Sonderzug von Löwenberg nach Blumenthal

Wie steht es um die Zukunft der Bahnstrecken im Bereich Neuruppin, Neustadt und Kyritz? Verkehrsminister Robert Crumbach informierte sich, machte aber keine Versprechungen

MAZ Nordbrandenburg, 29.5.2026

Löwenberg/Neustadt.
Wie steht es um die Zukunft der Bahnstrecke von Löwenberg nach Neuruppin? Wird es mal regelmäßig fahrende Züge zwischen Neuruppin und Neustadt (Dosse) geben? Werden mal Züge über Kyritz und Pritzwalk bis zur Ostsee fahren?
All das sind Fragen, die sich derzeit bei der Planung des künftigen Schienenverkehrs im Brandenburger Norden und Nordosten stellen – und die am Dienstag angesprochen worden sind.

Denn das war einmalig, zumindest vorerst: ein Zug, der in Löwenberg startet und dann über Herzberg, Neuruppin, Neustadt (Dosse), Kyritz bis nach Blumenthal fährt und wieder zurück. Eine Reise mit diversen Besonderheiten und Premieren.
Der Sonderzug am Dienstag war eine Aktion der Eisenbahngesellschaft Regio Infra Nordost. Bei der Fahrt dabei waren Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach (SPD), Bernd Arm vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Ostprignitz-Ruppins Landrat Ralf Reinhardt (SPD) und die SPD-Landtagsabgeordneten Ulrike Liedtke und Andreas Noack.
Insbesondere der neue Verkehrsminister sollte dafür sensibilisiert werden, „dass es sich im ländlichen Raum lohnt, sich für die Schiene einzusetzen“, erklärte Ralf Böhme, der Geschäftsführer der Regio Infra Nordost, vor Fahrtantritt.

Weil es in Fürstenberg an diesem Vormittag an der Bahnstrecke eine Stellwerksstörung gab, verzögerte sich diese Tour. Erst mit mehr als einer halben Stunde Verspätung konnte sie beginnen.

Erster Abschnitt: die Strecke zwischen Löwenberg und Neuruppin. Bis Ende April ist über diese Gleise der Regionalexpress RE6 umgeleitet worden. Danach waren die Bauarbeiten zwischen Neuruppin und Kremmen abgeschlossen, und der Zug konnte wieder über Kremmen fahren.
Nun allerdings ist die Strecke erneut gesperrt – diesmal zwischen Kremmen und Hennigsdorf, weil nahe Schwante ein Fuchsbau die Gleise unterhöhlt hatte. Hätte der RE6 nicht jetzt wieder umgeleitet werden können?
„Wir könnten sofort auf den Zustand zurückkehren, den wir hatten“, sagt Streckenbetreiber Ralf Böhme. „Es lief ja betrieblich sehr gut.“ Dazu habe am Anfang nachjustiert werden müssen. So sei am ehemaligen Bahnhof Alt Ruppin ein zweites Gleis ertüchtigt worden, sodass sich Züge dort begegnen konnten.
Aber es hake an der Politik, „die hat sich anders positioniert“, so Ralf Böhme weiter. Auf MAZ-Nachfrage sagte Ralf Reinhardt, der Landrat von Ostprignitz-Ruppin, dass die erneute Umleitung zwar eine gute Alternative wäre. Allerdings mussten für den RE6 auf der Nordbahnstrecke Veränderungen im Fahrplan und schlicht Platz für den Zug geschaffen werden.
„Es gibt jetzt immer noch Umleitungsverkehre, die immer noch nicht nach Spandau reinkommen. Das sind Abwägungen, die man leider akzeptieren muss“, sagte er.
Abseits der aktuellen Kurzfristigkeit fordert der Landrat jedoch Maßnahmen, um doch eine Übergangslösung zu schaffen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem wirklich mal zwei Züge pro Stunde von Neuruppin in Richtung Berlin rollen.
Derzeit laufe eine Prüfung, ob Züge zwischen Neuruppin und Löwenberg fahren können, als Zubringer zu den dortigen Zügen. Ergebnisse liegen aber noch nicht vor. Ein Problem sei auch, dass der Regionalexpress RE5 in Löwenberg nur alle zwei Stunden halte.
Abseits dessen betont Ralf Reinhardt die Wichtigkeit der Kremmener Bahn. Er forderte einen Baubeginn „so schnell wie möglich“. Derzeit fehlt es auch an der Planfeststellung über die Erweiterungen im Bereich Kremmen. Erst wenn die vorliege, könnten auch finanzielle Mittel beantragt werden.
Minister Crumbach stimmte zwar zu, dass man bei diesen Themen zusammenarbeite, „aber wir müssen auch über die Finanzierung reden“, sagte er gerade in Hinblick auf einen möglichen vorübergehend fahrenden, zusätzlichen Zug aus Neuruppin nach Löwenberg. Aber er gehe davon aus, dass es zu einer „vernünftigen Lösung“ komme.
In Alt Ruppin übergab Ingo Karbe vom Eigentümerverband „Haus und Grund“ einen Brief an Minister Crumbach. Durch die immer wieder verschobene Investition in die RE6-Strecke werde aus seiner Sicht auch an der Glaubwürdigkeit der Politik gekratzt, erklärte er.

