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Weskamp bedauert Festival-Absage

Donnerstag, den 1. August 2019
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Landrat äußert sich zum Streit um „Resist to Exist“ in Kremmen und zum Vorwurf der Willkür

MAZ Oberhavel, 1.8.2019

Oberhavel.
Der Streit dauerte rund 16 Monate, und ob er zu Ende ist, ist noch nicht bekannt. Das Punkfestival „Resist to Exist“ findet in diesem Jahr nicht in Kremmen, sondern in Berlin-Marzahn statt. Das Thema hat für viel Unfrieden gesorgt, besonders in Kremmen scheint ein Riss durch die Gesellschaft zu gehen – die, die bedauern, dass das Event nicht dort stattfindet. Und die, die applaudieren.
Einer hat bislang geschwiegen, und das sorgte in den vergangenen Wochen mindestens für Verwunderung: Landrat Ludger Weskamp (SPD) hat sich zurückgehalten – bis jetzt. Die MAZ bat ihn um eine Stellungnahme, schließlich kam es nun zum Gespräch in seinem Büro.

Hat er sich vorstellen können, dass sich die Diskussion so hochschaukelt? Die Antwort ist kurz: „Nein.“ Dass er bislang schwieg, begründet er. „Wie oft habe ich mich in den vergangenen vier Jahren zu baurechtlichen Fragen geäußert? Nie.“ Es gebe in seinem Haus drei Bereiche, in denen er von seinem Weisungsrecht niemals Gebrauch mache, „weil sie eine besondere Funktion haben: die Bauaufsicht, die Kommunalaufsicht und die Vergabestelle.“ Das seien sensible Bereiche, von denen er klare Stellungnahmen zur Rechtslage erwarte. „Natürlich habe ich bei meinen Fachleuten im Haus mehrfach den Sachstand hinterfragt. Aber trotzdem ist und bleibt es immer eine fachliche Entscheidung – keine politische“, so Weskamp. Konkret zu den Vorgängen um das Punkfestival „Resist to Exist“ auf Flächen am Oranienburger Weg in Kremmen, erklärt er, was auch in den Pressemitteilungen der Kreisverwaltung schon stand. Im April 2018 sei den Veranstaltern mitgeteilt worden, dass sie eine Baugenehmigung für die Fläche bräuchten. Allerdings habe es im vergangenen Jahr noch eine Abwägung gegeben – das Festival konnte dennoch stattfinden, immer mit dem Hinweis der Bauaufsicht, dass das 2019 so nicht mehr möglich sei.
Es handele sich um eine Nutzungsänderung auf dieser Fläche, auch wenn es jedes Jahr nur drei Tage seien. Dass es dafür in Brandenburg für derartige Fälle keine klaren Regelungen gebe, sei „sehr unglücklich.“ Deshalb sei er, so Ludger Weskamp, der Landtagsabgeordneten Isabelle Vandré (Linke) dankbar, dass sie auf eine gesetzliche Änderung im Landtag dränge. Der neue Landtag nach der Wahl im September sei gefragt, an den entsprechenden Verordnungen zu arbeiten. „Wir haben eine Rechtslage, die nicht eindeutig ist.“
Der Landrat weist darauf hin: „Das Bauordnungsamt hat eine Genehmigung nie verweigert, es gab nie einen Antrag auf Genehmigung.“ Bis zu diesem Punkt sei man nie gekommen. Es habe dagegen Erstaunen darüber gegeben, dass es seitens der Veranstalter keine Bewegungen gegeben habe.

