Tagesarchiv für 6. Februar 2019

RTelenovela

Internethass: 98 Prozent schweigen?

Mittwoch, den 6. Februar 2019
Tags: ,

Eine Studie besagt, dass 98 Prozent aller Internetnutzer Beschimpfungen und Fake News ablehnen. Heißt im Umkehrschluss, dass zwei Prozent nichts dagegen haben oder es tolerieren.
Warum aber habe ich den Eindruck, dass das Internet ganz anders wirkt? Von den 98 Prozent, die sich abgestoßen fühlen von Hass und Falschmeldungen – wie viel von denen melden sich zu Wort? Warum wird das Internet – Facebook, Twitter und Co. – stattdessen mit Hass vollgekubelt? Und warum lassen wir sie gewähren?

Füttere nicht den Troll – so lautet eine Warnung. Sie bezieht sich darauf, dass man Leute, die immer nur Hass und Zwietracht sähen, ignorieren soll. Man soll einfach nicht auf sie eingehen. Aber fühlen sie sich dann nicht immer weiter bestätigt?

Ist es nicht längst so, dass viele – die meisten – Menschen die sozialen Netzwerke längst den Trollen überlassen haben? Die sich gleich auf jeden Beitrag stürzen, der sie – warum auch immer – zum Kotzen bringt?
Die Gutmenschen – und das kann nichts anderes als ein positiver Begriff sein – wollen oft einfach nicht mehr. Sie sind es Leid, sich mit den Trollen rumärgern zu müssen. Oder wollen schlicht erst gar nichts mit ihnen zu tun haben. Und wer will es ihnen eigentlich übelnehmen, dass sie sich nicht die Laune verderben wollen? Aber andererseits: Wo soll das bloß hinführen?

Hits: 152

RT liest

Édouard Louis: Das Ende von Eddy

Mittwoch, den 6. Februar 2019

Die Provinz. Sie kann die Hölle sein, wenn man anders ist. Wenn man nicht so ist wie die große Masse, die dann genüsslich auf einem rumhacken kann. Immer und immer wieder.
Eddy lebt in Frankreich, in einem kleinen Ort. Seine Familie hat nur wenig Geld. Sie kommen irgendwie über die Runden. Schon das ist schwierig. Aber Eddy ist schon früh klar, dass er mit Mädchen nur wenig anfangen kann – er kann es auch nicht wirklich verleugnen.
Das merken die anderen in der Schule, und sie hänseln ihn. Aber auch alle Versuche, sich irgendwie anzupassen, scheitern. Sein Ziel: raus. Weg aus der Provinz in die Stadt.

Der französische Autor Édouard Louis schrieb mit “Das Ende von Eddy” einen Debütroman, der in Frankreich nicht nur heiß diskutiert worden ist, sondern auch zum Bestseller geworden ist.
Louis erzählt von einer harten Kindheit. Eddy erlebt Hass und Gewalt. Er versucht, klarzukommen. Aber es tut weiß. Nicht nur körperlich. Überall wird von Mobbing in der Schule erzählt – Eddy erlebt sie.
Das ist insbesondere in der zweiten Hälfte des Romans packend. In ersten Teil ist die Geschichte noch seltsam nüchtern. Es dauert ein wenig, bis man als Leser mit der Story warm wird. Als es aber ums Aufbegehren geht, da fiebert man mit und wünscht Eddy alles Gute dieser Welt.

Édouard Louis: Das Ende von Eddy
Fischer Taschenbuch, 206 Seiten
7/10

Hits: 160

RTZapper

Abendschau: Volker Wieprecht

Mittwoch, den 6. Februar 2019
Tags: ,

SA 02.02.2019 | 19.30 Uhr | rbb

Schaut man sich bei Wikipedia die Vita von Volker Wieprecht an, dann hatte er mit seinen 55 Jahren niemals eine eigene Fernsehsendung.
Dafpr ist er der ganz große Hörfunkmann in Berlin und Brandenburg. Mich begleitet Volker Wieprecht schon seit den Zeiten beim Jugendradio Fritz, damals noch von ORB und SFB. Wir wechselten später zu radioeins, dort ist er immer noch an den Vormittagen zu hören.
Volker Wieprecht ist Radio.

Seit Sonnabend ist er aber auch ein Fernsehmann. Im rbb in Berlin moderierte er erstmals die Abendschau, das tägliche Nachrichtenmagazin.
Nun wünscht man ja jedem Menschen, dass er sich beruflich irgendwie noch weiterentwickelt. Aber der Wechsel zur Abendschau ist dann doch irgendwie gewöhnungsbedürftig.
Wieprecht ist im besten Sinne ein Plauderer. Aber Plaudern ist in der Abendschau schwierig. Nicht nur wegen des engen Formates, sondern auch, weil er seine Moderationen vom Teleprompter ablesen muss. Zumindest am Sonnabend klang das alles noch sehr verkrampft.

Vermutlich will aber der rbb irgendwie vom Wiepecht-Kult profitieren. Sollen sie ihm doch lieber eine eigene Show geben – irgendeine Mischung aus Journalismus, Kultur und Musik -, wo er einfach er selbst sein kann. Vielleicht kann er die seltsame “Abendshow” aufs richtige Gleis stellen. Oder eine Art Late Night. Irgendwas, aber nicht wirklich ein Nachrichtenmagazin.

Hits: 131