RTelenovela

Brüssel (2): Pluff!

(1) -> 13.3.2012

Die Leute in dem Brüsseler Hotel können froh sein, dass meine Englischkenntnisse nicht so gut sind, als dass ich mich adäquat über die Ereignisse beschweren könnte, wie es eigentlich notwendig wäre.
Nach dem Frühstück im kleinen Bistro gegenüber, wollten wir noch einmal auf unser Zimmer, bevor wir auf Brüssel-Tour gehen. Noch unsere Chipkarte verweigerte uns den Zutritt zu unserem Zimmer.
Ich vermutete, dass das mit dem nächtlichen Ereignis zu tun hatte. Dass das Schloss durch die fremde Karte deaktiviert wurde.
Doch an der Rezeption wunderte man sich. Der Computer spukte keine nennenswerten Infos aus. Besser noch: Der Mann wusste nicht mal, wie lange wir denn im Hotel wohnen. Was wäre bloß gewesen, wenn das Ding ausgebucht gewesen wäre? Hätten wir dann auf der Straße gesessen?
Dolles Hotel…

Unser Weg durch die Stadt führte uns zunächst an die Schaltstelle der europäischen Macht. Allerdings ist an einem Sonnabend auf dem Gelände rund um das Europaparlament nichts los. Auch die Touristeninfo hat am Wochenende geschlossen. In Brüssel rechnet am Wochenende offenbar nicht mit Touristen.
Zwischen einem Park mit einem hübschen See und diversen alten Bauten steht nun der dahingeklotze Parlamentsprunkbau. Beeindruckend, aber nicht extrem schön.

Wenn man auf den Grand Place läuft, stutzt man erst mal: Man fühlt sich wie auf dem Marienplatz in München. Das Rathaus von Brüssel hat große Ähnlichkeit mit dem Neuen Rathaus in München. Aber es ist nicht Bayern, sondern Belgien.
Tatsächlich ist der Grand Place einer der schönsten Plätze in Brüssel. Hier scheint sich die Welt zu treffen, es sind Stimmen zu hören, die die verschiedensten Sprachen sprechen.

Wir laufen weiter, denn wir haben ein touristisches Ziel vor Augen: das Manneken Pis.
Es ist merkwürdig: Vor der kleinen Statue – und der pissende Junge ist wirklich klein – steht eine Menschenmenge und guckt und knipst. Und weil das so ist, guckten und knipsten wir auch. Die Belgier haben dem Kleinen einen Anzug angezogen, einen Hut aufgesetzt und eine Schärpe in den belgischen Farben umgelegt.
Drumherum stehen diverse Pis-Fälschungen. Seltsam, dass die Leute so eine Figur abfahren, das in aller Öffentlichkeit nicht die Hand vom Pullermann lassen kann…

Belgische Waffeln? Joa, ganz okay. In Binz schmeckt die Waffel besser.

Die belgischen Autofahrer haben ein Problem: Bordsteinkanten. Wer in Brüssel unterwegs ist, wird das Geräusch knarzender Reifen an Bordsteinkanten öfter hören. Beim Einparken, beim Ausparken, beim Dranvorbeifahren. Und wenn’s nicht der Bordstein ist, dann muss der Poller dran glauben. Pluff!

Nicht fehlen auf dem Brüssel-Programm durfte der Besuch des Atomiums. Das Bauwerk wurde für die EXPO 1958 errichtet.
Der Eintritt kostet 11 Euro. Man kann entweder ganz nach oben fahren, um die Aussicht zu genießen, oder in den verschiedenen Kugeln sich eine Ausstelung über die EXPO 1958 in Brüssel ansehen.
Leider ist der Fahrstuhl nach oben etwas unterdimensioniert. Nach einer guten halben Stunde anstehen, konnten wir endlich hochfahren. Und oben standen wir dann wieder ewig an, um runter zu kommen. Nun ja, die Aussicht war trotzdem nett.
Von der Ausstellung habe ich leider nicht mehr so viel mitbekommen, denn meine Füße haben mich zu diesem Zeitpunkt bereits umgebracht. Dafür habe ich den Film über den Bau des Atomiums schätzungsweise viermal gesehen.

Im Kneipenviertel wähnt man sich zwischenzeitlich auf der Hamburger Reeperbahn. Vor fast jedem Restaurant steht ein Herr, um die Gäste in sein Lokal zu locken. Komischerweise wirken viele dieser Lokale, als ob es überall das Gleiche gibt: Fisch, Fisch und Fisch.
Wir wählten eine Gaststätte aus, bei dem der Wirt es nicht nötig hatte, Lockangebote zu machen. Zurückhaltung muss belohnt werden!

Gut neun Stunden Spaziergang durch Brüssel – natürlich mit Pausen – haben ihre Spuren hinterlassen. Wir liefen ins Hotel zurück – ich völlig fertig und schon leicht humpelnd.
Schon am Sonntagmorgen ging es zurück zum Flughafen und weiter nach Hause. Ein Tag und einen Abend in Brüssel hat völlig ausgereicht, wir haben einige wirklich schöne Ecken der Stadt gesehen – auch wenn wir ganz sicher nicht alles ausgetestet haben.

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