RT im Kino

Bohemian Rhapsody

Montag, den 5. November 2018
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Wird vermisst: Freddie Mercury. Der Frontmann von Queen. Verstorben 1991 an Aids.
Das Biopic “Bohemian Rhapsody” setzt ihm ein Denkmal.

1970. Farrokh Bulsara (Rami Malek) hat Großes vor. Er will Musik machen, singen, komponieren. Er nennt sich ab sofort Freddie Mercury.
Bald haben Roger Taylor (Ben Hardy), Brian May (Gwilym Lee) und John Deacon (Joseph Mazzello) gemeinsam mit Merciry ihren ersten Auftritt. Die Leute sind begeistert, und es dauert auch nicht lange, bis der erste Fernsehauftritt bei der BBC und der Plattenvertrag winkt. Queen wird zum Hit.
Sie beginnen zu komponieren, ziehen sich auf einen Bauernhof zurück, und als sie darauf pochen, dass “Bohemian Rhapsody”, damals mit sechs Minuten Länge und den opernhaften Elementen ein Radio-No-Go, die erste Singleauskopplung des Albums wird. Als sich Plattenboss Ray Forster (Mike Myers) weigert, beendet Queen die Zusammenarbeit.
Es geht weiter bergauf mit der Band – Freddie Merciry dagegen kann sich den Partys, den Drogen und dem Sex nicht entziehen.

Ja, es ist wahr, dass das Biopic über Freddie Mercury ziemlich geglättet ist. Man hätte auch die dreckigen Seiten des Rockstarlebens zeigen können. Den schmutzigen Sex, die dreckige Erotik, die Drogen, den Absturz. Und am Ende die Krankheit.
Die Filmemacher haben sich dagegen entschieden. Sie lassen nicht weg, stattdessen deuten sie vieles nur an. Manchmal sind es Blicke, kurze Sequenzen, die erahnen lassen, dass da gleich die Post abgeht. Aber wir sehen es nicht. Wir sehen wilde Partys und ahnen nur, was sonst noch passiert.
Die Frage ist: Reichen die Andeutungen aus, muss man all das Dreckige sehen? Muss man vor allem das Krankheitssiechtum sehen. Letzteres definitiv nicht. Mercury hat nicht umsonst erst einen Tag vor dem Tod seine Aids-Erkrankung offiziell gemacht. Er wollte, dass man ihn an seiner Rockstar-Karriere misst. Das respektiert auch der Film, und es wäre Mercury auch nicht gerecht geworden, sein Ende zu zeigen.
Und auch die vielen Andeutungen: Sie reichen durchaus, um zu ahnen, was er für eine Sau sein konnte. Sie reichen aus, um zu sehen, dass er es wild trieb, dass er es aber auch schwer hatte, dass er abstürzte und erschüttert war über seine Krankheit. Allerdings bekam er – anders als im Film – seine Diagnose erst 1987.
Dennoch kann man also sagen: “Bohemian Rhapsody” ist glatt gebügelt. Und dennoch: ein großartiger Film.
Rami Malek ist anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber er schafft es, dass man als Zuschauer seine Rolle annimmt. Man sieht, wie die Band arbeitet, und vor allem, dass Queen eben nicht nur Mercury war – sondern, dass alle mitwirkten, alle ihren Teil beitrugen.
Großartig sind natürlich die musikalischen Momente, gerade in Bezug zur Geschichten sorgen sie für eine ungewohnte Rührung. Die gipfelt dann im Live-Aid-Konzert von 1985.
So ist “Bohemian Rhapsody” trotzdem ein mehr als zweistündiges Filmerlebnis, hochemotional und natürlich mit toller Musik.

Bohemian Rhapsody
GB 2018, Regie: Bryan Singer, Dexter Fletcher
Fox, 135 Minuten, ab 6
9/10

RTZapper

Smash Hits powered by Nitrolaut: Nationale Künstler

Samstag, den 3. November 2018
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DO 01.11.2018 | 22.05 Uhr | Nitro

Nitro präsentierte am Donnerstagabend mal wieder ein Ranking. Blöderweise waren in diesem Raking aber auch Songs, die man bei Nitro besser nicht zeigen wollte.
In den “Smash Hits powered by Nitrolaut” ging es um die 40 Hits aus den 90ern aus Deutschland, die noch heute am meisten gestreamt werden. Anders gesagt: Welchen deutschen 90er-Songs werden auch heute noch im Internetzeitalter gehört?

