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Sonnabendnachmittag in Oranienburg: Eine Stadt pennt

Sonntag, den 24. März 2019
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Sonnabendnachmittag in Oranienburg. In der Innenstadt ist nichts los. Gar nichts. Die Autos düsen auf der Bernauer Straße durch, zum Anhalten gibt es eigentlich keinen Grund. Alle Läden haben geschlossen. Man könnte auch genauso gut die Bürgersteige hochklappen.
Was kann man da tun?

Darauf gekommen bin ich, als ich in der Havelstraße – am Rand des Zentrums – vor dem geschlossenen Café der Bäckerei Plentz stand. Ich bin irgendwie davon ausgegangen, dass der Laden sonnabends nicht schon am Mittag schließt. Immerhin wurde das Geschäft erst kürzlich um- und ausgebaut, es gibt dort jetzt einen größeren Café-Teil. Aber am Sonnabend erwartet man am Nachmittag keine Kuchenesser.
Dasselbe gilt für das Bäckerei-Geschäft an der Bernauer Straße. Am Mittag ist Schluss.

Dabei wäre genau so ein Laden eine Chance für die Innenstadt. Wenn nicht mal ein Café am Sonnabendnachmittag geöffnet hat – vielleicht mit einem größeren Kuchenangebot als sonst -, wo sollen denn sonst die Leute her- oder hinkommen? Jetzt zum Frühlingsbeginn spielt das vielleicht noch nicht die Rolle. Aber wenn Sommer ist und Leute draußen sitzen können, dann wäre dort die Chance, Leute in die Innenstadt zu holen.
Ein paar Meter weiter gibt es ein Bistro, das aber auch nur drei Stunden am Tag unter der Woche geöffnet hat. Noch so ein Laden, der verhindert, dass was passiert in der Innenstadt. Ein Bistro, das geschlossen ist, zieht keine Leute an. Das ehemalige Café neben dem Bistro steht seit Ewigkeiten leer. Noch eine vertane Chance.

Es braucht gute Gastronomie in einer Innenstadt. Eine, wo man schnell bedient wird. Ein Café, Eis, Kuchen. Das kann ein Grundstein sein. Und wenn erst mal Leute da sind, dann könnten vielleicht auch weitere Geschäfte überlegen, dass sie öffnen.
Es wird so oder so immer schwerer, die Menschen in die kleinen Innenstädte zu holen, und Oranienburg hat es besonders schwer, weil ein richtiges Zentrum fehlt. Eine Einkaufsmeile wird die Stadt nie bekommen, weil man eine Bundesstraße nicht beruhigen kann. Aber man hat auch den Eindruck, dass eine ziemliche Ideenflaute und Lustlosigkeit herrscht.

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Wenn der Abschlepper den Falschparker mitnimmt

Freitag, den 22. März 2019
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So weit kann’s kommen! Ein Falschparker hat am Mittwochabend in der Oranienburger Schulstraße zu einem Polizeieinsatz geführt. Die Einfahrt der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde wurde von einem Auto zugeparkt.

Darauf muss man erst mal kommen, dass man sich bräsig in eine Einfahrt stellt und dann genüsslich die Gegend verlässt. Gegen 20 Uhr ist mir der Wagen schon aufgefallen, aber natürlich dachte ich, dass jemand schnell mal im Dönerimbiss war.

Irgendwann endete in der Freikirche eine Veranstaltung, nun wollten mehrere Besucher mit ihren Autos den Hof verlassen. Kleinere Wagen konnten die nun durch den zugeparkten Wagen enge Ausfahrt über den Gehweg verlassen. Größeren Autos war dies nicht möglich.
Der Halter des Fahrzeuges war offenbar nicht in der Nähe, eine auf dem Auto zu lesende Telefonnummer nicht erreichbar. Die Polizei ist gerufen worden. Die traf gegen 21.40 Uhr ein.

Es begannen scheinbar längere Verhandlungen – es war wohl unklar, wer die Kosten trägt. Letztlich ist dann aber doch ein Abschleppdienst gerufen worden, der gute zwei Stunden später ankam. Das falsch geparkte Auto ist auf den Abschlepper gehoben worden.