Immer wieder ist dem Bauamt unter der Leitung von Oliver Grützmacher – der auch CDU-Chef in Kremmen ist – Willkür vorgeworfen worden. Die kulturpolitische Sprecherin der Grünen, Marie Luise von Halem, kritisierte die restriktive Haltung des Landratsamtes Oberhavel, wie sie sagte. „Gute Beispiele wie das jährliche Festival ,Nation of Gondwana’ in Grünefeld zeigen, dass die Kooperation zwischen Veranstaltern und Genehmigungsbehörden sowie zwischen Festivalbesuchern und Ortsbewohnern auf eine Art und Weise gelingen kann, die für alle von Vorteil ist. Davon gilt es zu lernen“, so Marie Luise von Halem.
Ludger Weskamp weist die Anschuldigung der Willkür zurück. „Einen härteren Vorwurf kann man einem Verwaltungsmitarbeiter nicht machen“, sagt er. Parteipolitik dürfe keine Rolle spielen, und sie spiele auch keine Rolle, so Weskamp weiter. Die Lage spitzte sich am Ende zu, zeitlich wurde es immer enger, da das Event ja schon am Freitag beginnen soll. „Ich glaube nicht, dass die Veranstalter das vorsätzlich gemacht haben. Sie waren sicher, dass sie vor Gericht Recht bekommen.“ Sie seien dann aber in eine zeitliche Drucksituation geraten. „Ich finde es positiv, wenn solche Veranstaltungen stattfinden“, sagt er. „Egal, welche Musikrichtung es ist, egal ob Punk, Schlager, Metal oder Klassik. Wir wollen solche Veranstaltungen in Oberhavel, aber die Spielregeln müssen eingehalten werden. Gesetze können nicht umgangen werden, auch wenn es um eine gute Sache geht.“

Die Veranstalter reichten schließlich bei der Stadt Kremmen einen Antrag ein – sie wollten nun ein Volksfest, beziehungsweise einen Spezialmarkt veranstalten. „Es ist sehr schwierig, von der Stadt Kremmen zu erwarten, so etwas kurzfristig zu genehmigen.“ Es habe sich weiterhin um die Unterlagen für ein Festival gehandelt. „Es hätte Veränderungen bedürft. Nur das Wort zu ändern, ist ein bisschen zu wenig.“
In Kremmen kochen die Emotionen recht hoch. Bürgermeister Sebastian Busse (CDU), der über den Volksfest-Antrag zu entscheiden hatte und ihn ablehnte, stand und steht unter Druck. Die Veranstalter von „Resist to Exist“ werfen ihm Parteipolitik vor. Busse spricht von Hassreden und bösen Mails. Landrat Ludger Weskamp hofft, dass sich die Emotionen bald wieder legen. „Die Kremmener müssen es schaffen, da wieder anders ins Gespräch zu kommen.“ Hassmails und Hassreden dürften dagegen niemals geduldet werden. „Ich bin dafür, da konsequent Haltung zu zeigen und die strafrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.“ In der Kreisverwaltung würden Beleidigungen und Angriffe gegen Mitarbeiter immer zur Anzeige gebracht.

Wie geht es jetzt weiter mit entsprechenden Veranstaltungen? „Wir werden uns Gedanken machen müssen, Örtlichkeiten zu schaffen, wo so was geht“, sagt der Landrat. Im Ziegeleipark in Mildenberg kommt demnächst zum zweiten Mal der Chaos-Computer-Club zu einer großen Veranstaltung zusammen. Auch in Mildenberg bedarf es aber zukünftig bei solchen regelmäßigen Veranstaltungen und Events entsprechende Genehmigungen – wie auch in Kremmen. Es müsse somit darum gehen, entsprechende Flächen weiterzuentwickeln, damit Events dieser Art dort eine Zukunft haben.
Dass es mit Veranstaltungen ganz allgemein in Oberhavel Probleme geben würde, sieht er nicht. Findet in Kremmen das Erntefest statt, dann ist es ein Volksfest, und das im Scheunenviertel, das dafür auch gedacht sei. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Ob für 2020 seitens des Alternati-Vereins ein weiterer Versuch unternommen wird, das Festival in Kremmen durchzuführen, ist unklar. Aus den Kreisen heißt es, man werde nach einem Standort außerhalb Brandenburgs suchen, offiziell ist aber nichts. „Aber wenn ihr 2020 was in Kremmen vorhabt, dann meldet euch“, ist der Rat von Ludger Weskamp. Ein Bauantrag müsse noch 2019 gestellt werden. Aber, und das betonte der Verein, immer wieder, sei genau das Problem: Zu teuer, zu umständlich und unklar.

