Weiter Diskussionen um die abgeschaltete Anlage an der Fontanestraße am Hennigsdorfer Postplatz – Kinder in der Grundschule haben eine neue Verkehrsbelehrung bekommen
MAZ Oberhavel, 1.6.2026
Hennigsdorf.
In der Kreisverwaltung ist man sicher: Ohne die Ampel am Hennigsdorfer Havelplatz ist die Fontanestraße sicherer. Damit reagierte Pressesprecher Tobias Thieme auf einen MAZ-Kommentar, in dem es hieß, dass die Fußgänger, insbesondere die Schulkinder die Verlierer der Ampelabschaltung seien.
Darum geht es: In der Fontanestraße befindet sich am Havelplatz, gegenüber der Fontane-Grundschule, eine Ampelanlage. Am oberen und am unteren Ende des Havelplatzes sind Übergänge für Fußgänger, mit jeweils einer Ampel. Allerdings hatten beide Ampeln an beiden Enden des Havelplatzes eine gemeinsame Schaltung.
Die Stadtverordneten hatten diese Anlage so beschlossen, jedoch war die Art der Schaltung immer umstritten. Die Ampeln würden „gerade zu den Stoßzeiten ein erhebliches Plus an Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter“ bringen, teilte Hennigsdorfs Pressesprecher Alexander Dieck mit.
Im Stadtparlament hatten sich die Fraktionen der Unabhängigen und der AfD gegen diese Schaltungen oder die Ampel an sich ausgesprochen, und auch aus den anderen Fraktionen kamen Verbesserungswünsche.
Nun jedoch ist die Anlage ganz abgeschaltet. Die Übergangsregelung für den Testbetrieb am 18. Mai sei ausgelaufen, hatte der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Tobias Thieme, mitgeteilt.
Inzwischen legte der Landkreis auch konkrete Zahlen vor. „Die Aussage, Fußgänger seien die großen Verlierer, lässt sich darauf jedenfalls nicht stützen“, erklärte Tobias Thieme.
Im Zeitraum 2025/26 habe es demnach acht Unfälle gegeben, je sieben mehr als in den beiden Jahren zuvor. 2022/23 geschahen dort sieben Unfälle.
Von den acht Unfällen 2025/26 hatten drei einen Ampelbezug. Vier Menschen wurden dabei verletzt, in drei Fällen gab es Kollisionen mit Kraftfahrzeugen.
Seitens der Kreisverwaltung sei entscheidend: „Dass schwächere Verkehrsteilnehmer bei Zusammenstößen mit dem motorisierten Verkehr geschädigt wurden, ist erst mit Inbetriebnahme der Ampeln entstanden und war über Jahre hinweg nicht gegeben“, so der Landkreis-Sprecher.
„Dass ausgerechnet eine Fußgängerampel vor einer Grundschule zum Sicherheitsrisiko geworden ist, ist äußerst bedauerlich, weil sie eigentlich gerade zum Schutz der Schulkinder gedacht war“, so der Sprecher weiter.
„Wir verstehen, dass die Abschaltung der Ampelanlage und die damit neue Verkehrssituation zu Verwunderung oder Verärgerung führen kann, die Verkehrssituation ist aber komplex.“ Es gelte, die schwächeren, nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer zu schützen, und dafür sei auf einen Dauerbetrieb der Ampelanlage aus Sicherheitsgründen zu verzichten.
Das ändert aber offenbar wenig am Sicherheitsgefühl der Menschen vor Ort. Die Abschaltung beider Ampeln sorgt für Kritik. „Das ist Schwachsinn“, sagte am Donnerstag Sabrina M., bevor sie über die Straße ging. Allerdings findet auch sie, dass nur eine Ampel ausgereicht hätte. „Gerade für die Kinder und Jugendlichen, die sind oft leichtsinnig“, sagte sie außerdem.
Auch an der Fontane-Grundschule sorgte die Abschaltung der Ampelanlage direkt vor der Tür für Wirbel. Wie Schulleiterin Marion Reuß am Donnerstag sagte, haben sich die Elternvertreter mit einem Brief an die Kreisverwaltung gewandt.
Die Ampel sei wichtig „für unsere Kinder, um einen sicheren Schulweg zu gewährleisten“, so die Schulleiterin weiter. Ob man jedoch beide Ampeln brauche, darüber ließe sich streiten. Beide Ampeln abzuschalten, sei „schlichtweg sehr schwierig“. Nach der Abschaltung der Ampeln sei eine Belehrung der Kinder in der Grundschule erfolgt.
Eine Beobachtung ließ sich am Donnerstagmittag am Havelplatz jedoch machen: Stehen mehrere Leute an der abgeschalteten Ampel, stoppen oft auch Autos, ohne dass die Fahrenden ein rotes Licht sehen.
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