Einen Pudding mit Gabeln essen. Das ist es, womit sich junge Leute heutzutage beschäftigen. Eine entsprechende TikTok-Challenge ging 2025 viral. Nachrichten? Überhaupt, Fernsehen? Unwichtig geworden – Pudding mit Gabeln zu essen, ist viel spannender.
Das war 2025, und der Verfall des herkömmlichen Fernsehens geht weiter und weiter. Nicht nur, dass unter 50-Jährige kaum noch zuschauen – wenn zur Primetime eine mickrige halbe Million Menschen unter 50 zuschaut, ist das heute schon ein Knaller.
Im Gegenzug ist es für das herkömmliche Fernsehen immer schwerer, neue Formate zu etablieren – beziehungsweise abseits von Trash und Quiz wirklich noch was Neues an den Start zu bringen.
ProSieben versucht sich im Herbst an einer neuen Soap und krempelt dafür den Vorabend um. „Die Cooking Academy“ ist ein Flop mit Ansage, kaum jemand schaut zu, und nach wenigen Wochen verschwindet die Serie und wird im Frühprogramm und bei Joyn und Disney+ still, leise und vermutlich ebenso unbemerkt versendet.
ProSieben scheitert auch mit diversen Trashformaten. Trash scheint vor allem nur noch im Streaming zu funktionieren. Joyn fährt damit gut, RTL+ auch.
Aufmerksamkeit bekommt man nur noch mit speziellen Aktionen. Nachdem Joko und Klaas in ihrer Show gegen ProSieben gewonnen haben, dürfen sie eine Woche lang den Sender übernehmen – und nennen ihn ProAcht.
Weniger Zuschauer, weniger Werbung, weniger Geld. Aus dem linearen Fernsehen wandern immer mehr Gelder ins Streaming. RTL streicht seine Spätnachrichten „RTL direkt“, die große Nachrichtenoffensive ist damit Geschichte. Höhepunkt der Krise: RTL muss 600 Stellen streichen, um sich auf das Streaming konzentrieren zu können. Es müssen Millionen eingespart werden.
Millionen, die bei RTL Stefan Raab kassiert – ohne aber große Erfolge zu haben. „Du gewinnst hier nicht die Million“ ist ein Flop, die Mischung aus „TV total“ und „Schlag den Raab“ funktioniert nicht. Und das, obwohl ProSieben wegen Raab den Mittwoch für „TV total“ in einer Harakiri-Aktion geopfert hat. Seitdem läuft „TV total“ dienstags – mit höheren Quoten als Raab bei RTL. Im Herbst kommt Raab nun mit „Die Stefan Raab Show“, was im Grunde immer noch so was wie „TV total“ ist. Schlecht ist die Show nicht, aber der ehemalige Meister hat es sich in seiner grundsätzlichen Ideenfaulheit mit den Zuschauern verscherzt. Die Show läuft mies, und auch die diversen Shows am Sonnabend funktionieren quotentechnisch nicht wirklich. Raab – wie lange macht RTL das noch mit?
Kann Sky RTL retten? Im Sommer kündigt RTL an, Sky Deutschland zu kaufen. Damit wäre RTL+ eine echte Macht im deutschen Streaming-Geschäft. Was aus den Marken Sky und Wow wird, ist noch nicht bekannt. Auch nicht, ob der Deal überhaupt durchkommt.
Apropos Deal: ProSiebenSat.1 gehört nun zur „Media For Europe“-Gruppe. CEO von MFE ist Pier Silvio Berlusconi. Damit geht die deutsche Sendergruppe nun an den umstrittenen italienischen Medienmogul. Auswirkungen: unklar.
Netflix übernimmt Warner. So lautet zumindest der Deal, und das wäre eine große Nummer. Um die Übernahme ist zuvor Wettstreit entbrannt, auch Paramount will sich Warner angeln – ob die Übernahme perfekt ist, klärt sich 2026.