Zweiter Abschnitt auf der Tour: die Strecke zwischen Neuruppin und Neustadt (Dosse). Sie ist kürzlich in einer Studie als reaktivierungswürdig anerkannt worden. Es gibt drei mögliche Varianten, dort Züge fahren zu lassen: Die Regionalbahn RB55 fährt über Kremmen und Neuruppin hinaus bis Neustadt (Dosse). Ein Pendelverkehr zwischen Neuruppin und Neustadt wäre möglich. Oder eine Regionalbahn RB55 über den Temnitzpark bis nach Wildberg.
Die Vorzugsvariante sei der Pendelverkehr zwischen Neuruppin und Neustadt, erklärte Bernd Arm vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Allerdings stünde noch die Untersuchung des volkswirtschaftlichen Nutzens aus – also die Frage, ob sich die Strecke finanziell rechne.
Autofahrer werden gestaunt haben: In Werder bei Neuruppin stoppte der Zug mitten auf dem Bahnübergang, um die Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke rauszulassen.
Eine echte Premiere war dann die Einfahrt in den Bahnhof Neustadt (Dosse). Denn eigentlich ist die Strecke noch gesperrt, für den Sonderzug gab es aber eine spezielle Genehmigung. Ein kurzer Fototermin war dort auch drin. Erst am 14. Juni rollen dort regulär Eisenbahnen, wenn die Berlin-Hamburg-Baustelle abgeschlossen sein soll.

Der dritte Abschnitt auf der Tour: von Neustadt über Kyritz bis Blumenthal. Hier fahren noch regelmäßig Züge, die Regionalbahnen 73 und 74.
In Wutike empfing eine Gruppe mit bunten Schildern und Bannern den Sonderzug. „Zur Ostsee“ stand auf einem Banner unter dem Bahnhofsortsschild.
Mario Achsnick lebt seit 1986 im Ort. „Wir wollen eine Durchbindung Richtung Ostsee“, sagt er. Er betreibt eine Pension direkt am Bahnhof. Derzeit würde sich die Strecke wirtschaftlich nicht lohnen, sagt er. „Außer, wenn man sie weiterführt.“ Tatsächlich gibt es Gedankenspiele, auf dieser Nebenstrecke eine Verbindung in Richtung Rostock einzuführen.

Konkrete Zusagen gab es an diesem Tag während dieser Tour seitens des Ministers nicht. „Es war Sinn und Zweck, Sensibilität zu schaffen“, sagte Landrat Ralf Reinhardt. Es seien viele Infos für den Minister gewesen. Gut sei gewesen, dass sich auch Akteure an der Strecke zu Wort gemeldet haben. „So ist das nicht nur ein subjektiv gefärbter Eindruck von uns.“
Es sei nicht die Erwartung gewesen, Versprechungen zu bekommen. Aber gerade für Neuruppin sei eine gute Bahnanbindung existenzentscheidend. Für die Strecke nach Neustadt gebe es ein „interessantes Potenzial“. Die modernisierte Strecke bei Kyritz sei hingegen ein Traum, sie sei gut nutzbar, und es wäre ein „richtig großer Schritt“, dort über die Region hinaus zu planen.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Sonderzug von Löwenberg nach Blumenthal“

  1. Daggi

    Was hat denn die Nordbahnstrecke mit Spandau zu tun? Verstehe den Zusammenhang zwischen den beiden Aussagen nicht.
    Wenn das als ein allgemeiner Hinweis gemeint war, dass die Strecken und Bahnhöfe im Berliner Norden unterdimensioniert sind und an ihre Grenzen kommen, so kann man schon fragen, ob man daran mal etwas zu ändern gedenkt anstatt mit dem neuen Tunnel S-Bahnprojekt S15 in Berlin Milliarden mit zweifelhaftem Nutzen zu versenken? Spandau wurde damals zu klein gebaut, weil man noch mit dem Transrapid rechnete, dass die nördliche Anbindung des erst 20 Jahre alten und damals in den Himmel gelobten Hauptbahnhofs so mies ist und offensichtlich nicht ausreichend, ist wohl auch der Fehlplanung anzurechnen. Beides könnte man aber korrigieren oder sich Alternativen überlegen.
    Wiederaufbau der Nordbahnstrecke zwischen Hohen Neuendorf und Gesundbrunnen wäre eine naheliegende Maßnahme, und wenn man sich ansieht, was für ein Flaschenhals das derzeit ist, alternativ Ausbau des Karower Kreuzes, eventuell wirklich zum Bahnhof, wo man ja genauso gut in die S-Bahn umsteigen könnte wie in Gesundbrunnen, eine weitere. Nicht jeder Zug muss unbedingt bis zum Hauptbahnhof fahren wenn dafür im Zulauf nicht ausreichend Kapazität da ist.

  2. RT

    Wegen der Bauarbeiten auf der Berlin-Hamburg-Strecke kommen viele Güterzüge gerade nicht über Spandau rein, stattdessen fahren sie über Nebenstrecken wie die bei Löwenberg auf die Nordbahn.

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