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Überflieger: Zaazaa zelebriert „Das Flüstern der Wale“

Freitag, den 31. Dezember 2021
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Das Groß-Ziethener Musikerpaar Petra Kleinke und Jan Rase bringen ein neues Album heraus – 14 Songs mit unterschiedlichen Stilen

MAZ Oberhavel, 31.12.2021

Groß-Ziethen
Die neue CD ist eine Art Pandemieprojekt. „Wobei wir eigentlich schon vor der Pandemie damit angefangen haben“, sagt Petra Kleinke. „Aber die Pandemie hat uns die Zeit gegeben, die Stücke noch mal zu hören.“ Einige sind verändert worden, digital aufarbeitet, der Sound verbessert.
Jetzt hat die Gruppe Zaazaa die CD veröffentlicht, sie heißt wie die kleine Band, bestehend aus Petra Kleinke und Jan Rase aus Groß-Ziethen. Die Record-Release-Party ist allerdings verschoben – auf den April. Dann soll im Theater „Tiefste Provinz“ in Kremmen gefeiert werden. 14 Songs befinden sich auf dem Album, die meisten von Jan Rase und Petra Kleinke selbst komponiert, einige wurden von Sid Peghini beigesteuert.

„Es sind sehr unterschiedliche Stücke in unterschiedlichen Stilen“, sagt Petra Kleinke. „Von ruhig bis rockig ist alles dabei“, ergänzt Jan Rase. In der Pandemie hatte sich der Musiker Zeit genommen, sein Studio umzubauen. „Wir haben uns dann für das Sounddesign des Albums viel Zeit genommen.“ Er siedelt es nun zwischen modern und Vintage an. „Wir haben alle Instrumente echt gespielt, es gibt keine Sampler.“ Für die Trompetenspiele kam Gastmusiker Tom Engelhard dazu.

Petra Kleinke und Jan Rase denken viel über das moderne Musikbusiness nach – und über die Frage: Wer kauft sich heute eigentlich noch ein Album auf einer CD? Und hören die meisten Menschen Musik inzwischen nicht eher über Streamingdienste, völlig unabhängig von Alben? Sie möge es, noch eine richtige CD in der Hand zu haben, sagt Petra Kleinke. Zumal sich die beiden Musiker große Gedanken gemacht haben, in welcher Reihenfolge die Stücke auf dem Album erscheinen. Wer das Album durchhört, erlebt durchaus viele Klangerlebnisse. Ganz besonders heraus sticht das Stück „Das Flüstern der Wale“, das sehr atmosphärisch geworden ist, zu Beginn hat Petra Kleinke einen kleinen Text eingelesen. Man hört Meeresrauschen, Möwen und sanfte Musik. Die beiden Musiker sagen, sie haben alle Stücke so arrangiert, dass sie sie auch live spielen können. Im Fall von „Das Flüstern der Wale“ muss das ein echtes Hörerlebnis sein. Bei „Die Sonne und ich“ hört man das Zwitschern der Vögel.

Den letzten Auftritt hatte Zaazaa im Herbst. Ansonsten sind wegen der Pandemie viele Auftritte weggefallen. Das gilt auch für die anderen Musikprojekte, die die beiden haben. Unter dem Namen Doooya spielen sie eher Coversongs und haben damit beispielsweise Auftritte auf Schiffen. Petra Kleinke ist auch als „Mohn“ unterwegs, hat ein Kindermusikprojekt und ist Musik-, Lern- und Traumatherapeutin in eigener Praxis. Jan Rase ist Musikproduzent und Komponist für Filmmusikproduktionen und Werbung. Beide spielten sie im Herbst auch bei Dalibor und Friends, außerdem betreiben sie die Freie Musikschule Kremmen.

