RT im Kino

Sehsüchte 2010: Boys don’t cry

Jungs müssen hart sein, dürfen keine Schwäche zeigen. Die “Sehsüchte 2010”, das internationale Studentenfilmfestival in Potsdam, über Jungs und junge Männer auf der Suche nach ihrer Identität. Allesamt haben es alles andere als einfach. Sie müssen sich durchsetzen, sie müssen sich überwinden, sie müssen zeigen, wer der Herr ist. Ein überwiegend spannendes Kurzfilmprogramm.

Lil’A
Der zwölfjährige Junge nennt sich Lil’A. Er hat ein Ziel: Er will der beste Tänzer und Choreograf der Welt werden. In einer Tanzschule setzt er alles daran, um seinen Traum zu verwirklichen. Und er vergisst darüber, dass er das Tanzen eigentlich angefangen hat, um seinen nervösen Tick loszuwerden.
“Lil’A” hat interessante Ansätze. Und Regisseurin Katharina Sophie Brauer hat das Glück, einen wunderbaren Protagonisten gefunden zu haben. Doch trotzdem ist es ihr nicht gelungem daraus einen spannenden Film zu zaubern. Dem Elfminüter fehlt der Pfiff, es ehlt ihm das Besondere. Sie zeigt einfach nur den Jungen, begleitet ihn. Aber entweder hat sie die wirklich packenden Momente nicht miterlebt oder konnte sich ihm nicht wirklich annähern. So lässt einen das alles leider ziemlich kalt.
5/10

Fliegen
Dima (Jacob Matschenz) ist verliebt. In den Studentin Sarah (Sandra Hüller). Doch ihre Beziehung steht auf wackligen Beinen. Dima lebt illegal in Deutschland, ihm droht die Abschiebung. Und er dealt. Der Kleinkriminelle verhökert irgendwelches Zeug im Internet. Sarah bietet ihm einen Unterschlupf auf dem Dachboden, und es scheint, als würde sie seine Liebe erwidern.
Filmstudent Piotr J. Lewandowski hat mit “Fliegen” einen sehr eindrucksvollen Film gedreht. Der 26 Minuten lange Streifen handelt von Liebe und Hoffnung, von Eifersucht und Trauer, aber auch von der Suche nach einem Zuhause, nach Zweisamkeit. Zwar ist es anfangs ein wenig irritierend, dass Jacob Matschenz einen jungen Mann spielt, der nur gebrochen deutsch spricht, aber das klingt dann doch recht glaubhaft.
Der Film geht unter die Haut, trotz dem stetigen Wechsel zwischen Hoffnungslosigkeit und Zuversicht. Das ist gleichzeizig einer seiner Stärken.
8/10

Siemiany
Siemiany ist ein kleines, verschlafenes Dorf irgendwo im Nirgendwo. Dort leben die Teenager Andrzej und Michael. Seit vielen Jahren sind sie Freunde. In der Langeweile des Lebens auf dem Dorg entdecken sie ihre Sexualität. Jeder auf seine Weise, aber es wird eine harte Bewährungsprobe ihrer Freundschaft.
Die belgisch-polnische Produktion unter der Leitung von Philip James McGoldrick taucht ein ins Landleben, das die beiden Jungs erleben. Es gibt durchaus rührende, nachdenkliche, aber auch heitere Momente.
6/10

Gisberta
Elischa (Moritz Michels) lebt in einem Internat. Wohl fühlt er sich nicht. In seinem Zimmer ist er es mit einem Haufen anderer Jungs zu tun, die eigentlich nur damit beschäftigt sind, über Titten und Mösen zu sprechen. Alex ist der Schlimmste von allen. Und geht es mal nicht um Sex, hänseln sie Elischa. Er lässt es über sich ergehen. Dann aber trifft er auf Gisberta (Dagny Dewarth), die neue Haushaltshilfe. Mit er kann er sprechen, zu ihr hat er Vertrauen. Doch die Jungs um Alex wollen es nicht zulassen, dass ausgerechnet Elischa eine Beziehung zu Gisberta aufbaut.
Der Film von Lisa Violetta Gaß ist verstörend. Insbesondere das Ende lässt den Zuschauer schockiert zurück. Gezeigt werden keine Auswege, sondern nur der Weg ins Unglück, die immer tiefer werdende Kluft zwischen den Fronten, die Ausweglosigkeit.
Das ist schockierend, das macht ratlos. Aber es ist gut gespielt, der schüchterne Elischa wird von Moritz Michels toll dargestellt. Der Blick in das Internat, die körperliche und vor allem die psychische Gewalt ist nur schwer erträglich. Der Film dient wohl vor allem als Beginn einer eventuellen Diskussion. Nach “Gisberta” besteht auf jeden Fall Redebedarf.
8/10

Gesamt: 7/10

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Ein Kommentar zu “Sehsüchte 2010: Boys don’t cry”

  1. RTiesler.de » Blog Archive » ZAPPER VOR ORT: Sehsüchte 2010

    […] Filme habe ich sogar gesehen: Als bester Kurzfilm wurde “Siemiany” aus dem Block “Boys Don’t Cry” […]

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