SO 18.10.2026 | 23.35 Uhr | Das Erste
Lesen eigentlich Buchkritiker jedes Buch, das auf der Bestsellerliste steht? Und wenn ja, wie schaffen die das? Oder haben sie Leute, die das für sie machen, um ihnen dann ihr Urteil mitzuteilen, das der Starkritiker dann als seine Kritik ausgibt?
Ob Denis Scheck Christoph Kramers zweiten Roman „Wolkenberührpunkt“ überhaupt gelesen hat, ist unklar. Denn für dieses Buch hatte Scheck nur bescheuerten Spott übrig, der den Eindruck machte, irgendwas über einen Roman sagen zu müssen, den er nicht näher kennt.
Am Sonntagabend lief im Ersten mal wieder die etwas abgehobene Edel-Literatursendung „Druckfrisch“ mit Denis Scheck. Eine der Rubriken ist die Bestsellerliste. Scheck steht vor einer Rampe. Er geht die Liste durch, sagt kurz was zu dem jeweiligen Buch und legt es entweder zurück (gut) oder schmeißt es auf die Rampe, wo es in einen kleinen Müllcontainer fällt (schlecht).
Zu Christoph Kramers Roman konnte er inhaltlich nichts sagen. Die Handlung des Romans sei genauso unerheblich wie die formalen Mittel, mit denen er erzählt werde. sagt Denis Scheck. „Wolkenberührpunkt“ stehe nur aus einem einzigen Grund auf der Bestsellerliste, „weil sein Autor prominenter Teil der globalen Männermassenverblödungsindustrie namens Fußball war.“ Und ab damit.
Sein Erstling „Das Leben fängt im Sommer an“ war ein Hit auf der Bestsellerliste, und natürlich hatte er auch die Aufmerksamkeit der Medien, weil er Fußballer war, der nun unter die Autoren gegangen war. Und vermutlich waren es auch viele Fußballfans, die neugierig zugegriffen haben.
Allerdings stand der Roman auch ganz oben, weil viele Menschen gesagt haben, dass der Roman gut ist. Und er ist tatsächlich gut gewesen.
Beim zweiten Roman wird es nun drauf ankommen. Ich habe ihn gekauft, weil mir der Erstling sehr gefallen hat und ich entsprechende Erwartungen habe. Gelesen habe ich ihn noch nicht.
Denis Scheck hat ihn eventuell auch nicht gelesen. Seine so genannte Kritik ist schlicht albern und auf seltsame Art überheblich.
Christoph Kramer wird damit gut klarkommen. Aber was gäbe es für einen Aufschrei, wenn Scheck so über einen Roman von einer Frau gewettert hätte?
-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. Oktober 2031)
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