RTZapper

Der Deutsche Fernsehpreis 2013

Sonntag, den 6. Oktober 2013
Tags: , , ,

FR 04.10.2013 | 22.15 Uhr | Sat.1

Deutschlands Fernsehkritiker haben nicht nur am Donnerstag fast kollektiv heftigste Blähungen gehabt. Herrschte beim RTL-Katastrophenfilm “Helden” ein Kollektivkotzen, so war das am Mittwoch nicht anders. Da zeichnete Sat.1 den “Deutschen Fernsehspreis 2013″ auf, und so ziemlich alle waren sich erneut einig: Die Show war der letzte Scheiß, die Schlechteste, die je veranstaltet worden sei. Wie auch bei “Helden” redeten sich die User bei Facebook, Twitter und den Medienseiten sehr in Rage, und – schwupp, da war sie schon wieder – die große Hämeblase. Ein großes Tuttern und Blubbern, und überhaupt drohte bereits der Weltuntergang.

Und schon wieder muss ich sagen: Ich fand’s eigentlich ganz okay. “Der Deutsche Fernsehpreis” war (leider) selten eine wirklich unterhaltsame Show mit vielen witzigen Momenten. Das haben seit 1998 leider nur wenige hinbekommen. Die 2013er-Ausgabe fügte sich ganz gut ein in die Reihe.

Kritikerdeutschland moserten über… na ja, eigentlich über alles. Über die miesen Moderatoren, die schlechten Gags, die teilweise grauenhaften Dankesreden, über teilweise zweifelhafte Gewinner.
Die Kritiker haben an vielen Punkten natürlich recht. Die Gags, die Cindy aus Marzahn und Oliver Pocher bringen mussten, zündeten oft nicht. Andererseits mag ich Selbstironie, und ein Einspieler, in dem es sich um Wahrheit oder Lüge drehte, war wirklich witzig. Dass Cindy und Pocher keinen Bock auf die Show hatten, wie es ihnen Kritiker vorwarfen, nein, konnte ich nicht feststellen.
Schmunzelmomente – die gab es wirklich: Zum Beispiel, dass sich Marc Bator gleich mehrfach – und zurecht – Häme gefallen lassen musste, dass er von der “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” gewechselt ist.

Ja, über einige Preise muss man reden. Dass zdf_neo für die Dokureihe “Auf der Flucht” ausgezeichnet wird, muss man hinterfragen. Dass D-Promifrau Mirja Dumont so tun darf, als sei sie auf der Flucht und denkt, sie erlebte reales Leben, das ist ihre Sache. Dass sie dann aber pathetisch auf der Bühne steht, heult und immer an die Flüchtlinge denken will, das grenzt an Lächerlichkeit. Wenn sich Sky und seine Frau natürlich überlegt haben, zwölf Flüchtlinge zu Hause aufzunehmen, dann nehme ich die Anmerkung natürlich gern zurück.

Dass immer mehr Sendungen prämiert werden, die auf kleinen Sendern laufen, sollte die Fernsehmacher nachdenklich stimmen. Dass nur ein einziges Format der Privatsender preiswürdig ist, sollte die Fernsehmacher erst recht nachdenklich machen.

Sat.1 kann man jedenfalls nicht vorwerfen, eine besonders schlechte Show abgeliefert zu haben. Sie war mittelmäßig wie immer. Man kann mehr draus machen, aber das ist ein allgemeines Problem der Show. Das kollektive Kotzen im Vorfeld war trotzdem übertrieben und peinlich. Die B.Z. riet den Lesern gar ab, einzuschalten.
Was man Sat.1 (und wahrscheinlich auch ARD, ZDF und RTL auch) sehr wohl vorwerfen kann: die Show 50 Stunden nach Aufzeichnung zu senden. Im Grunde war sie nur eine Wiederholung – bei Twitter und Facebook ist sie Mittwochabend genau verfolgt und verkündet worden. Eigentlich sollte sie am Feiertag ausgestrahlt werden – immerhin auch noch 26 Stunden später. Sat.1 verschob sie um einen weiteren Tag, vermutlich weil sie sauer waren, weil die Konkurrenz – die aber gemeinsam Ausrichter des Fernsehpreises sind – starke Programme gegensetzten.
Langsam sollte den Entscheidern mal dämmern, dass eine Preisverleihung in der heutigen Zeit nur noch live funktioniert. Als Aufzeichnung ist jede Spannung raus, Sperrfristen kann man heute in die Tonne treten.
Und wenn es darum geht, einen passenden Tag zu finden, wo die anderen drei Sender mal keine Premiumprogramme senden – wer sagt denn, dass das am 3. Oktober sein muss?

RTZapper

Klartext-Schöffe und B.Z.-Journalist: mutig oder doof?

Dienstag, den 4. Juni 2013
Tags: ,

MO 03.06.2013 | B.Z.

Alle mutig? Alle doof? Es ist wohl eher Letzteres. Es geht um einen Schöffen und einen Reporter der Berliner Boulevardzeitung B.Z.

