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Hier ist jemand gestorben (2)

Sonntag, den 4. April 2021
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(1) -> 18.12.2020

Sie fahre an dieser Unfallstelle auch nicht gern vorbei.
Ich weiß erst gar nicht so genau, was die Frau, die mich auf dem Spargelhof in Kremmen, genau meint.
Es geht um die Unfallstelle im Wald zwischen Germendorf und Sommerswalde, wo eine Frau nach einem Unfall gestorben war. Ihr Auto war nach einem Crash in Flammen aufgegangen.
Ich hatte einen Text darüber geschrieben, und die Frau in Kremmen hatte mich darauf angesprochen.

Sie fahre sogar manchmal Umwege über Bärenklau, erzählte sie mir.
Monatelang noch war der kaputte Asphalt an der Unfallstelle noch zu merken, die Geschwindigkeit wurde herabgesetzt. Und immer, wenn man da langfuhr, dachte man an das Unglück – zumal ich damals aus der Ferne das Auto habe brennen sehen.
Im März ist die Stelle ausgebessert worden. Wobei: Was heißt ausgebessert. Es wurde Split aufgetragen, und nun ist diese Stelle mehr denn je ein Mahnmal. Man wird dort immer merken, dass die Straße dort bearbeitet werden musste, und die Gedanken werden dort immer bleiben.

Das sei gruselig, sagte mir die Frau in Kremmen. Sie könne es kaum ertragen, dort langzufahren. Aber selbst auf der anderen Ausweichstrecke über Hohenbruch hat es in letzter Zeit zwei schwere Unfälle gegeben. Es werde immer schlimmer, sagte die Frau.
Das darf man aber nicht an sich rankommen lassen, denke ich. Umwege werde ich deshalb nicht fahren.

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Von der A114 ins Schönerlinde Grusel-Nichts

Samstag, den 27. März 2021
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Auf den Autobahn-Baustellen im Norden von Berlin gibt es immer mal wieder Überraschungen. Zum Beispiel am späten Donnerstagabend. Die A114 zwischen der Prenzlauer Promenade und dem Dreieck Pankow ist eine Großbaustelle. Die komplette Strecke ist derzeit nur einspurig pro Richtung.

Aber am Donnerstagabend war an der Bucher Straße Schluss. Mitten auf der Fahrbahn stand ein Schilderwagen mit einem blinkenden Pfeil nach rechts. Komplett ohne ankündigende Schilder war dort die Autobahn komplett gesperrt. Alle Autos mussten die Abfahrt nehmen.
An sich kein Problem. Ich bin diese Umleitungsstrecke schon mal gefahren. Von der Bucher Straße geht es auf die ehemalige B 109 in Richtung Wandlitz und in Richtung der nächsten A114-Auffahrt.
Aber: Pustekuchen. Auch am Anschluss Schönerlinder Straße war die A114 dicht.

Nun gut. Ich bin an der Stelle im Auto etwas laut geworden. Denn eigentlich heißt das, einen riesigen Umweg über Wandlitz fahren zu müssen.
Aber heutzutage hat man ja Navigationsgeräte an Bord, und erstaunlicherweise war die Vollsperrung der Autobahn sogar bei Google Maps registriert, so dass mich mein Navi nicht immer wieder auf die Autobahn leiten wollte.

Ich fuhr also weiter auf der alten B109, unter die A10 hindurch. Dann wollte mein Navi, dass ich nach links in ein Industriegebiet fahre.
Ohne Navi wäre ich aufgeschmissen gewesen, denn die Straße führte um ein riesiges Industriegebiet herum. Lustigerweise führte die Straße direkt am Dreieck Pankow vorbei, auf dem Gebiet von Schönerlinde. Es ist die Straße, die man auf dem Dreieck fahrend auch immer gesehen hat.
Es ging vorbei an einem Recyclingbetrieb vorbei, später auch am riesigen Klärwerk, das man von der A10 aus sieht. Und öfter mal riecht. Dennoch ist diese Industriestraße gruselig. Sie scheint erst später in die Landschaft gestampft worden zu sein, weil sie in einem merkwürdigen kurvigen Kurs um die Anlagen herumführt.

