Staying Alive

SA 25.04.2026 | 20.15 Uhr | ProSieben

Diese neue Show auf ProSieben ist ein einziges Missverständnis. Bei ProSieben selbst hat man es jedoch für einen Meilenstein gehalten. So kann sich jeder mal irren.

Grundsätzlich ist es löblich, dass ProSieben immer noch Geld dafür ausgibt, Shows zu produzieren und sich auch immer wieder mal was Neues ausdenkt. Am Sonnabend lief erstmals „Staying Alive“
Hauptsächlich geht es darum, längst verstorbene Megastars wieder auferstehen zu lassen. In dieser Show singen sie Duette mit aktuellen Musikern. Das klingt grundsätzlich interessant, ist dann aber doch – ich erwähnte es bereits – ein großes Missverständnis.

Moderator Thore Schölermann begrüßte in seiner neuen Show die No Angels, Alvaro Soler, Samu Haber und Sasha. Aber es gab auch ganz spezielle Gäste: Elvis Presley und Whitney Houston.
Im Laufe des Abends traten die No Angels mit Whitney Houston auf, Sasha mit Elvis Presley – und so weiter.

Tatsächlich standen Whitney und Elvis auf der Bühne. Was allerdings das vollkommen aufgekratzte Publikum im Studio sah, wissen wir nicht. ProSieben macht ein groooßes Geheimnis darum, wie diese Illusion entsteht. Allerdings gibt es immer mal wieder eine Einblendung, dass die Sendung mit Hilfe von KI erstellt werde.
Vermutlich stehen Leute auf der Bühne, die Elvis und Whitney ähnlich sehen und die dann durch KI in die Stars verwandelt werden.
Das funktioniert ganz okay, aber so richtig glaubhaft ist es dennoch nicht, weil diese Stars am Ende doch irgendwie wie Doubles wirken.
Außerdem werden die meisten Zuschauer ProSieben nicht den Gefallen tun, sich keine Gedanken drüber zu machen, wie das technisch funktioniert, denn so ticken wir Menschen nicht. Menschen wollen wissen, wie der Zaubertrick funktioniert.

Nun ist allerdings dazu noch die Frage, für wen es interessant sein könnte, dass die No Angels gemeinsam mit einer Fake-Whitney singen. Dass Whitney plötzlich „Daylight“ mit den No Angels singen soll, ist eigentlich eine Frechheit. Möchte ich wirklich, dass Whitney „Daylight“ singt?
Das Problem ist in dieser Show nicht nur die fehlende Fallhöhe. Sänger wie Sasha, Alvaro Soler oder Samu Haber sind nette Menschen, aber will man wissen, wie es ist, wenn sie mit Whitney oder Elvis auftreten? Will man, dass diese Megastars irgendwelche 08/15-Hits aus der heutigen Zeit singen?

Und sind Verstorbene eigentlich Freiwild? Man kann sie ja nicht mehr fragen, ob Whitney mit den No Angels auftreten will. In Wirklichkeit ist es ziemlich vermessen von ProSieben, die Stars dafür zu missbrauchen.

Ein weiteres Problem: die Zielgruppe. Elvis hin oder her, in der heutigen Popkultur der jungen Zielgruppe spielt der fast keine Rolle mehr. Da fehlt so ein echter Wow-Effekt, auch weil ja viele gar nicht mehr wissen, wie Elvis in Wirklichkeit war.

Problem 4: Die Show selbst ist übel langweilig. Es gibt schlicht keine Spannungskurve. Im Laufe des Abends wird schlicht jede Kombi durchgespielt. Und keine ist leider so richtig aufregend. Am Ende muss das Studio-Publikum abstimmen, welches der acht Auftritte am besten war. In Wirklichkeit waren alle gleich egal, und so träge sich die Menschen im Studio erhoben, ging es ihnen ähnlich. Die frenetische Begeisterung, die uns während des ganzen Abends, die uns immer wieder ins Gesicht geschleudert wurde, wirkte wahnsinnig aufgesetzt.

So ist diese Show das Ergebnis von vielen Fehlannahmen und Überschätzung. Am nächsten Sonnabend kommt Show 2 – mit genau denselben Gästen. Dann aber sollen sie mit Amy Winehouse und Freddie Mercury auftreten. Kann man die Ausstrahlung mit einer solchen Erniedrigung von Verstorbenen noch verhindern?

-> Die Sendung bei Joyn


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Kommentare

Ein Kommentar zu „Staying Alive“

  1. Daggi

    Man gruselt sich ja schon beim Lesen. 😱
    Rechtlich sind sie aber wohl nicht angreifbar, solange das Andenken der Verstorbenen nicht beschädigt wird, und dazu wird ein KI-Auftritt zusammen mit deutschen Nobodys wahrscheinlich nicht ausreichen, dazu müsste erstmal einer der betroffenen Nachfahren davon erfahren und Klage beim deutschen Gericht einreichen. Geschützt durch Copyright sind halt nur die Werke, nicht der Künstler. Hier hilft wohl nur, den Schund zu ignorieren.

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