Diskussion um Drohnenfabrik

Ein Berliner Hightech-Unternehmen hat bekundet, sich in Kremmen-Orion ansiedeln zu wollen. Gegner und Befürworter des Vorhabens äußern sich

MAZ Oberhavel, 20.10.2026

Orion.
Der Plan, dass im Gewerbegebiet in Orion bei Kremmen eine Fabrik für die Herstellung von Drohnen gebaut werden soll, sorgt in Kremmen für Diskussionen.
Das Hightech-Unternehmen K9-Robotics aus Berlin will in Orion ein Gewerbegrundstück kaufen. Die Rede ist von einem 6000 Quadratmeter großen Areal an der Straße Am Elsholz. Am 8. Oktober hatte sich die Firma vor Ort vorgestellt und auch die Drohnen vorgeführt, die möglicherweise in Orion gebaut werden könnten.
Feliks Vainik, bei K9-Robotics für den Bereich Heimatschutz zuständig, sagte, dass die Drohnen „keine Zulassung für Munition“ hätten. Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) war das wichtig zu betonen, denn er wolle nicht, dass Kremmen möglicherweise Ziel eines Angriffes sein könnte.

Bislang war das Thema nicht öffentlich diskutiert worden, auch weil entsprechende Informationen fehlten. Das ist seit dem 9. Oktober, seitdem der Online-Artikel der MAZ erschien, anders.
So hat die Fraktionsvorsitzende von SPD und Freie Wähler Ortsteile Kremmen, Stefanie Gebauer, auf ihrer Facebookseite eine öffentliche, nicht repräsentative Umfrage gestartet, ob sich in Orion eine Drohnen-Produktionsstätte ansiedeln solle.
Am Donnerstagnachmittag waren 28 Leute dagegen, 24 dafür. Die Meinungen sind also gespalten.
Auch Stefanie Gebauer selbst sei zwiegespalten, sagte sie im Gespräch mit der MAZ. Sie habe dem Unternehmen eine lange Liste an Fragen gestellt, erklärte sie. „Es gibt noch große Fragezeichen.“
Ihr Bestreben sei, dass, falls ein Kaufvertrag zustande kommen sollte, die Firma verbindlich zusichern müsse, dass in Orion nur Drohnen für die zivile Nutzung hergestellt werden sollen. „Es schwingt eine gewisse Angst mit, aufgrund der Gemengelage“, sagte sie. Kremmen solle im Fall der Fälle kein Angriffsziel werden, sagte sie außerdem.

Die Groß-Ziethener Ortsvorsteherin Astrid Braun (parteilos) wandte sich an die Kremmener Stadtverordneten mit der „Bitte um transparente Prüfung, Sachaufklärung und Sicherheitsbewertung“. Das Schreiben liegt der MAZ vor.
Bei der Präsentation in Orion hieß es seitens der K9-Robotics-Vertreter, dass die Drohnen vor allem zur Unfallaufnahme und Vorab-Aufklärung durch die Polizei oder Feuerwehr oder für die Vermisstensuche eingesetzt werden könnten – und nicht für kriegerische Zwecke.
Eine nähere Betrachtung der Firmenstrukturen und des Produktprofils offenbare jedoch eine weitreichendere professionelle Ausrichtung, die im Bereich der staatlichen und kritischen Sicherheitsinfrastruktur angesiedelt sei, so Astrid Braun. Das Stichwort laute „Homeland Security“, also Heimatschutz.
Aufgrund der technologischen Hintergründe werde angezweifelt, dass es sich nicht ausschließlich um gewöhnliche zivile Konsumgüter handele. „Dass eine Drohne keine Munition abwirft, macht sie nicht automatisch zu einem rein zivilen Produkt“, so die Groß-Ziethener Ortschefin weiter.
„Unbewaffnete Aufklärungsdrohnen sind in modernen Sicherheitskonzepten das zentrale Instrument zur Überwachung und Zielerfassung. Eine hybride, benzinbetriebene Drohne wie die Ere1000 Armadillo, die eine Nutzlast von acht Kilogramm über mehrere Stunden in der Luft halten kann, überschreitet die Kapazitäten gängiger kommunaler Rettungsgeräte deutlich und bietet die technischen Voraussetzungen für anspruchsvolle Sensorik.“
Aus ihrer Sicht bringe die Ansiedlung eines Produktionsstandortes für sicherheitsrelevante Technologie „unweigerlich neue sicherheitsspezifische Anforderungen für ein bislang eher gewerblich-ziviles Umfeld mit sich“, erklärt sie. Sie fordert eine sachliche und transparente Debatte.