Aber auch Zusammenarbeiten sind möglich. Sat.1 und Joyn arbeiten mit Amazon Prime Video zusammen, das ZDF mit AppleTV+.
Joyn hätte auch gern eine Zusammenarbeit mit ARD und ZDF gehabt. Ungefragt wurden Inhalte beider öffentlich-rechtlicher Mediatheken bei Joyn eingepflegt. Fand man bei ARD und ZDF jetzt nicht so toll. Das Projekt wird schnell wieder gestoppt – mit juristischen Folgen.
Aber die Öffentlich-Rechtlichen haben ihre eigenen Sorgen. Die von der KEF, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, vorgeschlagene Gebührenerhöhung kommt nicht, die Politik sperrt sich. Eine Reform des Systems scheitert fast an der Landespolitik in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und anderen Bundesländern.
Inzwischen ist klar: ARD und ZDF werden zusammengedampft. Diverse ARD-Radios werden gestrichen. Auch bei den Sparten muss gespart werden. 3sat und arte könnten verschmelzen (was nicht einfach ist, weil beide Sender in Zusammenarbeit mit anderen Ländern entstehen), ob es one und zdf neo weiter gibt, ist unklar, ebenso wie die Zukunft von zdf info, ARD alpha, tagesschau24 und phoenix.
Dabei sind tagesschau24 und phoenix wichtig. Ersterer weil er immer aktuelle Nachrichten bietet und das Breaking-News-Backup für Das Erste ist. Letzterer weil er in voller Länge überträgt, wenn die Bundeskanzlerwahl ein paar Stunden länger dauert als geplant, weil Friedrich Merz seine Mehrheit nicht zusammenbekommt. Bei phoenix bleibt man dran, ordnet ein, beobachtet.
So manche Diskussionen um die Öffentlich-Rechtlichen sind aber einerseits hausgemacht, andererseits werden sie nur zu gern aufgebauscht und skandalisiert. Als sich NDR und BR zusammentun, um ein konservatives Magazin namens „Klar“ an den Start zu bringen, sorgt das für Debatten. Im Sender und außerhalb. Besonders als der NDR nach der Pilotstaffel beschließt, ohne Moderatorin Julia Ruhs weiterzumachen. Sie polarisiert auch außerhalb ihrer Sendung, und sie sorgt selbst dafür, dass ihre Personalie zur ganz großen Sache wird. Dabei darf sie die BR-Ausgaben von „Klar“ weitermoderieren, aber dem NDR wirft man vor, zu links zu sein.
Thilo Mischke moderiert unterdessen nicht das ARD-Kulturmagazin „ttt“, „Titel Thesen Temperamente“. Seine Anstellung sorgt für einen Mega-Shitstorm, weil er vor Jahren mal ein anstößiges Buch geschrieben hat und sich später nochmals unglücklich geäußert hat. Deutschland diskutierte, als ob jeden Sonntagabend viele, viele Millionen Menschen „ttt“ sehen und es sich um eine Staatsaffäre handele. Kulturschaffende drohten, die Sendung zu boykottieren. Die ARD ließ Mischke fallen, und der stand mitten im Shitstorm, von dem er sich lange nicht erholt hat.
Mit Shitstorms kennt sich auch Thomas Gottschalk aus. Hier mal eine sexistische Bemerkung, da mal eine doofe Spitze – und dann wirkte er beim Bambi, live auf Amazon Prime Video, und bei der Romy-Verleihung live im ORF2, auf eine besorgniserregende Weise verwirrt. Es ist nichts, beteuert der Showmaster. Dann aber legt er eine schwere Krebs-Erkrankung offen. Sein Auftritt ist der RTL-Show „Denn sie wissen nicht, was passiert“ ist sein Abschied vom Sonnabendabend.
