RTelenovela

Von Fotos, die es wohl nicht in die Zeitung schaffen

Samstag, den 20. August 2011
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Für viele Artikel, die ich schreibe, mache ich auch die Fotos. Manchmal hat man allerdings Motive vor der Linse, bei denen man nicht so genau weiß, was man damit anfangen soll. Heute ist mir das gleich zweimal passiert. Allerdings auf sehr unterschiedliche Weise.

Welche Fotos gehören zu den langweiligsten, die man immer wieder in der Zeitung sieht? Die, auf denen Bändchen durchgeschnitten werden.
Da wird eine Straße oder ein Parkplatz neu gebaut oder saniert. Dann kommen die Lokalpolitiker und die Lokalpresse. Die Lokalpolitiker rollen gemeinsam mit den Straßenplanern ein Bändchen aus und schneiden es durch. Was nur symbolisch und eigentlich das Sinnloseste ist, was es so gibt. Denn die Straße oder der Parkplatz sind meist auch vorher schon für den Verkehr freigegeben.
Irrsinnig war beispielsweise mal eine Parkplatzeröffnung, die ich in Alt Ruppin miterlebte. Mitten auf dem Parkplatz, der bereits voller Autos war, wurde ein Bändchen ausgerollt, das von zwei Leuten links und rechts gehalten wurde. Ein dritter schnitt das Ding durch. Hurra.
Oder heute in Vehlefanz: Die Straße war längst offen, das Bändchen musste trotzdem noch mal durchgeschnitten werden. Natürlich gibt es davon auch ein Foto, in die Zeitung kommt es jedoch nicht. Stattdessen sieht man ein Foto, auf dem bereits ein Auto auf der besagten Straße entlangrollt, und die Politiker stehen daneben und sehen der Fahrerin zu.

Gleich danach der nächste Fotofall. Aber aus einem ganz anderen Grund. In Sommerfeld erzählte mir eine Frau von ihrem schwerkranken Mann. Als es bei ihm akut wurde, mussten Hausarzt, Pflegedienst und später der Notarzt geholt werden. Der Pflegedienst kümmerte sich mehrere Tage lang um den Mann, damit er nicht ins Krankenhaus muss. Eine bemerkenswerte Geschichte, weil das alles mehr oder weniger ehrenamtlich passierte.
Dann aber ging es um das Foto. Ich dachte daran, die Frau mit der Haupthelferin zu fotografieren. Es kam aber anders. Inzwischen traf das komplette Pflegeteam ein, und der Mann könne doch auch aufs Foto.
Der Mann lag in seinem Bett, schien gar nicht mitzubekommen, was um ihn herum geschah. Wir alle versammelten uns in dem kleinen Zimmer. Der Mann im Bett, die Augen geschlossen. Seine Frau daneben, die Pflegerinnen dahinter.
Auf dem Foto liegt der Mann mit geschlossenen Augen im Bett, alle anderen sehen zu ihm oder in die Kamera. Ein sehr heikles Foto, wie ich finde. Und ich habe das Gefühl, dass es nicht in die Zeitung, in die Öffentlichkeit gehört. Der Mann konnte nicht sagen, ob er aufs Foto will oder nicht. Und irgendwie sieht es aus, als schlafe er oder… Wie auch immer: Wenn der Artikel zur Geschichte in der kommenden Woche erscheint, wird das wohl ohne dieses Foto passieren.
Oder was meint ihr?

RTZapper

20x Brandenburg

Samstag, den 8. Januar 2011
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DO 06.01.2011 | 22.15 Uhr | rbb

Sie können nicht lesen, aber sie kommen zurecht. Sie führen ein gutes Leben in Alt Ruppin. Die beiden Frauen sind Näherinnen. Aber einmal im Jahr, da fahren sie raus. Reisen in eine andere Welt. Nach Berlin. Sie steigen in den Prignitz-Express. Immer mit der Karte in der Hand. Immer mit einem Ohr am Lautsprecher, um die nächste Ansage nicht zu verpassen. Sie fahren bis Hennigsdorf, warten dort auf die S-Bahn. Fahren weiter bis Berlin. Sie wollen zum Potsdamer Platz.
Der Zuschauer, der sich in Berlin auskennt, weiß, dass sie durchfahren können. Aber in Berlin-Friedrichstraße hören sie etwas von “umsteigen” und verlassen die Bahn.
Nun sehen sie da und fragen die Leute, wo denn die Bahn zum “Alexandraplatz” ist. Sie fahren wieder Bahn, am Alex fragen sie sich durch, wo sie denn zum Potsdamer Platz kommen, suchen die das Schild mit dem “U” und der “2″. Die U2 zum Potsdamer Platz.
Als sie dann vor dem Theaterhaus stehen und die Klänge des Musicals “Dirty Dancing” beginnen, sind die beiden Frauen glücklich. Glücklich, dass sie es ganz allein geschafft haben.
Die Kamera begleitet die beiden. Kommentarlos verfolgt der Zuschauer die am Ende erfolgreiche Odyssee. Ein extrem rührender Film. “Mit ohne lesen” ist einer der Höhepunkte von “20x Brandenburg”.

Der rbb wiederholte am Donnerstag das fünfstündige Doku-Special, das zum 20. Geburtstag des Landes Brandenburg entstand. 20 Dokumentarfilmer drehten 20 Filme über Land und Leute.

Zum Beispiel auch über einen Bestatter im uckermärkischen Brüssow. Seine Firma hat acht Filialen, und seine Angebote preist er an wie auf dem Rummel. Irgendwie gruselig: Eine Frau singt ganz schön schief und schleimig “So war sein Leben” und sagt dann im Stil einer Ansage einer Zugbegleiterin, dass die Leute jetzt noch bei Kaffee und Kuchen plaudern könnten. Also in Brüssow möchte ich lieber keine Trauerfeiern erleben…

RTelenovela

Volojahre (39): Abschied von Neuruppin

Mittwoch, den 23. Dezember 2009
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(38) -> 14.11.2009

Das erste Volojahr ist heute zu Ende gegangen. Und dieser heutige Tag war der bisher emotionalste. Abschied aus Neuruppin.

Etwas mehr als fünf Monate habe ich in der Fontanestadt gearbeitet. Ich werde die Stadt vermissen. Besonders aber meine dortigen Kollegen.
Ich habe so etwas noch nie erlebt: Schon nach wenigen Tagen (man könnte fast sagen: Stunden) gehörte ich zum Team, war einer von ihnen. Und nicht nur der kleine Volo, der Lehrling. Wir hatten Stress, wir waren produktiv, wir hatten Spaß.
Zum Abschied gab es viele liebe Worte und Geschenke. So viel Rührung war selten, und ich gehöre zu den Menschen, die mit Lob nicht so gut umgehen können.

Aber nicht nur das Team werde ich vermissen. In den fünf Monaten habe ich viele Leute kennengelernt. So ziemlich alle Skandale von Neuruppin – und das sind einige gewesen. Ich werde Alt Ruppin vermissen – nebst der ausschweifenden Ortsbeiratsquasselbude.
Der Abschied begann schon Anfang Dezember, als ich bei einem Termin im Neuruppiner Arbeitsamt war. Als ich meinte, das sei mein letztes Mal dort gewesen: gute Wünsche, behalten Sie uns im Auge – und so weiter.

Heute war mein allerletzter Termin in der katholischen Kirche in Neuruppin: Ein Ehepaar aus Zietenhorst bastelt an einer Wandelkrippe. Ein schöner Abschluss – auch passend zum anstehenden Weihnachtsfest.

Freude über den Urlaubsbeginn – am 5. Januar geht es in Potsdam weiter. Freude über den Beginn des Weihnachtsfestes. Aber auch viel Wehmut. – Das war meine abendliche Fahrt raus aus der Neuruppiner Altstadt, raus über Treskow zur Autobahn.
Neuruppin, ich komme mal wieder!

RTelenovela

Kraniche hautnah

Donnerstag, den 3. Dezember 2009
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Da fährt man extra nach Linum, um sich die Kraniche anzusehen, die dort immer sein sollen. Meistens hat man da eher Pech, denn die Vögel sind meist in der ganzen Gegend, nur nicht direkt in Linum.

Neulich begegnete ich den Kranichen jedoch so gut wie hautnah. An der B167 standen sie zwischen Wulkow und Alt Ruppin direkt an der Straße. Ganz gemütlich futterten Dutzende von ihnen im Feld.
Und das alte Phänomen: Plötzlich werden die Autos langsamer. In der 100er-Zone tuckern sie mit 70 an dem Feld vorbei.
Vielleicht sollten die Alt Ruppiner mal über den Kranichtourismus nachdenken. Aber ob die Vögel dann noch in Ruhe im Feld rumstehen?

