FR 17.07.2026 | 19.30 Uhr | Spotify
Sind Politiker noch glaubwürdig? Haben sie noch ein Rückgrad? Ehre? Taugen sie noch als Vorbild?
Die Zweifel wachsen, und die Politiker selbst sind dafür verantwortlich.
Zum Beispiel Jens Spahn. Herzlichen Glückwunsch, er ist Papa geworden. Er und sein Mann Daniel Funke haben einen Sohn bekommen. Eltern zu werden ist was Schönes. Im Fall von Jens Spahn jedoch führt die Art und Weise wie das geschehen ist, zu Diskussionen.
Das Baby ist durch eine Leihmutter ausgetragen worden, in den USA. In Deutschland wäre das so. wie in den USA praktiziert wird, nicht wirklich machbar. Die CDU lehnt Leihmutterschaften strikt ab, auch Jens Spahn persönlich sprach sich dagegen aus.
Nun hat er es sich anders überlegt, immerhin geht es um sein Privatleben. Sein Mann und er haben geschätzte 150.000 Euro auf den Tisch gelegt, damit eine Leihmutter den Kinderwunsch erfüllt.
Salopp ausgedrückt: Öffentlich redet er dagegen, privat schert er sich nicht drum, und als sehr reicher Mann kann er es sich leisten, in den USA deutsche Gesetze zu umgehen.
Am Freitag äußerte er sich in einem etwas mehr als halbstündigen Interview bei Paul Ronzheimer in seinem gleichnamigen Podcast auf Spotify, Youtube und Co.
Dort erzählte er von seinem Familienglück, aber Ronzheimer sprach ihn auch auf die Doppelmoral an.
Spahn erzählte davon, dass er ja in seiner Partei auf Mehrheiten hören müsse, und deshalb halte er sich bei Abstimmungen seiner Fraktion dran. Und wenn er sich direkt dazu geäußert habe, dann sei das Partei- oder Fraktionsmeinung oder auch Regierungsmeinung. Aber nicht seine private?
Auch wenn er sich damit rausreden will: Es wirft ein ganz mieses Licht auf die Politik. Es zählen also nicht eigene Überzeugungen, da stimmt auch mal gegen etwas, was man privat eigentlich ganz anders sieht.
Das mag vielleicht so sein, aber es ist auch ziemlich rückgratlos. Vor allem wenn man sich hinstellt und auch selbst gegen ein Gesetz spricht, welches man eigentlich vielleicht doch mal gern in Anspruch nehmen will.
Andererseits kann Spahn noch so sehr auf persönliche Zwänge hinweisen – es zählt der Eindruck. Und da steht der Eindruck, ein Heuchler zu sein, sehr weit oben. So wird Politik immer unglaubwürdiger. Man predigt etwas und hält sich selbst nicht dran. Weil man sich ja mit viel Kohle letztlich alles leisten kann. Die da oben können das.
Ja, Jens Spahn hat sich sein persönliches Lebensglück erfüllt. Der Preis dafür aber ist extrem hoch. Den zahlt er selbst, den zahlt seine Partei, den zahlt die Gesellschaft, die sich mehr und mehr angewidert von der Politik fühlt.
Jens Spahn denkt natürlich nicht an Rücktritt. Das könne ja auch nur die Fraktion entscheiden, sagte er bei Paul Ronzheimer. Das ist natürlich Unsinn, denn natürlich kann er sich auch selbst entscheiden, zurückzuziehen. Aber da ist es wieder, das Rückgrat – lieber wartet man ab und schaut, was denn die anderen so sagen.
Dass Paul Ronzheimer übrigens für das ganze Bild sorgt, in dem er Jens Spahn selbst zu der Thematik befragt, ist gut und richtig. Es ändert jedoch wenig am Gesamteindruck.
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