“Lemon Tree” von Fool’s Garden lag am Ende ganz vorn. In der Platzierung gab es allerdings auch Songs von den Böhsen Onkelz. Die wurden zwar genannt, aber nicht gespielt.
Die Band stand und steht in der Kritik, Rechtsextreme und Rassisten zu supporten. Zwar hatte sich die Band gegen Rassismus ausgesprochen, das aber hat ihr wenig genutzt.
Insofern hat man bei Nitro offenbar eine Entscheidung getroffen. Man fegt die Platzierungen zwar nicht unter den Tisch, nennt sie aber bloß. Noch besser wäre es aber gewesen, dass Moderator Markus Kavka wenigstens einen Satz dazu sagt. Das wäre dem Zuschauer gegenüber nur fair und die Begründung auch interessant gewesen.

RTelenovela

Schöne Töne im Kammermusiksaal

Montag, den 22. Oktober 2018
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Wer einem klassischen Konzert lauscht, sollte spezielle Regeln befolgen. Normalerweise wird nicht nach jedem einzelnen Stück applaudiert, sondern immer erst nach dem Gesamtwerk. Und man hat sich zusammenzureißen, wenn man mal husten muss – man wartet im Idealfall bis zum Ende eines Stückes.

Ab und zu mal was Neues. In der Berliner Philharmonie war ich schon mal – nicht aber im dortigen Kammermusiksaal. Dort erlebten wir am Sonntagabend das Formosa-Quartett. Es spielte Musik von Ungarn bis Taiwan.
Auf radioeins gibt es jeden Donnerstagabend die Sendung “Schöne Töne”, in der auch mal etwas abseitige klassische Musik gespielt wird. Daran fühlte ich mich zeitweise erinnert, wenn Musiken gespielt wurden, die schwierige Melodien haben, die die Violine kreischen lassen und zum Zupfinstrument machen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, Menschen beim gemeinsamen Musizieren zu beobachten. Wie sie schwierige Stücke spielen und dennoch genau auf dem Punkt zu gewissen Stellen gelangen. Mit welcher Hingabe sie spielen und wie toll das immer wieder klingt.

Ach ja, und dann die Sache mit dem Husten. Meistens klappt das ganz gut. Das Phänomen jedoch ist: Wenn einer doch mal husten muss, dann folgen darauf fast immer ein bis zwei weitere Huster. Wie bei einem Reflex.

-> Und so klingt es: Link zu einem Youtube-Video.

RTZapper

Letzte Chance in Leipzig – Wer singt beim Schlagerbooom?

Sonntag, den 21. Oktober 2018
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FR 19.10.2018 | 20.15 Uhr | mdr-Fernsehen

Wer zum Silbereisen ins Erste will, der muss ziemlich schuften. Im mdr lief am Freitagabend erstmals die “Letzte Chance in Leipzig – Wer singt beim Schlagerbooom?”. Denn ein Platz war in der großen Schlagershow noch frei – für einen Nachwuchsact. So mussten am Freitag im mdr zwei junge Sängerinnen, ein Sänger und eine Gruppe darum kämpfen, wer Sonnabend ins Erste darf. Und der mdr hat es den jungen Leuten wahrlich nicht einfach gemacht. Also, eigentlich hat es der mdr an diesem Abend niemandem einfach gemacht. Den Leuten im Studio und denen vorm Fernseher.

Im Studio saßen gut zwei Dutzend Zuschauer, die scheinbar vorher auf der Straße angesprochen worden sind, ob sie nicht Lust auf diese Show haben. Nun weiß man nicht, ob es gewollt war, dass so wenige Zuschauer da sitzen sollten. Sehr voll war das Studio jedenfalls nicht. Ob etwa viele Angesprochene keine Lust auf die Schlagerbooom-Preshow hatten? DIese Leute waren es auch, die am Ende entscheiden durften, wer zum Schlagerbooom darf.

Alle waren sie verdammt gut drauf. Egal, wer grad zum Playback die Lippen bewegte – alle mussten wollten sie schunkeln, tanzen und lachen. 90 Minuten waren alle crazy drauf – hoffentlich ganz sicher ohne Drogeneinfluss.
Christin Stark, Julia Lindholm, Feuerherz und Vincent Groß waren die Nachwuchshoffnungen, die am Freitag kämpfen mussten. Unterstützt wurden sie von gestandenen Schlagerstars wie Olaf der Flipper oder Mary Roos.
Coversongs, ein Starduett und schließlich der eigene Song für den Schlagerbooom – dass am Ende die nervig-zappelige Vierer-Feuerherz-Combo gewann, ist ein bisschen schade. Zumal die Kamera ausgerechnet bei der Gruppe eine 4/10-Wertung einer Zuschauerin einfing. Aber vermutlich haben alle anderen mit Zehner-Wertungen um sich geschmissen.