RTelenovela

Der erste Schnee 2009: Darauf war ich doch gar nicht vorbereitet

Mittwoch, den 4. November 2009
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Mehr als acht Zentimeter Schnee fielen allein in Neuruppin. Der Winter kam so plötzlich, dass eigentlich noch niemand darauf eingestellt war. Und weil selbst der Wetterdienst nichts davon ahnte.

Der Morgen begann mit Graupel. Als ich in Oranienburg mein Haus verließ, kam schon leichter Schneeregen vom Himmel.
Auf der Fahrt nach Rheinsberg dachte ich noch: Die Sache mit den Winterreifen müssen wir bis spätestens Anfang Dezember hinbekommen.
Kurz vor Löwenberg war die B 96 schon ganz leicht weiß angehaucht. Die Felder nebenan schon sanft schneebedeckt. Aber immer noch im gelben Bereich.
In Gransee machte ich das erste Mal einen Bremstest. Er funktionierte, alles war immer noch schick. Doch der Winter rückte immer näher.
Es begann zu schneien. Als ich gerade Köpernitz bei Rheinsberg erreichte, rief mich mein Bruder an – wegen der Winterreifen, die nun bald kommen. Als ich mich aber umsah, wusste ich: Eigentlich bräcuhte ich sie genau jetzt. Denn in Köpernitz war Winter, die Straßen weiß – und glatt.
Ich schlich bis nach Rheinsberg rein, der Schneefall wurde heftiger.
Auf radioeins sagten sie immer noch unverdrossenheit Regen und Graupel voraus. Von starkem Schneefall war nicht die Rede.

Die Lesung, die ich besuchte, begann später. Die Autorin kam zu spät. Auch sie brauchte wohl auf den winterlichen Straßen einen Tick länger.
Dennoch war ich zu dem Zeitpunkt, am Vormittag, immer noch entspannt. Der Wetterdienst wusste sowieso nicht, dass es schneit und kündigte 3 bis 8 Grad an. Wird also bis nachher wieder tauen, dachte ich.

Es taute aber nicht. Es schneite weiter. Dicke Flocken. Die Schneeschicht auf meinem Auto war schon zentimeterdick.
Im langsamen Tempo von 40 km/h verließ ich Rheinsberg.
Ostprignitz-Ruppin – ein Wintertraum. Das wäre es zumindest, wenn ich erstens Winterreifen am Auto hätte und zweitens vernünftige Winterschuhe.
So tuckerte ich also durch den Wald und durch die engen Kurven von Zippelsförde. Glücklicherweise gibt es dort aber keine größeren Berge.
Alt Ruppin war dann jedoch eine Herausforderung. Bergab, Kurven, Kopfsteinpflaster, bergauf. Das ging gerade noch, war aber nicht mehr schön.
Auf den Straßen von Neuruppin war die Situation jedoch am gefährlichsten. Die Straßen waren nicht nur schneebedeckt, sondern auch spiegelglatt.
Als ich das Büro erreichte, war ich fertig – und brauchte erst mal eine Pause…

Irgendwas muss da bei den Wetterläuten schiefgegangen sein. Oder wir hatten eine besonders ungewöhnliche Wetterlage. Denn erst der Neuruppiner Bauhof musste die Leute vom Wetterdienst darüber informieren, dass Schnee liegt. Bei uns vor der Tür bis zu 8,5 Zentimeter.
Anfang November haben zudem die wenigsten wohl schon Winterreifen auf dem Auto. So ging in den Bergen von Kunsterspring zeitweise gar nichts mehr. Auf der Autobahn bei Putlitz kam ein Sattelschlepper von der Strecke ab. Er hatte Ferraris und Oldtimer geladen. Die sind nun Schrott. Schaden: mehr als eine Million Euro.
Der erste Schnee wurde für einige Leute somit verdammt teuer…

aRTikel

Kleine Feier im großen Kreis

Samstag, den 24. Oktober 2009
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Porträt: MSV-Präsident Gerhard Skupke feiert heute seinen 60. Geburtstag

MAZ Neuruppin, 24.10.2009

Sein Leben ist bewegt. Freizeit hat der Neuruppiner Gerhard Skupke kaum. Heute wird er 60.

