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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Anne Will: Putschversuch in der Türkei – Was macht Erdogan?

Montag, den 18. Juli 2016
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SO 17.07.2016 | 21.45 Uhr | Das Erste

Unruhige Zeiten: Eigentlich ist ja Anne Will in der Sommerpause. Und eigentlich sollte diese Sommerpause (schon zum zweiten Mal) unterbrochen werden, um über die Ereignisse in Nizza zu sprechen. Aber dann kam der Putschversuch in der Türkei, und bei Anne Will haben sie noch mal das Thema gewechselt.

“Putschversuch in der Türkei – Was macht Erdogan?”, war die Frage, die es am Sonntagabend im Ersten zu klären gab. Wobei: Eine Antwort gibt es eh nicht. Wer weiß schon, was im Kopf von Erdogan vorgeht?
Waren sich Politik und Medien schon in der Putschversuch-Nacht völlig unsicher, welchen Standpunkt sie eigentlich einnehmen sollen, hat sich das bis Sonntagabend noch nicht geändert.

Dass sich plötzlich viele für Erdogan einsetzen, ist dann doch mehr als merkwürdig. Die Begründung, dass er ja demokratisch gewählt sei, den kann man haben. Aber wie demokratisch diese Wahl damals eigentlich war, sollte man ja auch noch mal unter die Lupe nehmen.
Und dass der feine Herr Demokrat im Handstreich Tausende Richter an den Pranger stellt, verwundert dann schon – gelinde gesagt. Von den zig tausend Soldaten noch gar nicht gesprochen.
Wie innerhalb von Stunden diese “Säuberungsaktion” durchgezogen worden ist, ist atemberaubend. Das Personal muss man ja auch erst mal haben. Wusste Erdogan vielleicht vom Putsch? Hat er vielleicht sogar selbst die Finger im Spiel? Immerhin wirkt das gerade so, dass Erdogan den Putschversuch hemmungslos dazu nutzt, sein Land zu säubern.

Und für diesen Mann, für diese, ähm, Demokratie soll man einstehen?
Ich weiß ja nicht.
Deshalb macht so eine Talkshow wie “Anne Will” am Ende doch eher ratlos.

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Live: Militärputsch in der Türkei

Samstag, den 16. Juli 2016
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FR 15.07.2016 | 1.35 Uhr (Sa.) | N24

Es ist 1 Uhr in der Nacht zum Sonnabend, als beim Teilzeit-Nachrichtensender N24 die spannende Doku “Black Box – Kollision über den Wolken” beginnt. Es ist sicherlich interessant zu erfahren, was denn damals bei einem Flugzeugunglück passiert ist.
Blöderweise passiert auf der Welt gerade mal wieder eine Krise, einen vermutlichen Militärputsch in der Türkei – nur bei N24 fühlte man sich noch nicht krisengeschüttelt genug, um live auf Sendung zu gehen. Unverdrossen liefen stundenlang Dokus statt Nachrichten.
Erst gegen 1.35 Uhr ging man plötzlich auf Sendung, immerhin 80 Minuten lang mit Bildern aus der Türkei und mit Einschätzungen verschiedener Korrespondenten. Spät, erst drei Stunden nach den ersten Meldungen, aber immerhin.

So ist das ja immer mit Krisen, die unglücklicherweise am späten Wochenend-Abenden eintreten. Irgendwie hat da keiner so richtig Zeit für. Das “Nachtmagazin” im Ersten dauerte nach Mitternacht zwar doppelt so lange wie geplant, aber dann verabschiedene man sich bis 3.45 Uhr, also drei Stunden Informationslosigkeit im Ersten – zu einem Zeitpunkt, wo die Nachrichtenlage am angespanntesten war.

Das ZDF immerhin war sowieso gerade mit dem “heute journal” auf Sendung, als die Krise bekannt wurde, auch bei n-tv war man auf der Höhe der Zeit. Bei phoenix versprach man, morgen um 9 Uhr wieder live auf Sendung zu sein, und als Zuschauer fragte man sich: echt jetzt? Ernsthaft? Morgen um 9?
Bei euronews zeigten die erneut wahllose Live-Bilder aus Istanbul, auf denen man aber kaum etwas erkennen konnte und dafür aber Schüsse zu hören waren. Das alles kommentiert wie ein Fußballspiel (”Wir hören Schüsse…”), ohne echte Erkenntnisse. Merkwürdiger Journalismus.