Berlin. Im Prozess um den Tod von Jonny K. will sich ein Zeuge an nichts erinnern. Da platzt einem der Schöffen der Kragen: „Sind Sie zu feige oder wollen Sie das Gericht verarschen?“, ruft er.
Ja, könnte man sagen, das ist total mutig, ein toller Mann ist das. Andererseits ist das ziemlich dämlich, denn die Verteidiger der Beschuldigten haben so Gelegenheit, diesen Schöffen jederzeit als befangen abzulehnen. Insofern war es alles andere als clever, so aus der Haut zu fahren.

Aber damit nicht genug. Angeblich hat dieser Schöffe der B.Z. ein Interview gegeben, im Nachhinein bestreitet er das, der B.Z.-Reporter gibt eine eidesstattliche Erklärung ab, dass das Interview stattfand. Der Schöffe motzte laut B.Z. rum, dass die Verteidiger den Prozess kaputtmachen wollen.
Die B.Z. machte am Montag mit der Schlagzeile auf: “Berlins mutigster Schöffe spricht”. Da muss sich der Reporter geirrt haben, denn in Wirklichkeit sprach er mit dem vermutlich doofsten Schöffen – wenn er denn mit ihm gesprochen hat. Dass der B.Z.-Reporter so was mutig findet, spricht ebenfalls nicht gerade für ihn.
Denn das Ende vom Lied: Der Prozess ist geplatzt, Schuld hat der Schöffe, der sich nicht im Griff hatte. Ganz toll gemacht, denn nun wird sich der Prozess noch weiter hinziehen.

RTZapper

Abendschau: Knut ist tot

Montag, den 21. März 2011
Tags: , , ,

SO 20.03.2011 | 19.30 Uhr | rbb Berlin

Bei all den Katastrophen auf der Welt – den Berlinern stockt gerade der Atem: Knut ist tot. Knut, der Eisbär.
Am Sonnabend um 15.22 Uhr starb das Tier im Berliner Zoo vor den Augen Dutzender Menschen. Ein entsprechendes Video kursiert im Internet, und es sind schockierende Bilder. Das Tier dreht sich, scheint zu krampfen, fällt ins Wasser, kämpft noch mit sich und geht dann unter. Im Hintergrund schreien die Menschen, rufen nach Hilfe.

Am Sonntag schon kommt die “B.Z. am Sonntag” mit 16 Sonderseiten heraus. “Dieses Bild vom toten Knut bricht uns Berlinern das Herz”, steht auf der Titelseite mit dem großen Foto vom im Wasser treibenden toten Knut. Wäre ein mensch darauf zu sehen, würde das gegen jede Ethikregel verstoßen – im falle eines Tieres scheinen die nicht zu gelten. Da wird jede Sekunde seines Todeskampfes ausgeschlachtet und zur Schau gestellt.
Auch auf anderen Zeitungen verdrängt der Eisbär für einen Tag die Weltereignisse.
Die “Abendschau” des rbb in Berlin beschäftigt sich Sonnabend und Sonntag ebenfalls mit Knut. Berichtet von traurigen Menschen, von den Besuchern und den Angestellten des Zoos.

Man mag die Nase rümpfen angesichts der Trauer und des erneuten Medienhypes um ein totes Tier. Aber dieser Knut war für die Berliner mehr. Ein Symbol, ein Wahrzeichen, ein Freund. Sein Tiergehege ein Treffpunkt. Knut wird den Berlinern fehlen, und dass sie um ihn trauern, kann man ihnen nun wirklich nicht verdenken.

RTZapper

Darum weint er

Dienstag, den 15. Januar 2008
Tags: ,

DI 15.01.2008, B.Z.

Große Story auf der Titelseite der B.Z.: RTL-Dschungelbewohner Ross Anthony sagt “Ich wurde mit zwölf Jahren von 2 Männern misbraucht.” Weiter hinten: “Darum weint er”.
Weiter heißt es, er habe in einem Buch darüber geschrieben und jetzt, im australischen RTL-Dschungel mit Michaela Schaffrath darüber gesprochen. “Diese Szene soll heute Abend ausgestrahlt werden.”
Ist es jetzt so weit? Sinken die Quoten der Sendung, dass nun mit privaten Schickalsstorys das Ganze aufgepeppt werden muss? Oder braucht Ross PR? Und vor allem: Woher wissen die Leute von RTL, dass Ross das heute im Dschungel erzählen wird? Denn sonst läuft doch immer die Zusammenfassung der Ereignisse vom Vortag. Oder hat RTL die Bilder zurückgehalten, damit erst mal ordentlich Werbung gemacht werden kann? Und gibt es wirklich Leute, die extra einschalten, um Ross’ Story zu hören?
Aber klar, dass die Boulevardpresse da mitmacht. Ein Geben und Nehmen. Interessant nur, dass die B.Z. dies als Enthüllung betrachtet, wo es doch schon in seinem Buch steht, wie es dann auch im Artikel heißt.
Diese ganze Geschichte hat einen bitteren Beigeschmack. In jeglicher Hinsicht.

RTZapper

Luftpost an Wowi

Montag, den 17. Dezember 2007
Tags: , , ,

MO 17.12.2007, B.Z.

