Monatsarchiv für Oktober 2014

RT im Kino

Gone Girl – Das perfekte Opfer

Sonntag, den 26. Oktober 2014

Amy (Rosamund Pike) ist weg. Spurlos verschwunden. Es ist der fünfte Hochzeitstag von Nick (Ben Affleck) und ihr. Als Nick nach Hause kommt, entdeckt er in seiner Wohnung seltsame Spuren. Gab es einen Kampf? Er schaltet die Polizei ein, und natürlich hat sie einige Fragen. Die Ermittlungen sind schwierig, und schließlich fällt der Verdacht auf Nick selbst. Auch weil nach und nach ans Licht kommt, dass die Ehe alles andere als glücklich war. Nick gibt zu, dass er an genau diesem Tag seine Frau um die Scheidung bitten wollte. Dass er seine Frau aber umgebracht haben soll – das verneint er ganz entschieden. Aber glaubt man ihm? oder ist die ganze Geschichte viellicht doch ganz anders?

“Gone Girl – Das perfekte Opfer” gehört zu den bemerkenswerten Filmen dieses Jahres. David Fincher erzählt, basierend auf der Buchvorlage von Gillian Flynn, eine Geschichte, von der der Zuschauer nie weiß, wohin sie führt. Umso länger der Film dauert, um so aufdringlicher wird das Magengrummeln, um so düsterer die Stimmung, weil immer neue Wendungen das Geschehen noch unfassbar machen, noch niederschmetternder, ja, man möchte sagen: hoffnungsloser.
Mit 150 Minuten Laufzeit ist “Gone Girl” sehr lang geworden, und er hat auch Momente, die etwas lang erscheinen. Auch gibt es Augenblicke, wo es scheint, der Film sei zu Ende, wo er dann aber doch noch in seiner Unglaublickeit weitergeht.
Ohne ins Detail zu gehen. Dieser Film ist krass und wirkt auch noch auf der Heimfahrt nach.

Gone Girl – Das perfekte Opfer
USA 2014, Regie: David Fincher
Fox, 150 Minuten, ab 16
8/10

Hits: 105

RTZapper

heute-show: Drehverbot im Bundestag

Sonntag, den 26. Oktober 2014
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FR 24.10.2014 | 22.30 Uhr | ZDF

Kabarett und Satire im Bundestag? Das geht ja gar nicht. Findet zumindest Norbert Lammert. Der Bundestagspräsident verteidigt das Drehverbot in den heiligen Hallen für die “heute-show”. Angeblich aus formalen Gründen. Angeblich weil das Team einen der Protagonisten auf der Tribüne filmen wollte. Angeblich weil das Team Interviews an einem Donnerstag zu einem am Mittwoch im Bundestag besprochenen Themas machen wollte. Auweia. Ganz böse.
Auch heißt es, dass die “heute-show” ja angeblich keine politische Berichterstattung sei.

Was ist bloß in Norbert Lammert gefahren? Einerseits beschwert er sich, wenn das ZDF die langweiligen Bundestags-, ähm, -debatten nicht live zeigt. Andererseits sperrt er das ZDF aus, wenn es um Politsatire geht.
Polit. Satire. Ob dem Lammert da was auffällt? Das Wort “Polit” vielleicht?
Wenn die “heute-show” keine politische Berichterstattung ist, dann weiß ich auch nicht weiter. Erst in der Ausgabe vom Freitag bewies das Team, dass Politik und Satire hier ganz dicht beieinander stehen. So ging es um das Thema Ebola und wie Europa bei dem Kampf gegen die Seuche kläglich versagt. Das war beißende Satire. Lustig und traurig zugleich – aber eines auf jeden Fall: Politik.
Dasselbe trifft auf die Beiträge aus dem Bundestag zu. Die Sendung klärt auf, sie kommentiert, das Team fragt nach.
Und deshalb gehört die “heute-show” auch in den Bundestag, und dafür sollte das ZDF kämpfen. Und die Zuschauer auch.

