Ampel in der Fontanestraße abgeschaltet

Umstrittene Anlage am Hennigsdorfer Havelplatz außer Betrieb – Bürgermeister Thomas Günther kritisiert den Landkreis

MAZ Oberhavel, 28.5.2026

Hennigsdorf.
Um die Doppel-Ampel in der Hennigsdorfer Fontanestraße ist offenbar ein Streit zwischen der Stadt Hennigsdorf und dem Landkreis Oberhavel entfacht.
Die Ampel im Bereich Fontane-Grundschule und Havelplatz habe auf Anordnung des Landkreises abgeschaltet werden müssen. Das teilte Alexander Dieck, der Pressesprecher der Hennigsdorfer Stadtverwaltung, am Donnerstag mit. Der Anordnung des Landkreises sei die Stadtverwaltung am Mittwoch, 20. Mai, nachgekommen.

Konkret geht es um eine Ampelanlage, die durchaus ungewöhnlich ist und nicht unumstritten war. Sie befindet sich in der Fontanestraße, im Bereich des Havelplatzes und der Fontane-Grundschule. Am oberen und am unteren Ende des Havelplatzes stehen je eine Ampelanlage. Allerdings haben beide Ampeln eine gemeinsame Schaltung.
Bedeutet: Will jemand an der unteren Seite des Havelplatzes über die Straße, drückt er einen Knopf an der Ampel, und die Ampel wird für Autofahrer rot. Das Besondere: Auch auf der anderen Seite des Havelplatzes schaltet die Ampel rot, auch wenn da niemand rüber will. Egal an welcher Seite ein Fußgänger über die Straße möchte, immer werden beide Ampeln für Autos rot.
Allerdings können Fußgänger dann nicht den ganzen Bereich zwischen den Ampeln nutzen, sondern sie dürfen nur an der Ampel selbst über die Straße.

„Das Ampel-Aus sorgt nun für Verunsicherung bei Eltern und Kindern, die die Fontanestraße an der Stelle auf ihrem täglichen Schulweg queren müssen“, schreibt Alexander Dieck.
Er erklärt außerdem: „Die beiden Fußgängerampeln basieren auf einer Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung Hennigsdorf nach einem langen Diskussionsprozess. Erst in dieser Woche hatten sich die Stadtverordneten mehrheitlich zu den Ampelanlagen in der Fontanestraße bekannt, um den Fußgängerverkehr sicherer zu gestalten.“
„Die beiden Ampeln werden sehr gut angenommen und von den Querenden akzeptiert“, so Alexander Dieck weiter. Bei Autofahrenden hatte die parallele Schaltung allerdings für Kritik gesorgt, insbesondere der Umstand, an roten Ampeln warten zu müssen, an der gar keiner rüber will.
Alexander Dieck von der Stadtverwaltung erklärt hingegen: „Die von einem zertifizierten Büro erhobenen Daten zeigen auch, dass es durch die Ampeln zu keinen wesentlichen Problemen im Verkehrsablauf in dem betreffenden Bereich kommt.“
Die Ampeln würden „gerade zu den Stoßzeiten ein erhebliches Plus an Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter“ bringen.
Die beiden Anlagen seien auch dokumentierter Bestandteil des Schulweg-Sicherungskonzeptes der Fontane-Grundschule und damit auch Grundlage der „gelernten“ Alltagswege der Kinder, so der Sprecher weiter.

