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Die ultimative Sommertour: Auf Longboards bis an die Ostsee

Fünf Jungs aus Oberhavel starten von Schmachtenhagen aus und sind elf Tage lang nach Dierhagen unterwegs – auf dem Weg erwartet sie viel Hilfsbereitschaft

MAZ Oranienburg, 8.7.2020

Schmachtenhagen.
Urlaub mal anders. Fünf Jungs aus Oberhavel sind in elf Tagen auf ihren Longboards von Schmachtenhagen bis Dierhagen an die Ostsee gefahren: zehn Etappen, etwa 280 Kilometer.
Auf Instagram führen sie ein Tourtagebuch unter dem Namen „Longboardjunkies“. Tobias Schulz (15) aus Schildow, Felix Welker (16) aus Germendorf, Julius Warneke (16) aus Bergfelde, Aaron Franke (16) aus Schmachtenhagen und Thomas Koll Hibbert (15) aus Borgsdorf besuchten alle die 10. Klasse des Oranienburger Runge-Gymnasiums. Und weil Julius ab August auf eine andere Schule geht, wollten sie noch mal eine Art Abschlussreise unternehmen.

Die ersten Ideen zu dieser Tour gab es schon im Sommer 2020. Das sei dann aber zu kurzfristig gewesen, die Umsetzung wurde um ein Jahr verschoben. Nach Weihnachten begannen die ersten Planungen. „Wir haben überlegt: Wo wollen wir hinfahren? Was haben wir? Was brauchen wir? Wer kommt mit?“, erzählte Tobias Schulz am Mittwoch. „Anfangs waren wir zu zweit.“ Letztlich sind sie dann zu fünft hochgefahren. Am Mittwoch war Tag zwölf ihrer Tour.
Meistens waren sie auf dem Radfernweg Berlin-Kopenhagen unterwegs. Die Tour führte von Schmachtenhagen über Mildenberg, Fürstenberg, Wesenberg, Kratzeburg nach Waren an der Müritz. Dort blieben sie zwei Nächte. Weiter ging es nach Krakow am See, Güstrow, Schwaan, Warnemünde bis zum Ziel nach Dierhagen. Übernachtet wurde auf Zeltplätzen.
Unterwegs sind die Jungs mit ihren fünf Longboards und mit einem Fahrrad mit Anhänger. „Da sind zwei Zelte drin, Isomatten, Schlaf- und Rucksäcke und unsere Klamotten“, erzählt der Schildower. Jeden Tag waren sie zwischen 20 und 40 Kilometer unterwegs. In der Vorbereitung hatten sie sich Orte gesucht, an denen sie übernachten können. „Wir haben uns aber auch mal verfahren“, erzählt Tobias. Und laufen mussten sie teilweise auch. „Mit dem Rad kann man ja überall fahren, aber für die Longboards brauchen wir schon Asphalt. Waldwege können wir damit nicht befahren.“ An einem Tag musste sie zwei Stunden laufen.

Die Eltern mussten die Jungs zu dieser Tour durchaus erst überreden. Julius hat „ziemlich lange“ mit seinen Eltern verhandelt, wie er sagt. „Das zog sich dann immer weiter nach hinten.“ Ähnlich erzählt das Tobias. „Am Anfang kamen erst mal entsetzte Blicke. Was denkt ihr euch eigentlich?, haben sie gesagt. Aber wir haben ihnen Beispiele aus dem Internet gezeigt, wo die Leute wesentlich weiter weg gefahren sind.“

Immer wieder sind sie auf ihrer Tour auch auf hilfsbereite Menschen gestoßen. „An einem Tag war auf der Hälfte der Strecke Regen und Gewitter“, erzählt Felix Welker. Da waren sie auf dem Weg nach Waren an der Müritz. „An dem Tag hatte ich auch einen kleinen Sturz. Es war dann Gewitter, und wir hatten einen Feldweg vor uns.“ Das sei zu gefährlich gewesen. Sie haben ein Haus gesehen und seien auf das Grundstück gelaufen. „Wir haben den Mann dort gefragt, ob wir kurz bleiben dürfen.“ Sie durften – und sie wurden auch noch bis nach Waren gefahren. „Vor allem in den Dörfern haben wir immer wieder Leute getroffen“, sagt Tobias Schulz. „Das sind wir gar nicht so gewöhnt, dass die Leute so hilfsbereit sind.“ Als sie mal komplett nass auf einem Campingplatz eingetroffen sind, seien viele Leute gekommen und hätten geholfen, die Sachen zu trocknen.
Ein Abbruch der Tour habe aber nie zur Debatte gestanden. „Wir haben uns gegenseitig motiviert, manchmal gab es da schon ein Motivationstief, wenn es den ganzen Tag geregnet hat“, sagt Tobias. In Dierhagen wollen sie nun entspannen, am Donnerstag geht es eventuell auf den Darß. Und im kommenden Jahr könnte dann die nächste Tour der „Longboardjunkies“ in den Süden Deutschlands führen.

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