aRTikel

Neun Monate Dauerflut

Hochwasser auf dem Grundstück von Günter und Gudrun Rohr unweit des Hörstegrabens in Schwante – jetzt können sie erstmals durchatmen

MAZ Oranienburg, 3.5.2018

Schwante.
Monatelang fühlte sich Familie Rohr, als würde sie auf einer Insel leben. Erst vor ein paar Tagen konnte Günter Rohr die Schläuche zum Trocknen aufhängen, davor waren sie im Dauereinsatz. Ihr Grundstück befindet sich am Rand von Schwante, unweit des Hörstegrabens. Nach Starkregenfällen war es immer mal wieder vorgekommen, dass der Graben überlief und sich das Wasser im Garten der Familie ausbreitete. Doch nach dem Jahrhundertregen am 29. Juni war alles anders.
„Da stand hier alles einen Meter unter Wasser“, erinnert sich Günter Rohr. Bis ins Haus drang es glücklicherweise nicht ein – eine Stufe fehlt aber nur noch. Die Feuerwehr musste kommen, beim Abpumpen helfen, aber beim nächsten Regen war die Situation dieselbe. „Seitdem stand das Wasser permanent. Der Graben läuft dieses Jahr nicht ab, irgendwo muss da ein Stau sein.“
Normalerweise habe der Hörstegraben immer nur kurze Hochwasser-Phasen, aber diesmal dauert sie schon zehn Monate an. Bei Familie Rohr ist das Wasser zwar nun abgelaufen, feucht ist die Wiese aber immer noch.
Damit nicht genug: Büsche und Sträucher sterben ab, die Wurzeln faulen weg. Die Hecke ist schon eingegangen. „Wir haben im Garten alles neu gemacht, irgendwann muss man ja mal damit anfangen.“ Inzwischen ist die Feuchtigkeit auch im Haus angekommen, eine Wand im Wohnzimmer ist nass, im Flur sind die ersten Schimmelflecken zu sehen. „Ob ich das jemals trocken bekomme, weiß ich nicht“, sagte Günter Rohr.

Schon seit 1944 wohnt der 74-Jährige auf diesem Grundstück, 1964 hat er sich gemeinsamen mit seiner Frau Gudrun das Haus gebaut, in dem sie bis heute wohnen. So etwas aber haben sie noch nie erlebt. Für die Wasserschäden will Günter Rohr nicht seine Versicherung beanspruchen – aus Angst, dass er gekündigt wird.
Als im vergangenen Herbst zusätzlich beim Sturm auch noch das Garagendach abgedeckt wurde, sprang die Versicherung aber ein. Wie hoch die Stromrechnung vom permanenten Pumpen diesmal ausfallen wird, weiß er nicht.

Hilfe von der Gemeinde Oberkrämer möchte er nicht – aber indirekt schon: „Mit dem Graben muss etwas geschehen“ , sagt er. An einigen Stellen ist der Hörstegraben schon halb zugewachsen, ein vernünftiger Abschluss ist nicht gesichert – das Wasser staut sich.

Dass es so nicht weitergehen kann, weiß man auch in der Gemeindeverwaltung. In der jüngsten Gemeindevertretersitzung hatte Bürgermeister Peter Leys über das Grabenproblem gesprochen. Wie er erklärte, wird unter anderem überlegt, das Wasser, das aus Bärenklau über Vehlefanz nach Schwante kommt, umzuleiten – also an Vehlefanz und Schwante vorbei. Ob das aber auch für Günter und Gudrun Rohr Vorteile bringt, ist unklar. „Dann kommt das ja direkt bei mir an“, befürchtet er.

Einen Kommentar schreiben: