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radioeins mit Volker Wieprecht: Claas Relotius ruft (nicht) an

Mittwoch, den 9. Januar 2019
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MO 07.01.2019 | 10.40 Uhr | radioeins

Ein Fälscher spielt einen Fälscher – und fliegt damit auf.
Der Fall Claas Relotius sorgte vor Weihnachten 2018 für großen Wirbel. Der Journalist hat diverse Artikel für den “Spiegel” gefälscht. Durch falsche Zitate, durch erfundene Leute oder ganz erfundene Storys.

Mit den Medien hat er darüber verständlicherweise bislang nicht gesprochen – und hat es wohl auch nicht vor. Um so verwunderlicher war es, als ein gewisser Claas Relotius sich an radioeins vom rbb wendete, um ein Interview im Radio zu geben. Man ließ sich darauf ein – in der Ahnung, es nicht mit dem richtigen Fälscher zu tun zu haben.

Am Montagvormittag berichtete Moderator Volker Wieprecht auf radioeins von seinem Telefonat mit “Claas Relotius”. Man holte sich ein Kamerateam des NDR-Medienmagazins “Zapp” dazu.
Im Telefonat bestätigte der Mann, dass er Claas Relotius sei, und dass es in der Branche öfter vorkomme, dass Beiträge gefälscht seien.
Dann aber schaltete Volker Wieprecht eine Kollegin des “Spiegel” dazu, die den echten Relotius kannte. Da legte der Mann auf. Und der Schwindel war bewiesen.

Journalisten decken auf. Und sie lassen sich nicht jede Lüge gefallen, die man ihnen auftischen will. Insofern hat radioeins am Montag eine wichtige und gute Arbeit geleistet.

Hits: 139

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Wham!: Last Christmas

Montag, den 17. Dezember 2018
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SA 15.12.2018 | 21.47 Uhr | 105’5 Spreeradio

Wenn es um Hass-Weihnachtslieder geht, dann steht bei vielen Leuten vermutlich ein Song ganz oben auf der Liste: “Last Christmas” von Wham!
Wenn das Lied gespielt wird, dann heulen nicht alle, aber zumindest viele Leute auf. Schon im Herbst werden Witze darüber gemacht, wann denn der Song seine Jahrespremiere erleben wird.

Die Angst vor “Last Christmas” ist fast so dramatisch wie vor einer fiesen Klassenarbeit oder dem Besuch beim Zahnarzt. Will man nicht, wünscht man sich nicht.

Um so erstaunlicher ist es, dass die Radiobosse das ganz anders sehen, und “Last Christmas” trotzdem bis zum Abwinken spielen. Am Sonnabendabend zum Beispiel beim Berliner 105’5 Spreeradio. Vielleicht haben die zu viele Zuhörer und möchten damit die Quote nach unten drücken?

Bei radioeins kündigen sie die Sendezeiten von “Last Christmas” schon Tage vorher an, damit man weiß, wann es so weit ist. Also, eigentlich ist es nur eine Sendezeit: Heiligabend um 14.05 Uhr.

Hits: 150

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Die Stunde, die es nicht gibt

Dienstag, den 30. Oktober 2018
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SA 27.10.2018 | 2.00 Uhr (So.) | radioeins

Eine Sendung, die um 2 Uhr beginnt und um 2 Uhr endet. Und die dennoch 60 Minuten dauert. Das geht nur einmal im Jahr, und böse Leute möchten, dass das bald gar nicht mehr geht.
In der Nacht zum Sonntag gab es auf radioeins “Die Stunde, die es nicht gibt”. Sie lief vor der Zeitumstellung auf die Normalzeit.

Es war ein schöner Rückblick auf eine längst vergangene Zeit. Und damit ist nicht nur die Zeit gemeint, als im niedersächsischen Privatradio noch drei Stunden Comedy zu hören war – und nicht bloße Musikstrecken mit Minimoderationen. Auf FFN gab es einst das Frühstyxradio, das später auch vom damaligen ORB/SFB-Jugendsender Fritz übernommen worden ist. Was auch der Grund ist, warum in Berlin-Brandenburg Figuren wie Frieda und Anneliese oder “Der kleine Tierfreund” bekannter als in anderen Regionen ist.

