RTelenovela

Der Drängler möchte rasen

Samstag, den 19. Mai 2018
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Ich möchte an dieser Stelle ganz herzlich um Entschuldigung bitten, und eigentlich bin ich auch untröstlich.
Es passierte am sehr späten Freitagabend auf der A10, dem westlichen Berliner Ring. Zwischen Potsdam-Nord und Berlin-Spandau ist die Strecke einspurig – wegen einer Baustelle. Kilometerlang.

Erlaubt ist Tempo 60. Und ich habe mir ein dolles Ding geleistet: Ich habe mich ans Tempolimit gehalten. Also einigermaßen. Zwischen 65 und 70.
Von hinten näherte sich ein Kleinlaster und klemmte sich an meine Motorhaube. Gab Lichthupe.
Und da sah ich den Fehler echt ein: Ich fuhr vorschriftsmäßig! Ich fühlte mich wirklich sehr schlecht, aber leider auch nicht in der Lage, etwas an der Situation zu ändern.
Er klebte bis zuletzt an mir dran, und als die Baustelle zu Ende war, sauste ich davon. Er war zu langsam zum Überholen.
Also, wirklich: sorry!

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Pinkelpause auf der Landesstraße

Donnerstag, den 17. Mai 2018
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Mit öffentlichen Toiletten ist das ja immer so eine Sache. Viele benutzen sie ungern, weil sie manchmal (oft?) ein wenig schmuddelig sind. Und überhaupt ist es ja zu Hause am, sagen wir mal: gemütlichsten.
Manchmal sind öffentliche Toiletten aber allein schon wegen des Ortes, wegen der aufregenden Location spannend. Und da habe ich den ultimativen Tipp: Neuerdings steht am Ortsrand von Bötzow eine mobile Pipibox direkt an oder eher auf der Landesstraße.
Wer aus der momentan Sackgasse in Bötzow-Ausbau über die Bahnbrücke Richtung Ortskern fährt, wird direkt hinter der Brücke am Straßenrand auf ein Klo treffen.

Das Häuschen direkt direkt neben der weißen Straßenbegrenzungslinie, und wer eventuell einen Tick zu weit rechts fährt, donnert direkt gegen die Toilette. Ein, nun ja, mutiger Standort. Da bekommt der Spruch “Ich glaub, mich streift ein Bus” gleich eine ganz neue Bedeutung, denn ein bisschen Nervenkitzel ist bestimmt dabei, wenn man dort auf dem Lokus hockt und sich aus der Ferne ein Motor-Geräusch nähert. Wenn man das Häuschen verlässt, ist man dann vermutlich doppelt erleichtert, dass alles gut gegangen ist.

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Portugal (21): Ryanair

Sonntag, den 13. Mai 2018
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(20) -> 12.5.2018

Es heißt Abschied nehmen von Lissabon. Fünf Tage sind viel zu kurz – gar nicht mal, um die Stadt zu erkunden. Aber um die Stadt zu genießen. Als wir am Donnerstag über den Rossio, einen der großen Plätze in der Stadt, laufen, da fällt es mir mal wieder auf: Ich möchte mich dort am liebsten treiben lassen. Spazieren ohne Ziel, einfach mal irgendwo hinsetzen und gucken. Dazu gibt es in Lissabon sehr viel Orte, wo man das machen kann, nicht nur in der Alfama.

Wenn man in einer größeren Gruppe in Lissabon unterwegs ist, dann lohnt es sich finanziell, mit dem Taxi zu fahren. Allerdings sind die Preisunterschiede schon auffallend. Ein Großraumtaxi bekommt zum Fahrpreis noch einen Aufschlag. So zahlten wir zu sechst auf der Tour vom Flughafen in die Alfama 18 Euro. Auf der Rücktour nur etwa 12 Euro. Auch die Hintour zur Altice-Arena war teurer als die Rücktour, obwohl da schon der Nachtzuschlag galt.
Auch sollte man sich dran gewöhnen, dass die Taxifahrer zügig unterwegs sind. Steht da ein 30er-Schild, erkennen sie es als Einladung mit 90 durchzuheizen. Also: festhalten!

Mit Ryanair ging es schließlich von Lissabon zurück nach Schönefeld. Ryanair ist vermutlich die Fluggesellschaft mit dem schlechtesten Ruf in Europa, und das nicht ganz zu unrecht.
Der Flug verspätete sich. Was eine Frau veranlasste, ihrem Mann mitzuteilen, dass sie nie wieder mit dieser Linie fliegen würde, denn das sei ja alles unverschämt. Dabei waren da gerade mal 20 Minuten Verspätung angekündigt, und das fand ich dann doch albern.
Daraus wurden dann 55. Na ja.
Bei Ryanair stehen die Sitze so eng, dass der Gang so schmal ist, dass nicht mal der Getränkewagen durch kommt, ohne die am Rand sitzenden ständig zu touchieren. Auch das umherrasende Personal hatte ich ständig an der Jacke, was auf die Dauer unangenehm ist. Platz für eine Ablage an der Lehne des Vordermanns ist auch nicht mehr – wegrationalisiert. Was man dabei hat, muss man auf dem Schoß lagern. Alles sehr unerfreulich – aber nun mal billig.

Relativ sanft hoben wir ab und verließen Lissabon und Portugal. Ich würde mal sagen: Wir kommen wieder.

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Portugal (20): Sonne tanken

Samstag, den 12. Mai 2018
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(19) -> 11.5.2018

In Lissabon macht es einen Unterschied, ob man mit dem Bus fährt oder mit der Straßenbahn. Letztere ist teurer. Was auch daran liegt, dass in allen Reiseführern immer nur von der Tram die Rede ist, wenn man sich von A nach B bewegen will. Dass es in Lissabon natürlich auch Busse gibt, wird da gern mal nur nebenbei erwähnt. Und von den Touristen kann man dann auch ein bisschen mehr Kohle verlangen – was durchaus legitim ist.

Mit der Bahn ging es diesmal raus aus der Stadt an die Küste. Das heißt: Erstmal mussten wir uns anstellen. Nicht wenige Leute wollten mit dem Zug fahren, aber wenn es nur zwei Automaten gibt und zwei Ticketschalter, dann kann es schon mal länger dauern. Und dass Mütter mit Kind immer Vorrang haben, bemerkten wir leider zu spät.

Im Westen von Lissabon mündet der Tejo in den Atlantik. Die Sonne knallte auf den Praia de Carcavelos. Im Mai ist das Wasser noch ziemlich kühl, und deshalb pellen sich die Surfer auch in einen schützenden Neoprenanzug. Nur sehr wenige trauen sich nur in Badehose ins Wasser. Wir stapfen immerhin mit den Füßen an den Wasserrand, der durch den mitunter hohen Wellengang natürlich an unterschiedlichen Stellen ist. Wenn mal wieder eine größere Welle anrollt, wird das Wasser weit an den Strand gespült. Es ist dermaßen kalt, dass uns anfangs die Gelenke weh tun.
Der Carcavelos-Beach scheint so ein bisschen zur Badewanne der Lissaboner zu gehören. Es ist nicht mehr in der Stadt, aber auch nicht weit dorthin. Allerdings herrschte ein wenig Uneinigkeit darüber, ob es sich an der Stelle wirklich schon um den Atlantik handelte oder noch um den Tejo. Wir Männer beharrten auf Ersteres – auch wenn es die wirklich hohen Wellen dann wohl eher noch weiter außerhalb der Stadt gibt.

Abends gegen 18 Uhr ertönt über der Alfama ein lauter, dumpfer Ton. Das bedeutet: Ein Kreuzfahrtschiff verlässt den Lissaboner Hafen. Sehr oft liegen ein bis zwei Riesenpötte am Rande der Altstadt. Was natürlich merkwürdig aussieht, wenn man von der Alfama aus einen Blick zum Wasser hat. Wie ein plötzlich errichtetes Hochhaus thronen die Schiffe im Hafen und laufen gegen Abend wieder aus – mit lautem Hupen.

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Portugal (19): Belém

Freitag, den 11. Mai 2018
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(18) -> 9.5.2018

Fast wären wir gar nicht in den Lissaboner Stadtteil Belém gekommen. Eine große Parade auf der Hauptverkehrsstraße sorgte dafür, dass alles drumherum zusammenbrach. Wir steckten mit dem Bus im Stau fest. Nichts ging mehr – bis wir irgendwann doch eine Haltestelle erreichten, und wir dann einfach zu Fuß weitergingen. Als wir in Belém ankamen, war aber von der Parade schon gar nichts mehr zu sehen.
Außer vielleicht: Himmel und Menschen.

Vor zehn Jahren, im Januar 2008, waren wir schon mal in Belém. Das “Pasteis de Belém” ist ein berühmtes Café, in dem es die noch berühmteren Pasteis gibt. Man könnte sagen: eine Arte Blätterteig mit Pudding.
Ich gebe ja an dieser Stelle zu: Ich bin kein großer Fan der portugiesischen Küche und auch keiner der Backwaren. Alles sieht irgendwie fettig und/oder ölig aus. Und auch die Pasteis sehen irgendwie nicht so richtig lecker aus. Wenn man aber mal abbeißt, wird man merken: Die Dinger sind extrem lecker, und in Belém soll es die besten geben. Das ist sicher nicht nur ein Gerücht.
Dafür stehen die Leute auch sehr gern an, es ist unglaublich voll rund um das Café. Im Café selbst sieht es eher aus wie eine Bahnhofshalle – aber die Gebäckteilchen entschädigen dafür.

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Portugal (18): Santa Clause kommt auch im Mai

Mittwoch, den 9. Mai 2018
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(17) -> 8.5.2018

Wer ins Eurovision-Village auf dem Lissaboner Praca do Comércio will, muss preisgeben, was er in allen Taschen hat. Überall wird reingeschaut. Sicherheit wird groß geschrieben.
Wir werden empfangen mit “Santa Clause is coming to Town”. Das Lied schallt aus den Lausprechern an der Bühne. Ein Weihnachtslied Mitte Mai, das kann man in Lissabon offenbar schon mal bringen. Oder die Leute vom Eurovision Song Contest haben einen besonderen Humor. Letzteres wird wohl stimmen, denn im Anschluss wurde das “Love Boat”-Titellied gespielt.
Abends gibt es ein Public-Viewing der drei Song-Contest-Shows. Auf dem riesigen Platz ist viel Platz für Menschen – ob am Abend tatsächlich so viele dort gehen, muss man sehen. In Malmö vor fünf Jahren waren es jedenfalls nicht so viele.
Am Mittag ist der Platz ziemlich leer. Außen sind diverse Cateringbuden und Stände der Sponsoren. In der Mitte ist viel Platz, und ein bisschen mehr Mühe hätte man sich beim Schmücken des Platzes schon geben könnten.

Wir waren auch heute auf der Suche nach der Electrico. Es scheint, als ob momentan sehr viel weniger der alten Züge unterwegs sind als sonst. Ob das ausschließlich mit der Sperrung eines Teils der 28E-Linie zu tun hat, wissen wir nicht. Wir haben jedenfalls die aufgerissene Straße gefunden, weswegen die Tram nicht fährt. Ein fetter Krater, in dem neue Leitungen verlegt werden.

Ansonsten zeigte sich Lissabon aber von seiner schönsten Seite. In der Alfama sind die Straßen so verwinkelt, dass man eigentlich immer wieder neue Ecken entdeckt, an denen man noch nicht gewesen ist. Im Hafenbecken des Tejo lagen zwei große Kreuzfahrtschiffe vor Anker, die nach 17 Uhr mit großem Getöse das Stadtgebiet verlassen haben. Das Getute schallte über die ganze Alfama hinweg.

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Portugal (17): 50 Cent eingesackt

Dienstag, den 8. Mai 2018
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(16) -> 17.11.2014

Rückkehr nach Lissabon. In dieser Woche kommen besonders viele Touristen in die portugiesische Hauptstadt – der Eurovision Song Contest hat seine Zelte in der Stadt aufgeschlagen.
Der Empfangsbereich auf dem Flughafen ist voll mit Schildern, auf denen Namen stehen von Menschen, die abgeholt werden sollen. Draußen, vor dem Gebäude, hängt ein riesiger Banner, der auf den ESC hinweist.

Wer mit einem Großraumtaxi vom Airport in die Alfama gebracht wird, der kann zwar auch so sitzen, dass er rückwärts fährt, er sollte aber in der Zeit keine Nachrichten auf dem Handy lesen. Unser Fahrer rast ziemlich, durch die Kreisverkehre, und immer wieder bremst er scharf. An einer Stelle muss er eine Kehrtwende machen, und ich lese eine wichtige Nachricht. Schlagartig wird mir schummrig – wie ein Blitz. Ich lege das Handy und weg und starre nach draußen. Das flaue Gefühl endet erst, als wir aussteigen.

Wir wohnen direkt an der Strecke, auf der die berühmte Straßenbahnlinie 28E fährt, die Electrico. Aber diesmal – es bleibt alles ruhig. Keine Bahn kommt vorbei gezuckelt. Die Gleise sehen unbenutzt aus. Lissabon wird doch wohl nicht den Bahnverkehr auf der Linie eingestellt haben. Sind die wahnsinnig?
Bauarbeiten sind des Rätsels Lösung, die Strecke ist in dem Bereich, wo wir wohnen, unterbrochen. Schade für uns.

Wir müssen ein bisschen was einkaufen – unweit von uns gibt es einen größeren Supermarkt. Ich schiebe 50 Cent in den Einkaufswagen, und es kann losgehen.
Vorne im Eingangsbereich steht immer ein Polizist und eine Art Wachmann. Als wir alles bezahlen, stehe ich etwas abseits, und der Wachmann greift sich den Wagen und schiebt ihn zu den anderen. Ich beobachte ihn. Er guckt, schließt den Wagen an, greift sich die 50 Cent, schiebt sie sich fast unbemerkt in die Hose. Dann nimmt er den Wagen wieder und schiebt ihn zu einer anderen Kasse – warum auch immer. Unsere 50 Cent hat er sich jedenfalls eingesackt. Aber zum letzten Mal…