Unverständnis für Radfahrer-Umleitung

Wer in Hennigsdorf auf dem Rad über die Havelbrücke will, muss einen Umweg in Kauf nehmen – es geht um Verkehrssicherheit – für ADFC und Grüne ist das dennoch unverständlich

MAZ Oberhavel, 20.7.2026

Hennigsdorf.
Die Bauarbeiten rund um die Havelbrücke in Hennigsdorf führen dazu, dass die Verkehrsteilnehmer auf der Ruppiner Straße (Landesstraße L17) sehr aufmerksam sein müssen. Die Fahrbahn für Autos und Lkw musste ein wenig verschwenkt werden. Komplizierter ist die Situation jedoch für Radfahrer und Fußgänger.
Denn auf der alten Brücke und den Zugängen ist der Weg auf der südlichen Seite für Fußgänger und Radfahrer komplett gesperrt. Und auch auf der nördlichen Seite ist der Weg in Höhe der Baustellenausfahrt am Festplatz gesperrt.
Stattdessen besteht eine Umleitung, die rund um den Festplatz führt, auf dem derzeit schon die neue Havelbrücke gelagert ist. Sie gilt auch für Radler, denn auf der Auffahrt auf die alte Brücke gilt: Radfahren verboten.

„Stattdessen muss die Ampel gequert werden“, sagt Jürgen Hammelehle. Er gehört zur Ortsgruppe Hennigsdorf des ADFC, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs. Tatsächlich werden die Radfahrenden auf orangen Tafeln darauf hingewiesen, in welche Richtung sie fahren müssen.
Stadteinwärts müssten Radler auf dem Umweg sogar absteigen und das Rad schieben – ein entsprechendes Schild weist darauf hin. Stadtauswärts fehlt das Schild. So ist der Umweg aber durchaus groß.

Es ist nicht irgendein Radweg, der da über die Hennigsdorfer Havelbrücke führt: Dort fahren nicht nur Radelnde aus der Stadt und den umliegenden Orten drüber. Die Stelle ist auch Bestandteil des Radfernweges Berlin–Kopenhagen und des Mauer-Radweges.
„Wenn Touristen auf dem Rad hier ankommen, dann sind sie oft völlig verwirrt“, sagt Jürgen Hammelehle. Auch während des Gesprächstermins direkt vor Ort kommt es mehrfach vor, dass Radlertouristen vor der Einmündung zur Hafenstraße stoppen und sich erst mal orientieren müssen.

Auch die Kreistagsabgeordnete Gerlinde Dumke (B90/Grüne) stört sich an der momentanen Regelung. Es werde „deutlich, dass bei der konkreten Verkehrsführung an der Baustelle die Bedürfnisse der Radfahrenden hinter denen des motorisierten Verkehrs zurückstehen müssen“, erklärte sie.

Die Kreisverwaltung in Oranienburg begründet die Entscheidung, Radfahrenden die Fahrbahnnutzung zu untersagen, mit gefährlichen Situationen und Beinahe-Unfällen nach Einrichtung der Baustelle. Daraufhin sei die Verkehrsführung geändert worden.

Gerlinde Dumke dazu: „In der Praxis ist zu beobachten, dass viele Radfahrende nicht schieben und einige sogar trotz Verbots eher die Fahrbahn nutzen. Damit ist die offizielle Lösung nur eine Scheinlösung, die nicht auf Akzeptanz stößt.“
Ein Vorschlag liegt auf der Hand: Denn es gibt ein Verkehrsschild, das es dem motorisierten Verkehr untersagt, etwa Fahrradfahrende zu überholen. Konkret ist es das Verkehrszeichen 277.1, „Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“.
Dabei wäre das vielleicht nicht mal nötig, denn im Bereich der Brücke und der Brückenauffahrt gilt ohnehin aufgrund der durchgezogenen Linie ein Überholverbot. Denn wer Radler überholt, müsste einen entsprechenden Sicherheitsabstand halten.
Die Kreisverwaltung lehnte dies mit der Begründung ab, dass davon auszugehen sei, dass Autofahrende das Verbot missachten und trotzdem überholen würden. Das geht aus einem Schreiben hervor, das die Verwaltung auf eine Anfrage Gerlinde Dumkes verfasste.
Bei den Radlern geht man aber offenbar nicht davon aus, dass Verbote sowieso nichts bringen würden. Aber so ist es nicht. „Die, die täglich dort langmüssen, die gehen eher das Risiko ein und fahren über die Brücke“, erzählt Gerlinde Dumke. „Die, die sich erst orientieren müssen, fahren meist die Umleitung.“ Immerhin ist die Stelle vor der Brücke ein Radweg-Knotenpunkt. „Hier könnte der Landkreis eine gerechtere Situation schaffen, indem Radfahrer wieder mit auf der Straße sind“, sagt die Kreistagsabgeordnete. Jürgen Hammelehle vom ADFC wünscht sich ganz allgemein, dass die Ortsgruppen des Vereins bei Baustellenvorhaben an großen Straßen vorher mehr einbezogen werden.
„Es ist absurd, dass eine Verkehrsregelung mit dem Argument verworfen wird, dass die Autofahrer sich nicht daran halten würden, und gleichzeitig anzunehmen, dass Radfahrende einen großen Umweg in Kauf nehmen, auf dem sie das Rad dann auch noch schieben sollen“, so Jürgen Hammelehle weiter.

Im Herbst soll die neue Brücke, die jetzt noch auf dem Festplatz liegt, auf einen Standort neben der alten Brücke gehoben werden. Übergangsweise wird der Verkehr dann dort rübergeführt. Vermutlich wird sich dann auch die Situation für Radfahrende wieder verbessern.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Ein Kommentar zu „Unverständnis für Radfahrer-Umleitung“

  1. Regina

    Ich bin am Sonntag über diese Brücke oder wie man es nennt.
    Kommend von Hohen Neuendorf.
    Hatten uns das traurige Gebäude der Pagode angeschaut. Wir waren auch mit Fahrrad unterwegs.
    Aber ehrlich mal. Es war soviel Verkehr, Autos, Radfahrer, Wanderer
    das ich mich dadrauf konzentriert habe und keine Umleitung gesehen habe.
    Ich war froh das ich es irgendwie hinter mir lassen konnte und durch Hennigsdorf überhaupt durch zusein.
    Warst du nicht auch mit Fahrrad unterwegs auf der Strecke, nur entgegengesetzt ?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert