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Axel Ranisch: Nackt über Berlin

Jannik liebt es, Musik zu machen. Er kann richtig gut Klavier spielen, er nutzt dafür die Schulpausen. Und er hat bald auch einen Zuhörer: Tai. Die beiden 17-Jährigen werden Freunde. Jannik, der Jugendliche, der sich selbst etwas dicklich findet und eher unscheinbar ist und der von seinen Eltern genervt ist. Und Tai, ebenfalls Außenseiter, Sohn vietnamesischer Eltern und immer mit einer Kamera unterwegs. Tai filmt alles und jeden, auch Jannik beim Klavierspielen.
Schuldirektor Jens Lamprecht wacht unterdessen nach einer wilden Sauftour in seiner Wohnung in Berlin-Mitte auf. Und ist gefangen in seinen eigenen vier Wänden. Tagelang. Scheinbar wird er überwacht, der Entführer meldet sich per Schriftnachrichten über den Laptop.
Was Lamprecht nicht weiß: Tai hat dafür gesorgt, dass der Direktor gefangen ist, und Jannik ist sein Komplize. Er zieht Jannik in die Sache rein – Jannik, der sich in Tai verknallt hat.

“Nackt über Berlin” heißt der wunderbare Roman von Axel Ranisch. Er hat einen Roman über das Erwachsenwerden geschrieben. Darüber, dass man sich hin und wieder auch mal durchsetzen muss, Widerstände leisten muss, seinen eigenen Weg gehen muss.
Erzählt wird einerseits die erschütternde Geschichte eines Mädchens, das sich in einen Lehrer verliebt. Beim Theaterworkshop in Flecken-Zechlin muss etwas passiert sein, was nicht bekannt werden soll. Und andererseits geht es um Jannik, der sein Leben endlich in den Griff kriegen will und rausfinden will, was er von Tai zu erwarten hat.
Axel Ranisch hat das alles in Worte gegossen, sich sich richtig gut lesen lassen. Man ist ganz schnell drin im Geschehen. Warum der Ullstein-Verlag den Roman aber “brüllend komisch” findet, wie es im Text über “Das Buch” steht, ist unklar. Brüllend komisch ist der Roman nämlich nicht. Dafür aber sehr spannend, ja, auch mal lustig, aber auch rührend und traurig – und schließlich Mut machend und sehr lebensbejahend. Ein echter Highlight-Roman.

Axel Ranisch: Nackt über Berlin
Ullstein, 383 Seiten
10/10

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