RTelenovela

Traumtagebuch (96): Schüsse auf die Autoscheibe

Samstag, den 11. August 2012
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(95) -> 5.8.2012

In der Robert-Koch-Straße in Oranienburg. Ich fahre an zwei Mädels vorbei, die sich miteinander unterhalten.
Ich will am schmalen Sandweg neben dem Krankenhausparkplatz wenden.
Eines der Mädels schießt in die Luft. Und nochmal. Als sie mich sieht, kommt sie zu mir und meinem Auto gelaufen. Sie schießt auf die Scheibe, die andere aus der Ferne ebenfalls.
Nun stehen sie beide neben mir am Auto und starren mir in die Augen. Dann laufen sie langsam weiter.

Ich wähle die 112. es meldet sich ein Physiotherapeut aus Berlin. Er habe schon 1000 Anrufe gehabt, erzählt er.
Nun wähle ich die Nummer des Oranienburger Rettungsdienstes. Es meldet sich das Krankenhaus in Luckenwalde. Da muss es wohl eine Fehlschaltung gegeben haben, sagt der Mann am anderen Ende der Leitung.

aRTikel

Thermentest (6): Plausch an der Feuerstelle

Sonntag, den 12. Dezember 2010
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(5) -> 5.12.2010

Brandenburg: Faire Preise in der Luckenwalder Flämingtherme

MAZ, 11.12.2010

Winterzeit ist Thermenzeit. Bei Wind und Wetter tun Sauna und Sole besonders gut. In dieser Serie testen wir die märkischen Thermen. Teil 6: Flämingtherme, Luckenwalde.

*
Wird man in der Sauna eigentlich braun? Ja, diese Frage ist durchaus überraschend. Aber der junge Mann im Whirlpool der Flämingtherme in Luckenwalde (Teltow-Fläming) wollte das ernsthaft wissen. Er war bis dahin noch nie in einer Sauna. Und überhaupt sei er dorthin gekommen, um mal ein paar hübsche Frauen zu sehen. Dass ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ein Mangel an jungen Damen herrschte, fand er irgendwie nicht so lustig. Dann komme er eben morgen wieder, merkte er später an.
Das wird er sich auch leisten können, denn gerade mal neun Euro kostet der Eintritt für Bad und Sauna für zwei Stunden. Das ist ein fairer Preis, allerdings sollte der Besucher auch nichts Außergewöhnliches oder die ganz große Vielfalt erwarten.

Der Badebereich ist relativ einfach gehalten. Es gibt ein großes Becken mit Strömungskanal, Massagedüsen, Sprudler, Wasserfall und Rutsche, dazu zwei Whirlpools und – besonders interessant für Freizeitsportler – ein Schwimmbecken mit acht 25-Meter-Bahnen.
Nicht ganz klar ist, was das Freizeitbad eigentlich zur Therme macht. Ob das Wasser in Luckenwalde aus einer speziellen Quelle kommt, wird nirgendwo erwähnt, ein Solebecken gibt es in der Flämingtherme ebenfalls nicht.

Während draußen der Schneesturm tobt, ist es in der Sauna gleich umso gemütlicher. Allerdings ist der Weg vom Bad dorthin recht weit – durch die Umkleidekabinen und mehrere Flure. Im Garten befindet sich in einem Holzhaus die Karpartensauna. Im Innenbereich die finnische, eine Bio- und eine Dampfsauna. Letztere war jedoch zum Zeitpunkt des Testes unbrauchbar, weil entschieden zu heiß. Nicht auszuhalten. Da muss irgendwas schief gelaufen sein.
In der finnischen Sauna war die Atmosphäre dagegen sehr gemütlich. Der Aufguss könnte ruhig ein bisschen heißer sein. Der Saunameister ließ sich zwar viel Zeit, träufelte in aller Ruhe das Wasser auf die Steine und wedelte minutenlang sanft mit dem Handtuch – die richtige Hitze, das Brennen, war nicht zu spüren. Ganz schön ist die kleine Sitzecke rund um eine Feuerstelle. Dort treffen sich auch oft die Stammgäste zu einem Plausch.

Eine echte Baustelle scheint das Bistro im Saunabereich zu sein. Hinterm Tresen scheint jeder, der in der Therme arbeitet und zufällig gerade da ist, mal zu bedienen. Der Rettungsschwimmer schenkt langsam den Saft ein und trottet zur Kasse, wo er die richtigen Tasten sucht. Als Rettungsschwimmer ist er in seiner eigentlichen Funktion sicherlich fixer. Der Aufgussmann kommt auch mal vorbei und reicht einer Kundin den Sekt, bevor er zum Aufguss läutet. Der Mann in der Küche muss ebenfalls bedienen, wenn er gerade Zeit hat. So braucht eine einfache Ofenkartoffel mit Kräuterquark schon mal erstaunliche 25 Minuten, bis sie beim Gast ankommt. Absolut inakzeptabel. Im Bistro am großen Schwimmbecken scheint es das Problem nicht zu geben. Neben der Ofenkartoffel gibt’s auch weitere Snacks und Gerichte: Currywurst, Pommes, verschiedene Fleischsorten und vieles mehr. Und während man den Schwimmern beim Training zusieht, schlürft der Gast seine Cola.

