Mama ist tot.
Ihre Tochter muss sich nun um alles kümmern. Um die Wohnung, um die Verstorbene. Um den Nachlass.
Allerdings: Der Nachlass besteht vor allem aus Schulden. Aus vielen Schulden.
Ganz überraschend kommt das allerdings. Dass ihre Mutter sehr viel Geld ausgegeben hat, war schon zu erahnen. Sie hatte einen Freund.
Nun aber aber vertieft sich ihre Tochter in die Chats, die ihre Mama mit dem Mann, den sie liebte, geführt hat.
Sie taucht en in die Welt das Scams. Ein Scam ist ein Betrug. Mama ging davon aus, mit Sam Heughan zu schreiben. Sam ist Schauspieler, man kennt ihn aus „Outlander“. Und Mama und Sam verliebten sich. Aber Sam brauchte Geld. Immer wieder. Immer wieder. Immer mehr. Und Mama zahlte.
Dieser Roman ist einerseits die erschütternde Geschichte eines Betruges und wie jemand darauf reinfiel. Und er ist eine Mahnung. Die Mahnung, wachsam zu sein, nicht alles zu glauben.
Der neue Roman von Sarah Kuttner heißt „Mama & Sam“. Darin beschriebt sie, wie die Mutter der Protagonistin im Buch von „Sam“ ausgenommen wurde. Minutiös beschreibt sie anhand der Chats, wie der Unbekannte das gemacht hat, wie er die Mutter um den Finger wickeln konnte. Wie er es schaffte, alle Bedenken beiseite zu wischen und dann trotzdem immer wieder zu zahlen.
Die Geschichte ist alles andere als weit hergeholt. Sie passiert immer wieder. Unbekannte nutzen Fotos von mehr oder weniger prominenten Menschen und führen „ihr Leben“, um im Chat so zu tun, als seien sie diese Promis.
Sam Heughan soll wohl in der Tat Probleme mit solchem Internetbetrug haben. Weitere bekannte Fälle sind Brad Pitt oder auch der Prinz von Dubai, Hamdan bin Muhammad Al Maktum. Sie werden mit von denen veröffentlichten Fotos und Videos dazu genutzt, andere reinzulegen.
In Interviews besteht Sarah Kuttner immer wieder darauf, dass die Tochter im Roman nicht sie selbst sei. Es ist wohl so, dass ihre verstorbene Mutter tatsächlich so was erlebt hat, und wenn man den Roman liest, dann ist da offenbar in der Tat sehr viel Sarah Kuttner eingeflossen – was dann die Trennung zwischen ihr und der Tochter im Buch etwas schwer macht.
Die Geschichte ist spannend und auch erschütternd, sie macht wütend – weil es dem Betrüger ja gelingt, dass das Opfer voll auf ihn reinfällt.
Vielleicht hätte es dem Roman gut getan, wenn sich die Autorin auf die Geschichte selbst konzentriert hätte. Denn manchmal schweift sie auf merkwürdige Weise aus, wenn sie über ihren Garten, ihren Mann oder sonstwas erzählt, was ein wenig wie ein Fremdkörper im Roman wirkt, weil es mit der Story selbst nichts zu tun hat. Es sind die etwas seltsamen Momente, wo sich die Autorin (ähm, die Tochter im Roman) ein wenig zu sehr selbst in den Mittelpunkt stellt.
An sich aber ist „Mama & Sam“ ein sehr wichtiger Roman, und man sollte diese Geschichte breit in die Gesellschaft streuen – nur wenn man solche Storys schon mal gehört hat, dann fällt man auch seltener auf Liebes-Betrüger rein.
Sarah Kuttner: Mama & Sam
S.Fischer, 286 Seiten
7/10
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