Die ganze Aktion dauerte insgesamt drei Stunden, davon war die Polizei erstaunliche zwei Stunden vor Ort. Gegen 23.40 Uhr konnten die Autos den Hof der Freikirche verlassen. War dann wohl ein etwas längerer Abend an der frischen Luft als geplant.

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23 Jahre danach: theoretische Fahrprüfung

Montag, den 18. März 2019
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Im Sommer 1996 habe ich meine theoretische Fahrprüfung gemacht – wenn ich mich richtig erinnere, musste wir dafür damals zur Dekra nach Oranienburg. Ich habe gleich beim ersten Mal bestanden.
Wie aber ist es 2019? Und ohne Vorbereitungen?
Im Büro haben wir eine kleine Aktion gestartet: Wer schafft diese Prüfung? Wir konnten uns alle je einen Bogen aussuchen – überall ist die Fragenzusammensetzung anders – und dann konnte es losgehen.

Ich sehe eine Kreuzung, auf der ein Polizist steht. Ich sehe ihn seitlich. Was gilt dort? (1) Man muss auf weitere Zeichen des Polizisten warten. (2) Man darf fahren. (3) Abbiegen ist verboten.
Ich kreuze die (2) an – und liege richtig.
Leute sind auf der Straße. Womit müsse man rechnen? (1) Die Kinder verlassen die Straße nicht rechtzeitig. (2) Alle warten auf dem Gehweg. (3) Einzelne Kinder kehren wieder um. Ich kreuze (1) und (3) an – und liege wieder richtig.
Auf dem Bild sieht man drei Leute. Ein Mann hat einen Stock und eine Brille. Dazu eine Frau und ein Kind. Bei wem muss man mit einer Sehbehinderung rechnen? Ich kreuze alle drei an, aber das ist falsch. Nur der Mann war richtig. Wobei ich der Meinung bin, dass man auch eine Sehbehinderung haben kann, ohne mit Stock und Brille unterwegs zu sein. Oder gibt es Regeln, die ich da nicht kenne?

Nach nur einer Viertelstunde gab ich den Bogen ab, als erster. Dann musste ich warten. Am Ende war aber klar: vier Fehlerpunkte, nur die Frage mit der Sehbehinderung war falsch. Dabei tat ich mich beim Thema Bremsweg durchaus schwer oder bei irgendwelchen Hecktragesystemen.
Ich war der schnellste und der beste. Neben mir hat eine Frau noch den Test bestanden, alle anderen sind durchgefallen. Da ist man durchaus mal ein bisschen stolz.

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Tonne statt Sack

Freitag, den 15. März 2019
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In Oberhavel wird 2020 der Gelbe Sack abgeschafft. Stattdessen soll es dann Tonnen geben.
Schade, wenn es den Gelben Sack nicht mehr gibt. Ich muss allerdings voranschicken, dass ich sicherlich anders denken würde, wenn ich ein eigenes Grundstück mit einem Häuschen haben würde. Dann wäre es mir herzlich egal, ob ich meine Verpackungen nun in einem Sack sammele oder eben in die Tonne trete. Anders ist es in einem Mehrfamilien-Mietshaus. Da läuft die Mülltrennung momentan sehr simpel. Der normale Müll kommt in die Tonne, das Papier in die Tonne daneben. Das heißt: Wenn nicht beide schon voll sind, weil die Nachbarn und die Geschäfte nicht schon alles in Beschlag genommen haben. Den Müll für den gelben Sack sammele ich schlicht bereits in der Wohnung, da hat der Sack seinen festen Platz, und ist er nach zwei Wochen voll, wird er am richtigen Tag an der Straße abgelegt. Meist unfallfrei.

