Tagesarchiv für 30. Januar 2020

ORA aktuell

Vielfache Aufkleber mit Nazispruch in Oranienburg entdeckt

Donnerstag, den 30. Januar 2020

In der Oranienburger Innenstadt sind am Wochenende an vielfachen Stellen Aufkleber mit Nazisprüchen geklebt worden. Darauf hieß es “Nein zur Islamisierung Europas”, “Deutschland den Deutschen”, „Jugend! Bildet euch“, „Freiheit statt Sicherheitswahn“ oder „Die Presse lügt! Glaubt denen kein Wort!“
Gefunden worden sind sie unter anderem an Gebäuden von Parteien und an Medienhäusern.

Die Sprüche auf den Aufklebern sind laut Polizei strafrechtlich nicht relevant. Wer die Aufkleber verteilt hat, ist unklar. Zeugen wollen Vermummte gesehen haben, die in der Innenstadt unterwegs gewesen seien.
Oranienburger Bürger haben eine Vielzahl der Aufkleber am Wochenende und am Montag entfernt.

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RT liest

Johannes Nichelmann: Nachwendekinder – Die DDR, unsere Eltern und das große Schweigen

Donnerstag, den 30. Januar 2020
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Machen wir uns nichts vor: Es gibt sie immer noch, die Ost-West-Teilung in Deutschland. Der Osten ist immer noch “die ehemalige DDR”, und für viele Westdeutschen ist der Osten immer noch “drüben”. Und auch ich selbst, nehme Ostdeutschland immer noch als den “Osten” wahr, als den Osten, der mal die DDR war, dem Land, aus dem ich auch komme. Ostdeutscher zu sein, ist eine Identität.

Johannes Nichelmann beschäftigt sich in seinem Buch “Nachwendekinder – Die DDR, unsere Eltern und das große Schweigen” mit dem Umgang mit der DDR-Vergangenheit, und das auf sehr interessante Weise.
Angefangen hat alles damit, dass Johannes Nichelmann eines Tages im Keller seines Elternhauses eine alte NVA-Uniform gefunden hat. Es kam raus, dass sein Vater an der Grenze gedient hat. Jahre später erst kam es zum Gespräch darüber: Was bedeutete die DDR eigentlich den Menschen? Welche Zwänge gab es? Welche Ängste? Welche Freuden? Und was hatte alles miteinander zu tun?

Er beschäftigt sich aber auch damit, dass die DDR ja nicht gleich verschwunden war. Nachwendekinder im Osten wuchsen in einer Art Nachwende-DDR auf. Und selbst wenn sich Nachwendekinder gar nicht näher mit dem Ostdeutsch-Sein befasst haben – Nichelmann erzählt, wie er Anfang der 2000er mit der Familie nach Bayern gezogen ist und dort erst damit konfrontiert worden ist, ein Ostdeutscher zu sein.
Hauptanliegen des Buches ist es, miteinander zu reden. Die Vergangenheit sollte nicht verschwiegen oder verklärt werden. Es soll weder geschwiegen noch nur geschwärmt werden.

Der Schreibstil wirkt wie in einer modernen Fernsehdokumentaion mit einer Art Erzählerstimme. Nichelmann berichtet, wie er Leute getroffen hat, wie er die Treffen erlebt hat. Nicht nur den puren Inhalt der Gespräche.
“Nachwendekinder” zeigt auch, dass eine Aufarbeitung der DDR eigentlich erst so langsam beginnt, mehr als 30 Jahre nach der Wende.

Johannes Nichelmann: Nachwendekinder – Die DDR, unsere Eltern und das große Schweigen
Ullstein fünf, 266 Seiten
8/10

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RTZapper

Tagesthemen extra: Erster Coronavirus-Fall in Deutschland

Donnerstag, den 30. Januar 2020
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DI 28.01.2020 | 21.00 Uhr | Youtube

Warum glauben Nachrichtenredaktionen eigentlich, dass sie ihre Marke in den sozialen Medien lockerer und cooler präsentieren müssen als auf den herkömmlichen Verbreitungswegen?
Am Dienstagabend gab es eine “Tagesthemen extra”-Sendung, die gar nicht im Fernsehen zu sehen war – sondern nur live auf Youtube und in anderen sozialen Netzwerken. Man nutzte die Sendung, um zwei Schaltgespräche zum Coronavirus live führen zu können, die man dann in den normalen Tagesthemen auswerten konnte.

Diese Sendung war also nicht fürs große Publikum gedacht, das normalerweise die Tagesthemen einschaltet – so geht man offenbar in der Redaktion davon aus. Deshalb musste sich Moderator Ingo Zamperoni auch keine Krawatte anziehen und er konnte das Hemd am Kragen ein bisschen öffnen. Nicht dass das irgendwie wild ausgesehen hätte – aber normalerweise würde er das nicht tun. Auch duzte er das Publikum. Undenkbar in den normalen Tagesthemen.
Aber warum ist das eigentlich so? Nimmt man das Publikum im Internet nicht ernst? Warum muss man sie flapsig anduzen, während man es normalerweise siezt. Immerhin werden ja auch die normalen Tagesthemen auf Youtube verbreitet, und da käme Ingo Zamperoni sicher nicht auf die Idee, die Zuschauer zu duzen.
Als er 45 Minuten später, um 22.15 Uhr, im Ersten auf Sendung ging, war da auch wieder seine Krawatte.

Dass es diese Sondersendung zum Coronavirus und zum ersten entsprechenden Fall in Deutschland gab, war richtig und wichtig. Denn es ist genau keine Panikmache, wenn man ruhig erklärt und aufklärt, was da eigentlich passiert. Denn Panik ist längst nicht angebracht, wenn man bedenkt, dass an einer “normalen” Grippe im vergangenen Jahr wohl 25.000 Leute gestorben sind. Und gab es da Panik?

-> Die Sendung auf Youtube

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