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Anne Will: Putschversuch in der Türkei – Was macht Erdogan?

Montag, den 18. Juli 2016
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SO 17.07.2016 | 21.45 Uhr | Das Erste

Unruhige Zeiten: Eigentlich ist ja Anne Will in der Sommerpause. Und eigentlich sollte diese Sommerpause (schon zum zweiten Mal) unterbrochen werden, um über die Ereignisse in Nizza zu sprechen. Aber dann kam der Putschversuch in der Türkei, und bei Anne Will haben sie noch mal das Thema gewechselt.

“Putschversuch in der Türkei – Was macht Erdogan?”, war die Frage, die es am Sonntagabend im Ersten zu klären gab. Wobei: Eine Antwort gibt es eh nicht. Wer weiß schon, was im Kopf von Erdogan vorgeht?
Waren sich Politik und Medien schon in der Putschversuch-Nacht völlig unsicher, welchen Standpunkt sie eigentlich einnehmen sollen, hat sich das bis Sonntagabend noch nicht geändert.

Dass sich plötzlich viele für Erdogan einsetzen, ist dann doch mehr als merkwürdig. Die Begründung, dass er ja demokratisch gewählt sei, den kann man haben. Aber wie demokratisch diese Wahl damals eigentlich war, sollte man ja auch noch mal unter die Lupe nehmen.
Und dass der feine Herr Demokrat im Handstreich Tausende Richter an den Pranger stellt, verwundert dann schon – gelinde gesagt. Von den zig tausend Soldaten noch gar nicht gesprochen.
Wie innerhalb von Stunden diese “Säuberungsaktion” durchgezogen worden ist, ist atemberaubend. Das Personal muss man ja auch erst mal haben. Wusste Erdogan vielleicht vom Putsch? Hat er vielleicht sogar selbst die Finger im Spiel? Immerhin wirkt das gerade so, dass Erdogan den Putschversuch hemmungslos dazu nutzt, sein Land zu säubern.

Und für diesen Mann, für diese, ähm, Demokratie soll man einstehen?
Ich weiß ja nicht.
Deshalb macht so eine Talkshow wie “Anne Will” am Ende doch eher ratlos.

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Live: Militärputsch in der Türkei

Samstag, den 16. Juli 2016
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FR 15.07.2016 | 1.35 Uhr (Sa.) | N24

Es ist 1 Uhr in der Nacht zum Sonnabend, als beim Teilzeit-Nachrichtensender N24 die spannende Doku “Black Box – Kollision über den Wolken” beginnt. Es ist sicherlich interessant zu erfahren, was denn damals bei einem Flugzeugunglück passiert ist.
Blöderweise passiert auf der Welt gerade mal wieder eine Krise, einen vermutlichen Militärputsch in der Türkei – nur bei N24 fühlte man sich noch nicht krisengeschüttelt genug, um live auf Sendung zu gehen. Unverdrossen liefen stundenlang Dokus statt Nachrichten.
Erst gegen 1.35 Uhr ging man plötzlich auf Sendung, immerhin 80 Minuten lang mit Bildern aus der Türkei und mit Einschätzungen verschiedener Korrespondenten. Spät, erst drei Stunden nach den ersten Meldungen, aber immerhin.

So ist das ja immer mit Krisen, die unglücklicherweise am späten Wochenend-Abenden eintreten. Irgendwie hat da keiner so richtig Zeit für. Das “Nachtmagazin” im Ersten dauerte nach Mitternacht zwar doppelt so lange wie geplant, aber dann verabschiedene man sich bis 3.45 Uhr, also drei Stunden Informationslosigkeit im Ersten – zu einem Zeitpunkt, wo die Nachrichtenlage am angespanntesten war.

Das ZDF immerhin war sowieso gerade mit dem “heute journal” auf Sendung, als die Krise bekannt wurde, auch bei n-tv war man auf der Höhe der Zeit. Bei phoenix versprach man, morgen um 9 Uhr wieder live auf Sendung zu sein, und als Zuschauer fragte man sich: echt jetzt? Ernsthaft? Morgen um 9?
Bei euronews zeigten die erneut wahllose Live-Bilder aus Istanbul, auf denen man aber kaum etwas erkennen konnte und dafür aber Schüsse zu hören waren. Das alles kommentiert wie ein Fußballspiel (”Wir hören Schüsse…”), ohne echte Erkenntnisse. Merkwürdiger Journalismus.

