Briese bekommt eine Fahrradstraße

Auf der Strecke nach Birkenwerder sollen Radler bald Vorrang haben – Autos dürfen dort aber weiterhin fahren, müssen aber Regeln beachten

MAZ Oberhavel, 30.6.2026

Briese.
Briese und das Briesetal sind gerade im Sommer wichtige Ausflugsziele mitten in der Natur. Seit Jahrzehnten zieht es Ausflügler aus der Stadt dorthin. Demnächst könnte sich aber die Situation insbesondere für Menschen, die mit dem Rad dorthin kommen, verbessern. Denn ein Teil der Strecke von Birkenwerder nach Briese wird bald eine Fahrradstraße.
Das bestätigt auch Birkenwerders Bürgermeister Stephan Zimniok (parteilos) auf MAZ-Nachfrage. „Die beantragte Beschilderung der Fahrradstraße, der vor Kurzem durch die Gemeindevertreterversammlung das gemeindliche Einvernehmen erteilt wurde, ist Ergebnis eines sehr langen Prozesses“, erklärte er.
Daran beteiligt waren auch Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) aus Birkenwerder. Sie haben sich schon lange die Einrichtung einer Fahrradstraße ins Briesetal gewünscht.

Momentan ist die Situation so: Am Borgsdorfer Ortsausgang ins Briesetal beginnt ein Radweg, der abseits der eigentlichen Straße durch den Wald führt. Der Weg endet allerdings vor dem Ortseingang von Briese, dort müssten Radler auf die ziemlich schmale Straße wechseln.
Briese selbst ist eine Tempo-30-Zone, auf der Strecke in Richtung Birkenwerder darf dann aber Tempo 70 gefahren werden, bis zur Autobahnbrücke.

Die Fahrradstraße soll am Ortseingang Briese – aus Borgsdorf kommend – beginnen und bis kurz vor die Autobahnbrücke reichen.
Tobias Thieme, der Sprecher der Kreisverwaltung, erklärt, was sich für Autofahrer in einer Fahrradstraße ändert. „Für Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet eine Fahrradstraße: Sie dürfen diese nur befahren, wenn dies durch Zusatzzeichen ausdrücklich erlaubt ist. In dem hier vorgesehenen Fall bleibt das zulässig“, erklärt er.
Es gelte höchstens Tempo 30. „Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden“, so der Kreissprecher weiter. „Falls erforderlich, müssen Kraftfahrzeuge ihre Geschwindigkeit weiter verringern. Radfahrende dürfen in Fahrradstraßen nebeneinander fahren.“

Andreas Blaschke ist in den 1990ern nach Birkenwerder gezogen. „Seit die S-Bahn 1925 nach Birkenwerder kam, kamen auch viele Berliner Ausflügler nach Briese“, erzählt er. Schon damals habe es das riesige Ausflugslokal gegeben. Das „Gasthaus zur Briese“ bot Platz für 3000 Menschen.
„Viele Radfahrer kamen her, auch Kutschen vom S-Bahnhof“, so Andreas Blaschke. „Alle auf diesem Weg.“ Damit meinte er die verlängerte Fichteallee. Aus Erzählungen wisse er, dass das gemütlich gewesen sei. „Aber in den 1990ern fühlte sich das schon nicht mehr so an.“ Durch den Autoverkehr sei die Strecke für Radler gefährlicher geworden. Das könne sich durch die Fahrradstraße ändern. Aus Sicht des ADFC sei das eine gute Lösung. „Aus drei Gründen“, sagt Andreas Blaschke. „Der Radverkehr wird sich erheblich verbessern.“ Dennoch dürften auch weiterhin Autos durch, „aber eben als Gäste auf der Fahrradstraße“. Und zum Dritten: „Wir brauchen keine Eingriffe in die Natur.“ Denn die Fahrradstraße benötige keine großen Umbauten.

Dass die Strecke über Briese auch eine Umfahrung ist, für die Fälle, wenn es längere Störungen am Bahnübergang in Borgsdorf gibt, stellt für den ADFC kein größeres Problem dar. „Für die Borgsdorfer ändert sich nichts.“ Denn Tempo 30 gelte jetzt schon in Briese – nur dass Radler Vorrang haben, sei dann neu.
Zudem werde eine ortsnahe Umfahrung für den Bahnübergang in Borgsdorf gebaut, insbesondere für den Rettungsdienst.

Die Fahrradstraße in Briese wird, wenn sie denn eingerichtet ist, ein wichtiger Baustein für den Radfernweg Berlin–Kopenhagen. Denn dieser führt durch Briese, weiter durch den Briesewald, durch Borgsdorf und Lehnitz zum Lehnitzsee.
„Der Radverkehr ist eindeutig mehr geworden“, sagt Andreas Blaschke. „Und deshalb muss die Infrastruktur mitwachsen, deshalb werben wir für Fahrradstraßen.“

„Der Ortsteil Briese gilt als touristisches Highlight der Region und die geplante Ausweisung als Fahrradstraße macht die Verbindung für Radfahrende noch attraktiver“, sagt Bürgermeister Stephan Zimniok. „Als Bestandteil des Fernradweges Berlin–Kopenhagen ist die Ausweisung auch eine Verbesserung des Schutzes der unzähligen Radreisenden, die diesen Weg täglich frequentieren.“ Auch die Strecke zwischen Briese und Summt, die vom Autoverkehr, auch wegen des schlechten Zustandes der Straße, kaum genutzt wird, könnte später auch noch zur Fahrradstraße werden. Allerdings gibt es noch Abstimmungsbedarf zwischen Birkenwerder und Hohen Neuendorf. Denn der Landkreis Oberhavel will die Strecke von Borgsdorf über Briese nach Summt von einer Kreisstraße zur kommunalen Straße abstufen.

„Der Landkreis befindet sich derzeit weiterhin im Austausch mit der Stadt Hohen Neuendorf zu den Modalitäten einer möglichen Übernahme“, erklärt Kreissprecher Tobias Thieme. Wann die Fahrradstraße tatsächlich eingerichtet und sichtbar ist, steht derzeit aber noch nicht fest.


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Briese bekommt eine Fahrradstraße“

  1. Daggi

    Die Verwaltung glaubt ernsthaft, die Autofahrer würden wegen eines ominösen Fahrradstraßenschildes da dann ernsthaft mit 30kmh durch den Wald zuckeln und nebeneinander fahrende Radfahrer brav nicht überholen, weil sie wissen, dort nur ‚zu Gast‘ zu sein? 😂 Komplett weltfremd, man muss sich nur mal ansehen, wie wenig diese Regeln bereits auf kürzeren, innerorts verlaufenden Strecken befolgt werden, wenn es keine baulichen Maßnahmen gibt. Ein Tempo 30 Schild würde da vielleicht mehr bewirken.

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