NEURUPPIN
Eines hat sich Gerhard Skupke gleich vorweg verbeten: Wenn er heute in einer Alt Ruppiner Gaststätte seinen runden Geburtstag feiert, will er keine einzige „60“ als Dekoration im Raum sehen. Die Familie wird zur Party kommen, Freunde, Weggefährten, Kollegen auch. Und davon gibt es viele. Denn das Leben von Gerhard Skupke war bewegt und ist es immer noch. Dennoch spricht er von einer kleinen Feier im engen Kreis.

Seit mehr als 50 Jahren lebt der heutige Präsident des Märkischen Sportvereins (MSV) in Neuruppin. Geboren wurde er am 24. Oktober 1949 in Berlin-Wilmersdorf. „Wir sind 1957 nach Neuruppin gezogen“, erzählt er. „Eigentlich wollten wir näher an Berlin dran bleiben.“ Dann kam es aber doch anders.
Der kleine Gerhard besuchte die Puschkinschule in der Fontanestadt und machte später ein Fachabitur an der Ingenieurfachschule. „Das nannte sich Automatisierung der Fertigungstechnik“, sagt Skupke und lächelt. Seine weiteren Stationen lassen sich unmöglich an dieser Stelle alle aufzählen. Produktionsingenieur, Betriebsratsvorsitzender, später Gesamtbetriebsrat in Potsdam. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Eon-AG in Düsseldorf.
Skupke war auch Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag. Bei der Kreisreform im Jahr 1993 gehörte er zu den Gestaltern des neuen Wappens für Ostprignitz-Ruppin. „Ich durfte an der Stelle mein Hobby Wappenkunde zum Beruf machen“, erinnert er sich. „Das neue Wappen zu kreieren war schwierig. Aber es ist uns gelungen. Ich fand es interessant, an einer neuen Identität mitzuwirken.“ Die vielen Jahre und Aufgaben prägten ihn. „Es war fast immer ein Krisenmanagement. Umstrukturierungen, der Druck von den Mitarbeitern, der politische Druck. Ich war zu 100 Prozent eingespannt.“ Das ging nicht ewig gut. Denn eines Tages kam der Schnitt.

Herzinfarkt. Nichts ging mehr für den Kettenraucher. Es war der 5. September 2003. „Ich habe die Signale davor ignoriert“, so Skupke sechs Jahre danach. Auf einer Dienstreise ist es passiert. Zehn Tage Krankenhaus, drei Wochen Reha. „Aber damit ist es ja nicht getan. Überm Berg ist man nie.“ Allerdings fasste er danach nie wieder eine Zigarette an.

Gerhard Skupke ist seit 1988 mit seiner Frau Heidi verheiratet, sein Sohn Sebastian spielt Fußball in der 1. Männermannschaft des MSV, bei dem Skupke seit dem vergangenen Jahr der Präsident ist.
2005 musste die Familie einen herben Schicksalsschlag verkraften. Der älteste Sohn war geistig behindert. Mit 26 Jahren starb er. „Das war sehr schwierig für uns“, so der 60-Jährige, der auch Gründungsmitglied Vorsitzender des Vereins Lebensräume war, der sich um die Integration behinderter Menschen kümmert.

Seit zwei Jahren ist Gerhard Skupke im Vorruhestand. Von Ruhe kann aber überhaupt gar keine Rede sein. Zeit für Hobbys oder Privates bleibt immer noch kaum. Er hat ein volles Programm. Neben der Arbeit im Sportverein kümmert er sich derzeit um eine Initiative zum vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben. „Aber ich versuche immer, alles relativ locker anzugehen.“

Gerhard Skupke über…
… seine Lieblingsfilme: “Gladiator” sowie “Und täglich grüßt das Murmeltier” – weil sich im Leben auch so viel wiederhole, so Gerhard Skupke.
… seine Lebenseinstellung: “Ich bin nicht der Typ, der sich mit Spruchbändern auf die Straße stellt. Lieber spreche ich mich den Leuten und versuche, sie zu überzeugen.”
… sein Neuruppin: “Ich war oft unterwegs, jetzt gewöhne ich mich gerade wieder ein.”

aRTikel

Er hat die Mutter überredet

Donnerstag, den 22. Oktober 2009
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Jubiläum: Gerhard und Barbara Ziminzke aus Alt Ruppin feiern heute ihre diamantene Hochzeit

MAZ Neuruppin, 22.10.2009

Heute hat bei Gerhard und Barbara Ziminzke der Alltag Pause. Sie feiern ihren 60. Hochzeitstag. Gestritten haben sie nie. Jedenfalls nie lange.