Bei der nächsten Modernisierung sollte auch der recht schwere Schrankschlüssel abgeschafft werden, er baumelt immer am Handgelenk herum. Aber trotz der Mäkeleien: Für verhältnismäßig wenig Geld kann der Besucher in der Flämingtherme die Seele baumeln lassen. Gut so!

*
Informationen:
Adresse: Weinberge 40, 14943 Luckenwalde, Tel.: 03371/40020,
www.flaemingtherme.de
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 22 Uhr, montags ist Damensauna.
Preise: Vier Stunden Bad und Sauna kosten 12,50 Euro, Tageskarte für 16 Euro, Familienkarten, Gruppenpreise.
Angebote: Sportbad, Freizeitbad mit Strömungskanal, Massagedüsen, Whirlpool, Bewegungsbecken, Rutsche, Extrabereich für Kinder. Sauna mit Karparten-, Bio-, Dampf- und finnischer Sauna. Wellnessangebote mit Massagen und Behandlungen.

Badwelt: 2/5
Saunawelt: 3/5
Gastronomie: 2/5
Sauberkeit: 5/5
Erholungswert: 3/5

RTelenovela

Im Winterwunderland (8): Schneesturm

Freitag, den 3. Dezember 2010
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(7) -> 14.3.2010

Gerade mal achteinhalb Monate hatten wir Ruhe – der 2. Dezember 2010 ist der Tag mit dem ersten Schnee im Winter 2010/11.
Der Winter brach ein, als ich gerade in Luckenwalde war. Als ich die Therme verließ, stand ich im Schneesturm und fühlte mich, als würde ich an einer Antarktisexpedition teilnehmen. Durch die Fahnen am Wegesrand pfiff der Wind extrem laut, der Schnee fegte mir um die Ohren.

Liebe Luckenwalder, wahrscheinlich ist eure Stadt ganz nett – aber eigentluch wollte ich Luckenwalde verlassen. Allerdings hält es niemand für nötig, Berlin oder die B101 auszuschildern. Wenn überhaupt mal irgendwo ein Wegweiser steht, sind nur direkt umliegende Orte ausgewiesen. Glücklicherweise wusste ich noch, dass ich an Trebbin vorbei muss, sonst hätte ich in Luckenwalde übernachten müssen.

Die Fahrt entlang der B101 von Luckenwalde nach Ludwigsfelde war der spannendste Teil der Fahrt. Keine Sicht, keine Fahrspur – ein Traum. Weiter ging’s auf den Berliner Ring.
Dort schlug das Wetter einem Autofahrer offenbar ins Hirn. Am Rastplatz stand er mit seinem Wagen in der Ausfahrt und fuhr rückwärts. Auf Ideen kommen die Leute…

Auch Oranienburg war schon zugeschneit – genauso wie das Heck meines Autos. Die komplette hintere Fläche war dicht. Zentimeterdick klebte der Schnee über Nummernschild und Beleuchtung.

Die Autobahn gleich am Vormittag einem Parkplatz. Ständig standen irgendwo Autos rum, eins parkte im Dreieck Charlottenburg, ein weiteres zwischen Kleinmachnow und dem Parkplatz Am Stern. Warndreiecke scheinen im Winter auch völlig aus der Mode zu geraten, andererseits existierten sowieso keine Fahrspuren, alle fuhren da, wo halt gerade Platz war. Was soll da schon groß passieren?

RTelenovela

Wird man in der Sauna eigentlich braun?

Donnerstag, den 2. Dezember 2010
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Im Whirlpool der Therme in Luckenwalde sitzen zwei junge Männer und haben ein Problem: “Es gibt hier ja gar keine Frauen”, sagt der eine und fragt mich: “Oder hast du hier welche gesehen?” Ich zucke mit den Schultern. Ja, ich habe hier welche gesehen, im Pool nebenan sitzen auch welche, nur sind sie schon älteren Semesters. Er sei ja eigentlich nur hergekommen, um auch mal ein paar Frauen zu sehen.
Überhaupt, die Frauen.
Der eine der beiden erzählt, während der andere still das Whirlpoolblubbern genießt.
Sie seien ja auch schon mal im Puff gewesen, erzählt der eine. “Das war in Berlin-Schöneberg. Kennste Schöneberg?” Ich nicke. In Schöneberg gebe es ein gutes Puff. “Und in Neukölln. Warste schon mal in Neukölln?” Ich nicke wieder.

Er sei ja Single, erzählt der eine weiter. Aber auch wenn er eine Freundin habe, sei er Single. Nein, treu könne er nicht sein. Das gehe nicht.
“Warste schon in der Sauna?” Ich nicke. “Ist ganz schön heiß”, sagt der eine. Und: “Ich habe ganz schön geschwitzt.” Ich nicke wieder und sage, dass das der Sinn der Sache sei. “Wieso?”, fragt er. Ich sage: “Weil das gut tut, wegen der Keime, die man ausschwitzt.” “Und dann?”, fragt er, “geht man auch raus ins Kalte?” “Ja”, sage ich, “um sich abzuhärten, und so.”
“Wird man eigentlich in der Sauna auch braun?”, fragt der eine weiter. Ich muss lachen und ihn enttäuschen. “In der Sauna wird man nicht braun.”

Wir gehen rüber in den Saunabereich. Sie wollen die finnische Sauna ausprobieren.
Nach zwei Minuten zischt der eine. “Uuuh, ist das heiß!” Damit meint er nicht nur die Sauna an sich, sondern auch die relativ dicke Kette, die er um den Hals trägt. Er nimmt sie ab. “Wird ganz schön heiß, die Kette, oder?”, fragt er. Ich nicke.
Nach einer weiteren Minute beginnen die beiden zu schwitzen. “Boah, ich schwitze ja”, sagt der eine. Ich nicke wieder.
Sie halten es nicht raus, laufen wieder raus, in den Flur.
Zwei Minuten später stehen wir neben den Kaltwasserduschen. “Müssen wir wirklich?”, fragt der eine. Ich nicke erneut. “Ist gut für den Kreislauf”, sage ich. Ein weiterer Mann beobachtet die Szene und stimmt mir zu. “Na los”, sagt er, “rein da ins kalte Becken!” Unter großen Gekeuche steigen sie ins kühle Nass.

Morgen wollen sie wiederkommen. Sie waren auch gestern schon hier, in der Therme. Vielleicht kommen sie morgen aber ein bisschen früher. Wenn eventuell ein paar mehr Frauen da sind. Wegen der Frauen sind sie ja schließlich hergekommen.

RTelenovela

Verhandlungssache (2): Der Autokrimi

Montag, den 8. Mai 2006
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-> 4.5.2006

Die Sache hätte böse ins Auge gehen können. Als mein Autokäufer am Mittwoch in Richtung Berlin abschwirrte, hat er auch die Kopie des Kaufvertrages im Gepäck gehabt. Die gehörte eigentlich mir. Und: In geistiger Umnachtung ließ ich es zu, dass Mehmets Verhandlungspartner eine Klausel in den Vertrag schrieb, die mich haften ließ, wenn der Wagen nicht unfallfrei sei.
Bedeutete: Theoretisch konnten die, weil sie Original und Kopie des Vertrages hatten, alles mögliche zusätzlich raufschreiben. Teure Repaturen und und und.
Glücklicherweise mussten wir uns sowieso noch treffen, weil ich noch die Zweitschlüssel hatte. Also drängte ich darauf, dass Mehmet dann die Kopie mitbringe. Wenigstens das.

Freitagnachmittag. Die Absage. Mehmet ist krank. Oder so. Also… Wenn krank, dann in Luckenwalde. Da war er, wie er im weiteren Verlauf des Telefonates meinte.
Na toll. Wahrscheinlich stand das Auto schon in der Werkstatt. Und die teuren Reparaturen sollte ich dann bezahlen. Ich sah mich bereits pleite gehen.
Neuer Termin: Heute, Montag.

Und tatsächlich: Vorm McDonalds am Zoo steht Mehmet.
Es gebe ein Problem. Sein Onkel komme gleich, er wolle noch mit mir reden. Und tatsächlich: Onkelchen meinte dann, sie hätten das Auto überprüft. Und sie seien sich sicher: Mein Wagen hatte ganz sicher mal einen Totalschaden.
Ah ja. So so. Daran kann ich mich nun wirklich nicht erinnern.
Also: Entweder ich bezahle alle Reparaturen oder ich nehme das Auto zurück.
Ich wollte das Auto zurück.

Vier Stunden später standen Mehmet, sein Onkel und noch jemand bei uns vor der Tür.
Ja, sehen Sie mal hier. Sehen Sie? Das war mal ein Totalschaden.
Ja, okay, mir wurscht. Ich nehm ihn zurück.
Kfz-Brief? Oh, hoppla. Den hat er vergessen. Na so ein Ärger.
Ganz klar: Mehmet plus Team mussten zurück nach Berlin, um den Brief zu holen. Ohne Brief kein Geld. Und: Der Autoschlüssel bleibt hier.

Wieder eine gute Stunde später. Kfz-Brief wieder da. TÜV-Bericht wieder da. Fahrzeugschein wieder da. Geld zurück gegeben. Und mein Auto – wieder vor der Tür.
Aber wir fremdeln. Er riecht anders. Er riecht nicht mehr nach meinem Auto.
Die Suche geht weiter. Nach einem Käufer und nach einem Nachfolger.
Aber der Krimi ist zu Ende – und ich habe einiges gelernt in den vergangenen 5 Tagen.