Ein Paar in der Musik und im Leben. Seit 20 Jahren sind sie zusammen. „Wir ergänzen uns ganz gut“, sagt Petra Kleinke. Manchmal wird über Nuancen diskutiert. So erzählt sie: „Es gibt ein Stück, ich finde das grandios, dann hört Jan es und sagt: Ich finde das super, aber …“ Am Ende sei es aber immer gut, was dann dabei herauskomme.

Die CD gibt es in Kremmen in der „Kombüse 11“, beim Bäcker in Groß-Ziethen, und sie kann auch per E-Mail bestellt werden: info@tonicum-music.de. Tickets für die Record-Release-Party am 2. April in Kremmen gibt es im Internet auf www.tiefste-provinz.de.

Hits: 136

RTelenovela

2021

Freitag, den 31. Dezember 2021
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DIE BESTE PARTY
Die Hochzeit von F. und F. in Berlin-Wannsee

DAS BESTE KONZERT/EVENT
Boulez Ensemble XXXVIII im Pierre-Boulez-Saal in Berlin-Mitte

DER BESTE SONG
Gjon’s Tears – Tout l’Univers
außerdem:
Casper feat. TUA: TNT
Go_A: Shum
Kummer feat. Fred Rabe: Der letzte Song (Alles wird gut)
Tocotronic: Jugend ohne Gott gegen Faschismus
Giant Rooks: What I know is all Quicksand (Rookery Live Tapes)
Mahmood: Klan
Danger Dan: Eine gute Nachricht
Casper: Alles war schön und nichts tat weh
Ben Platt: Waving through a Window

DAS BESTE ALBUM

DER BESTE FILM
Old
außerdem:
Räuberhände
Lieber Thomas

DER SCHLECHTESTE FILM
The Nest – Alles zu haben ist nie genug
außerdem:
The United States vs. Billie Holiday
Rosas Hochzeit

BESTE TV-SENDUNG
Years and Years, zdf neo
außerdem
Eurovision Song Contest 2021, Das Erste
Bridgerton, Netflix
LOL – Lost one Laughing, Amazon Prime Video
303 – Die Serie, BR-Fernsehen
Wer stiehlt mir die Show?, ProSieben

SCHLECHTESTE TV-SENDUNG
The 93rd Oscars, ProSieben
außerdem
Die Alm, ProSieben
Claudias House of Love, Sat.1
Und jetzt: Die Muppets, Disney+
Der Prinz aus Zamunda 2, Amazon Prime Video
Daniela Katzenberger: Familienglück auf Mallorca, RTL zwei

BESTER RADIOSENDER
radioeins

BESTES BUCH
Adriana Popescu: Morgen irgendwo am Meer
außerdem:
Marc-Uwe Kling: Das NEINhorn
Hanni Fuchs: Simons Wendepunkt

BESTER AUGENBLICK
Impfungen gegen Corona

SCHLECHTESTER AUGENBLICK
Das Aufzeigen der Grenzen

Hits: 200

RTZapper

Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

Hits: 238

RTZapper

Legenden: Rosenstolz

Montag, den 27. Dezember 2021
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SO 26.12.2021 | 21.50 Uhr | mdr-Fernsehen

Ich geh auf Glas.
Schlampenfieber.
Die Schlampen sind müde.
Herzensschöner.
Das sind Songs, die zwischen 1992 und 1998 veröffentlich worden sind. Songs voller Poesie, voller Liebe und Tragik. Lieder, die unter die Haut gehen, und Lieder die an die Jugend erinnern.
Rosenstolz war ein wichtiger Bestandteil dieser Jugend. Lange her.

Der mdr erinnerte am 2. Weihnachtsfeiertag an die Band Rosenstolz. An die Band, dessen Konzert im Berliner Tempodrom (damals noch am anderen Standort) mein erstes war, das ich ohne Eltern und mit Freunden besucht habe. Wenn man diese Songs lange nicht gehört hat, dann kommt bei den Erinnerungen Gänsehaut auf. Und man fragt sich, warum das eigentlich alles zerbrochen ist.