RTelenovela

Schießerei am Toten Meer

Dienstag, den 31. März 2015
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Reisebüros gehören zu der Branche, die vom Tode bedroht sind. Heutzutage suchen sich die Leute die Reisen lieber selbst im Internet zusammen.
Ich bin da allerdings ein Muffel. Ein Hotel zu buchen, das mache ich im Netz auch. Mir aber einen Urlaub zusammenzubuchen, also ein Hotel und einen Flug irgendwo im Ausland, irgendwas Nettes Pauschales, dazu habe ich eher weniger Lust. Und da kommt das Reisebüro ins Spiel.
Wer ins Reisebüro geht, muss nur sagen, was man will – und es wird rausgesucht. im Reisebüro schauen sie genauso wie wir zu Hause vorm Computer, was am besten ist, was am billigsten ist oder auch, wo eventuell Tücken sind. Und in der Regel kostet das nicht mehr, als wenn man sich zu Hause selbst die Mühe macht.

Wir wussten zwar, wann wir Zeit haben, zu verreisen. Aber nicht so wirklich wohin. Außer: Irgendwo hin, wo wir beide noch nicht waren.
Wir gingen also ins Reisebüro am Potsdamer Platz in Berlin.
Weitere Orte schwirrten in der Luft: Malta. Menorca. Lanzarote. Irgend sowas.
Oder Venedig? War ich zwar schon mal, aber nur auf Klassenfahrt ein paar Stunden. Lissabon? Kenne ich. Barcelona? Kennt meine Reisebegleitung schon.

Die nette Frau suchte am PC. Zunächst Venedig. Hotel 1 sah doof aus. Fand sie, fanden wir. Hotel 2 war toll – aber sehr weit weg von Venedig. Und Venedig selbst? Zu teuer zu unserer Reisezeit.
Barcelona kam auch noch mal ins Spiel. Würden Sie auch mit Germanwings reisen? Man müsse nach der vergangenen Woche ja immer fragen, sagte sie. Für uns kein Problem. Jetzt erst recht, meinte ich. Und sie: Billiger wird’s dadurch aber nicht.

Florenz? Sie suchte hier, sie suchte da, und fand. Manko: kein Direktflug, Zwischenlandung in München. Aber das Hotel sieht nett aus, das Ganze kostet nicht allzu viel. Wir haben uns erst mal vormerken lassen.

Wir wollten aber eine Alternative. Und die ist: Istanbul. Ich muss zugeben: Istanbul reizt mich. Eine andere Kultur, die Grenze zwischen Europa und Asien, viele Sehenswürdigkeiten. Und das Dasein vor Ort könnte preiswerter sein als in Florenz.
Nicht jeder finde Istanbul gut, sagte die Reisebürofrau, und ab und zu passiere da ja auch etwas. Sie erzählte von Kunden, die eine Reise stornieren mussten. Es habe eine Schießerei am Toten Meer gegeben. Fast hätte ich gesagt: “Kein Wunder, dass das Meer nach der Schießerei tot ist.” Aber ich hab’s mir verkniffen.

Und wie geht’s jetzt weiter? Wir bekommen per Mail ein Istanbul-Angebot, und dann können wir immer noch entscheiden.
Florenz oder Istanbul. Die Entscheidung – bald!

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ARD-exclusiv: Rentnerparadies Türkei – Überwintern unter Palmen

Montag, den 10. Januar 2011
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SO 09.01.2011 | 13.15 Uhr | Das Erste

Das ist ja echt eine Un- ver – schämt – heit!! Da will der Typ im Zeitungskiosk doch glatt das Dreifache für die Rätselzeitung haben, als aufgedruckt ist. Und die “Bild” ist auch teuer. Aber andererseits: Alles andere ist dafür total billig.

Ja, so sind sie, die Rentner, die im Winter monatelang in der Türkei leben. Sie zahlen pro Tag und Person 25 Euro. Dafür bekommen sie das Zimmer und Vollpension – inklusive der Getränke. Auch das Bier. Vor allem das Bier. Mit Schaum oben drauf. Ohne Schaum geht die Plörre natürlich sofort zurück.

“Rentnerparadies Türkei – Überwintern unter Palmen” hieß die Reportage in der Reihe “ARD-exclusiv” am Sonntagmittag. Ein Team begleitete eine Gruppe Rentner im Dauerwinterurlaub.
Im Hotel sprechen natürlich alle Deutsch. Es wird nur in Deutschland vermarktet. Ins Nachbarhotel würden die Herrschaften nie, nie, niemals ziehen. Da sind die Engländer. Und das geht ja alles gar nicht.
Zwischendurch geht es zum Optiker. Da gibt’s billige Brillen. Denn die sind in Deutschland ja inzwischen unbezahlbar. Die preiswerten und nicht ganz legalen Imitate sind doch auch ganz schön.

Kaum jemand im Hotel ist unter 70. Und jeden Tag klappt am Strand jemand zusammen, bis zu 20 Gäste sterben pro Saison im Hotel.
Eine merkwürdige Gesellschaft. Abends geht’s zum Schwofen. Natürlich Schlager. Deutsche Schlager. Die türkische Kultur spielt im türkischen Hotel keine Rolle. Hauptsache, es ist warm draußen.