Eurovision Song Contest 2026

SA 16.05.2026 | 21.00 Uhr | Das Erste

Bangaranga!
2027 geht die Reise von Wien nach Sofia. Bulgarien hat den Eurovision Song Contest 2026 gewonnen. Und das Ergebnis war einhellig: Denn Dara hat mit „Bangaranga“ sowohl bei den Jurys als auch beim Publikumsvoting vorn gelegen.
Damit sollten wir gut leben können, denn der Song ging gut ab, und die Performance war richtig gut. Das ist vielleicht nicht radiotauglich, aber an diesem Abend war es das Beste.

Es war das Ende eines langen Abends. Der Eurovision Song Contest 2026 ging am Sonnabend über die Bühne, Das Erste übertrug live.

Kurz vor Schluss kam es wieder zum Mega-Showdown, nach dem es hätte passieren können, dass der Abend kippt. Denn zu guter Letzt entschied sich die Show zwischen Israel und Bulgarien.
Wieder Israel so weit vorne. Von den Jurys gab es 123 Punkte, das Publikum gab mehr, nämlich 220. Und so hatte Israel 343 Punkte, und Bulgarien stand bei 204. Würde es für Bulgarien reichen? Das muss man den Machern der Show lassen: Es ist ein Moment, der an Spannung nicht zu übertreffen ist.
In dem Fall aber aus verschiedenen Gründen. Vorweg: Israel hatte mit „Michelle“ von Noam Bettan einen richtig starken Song. Aber um Israel gab es auch Diskussionen: Wegen des Irankrieges, wegen des Angriffs auf Palästina (nach dem palästinensischen Überfall auf Israel), wegen der immer wieder vorgekommenen Einflussnahme auf die Punkte. Es wurden Regelanpassungen vorgenommen, und Israel durfte im Wettbewerb bleiben. Dafür haben fünf Länder beschlossen, 2026 nicht mitzumachen.
Was also würde passieren, wenn in der Gemengelage Israel auch noch gewinnen würde? Vor dieser Entscheidung stand die Show. Und ganz ehrlich: In dem Moment hoffte ich, Israel würde nicht siegen. Das hätte die Sause womöglich vollends zerrissen. Bulgarien gewann dann jedoch sehr souverän, weil sich Jurys und eben auch Publikum auf den Sieger einigen konnten.

Und Deutschland? Hat 12 Punkte bekommen! Allerdings insgesamt. „Fire“ von Sarah Engels landete auf Platz 23. Das kommt einerseits nicht unerwartet, weil es dem entspricht, was die Buchmacher vorhergesagt haben. Andererseits ist es dennoch enttäuschend, dass es vom Publikum gar keine Punkte gab – dass „Fire“ also nirgendwo in der Top 10 war.
Haben wieder mal alle uns nicht lieb?
Oder haben wir nicht von Anfang an gesagt, dass „Fire“ für deutsche Verhältnisse zwar irgendwie modern, aber international schon von gestern war? Und dass ähnliche Songs in den letzten Jahren schon nicht funktioniert haben?
Haben wir es nicht vielmehr mit einer Krise der deutschen Musikindustrie zu tun? Und mit einem allgemeinen deutschen Nicht-Verständnis des ESC? Oft heißt es, dass wir doch mal einen bekannten deutschen Act schicken sollen. Dabei geht es darum nicht, es kommt beim ESC nicht drauf an, ob du in Deutschland bekannt bist, sondern ob du einen guten Song und eine gute Show hast. Wer könnte so was in Deutschland liefern? Wer könnte eine Show abliefern, wie sie beispielsweise Luca Hänni 2019 für die Schweiz ablieferte?
Und nach wie vor fehlt es in Deutschland an Foren, wo Musik aus Deutschland (die nicht deutschsprachig sein muss) gefeiert wird. In Deutschland fehlt es im Fernsehen an Shows, wo die breite Masse der Musik Platz hat – und nicht nur Schlager. Shows wie das SanRemo-Festival in Italien, das immer noch Mega-Zuschauerzahlen hat, wo etablierte Stars auftreten und Newcomer, wo Rock, Pop, Jazz und mehr vorkommt.
Das Abschneiden Deutschlands beim ESC ist hausgemacht, und da müssen wir nicht immer die Schuld bei anderen suchen.