Kremmens Ortsvorsteher Eckhard Koop (DUB) stimmt den Anmerkungen Astrid Brauns zu. Er erklärt, dass das Thema schon mal auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung gestanden hatte. „Ich war eher überrascht, dass es wieder von der Tagesordnung genommen wurde.“
Eckhard Koop bezweifelt, dass die Firma nur von Aufträgen rund um zivil betriebene Drohnen leben könne. Das aber haben die Firmenvertreter vor Ort am 8. Oktober mehrfach und auf Nachfrage bekräftigt.
Koop erinnert: „Wir hatten bis 1945 eine Munitionsfabrik hier in Orion. Kaum jemand in Kremmen wusste damals, was da gebaut wurde. Wenn die Orioner wissen, was in ihrer Nachbarschaft passiert, dann gibt es Proteste“, ist er sich sicher.

Anders sieht das Malte Voigts (parteilos, CDU-Fraktion), der auch Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung ist. „Ich halte die Diskussion für übertrieben“, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit der MAZ. Die Fabrik habe „nichts mit Kriegstechnik“ zu tun. „Drohnen sind einfach die Zukunft“, so Malte Voigts weiter. „Irgendwann kommen die Post und Pakete und alles, was man online bestellt, per Drohne nach Hause.“ Man solle bei dem Thema das Positive sehen. Er wolle dafür stimmen, sagte er. Denn das letzte Wort haben am Ende die Stadtverordneten.
Dennoch gehe er davon aus, dass die Diskussion über den möglichen Grundstücksverkauf durch die Stadt Kremmen und die Ansiedlung der Drohnenfabrik öffentlich im Stadtparlament geführt werde. Die Abstimmung über den Grundstücksverkauf an sich erfolge nicht-öffentlich.

Aber wie geht es nun seitens der Stadtverwaltung bei diesem Thema weiter? „K9 Robotics prüft derzeit die bauliche Realisierbarkeit nach den entsprechenden Vorgaben aus dem Bebauungsplan“, erklärt Kremmens Bauamtsleiter und stellvertretender Bürgermeister Christoph Artymiak.
„Hierzu sind auch einige Zuarbeiten an den möglichen Vorhabensträger seitens der Stadt erforderlich.“ Danach müsse geklärt werden, wie viel Fläche das Unternehmen benötige, was dann zur Konkretisierung und Erneuerung des Kaufangebotes an die Stadt Kremmen führen könne.
Die erneute politische Beratung im Stadtparlament erfolge dann, wenn K9-Robotics ein erneutes Kaufinteresse geäußert habe. „Die Projektvorstellung würde dann im Rahmen einer öffentlichen Sitzung“ stattfinden. Die Abstimmung über den Grundstücksverkauf geschehe dann im nicht-öffentlichen Teil.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Diskussion um Drohnenfabrik“

  1. Daggi

    Die Diskussion übertrieben zu nennen, ist ja noch untertrieben. Das Gelände ist mehrere Kilometer von Kremmen entfernt im Wald, es gibt tausende Firmen, die wirklich für den Krieg produzieren und bessere Ziele abgeben würden, aber diese Firma muss sich öffentlich vor den Nimbys rechtfertigen. Ich verstehe ja, wenn gegen KI-Datenzentren protestiert wird, die die Umgebung wirklich stark mit Lärm und Wasser- und Stromverbrauch beeinträchtigen, aber eine Drohnenproduktion mitten im Wald als Sicherheitsrisiko zu betrachten und sich um Anschläge Sorgen zu machen ist schon sehr, sehr deutsch und zeigt mal wieder, dass es den Leuten einfach zu gut geht und sie zu viel Zeit haben.

  2. RT

    Da ist kein Wald, und die Siedlung ist vielleicht 200m entfernt.

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