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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

Hits: 421

aRTikel

Überflieger: Ein Entertainer an den Reglern

Samstag, den 19. Dezember 2020
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Lucas Kreimeier (23) aus Hennigsdorf spielt als “DJ Cryme.” vor allem Techno

MAZ Oberhavel, 19.12.2020

Hennigsdorf.
Seinen größten Auftritt hatte er bislang bei einem Outdoor-Event des Berliner Magdalena-Clubs. Bis zu 2000 Leute haben ihm gelauscht. „Davor ist man immer aufgeregt“, sagt Lucas Kreimeier.“Es kann ja alles mögliche passieren.“ Der 23-Jährige aus Hennigsdorf ist DJ. Unter dem Namen CryMe hatte er auch in diesem Sommer einige Auftritte.

Musik hat in seinem Leben immer eine Rolle gespielt. „Ich höre nicht nur Techno und Electro, sondern auch Jazz, HipHop, Indie, 80er oder 90er-Hits“, sagt er. Mit 16 Jahren entdeckte er den Minimal-Techno für sich. Auch Abende in der Marwitzer Beat-Fabrik haben ihn geprägt. Techno, Goa-Musik. Aber schnell kam er dann auch in die Berliner Szene. „Im Tresor war ich mit 19 das erste Mal. Ich wollte dann auch andere Clubs sehen.“

Aber die Liebe zur elektronischen Musik macht einen nicht automatisch zum DJ. „Ich war dann mal bei einem Kumpel im Wedding, er hatte einen Player und Mixer.“ Das hat Lucas, der von den meisten Leuten Kreimi genannt wird, gleich interessiert. „Ich habe mich da rangestellt, und ich wusste auch gleich, was ich da tue.“ Er holte sich dann später selbst einen Mixer, gab dafür 400 Euro aus. „Ich war Azubi, habe ganz gut verdient.“ Er nahm erste Mixe auf, mit einem erreichte er schnell 7000 Aufrufe. Seine technische Ausstattung wuchs nach und nach.
Der im Internet hochgeladene Mix sorgte für Aufmerksamkeit: „Ein Freund, den ich aus Hennigsdorf kenne, meinte, ob ich in ihr Label als Newcomer will.“ Er nahm dann für das Concrete-Label Mixe auf. In einem Park machten sie spontan Musik, nicht ganz legal. „No Risk, no Fun“, sagt Lucas und lächelt. Auch auf einer größeren Party trat er auf. Das machte ihn noch bekannter. „Ich hatte Blut geleckt.“ Und er konnte weitere Kontakte knüpfen. Er war DJ beim H 13-Festival in Berlin-Haselhorst, außerdem der Auftritt beim „Magdalena“. Dann kamen der Herbst und die zweite Corona-Welle. Große Auftritte sind derzeit nicht möglich.

Untätig ist er dennoch nicht. So ziemlich jeden Tag geht er, wenn er spontan Lust hat, auf Instagram live. Auf seinem Kanal „crymedj“ kann ihn jeder, der ihn da abonniert hat, zusehen und zuhören. Wichtig ist ihm: „Ich stelle mich da nicht nur hin, versuche auch, zu entertainen. Es soll einen Wiedererkennungswert haben.“ Er bewegt sich gern vor der Kamera, in den Insta-Storys geht es tatsächlich oft auch lustig zu. Als die Frage im Raum stand, wie er sich als DJ nennen soll, war da zunächst „DJ Motorradhelm“ – weil er bei einem ersten Auftritt einen Helm aufhatte. „Aber so konnte ich mich ja nicht nennen.“ So kam er auf seinen Spitznamen – und aus dem Namen Kreimeier und Kreimi wurde „Cryme.“. Auch Justin Timberlakes Song „Cry me a River“ habe wohl eine Rolle gespielt.

Geboren ist Lucas Kreimeier in Berlin, als er zwei Jahre alt war, ging es nach Nieder Neuendorf, später nach Hennigsdorf. „Da habe ich meine ganze Jugend verbracht.“ Lange hat er beim FC 98 in Hennigsdorf Fußball gespielt. „Dem Verein war ich immer treu.“ Und auch wenn er den Sport immer noch im Herzen habe, das zeitliche Korsett sei für ihn schwierig gewesen. Er machte am Eduard-Maurer-OSZ ein Fachabitur in Mediengestaltung und Design und später eine Ausbildung als Zerspan-Mechaniker. Die hat er auch abgeschlossen, aber die Arbeit war nicht so richtig seins gewesen. Er könnte sich für sein Leben nun einiges vorstellen: DJ, Model, Designer. „Ich interessiere mich sehr für Mode und Design“, sagt er. Am OSZ war er in einem Filmprojekt. Momentan steht er in seinem Leben offenbar an einem Wendepunkt – Ausgang noch offen. Auch weil Corona das DJ-Dasein sehr unsicher macht. Keiner weiß, wie es mit den Clubs nach der Coronakrise weitergeht.