Aber irgendwann kommt man aus der Dunkelheit heraus, erreicht Schönerlinde selbst. Später geht es wieder über die Autobahn, weiter nach Mühlenbeck, vorbei am großen MRA-Gelände, das man von der Ferne auch von der A10 aus sieht.
Es war ein etwas schauriger Umweg, aber spannend irgendwie auch. Und am Ende von Mühlenbeck habe ich dann auch die Abfahrt erreicht, die ich genommen hätte, wenn nicht alles gesperrt gewesen wäre.

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Irgendwas muss da passiert sein

Dienstag, den 16. März 2021
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Anruf von einer Kollegin: Irgendwas sei mit meinem Auto. Ein Mann steht daneben und habe es gerade fotografiert. Irgendwas muss da passiert sein.
Das sind ja immer so diese Nachrichten, die man eher ungern hört.

Ich ziehe also meine Jacke über, ziehe meine Schuhe an und laufe los, dorthin, wo mein Auto steht. Ich sehe inzwischen schon einen Polizeiwagen da stehen. Da wird doch wohl nicht jemand gegen mein Auto gedonnert sein?
Ich laufe zum Auto, da kommen der Herr und ein Polizist und eine Polizistin zu mir. Ob das denn mein Auto sei.
Und ich erfahre, was passiert ist: Offenbar hat der Mann den Außenspiegel meines Autos touchiert. Er habe zwar nachgeschaut und nichts gefunden, aber sicherheitshalber wollte er trotzdem die Polizei verständigen.
Tatsächlich habe ich am Spiegel keinen Kratzer entdecken können.

Meine Daten nahm die Polizei trotzdem auf, und am Ende stellen wir alle gemeinsam fest, dass eigentlich gar nichts passiert ist. Das hört man dann doch gern.

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Stau in der Sackgasse

Samstag, den 13. März 2021
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Autofahrer sind schon eine merkwürdige Spezies. Seit Montag ist in Oranienburg die Stralsunder Straße in Höhe der Einmündung Schulstraße gesperrt. Der Bahnhofsbereich ist somit eine Sackgasse. Aber irgendwie scheinen das viele Menschen noch nicht mitbekommen zu haben.

Am Mittwochnachmittag fiel mir beim Rückweg vom Bahnhof auf, dass trotz der Vollsperrung ständig Autos in die Sackgasse fuhren. Und so konnte ich beobachten, wie die Leute mit ihren Autos in drei Zügen wenden. Oder in vier. Oder fünf.
Es ist erstaunlich, wie viele Leute die Sackgasse-Schilder übersehen oder nicht ernstnehmen. Ich stand vielleicht fünf Minuten auf der Stelle. Und wirklich Auto an Auto verirrte sich in die Sackgasse. Grinsten die Leute mich noch an, wenn ich manchmal ein dezentes Zeichen gab, grinsten sie beim Umdrehen nicht mehr. Da sahen sie entweder wütend, irritiert oder beschämt aus – wenn ich plötzlich lächelte. Dieser Wechsel des Gesichts war bei den meisten Fahrerinnen und Fahrern deutlich sichtbar.

Und war das eine Autos raus aus der Sackgasse, kamen schon die nächsten beiden, gern auch mal in Kolonne mit einem Taxi, das ja momentan am leeren Busbahnhof die Stellplätze nutzen kann.
Fast kommt es bei den hektischen Wendemanövern zu Unfällen. Weil ärgern und wenden gleichzeitig schwierig sein kann, da ist der Blick in die Spiegel gern mal zu vernachlässigen.

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Baupfusch: Stralsunder Straße in Oranienburg wieder gesperrt

Montag, den 8. März 2021
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Die Stralsunder Straße in Oranienburg ist ab Montag zwischen Schulstraße und Willy-Brandt-Straße für etwa zwei Monate voll gesperrt. Das teilte die Stadtverwaltung mit.
Von der Sperrung betroffen ist auch der Bereich des neuen Busbahnhofes.

Grund für die erneute Sperrung ist Baupfusch. Im Zusammenhang mit den Pflasterarbeiten in diesem Bauabschnitt müssen laut Stadtverwaltung “verschiedene Mängel und Restleistungen abgearbeitet werden”. Außerdem seien Nacharbeiten an der neuen Überdachung der Bushaltestelle erforderlich.

Die Stralsunder Straße ist aus Richtung Norden und Süden eine Sackgasse. Ebenso eine Sackgasse ist die Schulstraße, die Einbahnstraßenregelung ist aufgehoben. Eine Sackgasse bleibt auch die Willy-Brandt-Straße.
Die Busse fahren nicht vom Bahnhof ab, sondern von der etwa 600 Meter entfernten Rungestra0e.

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Jänschwalde: Am Abgrund des Tagebaus

Montag, den 8. März 2021
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Eine kilometerlange Grube, ein tiefes Loch, riesige Bagger, Förderbänder. Es ist eine Sache, sich einen Tagebau im Fernsehen anzuschauen. Ich wollte ihn aber mal live sehen.

In Südost-Brandenburg, in der Nähe von Cottbus gibt es das Tagebaugebiet Jänschwalde. Es existiert seit 1974 und wanderte seitdem immer wieder.
Fährt man in diese Gegend, dann gibt es den Punkt, wo man ganz plötzlich aufmerksam wird. Auf der Landstraße komme ich in ein merkwürdig aussehendes Waldgebiet. Die Bäume links und rechts sind gleichmäßig flach gewachsen. Ein Wald, der noch nicht sehr alt, seltsam akkurat aussieht. Die Waldwege sehen nicht aus wie normale Waldwege, mitunter ohne Gras, wie ein Weg aus Kies angelegt.

Ich erreiche den Ort Jänschwalde-Ost. Wo aber kann man denn sich den Tagebau wirklich ansehen. Ich komme an eine Straße, an deren Ende eine Schranke ist. Dahinter ist das Gelände des Tagebaus. Aber wirklich was zu sehen, ist dort nichts. Also drehe ich um, fahre auf die B97, die am Rand des Tagebaus entlangführt. Wegen der Grube ist sie auch schon mal verlegt worden.
Als ich die B97 von der Grube entfernt, biege ich ab. Ich komme in einen Ort namens Grötsch. Dieser Ort ist eine Sackgasse. Es ist ein bisschen gespenstisch. Denn an zwei Stellen enden Straßen im Nichts. Plötzlich liegt da ein großer Sandhaufen, und dahinter ging es mal weiter. Nun ist da das Tagebau-Gebiet. Der östliche Teil des Ortes ist nicht mehr da. Der Rest scheint gerettet.
Ich fahre wieder zurück und gebe in mein Navi einen Aussichtspunkt ein.

Das Navi führt mich zurück nach Jänschwalde-Ost, dort, wo ich schon an einer Schranke stand, führt links eine Straße weg. Laut Navi soll sie mich nach Grießen führen. Doch auch diese Straße endet – ohne dass das Navi das weiß – an einer Stein-Barriere. Zwar geht die Stra0ße dahinter weiter, aber nicht für den öffentlichen Verkehr.
Aber immerhin sehe ich von dort aus schon mal den großen Bagger.

Ich fahre zurück auf die B97, in die andere Richtung. Grießen liegt genau auf der anderen Seite des Tagebaus – ich muss einen großen Bogen nehmen.
Bei Groß Gastrose (klingt krank) biege ich auf die B112.
In Grießen führt ein schmaler Weg zu einem Aussichtspunkt. Es gibt einen kleinen Parkplatz und Schautafeln. Man geht eine Treppe hoch und hat den Aussichtspunkt erreicht. Von dort aus kann man auf den Tagebau schauen. Ich bin der einzige an diesem Nachmittag.

Auch wenn man nun direkt davor steht. Es sieht unwirklich aus. Und die Dimensionen lassen sich kaum fassen. An mehreren Stellen stehen die großen Bagger, um die Braunkohle zu fördern. Auf mehreren Hektar ist die Erde aufgerissen, metertief.
Seit 2017 ist klar, dass der Tagebau Jänschwalde nicht vergrößert wird. Es werden keine weiteren Orte umgesiedelt. Das kann nur gut sein, denn wer vor so einem Tagebau-Gebiet steht, kann nur von einem Umwelt-Wahnsinn sprechen.

Auf dem Rückweg stoppe ich noch in Taubendorf. Der Ort liegt abseits der B112. Allerdings noch nicht lange abseits. Denn die B112 führte ursprünglich durch Taubendorf. Die Straße gibt es noch. Aber auf der einen Seite endet sie abrupt an der Grenze zum Tagebaugebiet. Auf der anderen Seite endet sie ebenfalls im Nirgendwo. Man muss die alte B112 nach rechts verlassen, um auf die neue B112 zu gelangen.
Ich gehe auf der ehemaligen Bundesstraße spazieren. Am Straßenrand stehen noch die schwarz-weißen Pfähle mit dem Hinweis auf die B112. Auch das Ortsschild gibt es noch, ohne darauf hinzuweisen, welcher Ort als nächstes kommt. Da kommt nämlich keiner.
Für die Anwohner muss das gut und schlecht sein. Gut, weil nun kaum noch Autoverkehr herrscht, es ist fast idyllisch. Schlecht, weil sie nun am Rand des Tagebaus leben, und die Geräusche von dort sind auch eindeutig. Taubendorf wäre auch von der weiteren Vergrößerung des Tagebaus betroffen gewesen.

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Wir wandern mal zur Autobahn

Montag, den 22. Februar 2021
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Baustellen sind immer etwas Spannendes. Etwas wird abgerissen, etwas wird neu gebaut, etwas wird umgebaut. Am Freitag und Sonnabend war mal wieder die A10 gesperrt. Zwischen Birkenwerder und Mühlenbeck rollte kein Verkehr, weil wieder an einer der Brücken gebaut wurde.

Das zieht auch Passanten an. Entlang der Autobahn gibt es eine Böschung, an der am Sonnabendmittag diverse Menschen standen und schauten. Zu einem ist eine Autobahn, auf der nichts rollt, etwas Spannendes.
Eine der Straßen in Birkenwerder endet momentan an der Autobahn, sie ist eine Sackgasse. Eigentlich führt eine Fußgängerbrücke über die Trasse, aber die wird erst demnächst wieder aufgebaut. Weil die Autobahn von vier auf sechs Spuren ausgebaut wird, müssen in dem Bereich momentan zig Brücken erneuert werden.

Und nun stehen die Menschen da und gucken. Ich spreche ein Paar an, das gerade seine Räder anschließt. Als es hieß, dass die nächsten Brückenbauarbeiten auf der A10 anstehen, seien sie überrascht gewesen, erzählte mir die Frau: Welche Brücke sollte das sein? Mit ihrem Mann radelte sie also zur Autobahn, um zu schauen, was dort vor sich geht. „Die jetzige Brücke hatten wir gar nicht im Visier“, erzählte er, nachdem er erklärt bekommen hatte, um welches Brückenbauwerk es diesmal überhaupt geht. Nämlich um eine Brücke, die über ein Flüsschen führt. Es wird in der Regel insbesondere von den Autofahrern nicht wahrgenommen, weil es relativ ebenerdig über die kleine Briese führt.

Ein anderes Paar steht unweit der eigentlichen Baustelle. Auch sie gucken interessiert, was dort vor sich geht. „Wir wohnen in der Nähe und gehen öfter mal gucken“, erzählte mir der Mann. „Das ist wirklich spannend.“ Wegen des Lockdowns gebe es kaum Freizeitaktivitäten, also würden sie ab und zu zur Autobahn wandern. „Sobald wir neue Geräusche hören, die wir noch nicht kennen, gehen wir hierher und schauen.“

Ein spezielles Hobby, aber eines, was ich durchaus nachvollziehen kann, weil ich so etwas auch sehr spannend finde. Nur wenige Stunden später wurde der Verkehr wieder freigegeben.

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