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ZAPPER VOR ORT: Katthult – wo Michel wohnt

DI 26.06.2018 | Gibberyd, Katthult

Und plötzlich stand da ein Filmteam auf dem Hof in Gibberyd in Smoland in Schweden. Der Hof entspreche ziemlich genau den Vorstellungen von Astrid Lindgren, hieß es. Er sehe aus wie in “Michel aus Lönneberga” beschrieben. Die dort lebenden Leute willigten ein, und so entstanden in den frühen 70ern auf diesem Hof drei Filme der Michel-Reihe. Der Katthult-Hof war Wirklichkeit geworden.
Die Michel-Filme wurden zu einem riesigen Erfolg, und nun kamen immer wieder Menschen auf den Katthult-Hof, den es ja wirklich gibt, um sich dort umzusehen. Die Bewohner dachten, der Trubel würde sich bald legen. Aber das tat er nie. Bis heute nicht.
Statt zu mosern, machten sich die Bewohner den Erfolg zunutze – sie machen den Hof ganz offiziell für Besucher zugänglich. Für 60 Kronen – etwa 6 Euro – kann man rauf und sich alles ansehen.

In Vimmerby – wo Astrid Lindgren gelebt hat – gibt es einen großen, ihr gewidmeten Park. Der Eintritt ist teuer, und eigentlich ist es eher ein großes Vergnügungsdingsbums. Nichts für uns.
Wenn wir schon in Smoland unterwegs sind, dann war klar, dass wir auch irgendwas in Richtung Lönneberga unternehmen müssen. Aus dem Vorhaben, uns am Ortsschild zu fotografieren, wurde das Vorhaben, doch einfach auf den Katthult-Hof zu fahren. Ich hatte gelesen, dass das möglich ist.

Auf dem Parkplatz stehen fast nur Autos mit deutschen Kennzeichen. Kein Wunder: Michel läuft regelmäßig Ostern und Weihnachten im ZDF. Gerade erst lief die Serie wieder mal im Sonntagmorgenprogramm.
In Schweden heißt Michel übrigens Emil. In Deutschland hat man sich wegen Erich Kästners “Emil und die Detektive” einst für eine Umbenennung entschieden.

Auf dem Hof sieht tatsächlich alles aus wie im Film. Die Bewohner haben weitgehend alles so belassen wie zu den Filmdrehzeiten. Irgendwie ist es schon rührend, vor dem Haus zu stehen, in dem die Svenssons gelebt haben. Im Vorgarten steht der Fahnenmast mit der schwedischen Fahne, an dem einst die kleine Ida hing.
Das Haus selbst kann nicht besichtigt werden. Dort leben die Betreiber des Hofes, und im Haus ist auch nicht gedreht worden. Die Innenaufnahmen entstanden in der Volkshochschule in Mariannelund, ein paar Kilometer weiter.
Läuft man ein paar Schritte weiter, kommt man aber schon zu dem Gatter, an dem einst Michel das Geld eintrieb, wenn Kutschen durchfahren wollten.
Gegenüber des Hauses ist auch der Schuppen, in den Michel musste, wenn er wieder Mist gebaut hat – und in dem er die vielen Holzfiguren geschnitzt hat. Die entsprechenden Szenen entstanden auch in dieser Hütte, und man kann sich sowohl die Schnitzutensilien als sich Schnitzereien ansehen.

Ein paar Schritte weiter steht das Häuschen, in dem Knecht Alfred lebte. Auch dort wurde original gedreht. Zu sehen ist noch ein kleine Holzbett, in dem Alfred schlief. Auch die Küche mit dem kleinen Herd war Originalkulisse.
Weiter hinten auf dem Hof ist noch das Plumpsklo, ein Hühnerstall und eine Erdkammer – der Vorläufer vom elektrischen Kühlschrank.

Auch ein kleiner Hofladen gehört dazu. Das ist legitim, ein bisschen Geld muss ja reinkommen – auch als Gegenwert dafür, dass jeden Tag stundenlang fremde Leute auf dem eigenen Hof rumspazieren.

Es ist ein Ausflug in das alte Schweden, den man auf den Katthult-Hof macht. Aber es ist auch Nostalgie, denn Michel begleitet inzwischen ganze Generationen von Menschen – und ist und bleibt Kult. Die pure Bewahrung dieser Stätte ohne rummeligem Schnickschnack ist das Beste, was die Betreiber machen konnten.

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Ein Kommentar zu “ZAPPER VOR ORT: Katthult – wo Michel wohnt”

  1. RTiesler.de » Blog Archive » Schweden (10): Kinderkanal

    […] Auf dem Weg von Kosta nach Nörrköping fuhren wir durch Smoland. Da passte es doch gut, dass wir an Lönneberga vorbeifuhren. Ich setzte mich im Hotel ans Internet und fand heraus, dass in Lönneberga selbst von Michel nicht viel zu sehen gibt. Dafür aber gibt es den Katthult-Hof wirklich – der Hof, der als Filmkulisse diente, ist noch so ziemlich in dem Zustand von damals. Also machten wir uns dorthin auf den Weg. […]

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