In der Reihe “Legenden” zeichnete der mdr die Karriere von Anna R. und Peter Plate nach, die zunächst einige Jahre um die Aufmerksamkeit kämpfen mussten, die sie verdient hatten. Erst nach und nach stellten sich kleinere Erfolge ein, und der Durchbruch kam 1998, als Rosenstolz beim deutschen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest teilnahm und sich nur Guildo Horn geschlagen geben musste. Es folgten Auftritte in der ZDF-Hitparade, und die Touren wurden immer größer.

Das alles noch mal vor Augen geführt zu bekommen, ist extrem interessant. Denn erstaunlicherweise ist die Band-Geschichte von Rosenstolz so umfassend noch nie erzählt worden. In der ARD-Mediathek gibt es eine noch etwas längere Fassung der Doku.

Aber warum trennte sich Rosenstolz eigentlich? Lange dachte ich, dass Anna R. die Band gesprengt und verlassen hatte. Aber die Doku erzählt auch davon, wie der Erfolg Peter Plate am Ende auch krank machte. Irgendwann brach er psychisch und körperlich zusammen – nichts ging mehr.
Als Anna und Peter später noch mal für ein Album zusammenkamen, da merkte insbesondere Anna, dass es nicht mehr dasselbe war, und beide beschlossen, das Projekt auf Eis zu legen. Vielleicht gibt es ja im Alter noch ein Comeback.
Zum ersten Mal wurde diese Geschichte in einer Doku so ausführlich dargestellt, und das war gut so, denn sie stellte einiges richtig, beendete so manche falsche Legende.

Heute ist Peter Plate ein überaus erfolgreicher Songschreiber – für andere Musiker, Filme und Musicals. Anna R. hat es schwerer, die singt zwar gerade bei Silly, aber ihre Stimme ist so prägnant, so Rosenstolz, dass alles, was sie macht, daran erinnert. Was einerseits gut ist, andererseits es aber für Fans schwierig macht, sich neuem zu öffnen.

Die “Legenden”-Doku ist auch deshalb so sehenswert, weil man nach mehr als 20 Jahren noch mal einen musikalischen Blick in die eigene Vergangenheit werfen kann. Wo man allerdings auch entsetzt feststellt, wie lange das alles schon her ist…

-> Die Doku (in der Serien-Version) in der ARD-Mediathek (bis 8. Dezember 2022)

Hits: 124

RTelenovela

Überraschungsevent (46): Boulez Ensemble XXXVIII

Montag, den 25. Oktober 2021
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(45) -> 4.9.2021

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte ich das Event planen, beim nächsten Mal ist sie dran.

Ich wollte schon immer mal in den Pierre-Boulez-Saal. Am Sonntag hat es sich nun ergeben, dass uns unser Überraschungsevent dorthin führt. Der Saal soll eine tolle Akustik haben, und die zeitgenössische Musik von Pierre Boulez soll dort ihre ganze Faszination ausfalten können.
Der Saal befindet sich an der Französischen Straße in Berlin-Mitte.
Wie das jetzt momentan üblich ist, muss man am Eingang erst mal den Impfstatus vorzeigen. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass es sich um eine 2G-Veranstaltung handelte. Denn alle Plätze werden belegt, ohne Abstände. Erst danach haben ich im Internet gelesen, dass es eine 3G-Veranstaltung war. Getestete durften ebenfalls rein – was mich ehrlich gesagt etwas wundert, weil ich von der Regelung so noch nie gehört haben – also 3G und ohne Sitzabstand. Gibt es im Kino auch nicht, dort muss zumindest der Sitz daneben weiterhin freigehalten werden. Warum ein Konzertsaal da wieder andere Regeln hat – keine Ahnung, wieso das so ist.