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Ich, die Fußballglücksfee

Freitag, den 9. September 2011
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Es kam ganz plötzlich: Na, willst du Glücksfee sein? Da sagte ich nicht nein. In unserer Redaktion wurden am Nachmittag die Begegnungen in der zweiten Runde des Fußball-Kreispokals von Oberhavel ausgelost.

Ich habe in meinem Leben schon einiges gemacht. Dass ich die Fußballglücksfee spielte, das war neu.
Und so eine Auslosung kenne ich nur vom Fernsehen: Bei der WM wird ausgelost, wer gegen wen spielt. Oder beim DFB-Pokal. Da ist das in der “Sportschau” ein Event. Und nun also ich. Und und der Kreispokal. Eine Frechheit, dass Oberhavel TV nicht live übertrug.

Vor mir stand eine Vase mit lauter Losen drin. Das heißt: Die Lose lagen in kleinen Döschen, die aussahen wie früher die Behälter, in denen die Fotofilme lagen.
Gleich dreimal durfte ich losen: Den Männerpokal, den Frauenpokal und den Ü-45-Pokal. Das mit den Ü45 habe ich allerdings nur mitbekommen, weil ich eben gerade den dazu passenden MAZ-Beitrag gelesen habe. Ich war so aufgeregt, dass ich das bei der Auslosung selbst gar nicht so genau mitbekommen habe.

Den einen oder anderen “Hammer” habe ich dabei wohl gezogen: So treffen die Männer aus Mühlenbeck gegen die Granseer. Ich habe mir sagen sagen, dass das eine dolle Begegnung ist. Als Fußballglücksfee habe ich das nicht gewusst. Aber Glücksfeen sollen ja Glück bringen und nicht über den Oberhavel-Fußball Bescheid wissen. Das Duell zwischen Häsen und Mildenburg könnte auch ein Knaller sein.

Liebe Fußballer! Wenn ihr eventuell nach dem Spiel, das ich euch zugelost habe, ausscheiden solltet, dann sage ich euch schon jetzt: Nein, ich habe keine Schuld! Es war reine Glückssache!

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aRTikel

Erste Hilfe am Maschendraht

Mittwoch, den 5. September 2001
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Steffen Dorn und Ronny Gassan fuhren mit dem Fahrrad bis nach Kopenhagen