Die Berliner streiten sich. Die einen wollen den Flughafen Tempelhof schließen, weil es ja bald den Großflughafen in Schönefeld gibt. Die anderen wollen Tempelhof offenlassen. Weil… weil… na ja, weil der Flughafen eben schon immer da war und wegen der Luftbrücke damals und so… und weil er so schön dicht in der Stadt liegt.
Seltsam. Tempelhof hat offenbar sehr viel mit Emotionen zu tun. Man könnte fast meinen, tempelhof ist eine einzige Emotion.
In der heutigen B.Z. ist ein offenbar Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit abgedruckt. Geschrieben von Schauspieler Manfred Lehmann (u.a. Stimme von Bruce Willis). darin schildert er Wowi seine “persönliche Beziehung” zum Flughfane Tempelhof. Seine Frau landete bei ihrem ersten Berlin-Besuch dort. Und ein Flughafen in der Stadt sei was Besonderes. Nur von Tempelhof komme er nach Baden-Baden.
Wahnsinnsargumente. Glückwunsch, Herr Lehmann!
Wenn es um Tempelhof geht, argumentieren viele mit gestrigen Ereignissen, selbst in “echten” B.Z.-Kommentaren wird im Grunde nur vergangenen Zeiten nachgeheult.
Aber das, was gestern war, gilt heute nun mal nicht mehr. Niemand scheint wirkliche Argumente für Tempelhof zu haben. So ein Artikel wie heute wirkt da eigentlich nur extrem peinlich und ist ein Grund mehr, sich für den Großflughafen stark zu machen. Aber es scheint, dass selbst die Tempelhofer ihren Fluglärm gern haben.

RTZapper

Prinzessin Trash und ihr Hofstaat

Freitag, den 14. Dezember 2007
Tags: ,

DO 13.12.2007, B.Z.

Wie goldig! Paris Hilton in Berlin! Unfassbar spannende Angelegenheit! Irgend so eine Partygesöff-Firma hatte sie in die Hauptstadt geholt, damit sie mal so richtig die Werbetrommel rühren kann. Und dankenswerterweise ist die B.Z. der Sause so richtig auf den Leim gegangen. Schon in der Unterzeile der Überschrift findet sich der Name der Firma wieder, ebenso im Artikel selbst.
Werbeauftrag in der B.Z. erfüllt.
Und so erlebte die Presse Sternstunden der PR. Paris Hilton auf der Rodelbahn auf dem Potsdamer Platz. Paris Hilton mit Knut-Kuscheltier, küssend. Süüüß! Paris Hilton beim Sushi-Essen.
Unheimlich spannend.
Ebenso interessant (nur für wen?) ist es, welche Jogginganzugmarke Fräulein Hilton trägt. Zitat: “Paris Hilton (26) in Berlin. Im Jogginganzug (an dieser Stelle ist der Markenname genannt, Anm. d. Verf.) checkte sie am Dienstagabend (…) ein.”
Man muss nicht (doch, die B.Z. muss) extra erwähnen, dass Paris Hilton im Hilton eincheckte. Aber wen interessiert es, welchen Jogginganzug sie trug? Außer der Verfasserin des Artikels und der Modefirma selbst.
Aber es ist immer wieder nett zu sehen, dass nichtige PR-Termine es trotzdem immer wieder extrem prominent in die Zeitung schaffen. Danke, Paris Hilton. Gruß und Kuss.

PS: Ein paar Seiten weiter wird ganz klein vermeldet, dass zwei Hörbuchverlage 60000 bzw. 12000 Hörbücher an die Organisation “Die Tafel” gespendet haben. Namen wurden nicht genannt. Dabei wäre es hier durchaus angebracht gewesen. Aber da war ja auch die Hilton nicht mit dabei, mit ihrem doofen Jogginganzug, den sie sicher nicht mal selbst zahlte.

RTZapper

Berlin: Mauer in Mitte aufgebaut

Donnerstag, den 11. Oktober 2007
Tags: , , , ,

MI 10.10.2007, B.Z.

In Berlin wird die Mauer wieder aufgebaut. Ja, genau: DIE Mauer. Und das sogar gleich an zwei Stellen.
Aber, keine Angst: Die Linke hat sich nicht wieder in SED umbenannt und die DDR wiedergegründet. Des Rätsels Lösung ist eine andere: Aus Filmzwecken wird die Mauer in Berlin wieder aufgebaut. Und warum an gleich zwei Stellen? Ganz einfach: Es werden sogar zwei Filme in Berlin gedreht, in denen die Mauer (noch) steht.
Die B.Z. berichtet heute über einen ZDF-Film, wofür die Mauer an der Monbijoubrücke in Berlin-Mitte errichtet wird. Ebenfalls heute zeigt die Berliner Morgenpost ein Foto von der Mauer in Gesundbrunnen. Hier dreht Sat.1 einen Film.
Klar, dass der Springerpresse dabei die Muffe geht. Aber keine Angst: Die Mauer wird wieder fallen. Zumindest gehen wir davon aus…