37 Sekunden

DI 15.08.2023 | 22.50 Uhr | Das Erste

Wann hört Einvernehmlichkeit auf? Wie oft muss man dazu Nein sagen? Wann wird aus einer schnellen Nummer eine Vergewaltigung? Und wem glaubt man, wenn es darüber zum Prozess kommt?
Um diese spannenden Fragen dreht sich die Serie „37 Sekunden“. Sie läuft am Dienstagabend im Ersten, leider und vollkommen unverständlich nur im Spätprogramm.

Der berühmte Musiker Carsten Andersen hat seit einiger Zeit eine Affäre mit der jungen Sängerin Leonie. Die will die Sache beenden.
Doch am Rande einer Party treffen sie in einem Raum aufeinander. Er will Sex. Sie sagt, sie möchte nicht. Es kommt dazu zum Sex, sie nimmt den Akt letztlich irgendwie hin. Andersens Sohn liegt im Nebenzimmer, bekommt alles mit.
Später wird wird Leonie klar: Das, was da passiert ist, war nicht in Ordnung. Sie zeigt ihn an.
Und der Fall schlägt öffentlich Wellen. Carsten versucht mit aller Macht, dagegen zu halten und der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass er nichts Falsches getan habe. Und auch Carstens Familie, insbesondere seine Tochter, ist bestrebt, die heile Welt beizubehalten. Aber wie heil ist denn diese Andersen-Welt wirklich?

Es sind 37 Sekunden, die so einiges auslösen. Als Zuschauer sind wir dabei, und wir können uns gleich in Folge 1 ein Urteil erlauben, ob das, was wir da sehen, in Ordnung ist.
Wir sehen auch, wie Carsten sich windet, wie er die Öffentlichkeit manipuliert. Wobei das eigentliche Problem zu sein scheint, dass er sich gar keines Problems bewusst zu sein scheint. Und weil es sicherlich Menschen gibt, die ihm in einem Denken folgen, werden sie diese Serie vermutlich mit ganz anderen Augen sehen, als die Leute, die sagen: Nein, das war nicht okay.

Deshalb ist „37 Sekunden“ für alle, die zuschauen, auch ein Experiment. Auch welcher Seite stehe ich – und warum? Oder: Warum wechsele ich eventuell auch die Seite?

Allerdings ist die Handlung auf 6 Folgen ausgedehnt, dann doch zu lange geraten. Es entsteht zwischendurch ein wenig Leerlauf, und 4 Folgen hätten vermutlich auch gereicht. Und warum es eine solche Serie nicht mal im Sommer in die Primetime schafft, ist auch fraglich – immerhin liefen an diesem Abend ab 20.15 Uhr nur Wiederholungen.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 23. August 2024)


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Kommentare

2 Kommentare zu „37 Sekunden“

  1. ThomasS

    Ich habe die Sendung nicht gesehen. Beim Lesen habe ich zunächst tatsächlich an „37 Grad“ gedacht, ein Reportage Format, das dienstags im Abendprogramm des ZDF läuft ….

    Womöglich war diese Verwechslung seitens der Filmemacher sogar beabsichtigt.

  2. RT

    Hm, keine Ahnung. Hatte ich tatsächlich auch gar nicht aufm Schirm.

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