RTelenovela

Ich, die Fußballglücksfee

Freitag, den 9. September 2011
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Es kam ganz plötzlich: Na, willst du Glücksfee sein? Da sagte ich nicht nein. In unserer Redaktion wurden am Nachmittag die Begegnungen in der zweiten Runde des Fußball-Kreispokals von Oberhavel ausgelost.

Ich habe in meinem Leben schon einiges gemacht. Dass ich die Fußballglücksfee spielte, das war neu.
Und so eine Auslosung kenne ich nur vom Fernsehen: Bei der WM wird ausgelost, wer gegen wen spielt. Oder beim DFB-Pokal. Da ist das in der “Sportschau” ein Event. Und nun also ich. Und und der Kreispokal. Eine Frechheit, dass Oberhavel TV nicht live übertrug.

Vor mir stand eine Vase mit lauter Losen drin. Das heißt: Die Lose lagen in kleinen Döschen, die aussahen wie früher die Behälter, in denen die Fotofilme lagen.
Gleich dreimal durfte ich losen: Den Männerpokal, den Frauenpokal und den Ü-45-Pokal. Das mit den Ü45 habe ich allerdings nur mitbekommen, weil ich eben gerade den dazu passenden MAZ-Beitrag gelesen habe. Ich war so aufgeregt, dass ich das bei der Auslosung selbst gar nicht so genau mitbekommen habe.

Den einen oder anderen “Hammer” habe ich dabei wohl gezogen: So treffen die Männer aus Mühlenbeck gegen die Granseer. Ich habe mir sagen sagen, dass das eine dolle Begegnung ist. Als Fußballglücksfee habe ich das nicht gewusst. Aber Glücksfeen sollen ja Glück bringen und nicht über den Oberhavel-Fußball Bescheid wissen. Das Duell zwischen Häsen und Mildenburg könnte auch ein Knaller sein.

Liebe Fußballer! Wenn ihr eventuell nach dem Spiel, das ich euch zugelost habe, ausscheiden solltet, dann sage ich euch schon jetzt: Nein, ich habe keine Schuld! Es war reine Glückssache!

aRTikel

Erste Hilfe am Maschendraht

Mittwoch, den 5. September 2001
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Steffen Dorn und Ronny Gassan fuhren mit dem Fahrrad bis nach Kopenhagen