Zumal die Gefahr der Wurschtigkeit besteht. Im doch ziemlich transparenten Sack ließ sich kaum verheimlichen, wenn man da etwas reingeschmissen hat, was da nicht reingehört. In der Tonne ist das viel einfacher, und selbst wenn der Frevel entdeckt wird: Wer von den vielen Nutzern der Tonne soll denn zur Verantwortung gezogen werden? Hinzu kommt, dass der Tonnenplatz begrenzt ist. Wenn mal – warum auch immer – ein Gelber Sack mehr angefallen ist als üblich, war das kein Problem. Aber was ist, wenn die Tonne voll ist?

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ZDF.reportage: B96 – Roadtrip auf der Straße der Träume

Dienstag, den 12. März 2019
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SO 10.03.2019 | 18.00 Uhr | ZDF

Die B96 muss bei Medienleuten neuerdings irgendeine Faszination ausstrahlen. Mehrere Bücher über die ehemalige Fernverkehrsstraße sind erschienen, und auch ein ganzes Special auf Spiegel Online.
Nun schob das ZDF eine zweiteilige Doku hinterher, die von Spiegel TV produziert worden ist – die Recherche war also schon vorhanden.
Wieso man aber meint, eine 500 Kilometer lange Strecke auf eine Stunde einzudampfen, ist rätselhaft. Zweimal 30 Minuten, beide Male am frühen Sonntagabend, waren im ZDF zu sehen. Viel zu wenig.

Da zeigte man zu Beginn des zweiten Teils Bilder vom Picknick in Weiß im Oranienburger Schlosspark – und immerhin erwähnte man ganz am Schluss, dass ja die B96 gar nicht mehr durch die Innenstadt von Oranienburg führt. In Teschendorf stellten die Filmemacher einen Bratwurst-Imbiss vor. In Fürstenberg ging es um die starke Verkehrsbelastung an der engsten Stelle der B96. Im Norden war natürlich die Rühgenbrücke in Stralsund ein Thema – und der Endpunkt war ein Kreisverkehr in Sassnitz auf Rügen, wo die B96 endet.

Es hätte noch so viele spannende Geschichten gegeben, die leider ignoriert worden sind. Man hätte noch weiter auf die Teilung der B96 zu Ost-West-Zeiten eingehen können. Oder den Entenschnabel in Glienicke, wo die B96 genau auf der Ost-West-Grenze verlief. Oder über die ganz alte F96 nördlich von Greifswald.
Aber in einer Stunde kann man das natürlich alles nicht erzählen. Gern hätte das ZDF der B96 mehr als 60 Minuten gönnen können.

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Ist Gott farbenblind?

Freitag, den 8. März 2019
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Gott ist farbenblind. So steht es auf einem Plakat im Schaukasten der Oranienburger Freikirche. Zu sehen ist eine farblose Zeichnung, auf der man zwei Jungs sieht, der eine dunkelhäutig, der andere hellhäutig. Sie tragen T-Shirts: “Best” und “Friends”.
Das Anliegen ist nett, ich halte die Aussage trotzdem für falsch.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott farbenblind ist. Immerhin hat er ja, so sagen es die wirklich Gläubigen, die Welt erschaffen – mit all ihren Farben. Wie hätte er denn das grüne Gras erfinden sollen oder die gelben Sonnenblumen, mal ganz abgesehen vom Regenbogen? Wo doch die Christen sogar einen Fisch in Regenbogenfarben als Symbol haben.

Ja, ich weiß, worum es bei der Aussage gehen soll. Um verschiedene Herkünfte. Darum, dass Menschen aus aller Welt verbunden sind. Und dass Gott da keinen Unterschied mache. Auch wenn es nur eine symbolische Bedeutung haben soll – ich halte sie nicht für richtig.
Zumal man ja auch sagen muss: Wenn es nicht bunt ist, dann ist es immer noch schwarz-weiß oder hell-dunkel. Und damit sind – um zu diesem Plakat zurückzukommen – die unterschiedliche Hautfarbe immer noch sichtbar.

Ganz im Gegenteil: Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Gott ein Schwarz-Weiß-Maler ist. Gott muss diese Farben sehen, und er sieht sie, er hat sie ja erschaffen.
Zumal ich es sowieso für einen Denkfehler halte, dass man Gott diese Toleranz-Eigenschaften zuschreiben muss. Wenn Gott nicht tolerant ist, wer denn sonst? Der ist auch tolerant, indem er Farben sieht.
Wir sind es, ja, und und gerade die Kirchen und ihre mitunter fanatischen Anhänger sind es, die hin und wieder daran erinnert werden müssen, andere so zu akzeptieren und zu lieben, wie sie sind.