Die Kreisverwaltung reagierte am Donnerstagnachmittag und wies eine Aussage der Stadt Hennigsdorf zurück: „Der Landkreis Oberhavel hat kein Abschalten der Fußgängerampeln verfügt“, erklärte Tobias Thieme, Sprecher der Kreisverwaltung. „Vielmehr ist die Übergangsregelung für den Testbetrieb am 18. Mai ausgelaufen.“
Er erklärt die weiteren Umstände: „Während des Testbetriebs war eine Verkehrszählung durch die Stadt Hennigsdorf beziehungsweise ein beauftragtes Unternehmen durchgeführt worden. Die Ergebnisse dieser Zählung wurden Anfang des Jahres in kurzer Folge in drei unterschiedlichen, voneinander abweichenden Fassungen beim Landkreis vorgelegt.“
Daraufhin habe die Straßenverkehrsbehörde eine stichprobenartige Kontrolle der erstellten Videoaufzeichnungen vorgenommen, die im Rahmen der Verkehrszählung durch ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen erstellt worden waren. Diese haben nochmals Abweichungen gezeigt.
„Im Ergebnis hält der Landkreis die vorgelegte Zählung nicht für hinreichend belastbar, um auf deren Basis eine Entscheidung über einen etwaigen Dauerbetrieb treffen zu können“, so der Kreissprecher. „Ein Antrag der Stadt Hennigsdorf auf einen solchen Dauerbetrieb wurde hier überdies ohnehin erst in der vorletzten Woche gestellt.“
Dazu sagte Tobias Thieme: „Dabei fehlten zudem die notwendigen Veverkehrstechnischennterlagen zur Schaltung der Ampeln inklusive Koordinierung mit der Ampelanlage an der Kreuzung Parkstraße. Auf eine solche Koordinierung konnte nur im Testbetrieb vorerst verzichtet werden.“
Aus Sicht der Kreisverwaltung spreche noch mehr gegen die Ampelanlage: Die polizeiliche Unfallstatistik zeige „seit Aufnahme des Testbetriebs einen deutlichen Anstieg der Verkehrsunfallzahlen im betreffenden Abschnitt der Fontanestraße, sodass auf einen Dauerbetrieb auch aus Sicherheitsgründen verzichtet werden muss.“

Schon in der Stadtverordnetenversammlung am Dienstagabend hatte sich Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther (SPD) geäußert. Die Abschaltung der Ampel „ist aus unserer Sicht nicht tragbar“. Der Übergang zum Havelplatz sei stark frequentiert. „Dass die Fontanestraße viel befahren ist, dürfte unstrittig sein.“
Er verwies auf den auf der Webseite des Landkreises selbst auferlegten Anspruch der Straßenverkehrsbehörde, dass es zu ihrer wichtigsten Aufgabe gehöre, Maßnahmen zu ergreifen, die die Sicherheit der Fußgänger erhöhe. Das sei eine „große Differenz zwischen Theorie und Praxis“, so Thomas Günther.

Im Stadtparlament hatte die Fraktion „Die Unabhängigen – Bürger für Hennigsdorf“ gefordert, eine der beiden Ampeln abzuschalten, die AfD wollte eine Entkopplung. Beide Anträge sind mehrheitlich abgelehnt worden.
Oliver Schönrock (Die Unabhängigen) verwies zudem auf eine Umfrage seiner Fraktion. Im nicht-repräsentativen Ergebnis stimmten 721 von 729 Teilnehmenden für einen Rückbau der Anlage.

Gunnar Berndt (CDU) regte dagegen eine Mindestgrünphase für Autofahrer an, sodass es nicht passieren könne, dass sie zweimal im Bereich der Ampelanlage halten müssten.
Nun kommt es aber ganz anders: Die Ampeln am Havelplatz bleiben erst mal aus.


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Kommentare

2 Kommentare zu „Ampel in der Fontanestraße abgeschaltet“

  1. […] sprechen aber auch über den Ampelstreit von Hennigsdorf, über das Aus eine Gesundheitszentrums in Oranienburg und über Altstars, die zum Oranienburger […]

  2. Daggi

    Absolut unfassbar. Wer verstehen will, warum D so am Arsch ist, muss sich nur solche Verwaltungspossen anschauen, die ja so oder ähnlich wohl überall ständig passieren. Wie lange lief denn der Testbetrieb und welche Art Unfälle soll denn dort wie stark gestiegen sein, ist das bekannt?

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