Hits: 96

RTelenovela

Mehr Licht für die Lichternacht

Samstag, den 25. Oktober 2014
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Tausende Menschen kamen am Freitagabend wieder zur Oranienburger Lichternacht. Es ist ohne Zweifel das beliebteste Straßenfest der Kreisstadt.
Eigentlich auch zurecht. Es ist Herbst, die dunklen Abende werden immer länger. Da passt so ein Fest genau in die Zeit. Ein Lampionumzug führt durch die Innenstadt. Die meisten Läden haben länger geöffnet. Dazu viele Buden, Musik und, ja, Licht.

Was aber das Licht bei der Lichternacht angeht, da ist noch viel Luft noch oben. Das Schloss war wunderschön beleuchtet, auch einige der Geschäfte. Auf der Bernauer Straße standen ein paar Lichtkegel, und das Tollste war eine angestrahlte Discokugel, die farbige Lichtpunkte auf Straßen und Häuser zauberte. Ideen sind also da, einiges wird umgesetzt. Damit aber aus der Lichternacht eine wirkliche Lichternacht wird, fehlen vielleicht noch ein oder zwei Scheinwerfer, mehr Feuerschalen oder Fackeln. Auch der Umzug hätte noch etwas mehr Licht vertragen können. Warum verteilt man nicht für kleines Geld entsprechenden Kram?

Andererseits: einen schönen Special-Effekt gab es doch noch: Zwischen Schlossplatz und Ampelkreuzung Bernauer/Lehnitzstraße war alles voller Autos. Stau. Einerseits könnte man jetzt fragen, wieso man die Innenstadt für die fünf Stunden nicht einfach weiträumiger absperrt – anderseits: Die Lichter der wartenden Autos gehörten vielleicht ja genau zum Konzept der Lichternacht.

Hits: 87

RT im Kino

I am Ali

Freitag, den 24. Oktober 2014

Muhammed Ali gilt als einer der größten Sportler aller Zeiten. Die meisten seiner Boxkämpfe waren legendär.
Clare Lewins erzählt in einer Dokumentation, was Ali, der ja früher mal Cassius Clay hieß, für ein Mensch gewesen ist – beziehungsweise ja immer noch ist.
Jahrelang führte er ein Audio-Tagebuch, das in diesem Film an einigen Stellen auch zum Einsatz kommt. Seine Kinder kommen zu Wort, seine Ex-Frau und viele Wegbeleiter. Muhammed Ali war, wenn man all diesen Geschichten glauben darf, nicht nur ein großer Sportler. Er hatte auch ein sehr großes Herz, wie sogar seine Konkurrenten heute erzählen.

Für Fans des Boxsports und insbesondere für Fans von Muhammed Ali ist der Film ein Erlebnis. Für alle anderen eine eher durchschnittliche Dokumentation, die durchaus interessant, aber nicht das wahre Kinoerlebnis ist.

I am Ali
USA 2014, Regie: Clare Lewins
Kinostar, 111 Minuten, ab 6
5/10

Hits: 68

RTZapper

Made in Berlin – Gute Ideen und andere Katastrophen

Freitag, den 24. Oktober 2014
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MI 22.10.2014 | 22.45 Uhr | rbb

Manchmal verschlafe ich offenbar technische Neuheiten. Neulich habe ich im Radio mal ein Interview über die Gefahren von 3D-Druckern gehört. Und ich so: 3D-Drucker? Hä? Was soll das sein?
Der rbb klärte mich am Mittwochabend auf. Tatsächlich gibt es Geräte, also Drucker, mit denen man richtige Modelle oder Gegenstände ausdrucken kann. Fast schon unheimlich!