Aber immerhin: Wer die Leipziger Gute-Laune-Hölle überstanden hat – die Kamera zeigte manchmal minutenlang nur tanzende Leute, die zu irgendeinem Playback zappelten -, für den wird die Dortmunder Westfalenhalle ein Kinderspiel.

RTZapper

DJ Ötzi: Bella Ciao

Sonntag, den 30. September 2018
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FR 28.09.2018 | YouTube

Der Song “Bella Ciao”, der momentan wieder total angesagt ist, hat eine spannende Bedeutung. Bekannt wurde es vor allem im Zweiten Weltkrieg in der Version der italienischen Partisanen. Es wurde sich zu einer der Hymnen der antifaschistischen, anarchistischen, kommunistischen und sozialdemokratischen Bewegungen.
Durch El Profesor ist der Song im vergangenen Sommer noch mal zum Hit geworden, und man kann nur hoffen, dass der DJ auch irgendwie an den Ursprung des Liedes gedacht hat.

Zum Ende des Frühlings brachte schon Mike Singer eine “Bella Ciao”-Version heraus, und im Videoclip lag er oberkörperfrei auf einem Gummiboot in einem Pool. Da spielte antifaschistischer Widerstand vermutlich kaum eine Rolle.
Und nun auch noch DJ Ötzi. Er musste auch noch auf den Zug aufspringen. Er gab “Bella Ciao” einen deutschen Text. Der Videoclip ist am Freitag auf Youtube erschienen.
DJ Ötzi sagt selbst: „Es geht in dem Fall nicht um soziale Missstände, sondern um die globale Situation. Der Vulkan auf dem wir tanzen, der ist kurz vorm Explodieren. Und egal was sie auch sagen, ein volles Glas wird zu schnell leer.“
Klingt toll, aber eigentlich geht es dann doch bloß um die Liebe: „Komm lass uns lieben, komm lass uns leben. Bella ciao.“ Das klingt nicht nach einer Gesellschaftskritik, und man muss schon sehr um die Ecke denken, um diesen Ansatz, von dem Ötzi da redet, zu finden. Der deutsche Text stammt übrigens von Peter Plate, bekannt von Rosenstolz.
Damit haben sich beide nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Denn eigentlich schreit die gesamte Veröffentlichung nach: Lass uns im “Bella Ciao”-Strudel noch etwas Geld machen.

-> Der Clip auf Youtube.

KeineWochenShow

#90 – Wegruf!

Sonntag, den 23. September 2018
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Diesmal geht es um Wegrufe!
Also, nicht wecken, sondern weg! Woanders hin.
Wegruf für den Musiker am Beginn der Sendung.
Wegruf für Maaßen.
Wegruf für alle die, die der Meinung sind, Ernie und Bert müssten eine sexuelle Präferenz haben.
Wegruf für Zirkusse mit Tieren.

Und sonst? Es gibt Bier, und nicht zu knapp! Und es gibt Musik – von jungen Talenten aus Oberhavel, die in Schwante aufgetreten sind.
Das und mehr in KeineWochenShow #90 auf YouTube.

aRTikel

Ein Abend mit Oberhavel-Talenten

Montag, den 17. September 2018
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Junge Musiker aus der Region treten in der ausverkauften Kulturschmiede in Schwante auf

MAZ Oranienburg, 17.9.2018

Schwante.
Ausverkauft! Damit haben die Leute von der Kulturschmiede in Schwante nicht gerechnet. „Das sah erst nicht so aus“, sagte Albrecht Kleye am Sonnabendabend. Dabei war es ein besonderer Abend. Sonst laden sich die „Freunde der Kulturschmiede“ immer Leute von außerhalb für ihre Programme ein. Diesmal aber ging es um Talente aus der Region, aus Oberhavel. „Das war ein guter Einfall“, so Albrecht Kleye. „Wir haben geguckt, wen wir denn so unserer Umgebung haben.“ Es gab auch persönliche Bekanntschaften, und jemand kannte jemanden.
Fünf junge Leute traten am Sonnabend in Schwante auf. „Wir haben diesen Abend gewagt“, sagte Dieter Blumberg in seiner Anfangsmoderation. „Aber dann haben wir alle kennengelernt, und dann wussten wir, dass es kein Wagnis ist. Wir haben eine Künstlergruppe gefunden, die ansehenswert und hörenswert ist.“ Dass der Raum voll war, „das zollt Respekt gegenüber unseren jungen Künstlern“, so Dieter Blumberg weiter. Dass zwei der Künstler direkt aus Schwante kommen, hat ihn besonders gefreut.

Den Anfang auf der Bühne machten Jannik und Katharina. Er wohnt in Oranienburg, sie kommt aus Sommerfeld. „Wir haben die gleiche Gesangslehrerin“, erzählte die 29-Jährige. „Und sie hat mir erzählt, dass jemand eine Sängerin sucht.“ Sie hat sich dann mit Jannik getroffen. „Es passt. Sowohl von unserer Art her, wir sind beide eher ruhig, als auch von unserem Musikstil.“ Die beiden machen seit einem halben Jahr gemeinsam Musik, sie traten Ende August auch schon beim Vehlefanzer Dorffest auf. Er spielt Gitarre, sie singt gefühlvolle Lieder auf Englisch und Französisch. „Hier ist die Atmosphäre total schön“, sagte Katharina über die Kulturschmiede in der Pause. „Es ist toll, dass wir zeigen können, was wir so machen.“

Danach sang Cornelia Tom. Die 30-Jährige aus Oranienburg trat am Sonnabend auch schon beim Zwiebelkuchenfest auf dem Dorfanger in Schwante auf. „Ich habe heute ein volles Programm“, sagte sie. Seit zehn Jahren macht sie Musik, intensiver seit drei Jahren. Ein Lied heißt „Fremder“ und handelt von jemandem, den sie auf der Uni ganz gut fand, wie sie bei ihrem Auftritt sagte. Sie mochte die Stimmung in der Schmiede. „Es ist toll, wie die Leute hier das genießen.“ Mitte Oktober will sie ihre erste CD aufnehmen. Darauf sollen acht Songs sein, im Dezember könnte sie erscheinen.

Die Sache mit der Musik hat bei der 19-jährigen Saskia Pauli aus Schwante schon früh begonnen. „Das hat schon in der Schule angefangen.“ Sie war im Schulchor in Neuruppin und spielte die Hauptrolle in einem Schulmusical. Mit elf Jahren nahm sie Gesangsunterricht. Sie trat vier Jahre lang in einem Ensemble des Berliner Friedrichstadtpalastes auf. Jetzt singt sie im Chor „Young Voices“ und trat auch schon in der Deutschen Oper auf.

Eines ihrer selbst geschriebenen Lieder in Schwante hieß „Mirror made of Glass“, ein sehr gefühlvolles Lied. Und ist es eigentlich schöner in der Deutschen Oper aufzutreten oder in der Kulturschmiede? „Das ist ganz anders. Hier hat man viel mehr Angst, Fehler zu machen“, sagte Saskia Pauli. „Das ist sehr viel persönlicher hier.“ Sie war ziemlich aufgeregt. Dass es diesen Abend gibt, fand sie sehr gut. „Das ist interessant für die Leute, die hier wohnen, dass sie sehen, wen es hier so gibt.“

Der Jüngste an diesem Abend war Vincent Nowak aus Schwante. Der 14-Jährige spielte auf dem Schlagzeug zu bekannten Hits. „Seit fünf Jahren spiele ich“, erzählte er in der Pause. Er war schon immer von den Rhythmen begeistert. Sein Traum: einmal auf der Berliner Waldbühne spielen. „Aber ich muss mir mal eine coole Band zusammensuchen.“ Aber da ist er ganz optimistisch, er kenne da schon ein paar Leute. Jeden Tag übt er rund 20 Minuten zu Hause. „Das ist immer sehr lustig für die Nachbarn“, erzählte er. Für ihn war es etwas Besonderes, in der Kulturschmiede auftreten zu dürfen. „Ich war hier schon bei vielen Konzerten, und jetzt trete ich selber auf, das ist toll.“

Auch die Zuschauer waren angetan von diesem Abend. „Super gut“, sagte Cornelia Beckert aus Vehlefanz in der Konzertpause. „Was die kleinen Orte zu bieten haben, ist Wahnsinn.“ Beate Czech aus Schwante lobte die kulturelle Vielfalt. „Auch wenn die Vorträge sehr unterschiedlich waren. Jeder für sich war sehr gut.“