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Prinz mit Hang zum Sterben

Montag, den 4. März 2019
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Abiturienten des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium präsentieren „Richard III.“

MAZ Oberhavel, 4.3.2019

Oranienburg.
Richard muss erst mal ein paar Selfies mit Theaterbesuchern machen. Das ist einerseits schön, andererseits – und das wissen die Theaterbesucher zu diesem Zeitpunkt noch nicht: Richard macht normalerweise Selfies von den Leuten, die er gerade umgebracht hat. Um das vorweg zu nehmen: Richard macht im Laufe der folgenden gut 75 Minuten öfter mal mörderische Fotos mit dem Handy.

Es ist eigentlich ein ziemlich harter Brocken, den sich die Zwölftklässler des Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasiums da ausgesucht haben. Der Kurs Darstellendes Spiel unter der Leitung von Achim Dawid zeigte am Freitag- und Sonnabendabend in der Aula Shakespeares „Richard III.“. Das Stück ist ursprünglich von 1592 und spielt – irgendwie – im 15. Jahrhundert, die Theatergruppe zeigte aber eine moderne Bearbeitung von Heleen Verburg von 2010.

Es geht um Richard, und dieser Richard will unbedingt König werden. Dafür geht er über Leichen. Klingt einfach, aber es gibt da diverse Familiengeflechte, und der Erzähler (Julius Nitz) des Stückes bemerkt auch gleich: „Das ist ja schon ziemlich kompliziert, aber so war das damals nun mal.“

Ist es aber letztlich doch nicht. Vielmehr ist es ein großes Vergnügen, den jungen Theaterleuten zuzusehen. Spannend: Richard bekommt im Laufe des Stückes verschiedene Darsteller. Zunächst spielt Kevin Borchert den wunderlichen Mann, der ein Bein nachzieht – das macht er wunderbar. Später wird er – es gab da einen kleinen Zwischenfall – von Annemarie Simon abgelöst, noch später folgt Anne Abraham.
Dann wäre da noch der jugendliche Prinz (Theodor Grüber). Er verrät den Zuschauern gleich am Anfang, dass er im Laufe des Stückes sterben will und kommt immer mal wieder, um zu zeigen, wie denn das geschehen könnte – er hat offenbar einen Hang zum Sterben. Wie Theodor Grüber das spielt, mit einem herrlich übertriebenen Lächeln und großer Spielfreude, das ist ihm sehr gelungen. Wie überhaupt viele Mitglieder aus dem Ensemble immer wieder gute Solo-Momente haben, die zu Lachern führen.
Da gibt es zwischendurch mal einen aufreizenden Tanz zu einer Popnummer – wonach die Mädchen feststellen, dass das für eine Geschichte von damals ja doch ziemlich doof sei. Oder die Ensembletanzszene, nach der am Ende fast alle tot auf dem Boden liegen. „Richard III.“ bot vieler dieser außergewöhnlichen Momente.

Es war die 27. Inszenierung von Lehrer Achim Dawid. Er sagte am Sonnabend, das Tollste für ihn sei nicht die Aufführung, „sondern der Weg dahin. Charaktere und Persönlichkeiten sind hier gereift.“ Noten für die öffentliche Aufführung gebe es nicht. „Sie müssen frei davon sein, wenn sie auf der Bühne stehen.“ Um Noten für die Bühnenfähigkeiten gehe es schon vorher.
„Ich bin erleichtert“, sagte Richard-Darsteller Kevin Borchert (17) aus Oranienburg nach der Aufführung am Sonnabend. „Zur Premiere waren wir deutlich angespannter.“ So schätzt das auch Julius Nitz (16) aus Vehlefanz, der im Stück der Erzähler war, ein. Die Anspannung falle nun ab – nun geht es für alle um das Abi.

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