Chris Guse ist für den rbb momentan jeden Mittwoch in Berlin unterwegs, um Start-Up-Unternehmen vorzustellen. Die Reihe heißt “Made in Berlin – Gute Ideen und andere Katastrophen”. Da gibt es denn eben zum Beispiel eine Gruppe von jungen Leuten, die an solchen 3D-Druckern arbeiten.
Was kommt als Nächstes? Der Pizzadienst, der die Pizza nicht persönlich vorbeibringt, sondern ausdrucken lässt? Bei “Verstehen Sie Spaß?” war das noch vor gar nicht so langer Zeit ein großer Gag – aber vielleicht funktioniert das ja wirklich mal.
Dann braucht man auch nicht mehr zu Ikea, weil man sich das Billy-Regal dann zu Hause ausdrucken lassen kann.
Ganz schön irre diese Welt.

Hits: 76

RTZapper

Eröffnung der 28. Medientage München

Donnerstag, den 23. Oktober 2014
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MI 22.10.2014 | 9.50 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Wie viel Fernsehen schaust du eigentlich noch? Oder genauer gefragt: Wie oft schaltest du ein reguläres Fernsehprogramm ein? Klar, wenn Fußball läuft. WM! Champions League! Oder sonntagabends der „Tatort“. Das sind auch heute noch große Events, bei denen viele Millionen einschalten. Aber sonst? Immer mehr Videostreamingdienste überschwemmen den Markt. Serien und Filme können wir uns dort anschauen, wann wir wollen und nicht, wann es uns die Sender vorschreiben. Und überhaupt, will ich eine Serie auf ProSieben schauen, kann ich sowieso nicht sicher sein, ob sie nächste Woche auch läuft oder schon abgesetzt ist, weil die Quoten nicht so dolle waren.

Im Bayerischen Fernsehen haben am Mittwochvormittag wichtige Medienleute über das Fernsehen von morgen schwadroniert. Das lineare Fernsehen werde es immer geben, hieß es da. Das könnte sogar stimmen, aber vermutlich dient es bloß noch als nachmittägliche Schrottberieselung. Die wirklich guten Sendungen wird man sich im Internet ansehen, und zwar dann, wenn man Lust drauf hat. Das Potenzial ist da: Die heutigen Fernseher haben alle schon Internetanschlüsse, die meisten nutzen sie nur nicht. Ich übrigens auch nicht, aber eigentlich wird es höchste Zeit!

Hits: 71

RT im Kino

Der Kreis

Donnerstag, den 23. Oktober 2014
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In den 50er-Jahren war Zürich eine sehr weltoffene Stadt. Die Leute konnten feiern, jeder konnte sein, wie er will. In der Stadt in Schweiz herrschte eine große Toleranz. Für Schwule aus ganz Europa war Zürich gerade am Wochenende ein Anziehungspunkt.
In dieser Zeit lernen sich der angehende Lehrer Ernst Ostertag und der junge Travestiestar Röbi Rapp kennen – und lieben. Doch der Wind dreht sich. Beide engagieren sich in der Gruppe “Der Kreis”. Dort wird gemeinsam gefeiert, ein Netzwerk gepflegt und eine Zeitschrift rausgebracht. Doch die Polizei hat die Gruppe mehr und mehr auf dem Kieker. Auch weil sich Gewaltverbrechen in der Szene häufen.

“Der Kreis” ist eine wahre Geschichte. Stefan Haupt erzählt sie in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion. Inzwischen sind Ernst Ostertag und Röbi Rapp weit über 80 Jahre alt, aber sie sind immer noch ein Paar. Sie haben es sich einst versprochen – und es gehalten. In den Spielfilmszenen werden sie von Matthias Hungerbühler und Sven Schelker gespielt.
Zu sehen ist ein spannendes Stück schweizer und europäischer Geschichte, die heute fast vergessen scheint. Und wenn man dann sieht, wie sich die beiden Alten immer noch lieben, wie sie von damals erzählen – schmunzelnd, lachend, traurig und kopfschüttelnd – dann ist das an vielen Stellen sehr rührend.

Der Kreis
Schweiz 2013, Regie: Stefan Haupt
Salzgeber, 106 Minuten, ab 12
8/10

Hits: 82