The Change

Ellen (Diane Lane) und ihr Mann Paul Taylor (Kyle Chandler) feiern ihren 25. Hochzeitstag, ganz groß in Familie. Das Paar hat einen Sohn und drei Töchter, eine davon lebt noch zu Hause.
Auf der Feier stellt Sohn Josh (Dylan O’Brien) seine neue Freundin Liz (Phoebe Dynevor) vor. Ellen reagiert verhalten auf sie, und tatsächlich ist es so, dass sie sie kennt. Ellen ist Uni-Professorin und Liz war ihre Studentin. Die sorgte vor einigen Jahren für Aufsehen, weil sie einen hochprovokanten Aufsatz geschrieben hat, der die Demokratie in Frage gestellt hat.
Liz bringt wenig später ein Buch heraus: „The Change“, ihre Vision von einem Systemwechsel im Land.
Und tatsächlich schließen sich immer mehr Menschen der Bewegung an. In der Nachbarschaft wehen immer mehr Flaggen von „The Change“, und Andersdenkende werden ausgegrenzt.

Es ist schwierig, die Handlung von „The Change“ kompakt zusammenzufassen. Klar ist aber, dass dieser Film ganz klar zeigt, was im Fall einer Autokratie, womöglich des Faschismus, nach und nach in der Gesellschaft passiert.
Ansätze davon erleben wir in den USA, und auch in Deutschland sind schon jetzt Dinge zu beobachten, die wir in diesem Film im Brennglas erleben.
Die gesellschaftliche Situation zeigt Regisseur Jan Komasa anhand einer Familie, der Taylors.
Jeder in der Familie spiegelt Teile der Gesellschaft wider. Der Vater will neutral sein, am liebsten gar nicht über Politik reden. Der Sohn radikalisiert sich an der Seite seiner Frau immer mehr, spricht irgendwann nur noch von oben herab mit den Menschen, will provozieren und demütigen. Die jüngste Tochter ist die ängstliche, die alles beobachtet und erst mal keine Meinung hat. Sie lässt sich von ihrem Freund im Denken und Handeln beeinflussen und rutscht irgendwann, als sich die politische Lage zuspitzt, ins gegnerische Lager. Die zweite Tochter ist ein wenig wie die Mittelschicht, die alles beobachtet und durchaus auch mal sagt, was ihr nicht passt. Ihr Mann aber sorgt für den Riss. Und die dritte Tochter ist von Anfang an im Widerstand, anfangs auf der Comedybühne, bis sie dort von Teilen des Publikums verprügelt wird.
Die Mutter, die Professorin, sieht sich auf der guten Seite, und sie ist es wohl auch. Aber statt zu diskutieren, cancelt sie, zeigt sie ihre Skepsis. Diskussionen mit Argumenten stellt sie sich nicht wirklich, wie es überhaupt keine wirklichen tiefgehenden Diskussionen gibt – und irgendwann gibt es nichts mehr zu diskutieren. Weil „The Change“ andere Meinung als ihre nicht mehr akzeptiert.
Genau das ist ein Brennglas in die Gesellschaft, denn so schleicht sich die Autokratie und der Faschismus ein. Durch Provokationen, Linienüberschreitungen, und irgendwann sind Kipppunkte erreicht.
Das alles ist in „The Change“ absolut auf den Punkt dargestellt, die Angst, die Wut und die gleichzeitige Sprachlosigkeit, es ist geradezu gespenstisch, wie er gesellschaftliche Lage auseinandernimmt.
Dabei springen wir im Film von Jahr zu Jahr, vom 25. bis zum 30. Hochzeitstag, an dem alles anders sein wird.
So großartig dieser Film ist, so niederschmetternd und besorgniserregend ist er auch.

-> Trailer auf Youtube

The Change
USA 2024, Regie: Jan Komasa
Tobis, 111 Minuten, ab 12
9/10


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