Er lasse jetzt alles auf sich zukommen. „Ich erhoffe mir nichts, aber es wäre natürlich super.“ Andererseits sagt er auch: „Ich mache das noch ein bis zwei Jahre. Mit 30 oder 35 will ich nicht noch im Club abhängen.“ Momentan produziert er keine Songs, sondern mixt vorhandene, für die er sich die Rechte kauft. Wer es hören will, wird auf Instagram, Facebook oder Soundcloud fündig. Was ihn freut: Bei seinem Auftritt am „Magdalena“ standen auch seine Mutter und seine Schwester auf der Gästeliste: „Die haben mich ja immer nur zu Hause spielen sehen. Die unterstützen mich total, und die feiern das. Das freut mich total.“

Video-Interview in KeineWochenShow auf Youtube
Sounds von Cryme.: soundcloud.com/crymedj; facebook.com/cryme.concrete; Instagram: crymedj.

Hits: 163

RTelenovela

Geschlossene Columbiahalle in Zeiten des Coronavirus

Mittwoch, den 16. Dezember 2020
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Sie ist geschlossen. Die Leuchtschrift der Berliner Columbiahalle in Tempelhof ist zwar im Betrieb – aber im Inneren ist schon lange nichts mehr los.
Der Konzertbetrieb steht still. Das Coronavirus und die entsprechenden Kontaktbeschränkungen machen eine Konzertveranstaltung derzeit unmöglich.

Als ich auf dem Columbiadamm unterwegs bin, komme ich auch an der Halle vorbei. Ich stoppe, parke direkt vor der Halle. Ich will mal kurz gucken – und einfach nur da stehen und kurz die Gedanken schweifen lassen.
Immer wenn dort Konzerte sind, bekommt man direkt vor der Halle natürlich nie einen Parkplatz, aber ich habe die Columbiahalle immer dafür gemocht, dass man spätestens auf dem Platz der Luftbrücke eigentlich immer einen Parkplatz gefunden hat.

Ich habe viele Konzerte dort erlebt. Das vielleicht prägendste war im Juni 1999 das Konzert mit Underworld. Ein Elektro-Event, und der Beginn einer langen Liebe. Underworld gehört bis heute zu meinen Lieblingsacts, und ich habe das alles mehrfach live erleben können.
Im März 2006 habe ich dort Oliver Pocher live erlebt – ich war damals großer Fan, und ich bin es eigentlich heute auch noch.
Außerdem die Sportfreunde Stiller, Mika, Atze Schröder, Rosenstolz, Philipp Poisel, den Scala-Chor, Ich + Ich, Casper, Marc Forster. Die Liste ist noch viel länger.

Inzwischen bin ich kein so großer Fan von solchen Events mehr. Ich mag es nicht mehr, mich mit tausenden Leuten vor eine Bühne zu stellen. Stundenlang. Heute – falls ich überhaupt noch zu Konzerten gehe – sitze ich lieber. Man wird halt alt.
All das denke ich, während ich vor dieser Halle stehe. Es ist ganz ruhig auf dem Platz davor. Ab und zu rauscht nur ein Auto vorbei. Hoffentlich ist das bald wieder ein Konzertort, ein lebendiger.

Hits: 106

KeineWochenShow

#206 – Lockdown II: Jetzt erst recht!

Sonntag, den 13. Dezember 2020
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Kommt der Weihnachtslockdown? Was immer wahrscheinlicher wird, ist auch Thema in der aktuellen Ausgabe von KeineWochenShow. Wie könnte dieses Weihnachtsfest aussehen, was erwartet uns da (oder auch nicht?)
Immerhin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Politiker – aber vor allem uns Bürger – geradezu angefleht, härtere Maßnahmen zu ergreifen – die Rede könnte in die Geschichte eingehen, wie so einiges in der schwierigen Zeit.

Wir reden aber auch über die Verlängerung der U5 in Berlin – nach einer Ewigkeit Bauzeit rollt die U-Bahn nun vom Alexanderplatz weiter in Richtung Hauptbahnhof. Auch der Rassismus-Skandal in der Champions-League ist ein Thema.

Corona und Kultur: Im Interview sind diesmal Petra Kleine und Jan Rase aus Groß-Ziethen. Mit ihrer Band Zaazaa können sie im Lockdown nicht auftreten. Von ihnen gibt es auch Live-Musik. Und das Kino? Bilder vom Zoopalast und dem Delphi-Lux in Berlin.
Das und mehr in KeineWochenShow #206 auf Youtube.

Hits: 148

RTelenovela

Ein Hoch auf die Technik (63): Das Ende der CD

Donnerstag, den 10. Dezember 2020
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(62) -> 24.10.2020

Die Ära der CD geht zu Ende. Nun auch so langsam bei mir. Der Todesstoß besteht in meinem Auto, dass ich nun habe. Dort gibt es nämlich keine Abspielmöglichkeit für CDs mehr. Die Zauberwörter heißen: mp3 und Stream.
Theoretisch könnte ich zu Hause über den Laptop oder den DVD-Player noch CDs abspielen – allerdings mache ich das dort nicht. Ich habe schon vorher zu Hause keine CDs mehr gehört, nur im Auto. Aber das ist jetzt auch vorbei.
Aber was mache ich nun mit den vielen, vielen CDs?
Vermutlich stehen die erstmal in den Regalen in der Wohnung weiter rum – sehen ja teilweise auch ganz schön aus. Alben habe ich schon lange nicht mehr gekauft. Aber ein paar Sachen will ich mir trotzdem sichern.