2025 mussten wir von vielen Stars Abschied nehmen. Die Schauspieler Horst Janson, Otto Schenk, Rolf Becker, Ingrid van Bergen, Udo Kier, Diane Keaton, Claudia Cardinale, Robert Redford, Horst Krause, Arthur Brauss, Peter Sattmann, Martin Seifert, Uwe Kokisch, Julian McMahon, Anthony Geary, Anita Kupsch, Brigitte Bardot, Hans-Ulrich Meves, Urte Blankenstein, Val Kilmer, Richard Chamberlain, Rolf Schimpf, Hans-Peter Korff, Gene Hackman und Ernst Hillbich.
Die Filmemacher Rosa von Praunheim, Rob Reiner und Hark Bohm. Die Entertainer Alice und Ellen Kessler, Jan Zimmermann (Gewitter im Kopf), Hulk Hogan und Marcel Mann. Die Pornostars Lane Rogers und Scott Finn.
Die Moderatoren Matthias Holtmann, Rainer Holbe, Ulli Potofski, Frank Laufenberg, Carlo von Thiedemann, Nadja „Naddel“ Abd el Farrag, Andreas Hahn, Peter Rapp, Evelyn Lazar, Antje Katrin-Kühnemann, Ekkehart Gahntz, Heinz Horrmann und Max Schautzer. Die Journalisten Peter Arnett, Franz-Josef Wagner, Georg Stefan Troller, Rolf Seelmann-Eggebert und Gerd Helbig. Fernsehmacher Helmut Thoma. Theatermacher Claus Peymann. Autor Helme Heine.
Die Musikschaffenden Chris Rea, Jimmy Cliff, Dave Ball, Klaus Doldinger, Bernd Meinunger, Jack White, Andreas Martin, Rick Davies, Ozzy Osbourne, Conny Francis, Mark Snow, Brian Wilson, Xatar, AnNa R., Roberta Flack, David Lynch und Marianne Faithful. Modemacher Giorgio Armani.
Die Politiker Wolfgang Böhmer, Bernhard Vogel, Dick Cheney, Gerhart Baum und Horst Köhler. Papst Franziskus. Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer. Die Sportler Werner Lorant, George Foreman, Laura Dahlmeier, Jochen Mass und Felix Baumgartner. Forscherin Jane Goodall. Weltraumfahrer James Lovell.
Auch Astro TV gibt es nicht mehr – aber gleich im Januar kommt der Nachfolger: Spirit TV. Die Astroberatung ist ähnlich, nur das Studio sieht noch billiger aus – einige senden von zu Hause aus.
MTV verliert zum Jahresende sein M – also, die Musik. Statt Videoclips laufen dann Trashformate und Comedys. Es haben einfach zu wenige Menschen MTV eingeschaltet.
Der Regionalsender RNF in Heidelberg ist zahlungsunfähig, nachdem der Geschäftsführer verstorben ist. Es droht das Aus für Deutschlands ältesten privaten Lokalsender.
Auch Abschiede gibt es 2025: Constantin Schreiber verlässt die „Tagesschau“ geht zu Springer. Robin Alexander wiederum gibt seinen Posten als stellvertretender Chefredakteur der „Welt“ ab.
rbb-Reporter Ulli Zelle wird in den Ruhestand geschickt, auf den er aber keine Lust hat. Beim Berliner Lokalsender Alex startet er kurz danach „Zelles Berlin“.
Jörg Wagner moderiert bei radioeins zum letzten Mal das Medienmagazin.
Letztere Personalien haben auch mit den Spar-Anstrengungen beim rbb zu tun. Der Schlesinger-Skandal wirkt weiter nach. Im Programm gibt es weniger Eigenproduktionen, Nachrichtenredaktionen im Radio werden zusammengelegt, der rbb schaltet seinen eigenen Videotext ab und bekommt nur noch ein Magazin im ARD-Text.
Andererseits fordert die Politik eine Ausweitung der Regionalfenster für Berlin und Brandenburg von 30 auf 60 Minuten.
In den USA herrscht zu Jahresbeginn Angst. Los Angeles, Hollywood brennt. Das Großfeuer bedroht auch die Filme- und Fernsehstudios.