Der Saal hat was von einer Arena. In der Mitte sitzt das Orchester, drumherum und von Reihe zu Reihe höher sitzen die Leute. Es gibt zudem zwei weitere Etagen, wo weitere Leute sitzen können. Besonders aber auch: Sechs Solisten haben ihre Spielplätze auch an verschiedenen Punkten im Saal. Eine Harfe war auf Ebene 2, außerdem auf derselben Ebene rechts und links ein Piano, und auf Ebene 3 gab es ein Xylophon und ein Glockenspiel – Solist Nr. 6 haben wir nicht gesehen, der muss über uns gewesen sein.
Der Dirigent führte uns erst mal ausführlich in das Stück ein, das dann komplett gespielt werden sollte. Worauf solle man achten. Was hat sich Pierre Boulez an den Stellen dabei gedacht. Wo werden welche Instrumente eingesetzt. Welche Effekte gab es. Und so weiter.

Es ist ein echtes Klangerlebnis, der volle Surround. Denn die Musik kommt von allen Seiten, gerade durch die Solisten. Wenn der Mann am Klavier in die Tasten haut, dann wandert der Blick dorthin. Oder zum Xylophon nach rechts oben. Wie es überhaupt spannend ist, die Musiker zu beobachten. Wenn sie zum Beispiel gerade nicht spielen, aber jeden Moment wieder dran sind.
Was die Musizierenden leisten, ist stark. Denn wir hören keine eingängigen Melodien. Es sind Klänge, Klangfolgen, Klangteppiche, mal wild, mal sanft. Das spielen zu können, ist eine große Leistung.
Es ist nichts, was man sich ständig anhören könnte oder wollte – aber live im Saal war das mal ein echtes Erlebnis.

-> Im Video: das Pierre-Boulez-Musikstück “Repons” in einer anderen Aufführung auf Youtube

Hits: 165

RTZapper

Die Giovanni Zarrella Show

Dienstag, den 14. September 2021
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SA 11.09.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Er kommt raus und singt erst mal ein bisschen. Auf Italienisch. Das kann er besonders gut. Und er hat ja auch gerade erst wieder ein Album mit italienischen Songs rausgebracht. Er begrüßt Gäste. Mit denen singt er auch gern mal. Auf Deutsch, aber auch auf Italienisch. Das kann er, wie gesagt, besonders gut. Er hat immerhin gerade erst ein… du weißt schon. Zwischendurch wird immer wieder seine Familie gezeigt, die ist besonders stolz auf ihn. Und der Papa kommt dann auch noch auf die Bühne, gemeinsam singen sie ein Lied. Auf Italienisch. Das kann… und die CD… und so weiter.

Der Name ist Programm: Am Sonnabend moderierte Giovanni Zarrella im ZDF erstmals “Die Giovanni Zarrella Show”. Nachdem Carmen Nebel dem ZDF nicht mehr jung genug war – und vielleicht auch nicht cool genug, und singen kann unsere Carmen doch auch nicht, oder? -, durfte nun erstmals Zarrella ran.
Er soll so auch ein bisschen das ZDF-Gegenstück von Florian Silbereisen sein. Denn auch beim ZDF möchte man eine kuschlig-fetzige Schlagershow haben. Auf ein jüngeres Format hatte man wieder keine Lust.

Deshalb wehte auch ein silbereisiger Wind durch das ZDF-Programm, als Andrea Berg auftrat. Und Nino De Angelo. Und Und Nik P. Und Chris Cronauer. Und Kerstin Ott. Und und und.
Es ist ein bisschen schade, dass sich das ZDF da nicht mehr traut. Dass auch hier wieder nur ein Segment bedient wird, das im deutschen Fernsehen eigentlich schon eine breite Bühne hat. Warum gibt es stattdessen in Deutschland keine richtige Show, die sich mit dem Pop beschäftigt? Warum müssen es immer nur Schlager sein? Deutschland hat so viele junge und etablierte Popkünstler, die in solchen Primetimeshows quasi nicht vorkommen, weil da immer nur Maite Kelly und Co. singen dürfen.