Und sonst so? Die Moderation von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski blieb blass mit abgelesenen Witzen und wenig eigenem Charme.
Die Einspieler, bei denen Swarovski als Professor vor Studenten ESC-Fakten erklärte, war schrecklich unlustig, ein bisschen wie Telekolleg.

Bei einem der Intervall-Acts traten ESC-Stars auf, um ganz kurz ihr eigenes Lied noch mal anzustimmen und einen weiteren ESC-Hit. Die Rocker von Lordi aus Finnland plötzlich Schlager singen zu hören, tat ziemlich weh. Aber Max Mutzke durfte noch mal dabei sein, nach 22 Jahren.

Auch wenn sich bei Platz 1 Jury und Publikum einig waren – es gab teilweise große Unterschiede bei der Abstimmung. Rumänien bekam 64 Punkte von den Jurys, aber 232 vom Publikum. Mein Favorit Dänemark mochten die Jurys (165), das Publikum weniger (78). Ähnlich bei Tschechien.

Stark vermisst wurde Conchita, Siegerin des ESC 2014 für Österreich. Sie hatte ihre Teilnahme schon vor einiger Zeit ohne Angabe von Gründen abgesagt. Es klang ein bisschen beleidigt. Vermutlich wollte der ORF nicht das, was sie wollte. Denn sie hatte immer wieder betont, dass sie moderieren wolle, und sie hätte es sehr sicher besser gemacht als das Team, was stattdessen durch die Show führte.

Thorsten Schorn als deutscher Kommentator war in diesem Jahr teilweise unangenehm zotig. Und er quatschte ständig in das Publikumsvoting rein, um umständlich irgendwelche Dinge zu erklären. Weniger ist manchmal mehr.

Was bleibt? Auch wenn die Schweizer 2025 mehr Witz und Lockerheit hatten, war auch die Show zum 70. Jubiläum in Österreich erstaunlich kurzweilig, obwohl sie 250 Minuten dauerte. Es ist beeindruckend, was die 25 Acts auf die Beine stellten, mitunter mitreißende Performances. Trotz aller Misstöne ist die Show immer noch völkerverbindend – und bleibt das hoffentlich auch.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 16. Mai 2027)


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Kommentare

8 Kommentare zu „Eurovision Song Contest 2026“

  1. Daggi

    Hab mir gerade mal den Schnelldurchlauf aller 35 Titel bei YT gegeben und finde, dass ein Großteil mal wieder komplett austauschbar war, aufgekratzte junge Frau (selten Mann) singt zu uptempo Eurodance-Einerlei einen möglichst catchy Refrain, manchmal dazu bemüht um Witzigkeit (zB GB🤢). Sowohl Deutschland als auch den Siegertitel kann man dort einsortieren und beide Platzierungen sind trotz der Ähnlichkeiten doch gerechtfertigt. Hier die absolut nichtssagende, seelenlose, nervige Konserve, gesungen von der 7365. austauschbaren Casting-Trulla ohne Persönlichkeit, dort der bulgarische Song, der zwar irgendwie etwas merkwürdig zusammen gestückelt wirkte, aber vor allem durch dieses eher traditionelle Sample (weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben könnte) ein Alleinstellungsmerkmal hatte, was hängen bleibt und vor allem auch mit echter Leidenschaft und Gefühl rübergebracht wurde.
    Ansonsten war es ja eine Wohltat, zwischen drin mal etwas andersartige Lieder zu hören, wie Serbien, Schweiz oder Portugal (das war aber wirklich nix😂) oder auch Luxemburg, was ich sogar ganz gut fand, das es aber natürlich nicht mal ins Finale geschafft hat… 😏

  2. christin

    Da steckt eine deutsche dahinter so wie bei Vicky oder Ireen..

  3. RT

    Und wer?

  4. christin

    Nina Chuba

  5. RT

    Das ist Dara aus Bulgarien. Nina Chuba hat damit nichts zu tun.

  6. RT

    Ja, so eine geballte Ladung von 25 Songs kann schon krass sein. Portugal hätte einen Ruhepol reingebracht.

  7. christin

    Nina Chuba hat für Bulgarien gesungen, Dara hat nur den Song geschrieben.. Nina hat Bulgarische Wurzeln..

  8. RT

    Die Sängerin heißt Dara. Da gab es keine Nina Chuba.

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