Eine Bedrohung ist aber auch US-Präsident Donald Trump. Kritik an seiner Person und seinen Ansichten duldet er nicht. CBS wird die Late-Night-Show von Steven Colbert 2026 absetzen. Colbert ist harter Trump-Kritiker, und CBS-Betreiber Paramount wird vorgeworfen, angeblich hohe Schmiergelder wegen einer Firmenfusion gezahlt zu haben.
ABC setzt die Late-Night-Show „Jimmy Kimmel live“ ab – auch wegen Trump-kritischen Äußerungen. Der Protest ist riesig, ein paar Tage später darf Kimmel weitersenden.
Trump wirkt – bei der Fußball-WM-Gruppenauslosung bekommt er von FIFA-Chef Infantino einen Friedenspreis in den Hintern geschoben. Im Weißen Haus berichten mittlerweile nur noch Trump-Fans aus den Pressekonferenzen, die sch zu Eigenlob-Shows umgewandelt haben.
Obwohl eigentlich unpolitisch ist auch um den Eurovision Song Contest eine politische Diskussion entbrannt. Darf Israel mitmachen oder nicht? Der Krieg mit Gaza sorgt für Empörung und spitzt sich ausgerechnet rund um den ESC zu. Bei der Show in Basel wird Israel Zweiter, das Publikum wählt das Land sogar auf die 1. Das sorgt auch für Misstrauen.
Im Dezember werden neue Regeln bestimmt – der Jury-Einfluss wird wieder größer, Israel bleibt Teil der Show. Daraufhin sagen Spanien, Island, Irland, Slowenien und die Niederlande für 2026 ab.
In Basel landen übrigens Abor & Tynna für Deutschland mit „Baller“ auf Platz 15. Obwohl Stefan Raab nichts anderes als den ESC-Sieg wollte. Hat nicht geklappt, und Raab ist raus. Und der NDR auch. Bei der ARD ist jetzt der SWR für den Eurovision Song Contest am Ruder, und der verzichtet erst mal auf die Zusammenarbeit mit Raab.
9,13 Millionen Menschen schauen das Finale im Ersten und bei one, hinzu kommen mehr als 3 Millionen in den Streams. Das ist Rekord.
Der Quotenrekord 2025 geht aber an den Fußball. 14,57 Millionen Menschen sehen das Halbfinale der Frauen-Fußball-EM. Deutschland verliert gegen Spanien. Dreimal schafft es der „Tatort“ über die 10-Millionen-Marke.
Und sonst so? Weil Andrea „Kiwi“ Kiewel wegen des Israel-Gaza-Krieges in Tel Aviv festsitzt, verpasst sie ihr eigenes 25-Jahre-Jubiläum im „ZDF-Fernsehgarten“. Lutz van der Horst und Joachim Llambi übernehmen.
Nach 2019 muss die Mallorca-Party im „ZDF-Fernsehgarten“ erneut wegen eines Unwetters abgebrochen werden.
Helene Fischer bekommt noch ein Kind, und deshalb fällt am 1. Weihnachtstag im ZDF „Die Helene Fischer Show“ aus.
In Berlin wird die große Silvesterfeuer abgesagt. Deshalb muss das ZDF umplanen. Silvester wird diesmal nicht am Brandenburger Tor in Berlin, sondern im Hamburger Hafen gefeiert.
Jörg Pilawa ist nicht nur Quiz-Onkel, sondern neuerdings auch First Gentleman von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU).
Im Open-Air-„Sommerinterview“ bei tagesschau24 und im Ersten ist Alice Weidel (AfD) kaum zu verstehen. Auf der anderen Spree-Seite singt ein Chor lautstark „Scheiß AfD“. Irgendwie ein Ohrwurm.
Und dann war da noch der Simultan-Dolmetscher bei phoenix, der am Tag der Amtseinführung von Donald Trump eine lange wirre Rede übersetzen musste. Bis er irgendwann in die Regie fragte: „Sammal, wie lange wollt’n ihr eigentlich bei dem Scheiß bleiben?“
Ich fürchte bis 2026. Mindestens.
Guten Rutsch.
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