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Beetzer Bunker wird zugemauert

Nach einer illegalen Party auf dem ehemaligen NVA-Gelände im Wald will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Maßnahmen zur Sicherung des Areals ergreifen

MAZ Oberhavel, 15.10.2020

Beetz.
Der Besen steht noch am Eingang zum Bunker an der Wand. Ganz besenrein ist die leerstehende Halle nicht, wirklich vermüllt aber auch nicht. Das Gebäude auf dem alten NVA-Gelände mitten im Beetzer Wald ist in den vergangenen Tagen wieder in den Blickpunkt geraten. In der Nacht zum 4. Oktober fand dort eine illegale Party mit etwa 100 Menschen statt. Die Polizei hatte das Gelände nach einem Zeugenhinweis räumen lassen und Platzverweise ausgesprochen, sogar ein Hubschrauber war zum Einsatz gekommen.

Klar, dass das am Dienstagabend auch im Beetzer Ortsbeirat ein Thema war. „Jeder hat was gewusst, jeder hat was gesehen“, sagte Ortsvorsteher Peter Winkler (SPD) am Mittwoch. Gemeinsam mit der MAZ sah er sich am Mittag am Bunker um. „Es gibt ja das Gerücht, dass hier nicht zum ersten Mal Partys stattgefunden haben, allerdings noch nicht zu Coronazeiten“, erzählte er. „Die bauen dann alles wieder ab und nehmen alles mit“, so Winkler weiter. Heißt: Beendet die Polizei nicht die Party, werde meist danach so aufgeräumt, dass danach wenig von den Ereignissen zu sehen sei.

Neben dem Bunker befindet sich ein weiteres Gebäude. Dort waren am Mittwoch noch ein paar Sessel zu sehen. Davon sollen während der Party noch mehr in dem Gebäude gestanden haben. „Und die vielen Graffiti sind neu, die waren, als ich das letzte Mal hier war, noch nicht an den Wänden“, sagte Peter Winkler.

Errichtet wurde das NVA-Gelände mit seinen Gebäuden Anfang der 60er-Jahre. Betrieben worden ist bis Anfang der 90er. „Früher waren hier Raketen drin“, sagte Peter Winkler mit einem Blick durch den heute leerstehenden Bunker. Die Kaserne gehörte zur Flugabwehr-Raketenabteilung 4124 der NVA, ein großer Teil des Waldes war deshalb zu DDR-Zeiten Sperrgebiet.

Inzwischen gehören das Gelände und der Wald der Beetzer Heide der DBU-Naturerbe GmbH. DBU steht für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Deren Ziel ist es, langfristig das Gelände innerhalb des Waldes wieder zu renaturieren. Zunächst sind aber unmittelbare Sicherungsmaßnahmen geplant. Für die Umsetzung ist Rainer Entrup zuständig, er ist Betriebsbereichsleiter Nord beim Bundesforstbetrieb Westbrandenburg.
„Wir wollen den Bunker zumauern“, erklärte er auf Anfrage der MAZ. Wann dies jedoch geschehen werde, ist noch unklar. Sobald wie möglich, sagte Rainer Entrup. „Der Bunker ist wie eine übergroße Garage.“ Er sei, wie der Wald selbst auch, frei zugänglich, „Man hat nur nicht das Recht, dort eine Party zu veranstalten, ohne den Eigentümer zu fragen.“
Bevor der Bunker zugemauert wird, solle jedoch vorher geprüft werden, ob er für Fledermäuse ertüchtigt werden könne. „Dafür gibt es Experten, die werden von uns hinzugezogen.“ Beim Zumauern müssten dann an einer Stelle 20 bis 30 Zentimeter freigelassen werden. Auch werde wohl darüber nachgedacht, die Zufahrt zum Bunker zu verwehren, indem beispielsweise die direkte Zufahrt vom Plattenweg aus zugeschoben werde. „Oder indem Bäume über den Weg gelegt werden“, mutmaßt Ortsvorsteher Peter Winkler.
Sind diese Maßnahmen umgesetzt, dann wird die Beetzer Corona-Bunkerparty wohl eine einmalige Sache bleiben.

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