MAZ Oranienburg, 5.9.2001

SACHSENHAUSEN
Einmal über den Öresund nach Kopenhagen. Das war der Traum, der Steffen Dorn (20) und Ronny Gassan (21) dazu bewog, sich in Sachsenhausen auf das Fahrrad zu setzen, um nach Dänemark zu radeln.
Bepackt mit Getränken, Müsliriegeln, Schokolade, Traubenzucker, aber auch mit reichlich Kleidung für jedes Wetter, machten sie sich an einem Montagmorgen um 6.15Uhr auf den langen Weg.
Der erste Tag. Die Fähre in Malz ist außer Betrieb. Das wussten die beiden Radreisenden. Die ADFC-Karte nicht. Auch ein Hinweis, wo man stattdessen langfahren soll, war nicht zu entdecken. So fuhren Steffen und Ronny über die Oranienburger Klinkerbecken am Ufer des Oder-Havel-Kanals entlang. Doch als der Weg immer schlechter wurde, die Brennesseln am Wegesrand immer höher, beschlossen sie, einfach rechts auf einen anderen Weg abzubiegen. Dort stießen sie auf eine Asphaltstraße: der Radfernweg. Über Bernöwe, Liebenwalde, Zehdenick und Mildenberg führte er nach Ravensbrück. Der geschichtliche Aspekt dieses Ortes mit dem ehemaligen KZ wurde am Radweg aber nicht klar: „Schade, dass es keine Hinweise darüber gab, was das eigentlich war“, bedauert Ronny.
Am Abend erreichten sie die Müritz. „Die Radwege dort sind wunderschön“, erzählt Steffen. „Man fährt fernab von Straßen durch ein Naturschutzgebiet.“ 120 Kilometer hatten sie am Ende des Tages hinter sich gebracht.
Der zweite Tag. Die Anstrengung macht sich bemerkbar: „Ich dachte, mir springen die Oberschenkel auseinander“, meint Ronny.
Ratlosigkeit am dritten Tag. Den Radfernweg inzwischen verlassen, kamen Steffen und Ronny auf dem Elbe-Ostsee-Weg an eine Gabelung. Ein Schild gab es auch, es zeigte jedoch genau in die Mitte der beiden Straßen. Doch die Anwohner waren mit diesem Problem wohl schon vertraut, sie konnten schnell weiterhelfen.
In Priwall (bei Travemünde) goss es wie aus Kannen. Zum Glück gab es vor Ort eine Jugendherberge. „Wir dachten uns, eine Nacht im Bett wäre nicht schlecht“, erinnert sich Ronny. Aber sie hatten sich zu früh gefreut. Im Jungen-Trakt gab es nur noch ein Einzelzimmer. Darin noch eine Liege aufzustellen, war den Mitarbeitern unmöglich. So mussten die beiden DJH-Mitglieder wieder abziehen. Steffen: „Da waren wir natürlich stinkig!“ Glücklicherweise war nebenan ein Zeltplatz.
Der vierte Tag begann mit einer Reifenpanne. Bereits die zweite. Als der Fahrradhändler in Travemünde meinte „Das wird heute nichts mehr“ (es war 9Uhr), musste der Schlauch eigenhändig repariert werden. Er hielt – ganze 200 Meter. „Da gab es erste Spannungen“, meint Ronny grinsend. An einem Bauernhof mussten die beiden erste Hilfe leisten. Eine Ziege hatte sich mit ihrem Kopf in einem Maschendrahtzaun verfangen. Mit einem Seitenschneider wurde sie befreit.
Am Nachmittag des fünften Tages befuhren sie mittels der Rampe für die Autos die Fähre nach Rödbyhavn. Begeistert waren die beiden vom Zeltplatz im dänischen Maribo. „Gute Preise, die Anlage top“, fasst Steffen kurz zusammen. „Und alles inklusive. Man kann zum Beispiel stundenlang duschen.“
Der sechste Tag, Sonnabend. Am Nachmittag war natürlich kein Laden mehr offen. Glücklicherweise gab es in der Nähe eine Pizzeria.
„Dänemark ist ein Fahrradfahrerland“, ist Steffen begeistert. „Überall gibt es breite Radwege, das ist genial.“ Bis Kopenhagen waren es noch 80 Kilometer. Noch in der Nacht zum Sonntag machten sie sich auf den Weg. Eine erneute Reifenpanne und heftiger Regen machten ihnen die Fahrt allerdings nicht einfach. Doch um 6Uhr waren sie am Ziel. Aber was macht man am Sonntagmorgen in Kopenhagen, wenn noch nichts los ist? Nur bei McDonald’s im Hauptbahnhof gab es etwas zu essen. Der Zeltplatz, den sie ansteuern wollten, war noch weit weg, die Stimmung auf dem Nullpunkt.
Sie beschlossen, die Fähre nach Malmö zu nehmen, nach nur fünf Stunden Aufenthalt verließen sie Kopenhagen. Von Malmö aus blieben ihnen nur wenige Stunden, bis die Rostocker Fähre in Trelleborg abfuhr. Die nächsten 40 Kilometer waren die schwersten. „Von vorn kam ein knallharter Wind, es regnete und der Weg war aufgeweicht“, beschreibt Ronny die Rückfahrt. Fast wären sie auch noch am Hafen vorbeigefahren. Um 21.30Uhr kamen sie in Rostock an, doch die letzte Bahn nach Oranienburg war bereits weg. So verbrachten sie die letzte Nacht ihres Trips an einer Straßenbahnhaltestelle und auf dem Hauptbahnhof.
Der achte Tag, 6.07Uhr. Abfahrt nach Oranienburg. Als sich Steffen und Ronny, wieder in der Heimat angekommen, voneinander verabschiedeten, zeigte Steffens Tacho 695 gefahrene Kilometer an.
„Es war anstrengend, aber wir werden so etwas bestimmt im nächsten Jahr wieder machen“, beteuern die beiden. Vielleicht können sie ja dann auch über den Öresund fahren: In diesem Jahr war das Wetter zu schlecht.