ALT RUPPIN
Nebenan, in der Küche, kochen die Kartoffeln. Das Mittagessen muss bald fertig werden. Auch der Kuchen. Und zum Friseur muss sie auch noch. Barbara Ziminzke lächelt: „Mein Gott, so viel Trubel.“ Vor 60 Jahren hat sie ihren Gerhard geheiratet. Heute feiern die beiden ihre diamantene Hochzeit.
Die 80-Jährige blickt auf das sechs Jahrzehnte alte Foto. Damals trug sie ein langes, weißes Hochzeitskleid. Am 22. Oktober 1949 heirateten Barbara und Gerhard Ziminzke im Standesamt beim Rat der Stadt in Alt Ruppin, danach in der Kirche in der Ortsmitte. „Und das, obwohl meine Mutter erst dagegen war“, sagt sie und lächelt ihren Gerhard an. „Er war nämlich evangelisch und ich katholisch. Aber Gerhard konnte meine Mutter überreden, er hat das schön hinbekommen.“

Barbara wurde 1929 in Bulgarien geboren, Gerhard 1924 in der Altmark. „Kennengelernt haben wir uns 1948“, sagt sie. „Nein, das war schon zwei Jahre vorher“, berichtigt sie ihr Mann und lächelt. Auf jeden Fall beim Tanzen. „Zu der Zeit war ja in Alt Ruppin weiter nichts, nur am Wochenende“, erinnert sich Barbara Ziminzke. Es war jedoch nicht das erste Mal, dass sie sich gesehen hatten. Die beiden wohnten gar nicht so weit voneinander entfernt, rund um den Roofwinkel, wo das Diamantenpaar noch heute lebt.
Von da an trafen sie sich öfter zum Tanzen. „Das ging eine Weile hin und her“, sagt sie. Bis er ihr 1948 einen Heiratsantrag machte. Zu Weihnachten feierten sie ihre Verlobung, ein dreiviertel Jahr danach die Hochzeit. „Wir waren eine recht große Gesellschaft“, sagt Gerhard Ziminzke mit Blick auf das Foto aus dieser Zeit. Bald begannen sie, ihr Haus am Roofwinkel zu bauen, 1950 zogen sie dort ein.
„Ich arbeitete dann in der Landwirtschaft mit“, sagt Barbara Ziminzke, die während des Zweiten Weltkrieges den Beruf der Näherin gelernt hatte. „Einfach war das nicht, wir haben uns manchmal ganz schön gequält.“ Ihr Mann nickt. Er war vorher Schmied, wie sein Vater.
Die beiden bekamen 1951 einen Sohn, zwei Jahre später eine Tochter. Bisher haben Ziminzkes jedoch nur eine Enkeltochter. „Es wäre schon schön, wenn es noch mehr wären“, sagt Barbara mit leuchtenden Augen.
Sie lässt den Blick schweifen. An der Wand hängen lauter Geweihe und Wildköpfe. Alles Trophäen und Erinnerungen: Gerhard Ziminzke war jahrzehntelang Jagdleiter in Alt Ruppin. „Ein Zwölfender-Hirsch war das Größte, was ich mal geschossen habe“, sagt der 85-Jährige.
Viel Freizeit blieb nicht. „Wir haben das ganze Leben nur gearbeitet“, sagt Barbara. Sie verreisten nur selten. „Einmal waren wir in Baku und einmal in Thüringen.“ Gerhard sagt: „Ich hab’ genug gesehen.“ Nach der Wende reiste Barbara Ziminzke zweimal nach Italien – mit der Tochter. Gerhard wollte nicht mit. Dennoch gab es nie Streit. Keinen großen jedenfalls. Sie lächelt ihren Mann an: „Wenn ich mal bockig sein wollte, hat er mich eine Stunde später rumgekriegt.“

Barbara Ziminzke kommt auch heute noch kaum zur Ruhe. Der Garten, die Tiere, der Einkauf, die Hausarbeit. Sie ist noch sehr rüstig, kümmert sich liebevoll um ihren Gerhard. Der sieht am liebsten Fußball im Fernsehen. Heute aber macht der Alltag Pause. Der Bürgermeister kommt zum Gratulieren.