SA 18.07.2026 | 20.15 Uhr | Das Erste
Das ging jetzt noch schneller als alle gedacht haben. Am Sonnabendmittag erklärte Jens Spahn (CDU) seinen Rücktritt als CDU-Fraktionschef. Das ist so brisant und aufregend, dass daraus am Sonnabend zur besten Sendezeit im Ersten ein „Brennpunkt“ draus wurde.
Sein Auftritt im Podcast „Ronzheimer“ hat ihm nicht geholfen. Es war einfach nicht vermittelbar, dass Spahn als Politiker sich gegen das Erlauben der Leihmutterschaft in Deutschland ausgesprochen hatte und privat genau das getan hatte: In den USA haben sein Mann und er einen Sohn über eine Leihmutter bekommen und dafür viel Geld gezahlt.
Und so sehr es in den vergangenen Tagen um seine Glaubwürdigkeit und um die allgemeine Glaubwürdigkeit von Politikern ging, so sehr redete sich Jens Spahn in seinem Rücktrittsschreiben heraus.
„Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt.“
Was einfach mal nicht stimmt, und es ist eigentlich sogar eine ziemlich unverschämte Behauptung. Er ist ja nicht der einzige Politiker, der eine Familie gegründet hat. Vater zu werden und Politiker zu sein, schließt sich nicht aus.
Weiter schrieb Spahn: „Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte.“
Wieder vermeidet es Jens Spahn, auf den eigentlichen Kern zu kommen. Denn der Spagat besteht nicht aus dem Umstand an sich, sondern aus dem, dass er als Politiker etwas sagt, was er als Privatmann umgeht. Dass man ihn für einen Heuchler halten könnte.
Davon kein Wort. Denn da ist er wieder: der Politiker ohne Rückgrat. Genau wie es vergangene Woche Kai Wegner (auch CDU) in Berlin gemacht hat, verlor auch Spahn über seinen wahren Rücktrittsgrund kein Wort. Ignorant und abgehoben.
Davon abgesehen bekommt Spahn aber auch viele homophobe Kommentare. Gewisse Widerlinge nutzen das Thema nun auch aus, um ihren Schwulenhass ins Internet zu kotzen. Auch das ist zu verurteilen.
Aber auch ohne homophobe Kommentare ist es mittlerweile verheerend, was die Menschen über Politik denken – so auch in einer Umfrage im „Brennpunkt“. Es überrasche ihn nicht, sagte ein Mann. Es passe zu der Partei, meinte eine Frau, und überhaupt ist die Verbitterung über die allgemeine Doppelmoral in der Politik groß. Wenig überraschend, und jetzt noch weniger.
-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 18. Juli 2028)
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