RTelenovela

Schießerei am Toten Meer

Dienstag, den 31. März 2015
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Reisebüros gehören zu der Branche, die vom Tode bedroht sind. Heutzutage suchen sich die Leute die Reisen lieber selbst im Internet zusammen.
Ich bin da allerdings ein Muffel. Ein Hotel zu buchen, das mache ich im Netz auch. Mir aber einen Urlaub zusammenzubuchen, also ein Hotel und einen Flug irgendwo im Ausland, irgendwas Nettes Pauschales, dazu habe ich eher weniger Lust. Und da kommt das Reisebüro ins Spiel.
Wer ins Reisebüro geht, muss nur sagen, was man will – und es wird rausgesucht. im Reisebüro schauen sie genauso wie wir zu Hause vorm Computer, was am besten ist, was am billigsten ist oder auch, wo eventuell Tücken sind. Und in der Regel kostet das nicht mehr, als wenn man sich zu Hause selbst die Mühe macht.

Wir wussten zwar, wann wir Zeit haben, zu verreisen. Aber nicht so wirklich wohin. Außer: Irgendwo hin, wo wir beide noch nicht waren.
Wir gingen also ins Reisebüro am Potsdamer Platz in Berlin.
Weitere Orte schwirrten in der Luft: Malta. Menorca. Lanzarote. Irgend sowas.
Oder Venedig? War ich zwar schon mal, aber nur auf Klassenfahrt ein paar Stunden. Lissabon? Kenne ich. Barcelona? Kennt meine Reisebegleitung schon.

Die nette Frau suchte am PC. Zunächst Venedig. Hotel 1 sah doof aus. Fand sie, fanden wir. Hotel 2 war toll – aber sehr weit weg von Venedig. Und Venedig selbst? Zu teuer zu unserer Reisezeit.
Barcelona kam auch noch mal ins Spiel. Würden Sie auch mit Germanwings reisen? Man müsse nach der vergangenen Woche ja immer fragen, sagte sie. Für uns kein Problem. Jetzt erst recht, meinte ich. Und sie: Billiger wird’s dadurch aber nicht.

Florenz? Sie suchte hier, sie suchte da, und fand. Manko: kein Direktflug, Zwischenlandung in München. Aber das Hotel sieht nett aus, das Ganze kostet nicht allzu viel. Wir haben uns erst mal vormerken lassen.

Wir wollten aber eine Alternative. Und die ist: Istanbul. Ich muss zugeben: Istanbul reizt mich. Eine andere Kultur, die Grenze zwischen Europa und Asien, viele Sehenswürdigkeiten. Und das Dasein vor Ort könnte preiswerter sein als in Florenz.
Nicht jeder finde Istanbul gut, sagte die Reisebürofrau, und ab und zu passiere da ja auch etwas. Sie erzählte von Kunden, die eine Reise stornieren mussten. Es habe eine Schießerei am Toten Meer gegeben. Fast hätte ich gesagt: “Kein Wunder, dass das Meer nach der Schießerei tot ist.” Aber ich hab’s mir verkniffen.

Und wie geht’s jetzt weiter? Wir bekommen per Mail ein Istanbul-Angebot, und dann können wir immer noch entscheiden.
Florenz oder Istanbul. Die Entscheidung – bald!

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ARD-exclusiv: Rentnerparadies Türkei – Überwintern unter Palmen

Montag, den 10. Januar 2011
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SO 09.01.2011 | 13.15 Uhr | Das Erste

Das ist ja echt eine Un- ver – schämt – heit!! Da will der Typ im Zeitungskiosk doch glatt das Dreifache für die Rätselzeitung haben, als aufgedruckt ist. Und die “Bild” ist auch teuer. Aber andererseits: Alles andere ist dafür total billig.

Ja, so sind sie, die Rentner, die im Winter monatelang in der Türkei leben. Sie zahlen pro Tag und Person 25 Euro. Dafür bekommen sie das Zimmer und Vollpension – inklusive der Getränke. Auch das Bier. Vor allem das Bier. Mit Schaum oben drauf. Ohne Schaum geht die Plörre natürlich sofort zurück.

“Rentnerparadies Türkei – Überwintern unter Palmen” hieß die Reportage in der Reihe “ARD-exclusiv” am Sonntagmittag. Ein Team begleitete eine Gruppe Rentner im Dauerwinterurlaub.
Im Hotel sprechen natürlich alle Deutsch. Es wird nur in Deutschland vermarktet. Ins Nachbarhotel würden die Herrschaften nie, nie, niemals ziehen. Da sind die Engländer. Und das geht ja alles gar nicht.
Zwischendurch geht es zum Optiker. Da gibt’s billige Brillen. Denn die sind in Deutschland ja inzwischen unbezahlbar. Die preiswerten und nicht ganz legalen Imitate sind doch auch ganz schön.

Kaum jemand im Hotel ist unter 70. Und jeden Tag klappt am Strand jemand zusammen, bis zu 20 Gäste sterben pro Saison im Hotel.
Eine merkwürdige Gesellschaft. Abends geht’s zum Schwofen. Natürlich Schlager. Deutsche Schlager. Die türkische Kultur spielt im türkischen Hotel keine Rolle. Hauptsache, es ist warm draußen.