Und so habe ich angefangen, CDs, die ich immer noch ab und zu höre, in mp3-Dateien umzuwandeln und auf einem USB-Stick zu speichern.
Da ist zum Beispiel die 24-teilige Hörspiel-Reihe “Das Weihnachtsgeheimnis” von Jostein Gaarder. Oder die “Bravo Rock-Christmas” von 1991. Oder “Weihnachten in Familie”. Auch ein paar Casper- und AnnenMayKantereit-Alben sind darunter. Das neue AnnenMayKantereit-Album habe ich mir auch gleich mal als mp3 gekauft (!). Auch ganz alte Greensession-Alben sind darunter.
Jetzt habe ich die wichtigsten Schätze auf dem Stick – so viel Musik auf so einem kleinen Teil.

Hits: 139

RTelenovela

Überraschungsevent (43): Junior Eurovision Song Contest 2020

Montag, den 30. November 2020
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(42) -> 12.10.2020

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte ich das Event planen, beim nächsten Mal ist sie dran.

Momentan ist es ja in Sachen Events ein bisschen schwierig. Bis auf ein paar kirchliche Veranstaltungen findet derzeit nichts statt. Also muss improvisiert werden, und Live-Events kann man sich auch per Fernsehen oder Livestream nach Hause holen.
In Warschau fand am Sonntag der Junior Eurovision Song Contest 2020 statt, der KiKA übertrug live. Deshalb musste wir auch nicht fahren, sondern saßen auf dem Sofa und schauten zu – und vergaben Punkte, wie man das ja beim Eurovision Song Contest so macht. Und wir tippten auf die Sieger.
Ich hatte zwar Frankreich richtig als Sieger getippt, verloren habe ich am Ende trotzdem. Und wie die Show war, steht hier.

Hits: 141

RTZapper

Junior Eurovision Song Contest 2020

Montag, den 30. November 2020
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SO 29.11.2020 | 17.00 Uhr | KiKA

Letzter. Damit kennt sich Deutschland sehr gut aus. Und nun ist es auch beim Junior Eurovision Song Contest passiert.
Dabei ist es sehr lobenswert, dass Deutschland erstmals an der Kinderversion des ESC teilgenommen hat. Seit 2003 gibt es den Wettbewerb, und bis dieses Jahr war Deutschland bislang nie dabei. Weil man sich ein Debakel ersparen wollte? Der KiKA übertrug am Sonntagnachmittag live.

Vermutlich wegen der Coronakrise waren nur zwölf Länder dabei, 2018 waren es noch 20. Die Show kam, weil Polen 2019 das zweite Mal hintereinander gewonnen hat, live aus Warschau. Die Auftritte jedoch waren meist in den jeweiligen Heimatländern aufgezeichnet und wurden zugespielt – wegen der Pandemie war es nicht möglich, die komplette Show in Warschau durchzuziehen. Damit hat aber immerhin der Junior Eurovision Song Contest das geschafft, was im Mai offenbar bei der Hauptshow nicht möglich war.

Gewonnen hat Frankreich, und das absolut verdient. Valentina sang mit “J’imagine” eine echte kindergerechte Party. Ein Gute-Laune-Song in quietschbunt-fröhlicher Kulisse. Valentina sang auch gut und wirkte dabei nicht wie ein Mädchen, das Erwachsene nachäffen will.

Vergleicht man den französischen Beitrag mit dem aus Deutschland, dann weiß man auch, warum Frankreich gewonnen hat und Deutschland Letzter wurde.
Susan sang “Stronger with you”, ein Song der zwar ganz okay war, aber leider nicht gut umgesetzt worden ist. Die Bühnenshow wirkte extrem von gestern. Als ob die Verantwortlichen nicht gewusst haben, was beim Junior Eurovision Song Contest auf sie zukommt. Oder man hat sich auf alte 90er-Jahre-VHS-Kassetten verlassen und damalige Shows als Vorbilder gehabt. Ein lahmes Bühnenbild, eine langweilige Show, und leider hatte Susan auch nicht ihren besten Tag, denn den Gesang hat sie bestimmt besser drauf als bei diesem Auftritt.
Im Vergleich zu den meisten anderen Auftritten konnte sie da schlicht nicht mithalten.
Erstaunlicherweise setzte der deutsche Auftritt beim JESC da an, wo Deutschland seit 2019 eigentlich nicht mehr hinwollte, es braucht da offenbar dringend frischen Wind.

Grundsätzlich aber ist es schön, dass es diese Show gibt. Dennoch muss es für alle schwierig gewesen sein, dann beim KiKA gute Laube zu verbreiten, obwohl die Enttäuschung bei Susan riesig gewesen sein muss. Aber leider gehört auch so eine Erfahrung zum Leben dazu.

-> Die Sendung in der KiKA-Mediathek

Hits: 146