Giovanni Zarrella selbst war seine Nervosität stark anzumerken. Er brauchte eine gute Stunde, um warm zu werden. Seine Moderationen waren zunächst extrem hölzern und beschränkten sich auf das Ansagen und Absagen der Musikacts, wenn er nicht gerade selbst mitsang. Dass er ständig ein Teil der Show war, ist Konzept der Sendung – das muss man mögen, wenn man diese Show einschaltet.
Scheinbar kam der Applaus nicht nur aus dem Saal, manchmal schien auch aus der Konserve nachgeholfen worden zu sein, und apropos Saal: Warum sehen die Bühnenbilder der ZDF-Shows eigentlich immer so gleich aus? Also, gleich langweilig, so geleckt und bieder.

Und, wie war sie denn nun, die Show-Premiere? Es könnte für ein “Na ja” reichen. Zarrella hat noch viel Moderationsluft nach oben, die Musikauswahl könnte ein bisschen breiter sein, das Bühnenbild etwas frischer und cooler. Vor allem sollte sich das ZDF darauf besinnen, keine schlechte Silbereisen-Show-Kopie abzuliefern.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 10. Oktober 2021)

Hits: 177

RTZapper

Junior Eurovision Song Contest 2021 – Wer fährt nach Paris?

Sonntag, den 12. September 2021
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FR 10.09.2021 | 19.35 Uhr | KiKA

Die deutsche Premiere Ende November 2020 ging ordentlich in die Hose. Letzter Platz beim Junior Eurovision Song Contest. Was wir ja beim großen ESC schon irgendwie gewöhnt sind, das setzte sich bei der Junior-Version fort.

Am Freitagabend ist beim KiKA die Kandidatin für den diesjährigen Wettbewerb gesucht worden, der diesmal am 4. Advent in Paris stattfinden wird. Denn die Franzosen haben im vergangenen Jahr mit einer wunderbar verspielten Partynummer gewonnen.

Wer diesmal für uns dabei ist, wurde nun – auch wieder eine Premiere – in einer Live-Show ermittelt, und vielleicht ist so ein deutscher Vorentscheid uns ja 2022 in Deutschland beim großen ESC auch wieder vergönnt.
Drei junge Mädchen traten an. Zunächst sangen Emilie, Marta und Pauline denselben Song: “Imagine us”, eine gefällige Popnummer, die tatsächlich jede von ihnen anders gesungen hat.
Das Problem bei solchen Kindermusikshows ist ja immer, dass man nicht wirklich offen sagen kann, wenn sie nicht gut gesungen haben. Tatsächlich war ein Mädchen dabei, das schrecklich schief gesungen und quasi keinen Ton richtig getroffen hat – trotzdem waren natürlich alle schwer begeistert.
Danach sangen die Mädchen noch eigene Songs.

Pauline siegte am Ende, nun musste noch gewählt werden, ob sie mit “Imagine us” antritt oder mit “Hausboot”, einer schönen, lockeren Nummer, die eher beschwingt war. Im Voting entschieden sich die (vermutlich sehr jungen) Zuschauer für “Imagine us”.
Der Song könnte zwar ein Ohrwurm sein, aber es bleibt abzuwarten, was die Verantwortlichen am 19. Dezember in Paris für eine Show darum stricken. Wenn die wieder so einfallslos ist wie 2020, dann ist mit dem Song wohl wieder nur wenig zu holen – immerhin gibt es diesmal Konkurrenz aus 18 Ländern.

In Deutschland muss noch viel getan werden, um die Popularität des JESC zu steigern, gerade mal 200.000 Menschen sahen die Show beim KiKA. Offenbar hat sie aber zumindest Europa wieder erreicht. 2020 waren nur 12 Länder dabei, nun sind es wieder 19.

-> Die Show auf Eurovision.de

Hits: 176