MAZ Oranienburg, 5.9.2001

SACHSENHAUSEN
Einmal über den Öresund nach Kopenhagen. Das war der Traum, der Steffen Dorn (20) und Ronny Gassan (21) dazu bewog, sich in Sachsenhausen auf das Fahrrad zu setzen, um nach Dänemark zu radeln.
Bepackt mit Getränken, Müsliriegeln, Schokolade, Traubenzucker, aber auch mit reichlich Kleidung für jedes Wetter, machten sie sich an einem Montagmorgen um 6.15Uhr auf den langen Weg.
Der erste Tag. Die Fähre in Malz ist außer Betrieb. Das wussten die beiden Radreisenden. Die ADFC-Karte nicht. Auch ein Hinweis, wo man stattdessen langfahren soll, war nicht zu entdecken. So fuhren Steffen und Ronny über die Oranienburger Klinkerbecken am Ufer des Oder-Havel-Kanals entlang. Doch als der Weg immer schlechter wurde, die Brennesseln am Wegesrand immer höher, beschlossen sie, einfach rechts auf einen anderen Weg abzubiegen. Dort stießen sie auf eine Asphaltstraße: der Radfernweg. Über Bernöwe, Liebenwalde, Zehdenick und Mildenberg führte er nach Ravensbrück. Der geschichtliche Aspekt dieses Ortes mit dem ehemaligen KZ wurde am Radweg aber nicht klar: „Schade, dass es keine Hinweise darüber gab, was das eigentlich war“, bedauert Ronny.
Am Abend erreichten sie die Müritz. „Die Radwege dort sind wunderschön“, erzählt Steffen. „Man fährt fernab von Straßen durch ein Naturschutzgebiet.“ 120 Kilometer hatten sie am Ende des Tages hinter sich gebracht.
Der zweite Tag. Die Anstrengung macht sich bemerkbar: „Ich dachte, mir springen die Oberschenkel auseinander“, meint Ronny.
Ratlosigkeit am dritten Tag. Den Radfernweg inzwischen verlassen, kamen Steffen und Ronny auf dem Elbe-Ostsee-Weg an eine Gabelung. Ein Schild gab es auch, es zeigte jedoch genau in die Mitte der beiden Straßen. Doch die Anwohner waren mit diesem Problem wohl schon vertraut, sie konnten schnell weiterhelfen.
In Priwall (bei Travemünde) goss es wie aus Kannen. Zum Glück gab es vor Ort eine Jugendherberge. „Wir dachten uns, eine Nacht im Bett wäre nicht schlecht“, erinnert sich Ronny. Aber sie hatten sich zu früh gefreut. Im Jungen-Trakt gab es nur noch ein Einzelzimmer. Darin noch eine Liege aufzustellen, war den Mitarbeitern unmöglich. So mussten die beiden DJH-Mitglieder wieder abziehen. Steffen: „Da waren wir natürlich stinkig!“ Glücklicherweise war nebenan ein Zeltplatz.
Der vierte Tag begann mit einer Reifenpanne. Bereits die zweite. Als der Fahrradhändler in Travemünde meinte „Das wird heute nichts mehr“ (es war 9Uhr), musste der Schlauch eigenhändig repariert werden. Er hielt – ganze 200 Meter. „Da gab es erste Spannungen“, meint Ronny grinsend. An einem Bauernhof mussten die beiden erste Hilfe leisten. Eine Ziege hatte sich mit ihrem Kopf in einem Maschendrahtzaun verfangen. Mit einem Seitenschneider wurde sie befreit.
Am Nachmittag des fünften Tages befuhren sie mittels der Rampe für die Autos die Fähre nach Rödbyhavn. Begeistert waren die beiden vom Zeltplatz im dänischen Maribo. „Gute Preise, die Anlage top“, fasst Steffen kurz zusammen. „Und alles inklusive. Man kann zum Beispiel stundenlang duschen.“
Der sechste Tag, Sonnabend. Am Nachmittag war natürlich kein Laden mehr offen. Glücklicherweise gab es in der Nähe eine Pizzeria.
„Dänemark ist ein Fahrradfahrerland“, ist Steffen begeistert. „Überall gibt es breite Radwege, das ist genial.“ Bis Kopenhagen waren es noch 80 Kilometer. Noch in der Nacht zum Sonntag machten sie sich auf den Weg. Eine erneute Reifenpanne und heftiger Regen machten ihnen die Fahrt allerdings nicht einfach. Doch um 6Uhr waren sie am Ziel. Aber was macht man am Sonntagmorgen in Kopenhagen, wenn noch nichts los ist? Nur bei McDonald’s im Hauptbahnhof gab es etwas zu essen. Der Zeltplatz, den sie ansteuern wollten, war noch weit weg, die Stimmung auf dem Nullpunkt.
Sie beschlossen, die Fähre nach Malmö zu nehmen, nach nur fünf Stunden Aufenthalt verließen sie Kopenhagen. Von Malmö aus blieben ihnen nur wenige Stunden, bis die Rostocker Fähre in Trelleborg abfuhr. Die nächsten 40 Kilometer waren die schwersten. „Von vorn kam ein knallharter Wind, es regnete und der Weg war aufgeweicht“, beschreibt Ronny die Rückfahrt. Fast wären sie auch noch am Hafen vorbeigefahren. Um 21.30Uhr kamen sie in Rostock an, doch die letzte Bahn nach Oranienburg war bereits weg. So verbrachten sie die letzte Nacht ihres Trips an einer Straßenbahnhaltestelle und auf dem Hauptbahnhof.
Der achte Tag, 6.07Uhr. Abfahrt nach Oranienburg. Als sich Steffen und Ronny, wieder in der Heimat angekommen, voneinander verabschiedeten, zeigte Steffens Tacho 695 gefahrene Kilometer an.
„Es war anstrengend, aber wir werden so etwas bestimmt im nächsten Jahr wieder machen“, beteuern die beiden. Vielleicht können sie ja dann auch über den Öresund fahren: In diesem Jahr war das Wetter zu schlecht.

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