geschaffen werden, ohne dass sich ihre Nutzung später tatsächlich bestätigt.“ Hinzu kämen Fragen der Akzeptanz und der Einführung neuer Infrastruktur.
„Zwar wurde die kostenfreie Parkdauer inzwischen auf 16 Stunden verlängert, dennoch empfinden viele Nutzer zeitliche Begrenzungen grundsätzlich als Hürde. Vor allem aber zeigt sich, dass neue Angebote nicht automatisch angenommen werden, wenn ihre Nutzung nicht aktiv erklärt und begleitet wird.“

Eine ähnliche Beobachtung lasse sich bei der Fahrradabstellanlage am Bahnhof Hohen Neuendorf machen. „Obwohl dort zuvor ein klarer Bedarf an Fahrradstellplätzen bestand, wird die neue Anlage bislang nur wenig genutzt.“
Das deute aus Gerlachs Sicht weniger auf fehlenden Bedarf, „als vielmehr auf Defizite bei Handhabung, Verständlichkeit und Kommunikation hin“. Neue Infrastruktur brauche Akzeptanz, „und die entsteht nicht allein durch Bereitstellung, sondern durch fortlaufende Information und Mitnahme der Nutzer“.
Es handele sich um ein grundsätzliches Problem. „Planung, tatsächliches Nutzungsverhalten und Kommunikation wurden nicht ausreichend zusammen gedacht. Daraus sollten wir für zukünftige Projekte klare Lehren ziehen“, erklärt Michael Gerlach.


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Kommentare

Eine Antwort zu „Parkhaus bleibt Sorgenkind“

  1. Daggi

    Die Gemeinde hat doch die Stellplatzsatzung beschlossen oder ist die vom Himmel gefallen? Anstatt darüber vor dem Bau nachzudenken und sie entsprechend anzupassen, hat man also mal wieder einfach mit den Schultern gezuckt (Vorschrift is Vorschrift wa) und für 6 Mio gebaut, obwohl man ahnen konnte, dass der Bedarf dadurch nicht realistisch eingeschätzt wurde und es wahrscheinlich auch ein halb so großes Parkhaus getan hätte, vor allem weil es ja offensichtlich noch zahlreiche Stellplätze außerhalb des Parkhauses gibt? Schilda lässt grüßen.

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