Auf radioeins erinnerten Oliver Kalkofe, Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer an diese große Zeit. Es gab ein Wiederhören mit Herrn Radiohoven, den Bad-Oeynhausen-Cops, Onkel Hotte und den vielen anderen Frühstyxradio-Figuren.
Die drei Herren erinnerten nicht nur an vergangene Radiozeiten. Sondern auch daran, dass zum Beispiel die beiden alten Frauen in der “Frieda und Anneliese”-Reihe schon damals, Anfang der 90er, Omas waren, die es da kaum noch gab. Die Herren merkten an, dass das Rollenbild der Oma inzwischen längst ein ganz anderes ist.

Es war ein heitere, aber auch sehr nostalgische Radiostunde – und dann war alles vorbei, es war wieder 2 Uhr, und diese Sendung hat es nie gegeben.

Hits: 158

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1929 – Das Jahr Babylon

Mittwoch, den 26. September 2018
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SO 23.09.2018 | 23.05 Uhr | radioeins

Es ist ein harter Winter in Berlin. In einer Wohnung wird eine Frau tot aufgefunden. Später ist klar: Es war Mord. Es heißt, sie sei auf den Strich gegangen, aber die Schwester bestreitet das.
Wir schreiben das Jahr 1929. Das Jahr Babylon. Als die Demokratie noch mal aufblüte – drei Jahre vor der Machtergreifung Hitlers.

Bevor am 30. September die Serie “Babylon Berlin” endlich ihre Free-TV-Premiere feiert, sendete radioeins am späten Sonntagabend die sechsteilige Doku-Hörspielreihe “1929 – Das Jahr Babylon”.
In jeder Folge ging es um einen Kriminalfall aus diesem Jahr – immer vor dem Hintergrund, zu erzählen, wie es damals in Berlin zuging.

Wer bis 2 Uhr durchgehalten hat, erlebte aufregende drei Stunden. Selten ist es so gut gelungen, einen spannenden Mix aus Krimi und Geschichtsdoku abzuliefern. Experten erzählten über damals, wie es zum Beispiel rund um den Ostbahnhof aussah – und wir hören die dortigen Geräusche.
Dazu kommen Sprecherinnen und Sprecher wie Fritzi Haberlandt, die Protagonisten aus den Kriminalfällen sprechen. Gutes, atmosphärisch dichtes Radio.

Wer das Ganze verpasst hat, kann sich den sechsteiligen Podcast von der radioeins-Internetseite oder aus der ARD-Audiothek runterladen. Lohnt sich!

Hits: 65

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Die radioeins Radio Show

Donnerstag, den 14. Juni 2018
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DI 12.06.2018 | 19.05 Uhr | radioeins.de

Ein wirklich lieb gemeinter Hinweis für Leute, die sich ins Publikum von Unterhaltungsshows begeben. Setzte dich niemals in die erste Reihe, wenn du schon vorher weißt, dass du die Show nicht mögen wirst. Wenn du die ganze Zeit miesepetrig und dösig dreinschauend da sitzt, dann sieht das einfach nicht gut aus.

Am Dienstagabend lief auf radioeins vom rbb wieder “Die radioeins Radio Show”, live aus dem Heimathafen in Berlin-Neukölln. Aber nicht nur im Radio, sondern per Livestream auf radioeins.de auch auf dem Bildschirm in bewegten Bildern.
Und da saßen sie, in der ersten Reihe, zwei Stunden lang. Ein etwas älterer Mann und daneben eine Frau. Egal, was vorn passierte – Live-Musik, ein Interview oder ein Bühnenhörspiel – am Ende saßen sie immer vollkommen unbeteiligt da und glotzen ins Nichts. Gern wird so was ja von Fernsehmachern kaschiert, in dem das Bild einfach rangezoomt oder geschwenkt wird. Für in der ersten reihe Sitzende wird es da aber schwierig.
Aber so hatte “Die radioeins Radio Show” dann auch noch eine unfreiwillig humoristische Note.

Hits: 71

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Raritäten des Grauens: Regina Z. und die Knallerbsen – Frieden am Zaun

Samstag, den 5. Mai 2018
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FR 04.05.2018 | 10.35 Uhr | radioeins

Normalerweise schaltet das Ohr bei miesen Songs ja auf Durchzug. Oder die Hand wandert zur Sendertaste des Autoradios, um schnell umzuschalten. Nicht so bei radioeins. Da gibt es immer am Freitagvormittag die “Raritäten des Grauens”.

Diesmal ist die Geschichte von Regina Zindler aufgerollt worden. Die saß im Herbst 1999 bei “Richterin Barbara Salesch” auf Sat.1. Wegen eines Knallerbsenstrauchs des Nachbarn, der den Maschendrahtzaun kaputt machte. Oder so.
Kurz danach wurde Stefan Raab in “TV total” auf sie aufmerksam – und fand das alles so toll, dass er einen Song aus den Satzfetzen aufnahm, die Regina Zindler so zu sagen hatte. “Maschen-Droaht-Zaun” ist zum Megahit geworden. Und Regina Zindler wurde zum unfreiwilligen Star. Hunderte Schaulustige belagerten ihr Grundstück und das des Nachbarn, der wiederum einen Exclusivvertrag mit Sat.1 hatte. Um da irgendwie wieder raus zu kommen, nahm Zindler später einen zweiten Song auf, um Frieden zu machen.
Brachte nur leider nichts. Die Massen blieben, und Regina Zindler zog mit Ehemann nach Berlin.

Sie war wohl eines der ersten Opfer eines neuen Typs von Fernsehshows. “TV total” war 1999 noch neu am Markt. Stefan Raab war genial, aber er bedachte nicht, was mit Regina Zindler passieren würde, wenn er sie auf diese Weise noch weiter in die Öffentlichkeit drängt. Auch wenn die Zindler eventuell ein bisschen Kohle machen konnte – die wurde ihres Lebens nicht mehr froh.

So spielte radioeins mit “Frieden am Zaun” am Freitag zwar gewollt furchtbare Musik, aber erzählte auch ein Stück Mediengeschichte der Jahrtausendwende.

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radioeins-Nachrichten: Der Echo wird abgeschafft

Freitag, den 27. April 2018
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MI 25.04.2018 | 15.00 Uhr | radioeins

Oh mein Gott, sie haben den Echo getötet! Ihr Schweine!

Ja, der Echo ist tot. Die Meldung platzte am Mittwochnachmittag ins radioeins-Programm. Anstatt sich mit Antisemitismus auseinanderzusetzen, mit Personalien und damit, wie gewisse Dinge, die geschehen sind, so geschehen konnten, wischen die Verantwortlichen einfach den gesamten Echo in die Jauchegrube.

Die Deutschrapper Kollegah und Farid Bang haben am 12. April den Echo für ein Album bekommen, auf dem es antisemitische Texte gibt. VOX übertrug das Ganze, und darüber ist auch alles gesagt.
In den Tagen danach gaben diverse Musiker ihre Preise zurück, die Diskussion ebbte nicht ab.
Am Mittwoch dann die Meldung: Der Echo wird abgeschafft. Damit wird dieses ganze Drama immer befremdlicher.

Einerseits ist der Musikpreis in der Tat extrem beschädigt. Wer will das Ding denn in Zukunft noch haben? Welchen Stellenwert soll der Echo noch haben, wenn Rassisten ihn ohne Weiteres auch bekommen können und zum Dank später noch einen Extrauftritt absolvieren dürfen.
Andererseits: Tritt man damit nicht auch die gesamte Geschichte des Preises in den Müll? Immerhin gibt es ja Künstler, die diesen Preis durchaus verdient haben. Aber der Echo scheint nun gar nichts mehr wert zu sein, der Preis ist zum Sondermüll verkommen – und das auch durch die Entscheidung, ihn einfach einzustampfen.

Ganz klar, die Auseinandersetzung mit möglichen Konsequenzen aus dem Echo 2018 wäre hart gewesen. Man hätte am Konzept arbeiten müssen. An den Regeln. Vor allem personellen Konsequezen hätten folgen müssen. Aber vor allem eine interne und öffentliche Diskussion darüber, was wir eigentlich wollen. Was wir dulden oder nicht dulden. Ob der Echo tatsächlich ausschließlich nach Verkäfen vergeben wird. Wenn ja, hätte man das so hinnehmen müssen und vielleicht auch können. Wie groß dann aber die Bühne für gewisse Leute hätte sein sollen, hätte auf einem anderen Blatt gestanden.
Sich aber einfach wegzuducken, ist ebenso armselig wie die Veranstaltung am 12. April.

Einen Musikpreis wird es weiter geben. Wie der aussieht, nach welchen Kriterien er vergeben wird, ist offen. Den Echo gibt es also weiter, nur mit neuem Namen. Auch eine Möglichkeit, Erinnerungen an 2018 einfach nur wegzuwischen? Hoffentlich nicht.

Hits: 48