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Überflieger: Mit einem Gartenbuch auf die Bestseller-Listen

Samstag, den 2. Juli 2022
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Beate Balz (44) aus Bärenklau feiert Erfolge als Autorin und gewinnt als Debütantin den Speakers Slam

MAZ Oberhavel, 2.7.2022

Bärenklau.
Bestseller. Platz 19 am Freitag in den Amazon-Buchcharts. Erste Auflage schon bei Erscheinen ausverkauft. „Vor einem Jahr war an dieses Buch noch nicht mal zu denken“, sagt Beate Balz. Das Buch heißt „Mit Witz, Charme und Methode“ und ist „Das etwas andere Gartenbuch“. Die 44-jährige Bärenklauerin ist Co-Autorin von Katrin Iskam. Inzwischen bekommen die beiden viele Interviewanfragen.

Die beiden haben sich über Instagram kennengelernt. Katrin Iskam, die bei Uelzen in Niedersachsen lebt, betreibt den Kanal @katrinsgarten mit 108.000 Followern mit vielen Gartentipps. Um Haus und Garten dreht sich auch alles auf dem Instagram-Kanal von Beate Balz mit 9960 Followern. Sie folgten sich gegenseitig, kamen bald ins Gespräch. „Wir sind auf einer Wellenlänge“, so die Bärenklauerin. Beate Balz plant und verkauft skandinavische Holzhäuser, Katrin Iskam ist Krankenschwester. „Lass uns doch mal ein Buch schreiben“, war dann die Idee. Die Bilder und Texte stammen zu 80 Prozent von Katrin Iskam, der Rest aus dem Garten von Beate Balz. Sie sorgte auch für das komplette Layout.

„Wir haben dann ein Insta live gemacht und angekündigt, dass wir ein Buch schreiben“, erzählt Beate Balz. So war die Aufmerksamkeit schon mal gesichert, und so gab es schon 24 Stunden später 1000 Vorbestellungen. Beate Balz schrieb an mehrere Verlage, stellte dort das Konzept vor. Von sieben Verlagen haben drei geantwortet. „Aber der Kosmos-Verlag ist uns am meisten entgegengekommen. Das war im Dezember. Im Januar haben wir die Autorenverträge bekommen, Ende Januar war Abgabefrist.“ Ende März war das Buch dann online bestellbar, und schon einen Tag später kennzeichnete Amazon das Buch als Bestseller. „Bei Thalia dachten sie, dass ihr Server gehackt wurde.“

In dem Buch gibt es verschiedenste Gartentipps, aufgeteilt in jahreszeitliche Kapitel. Dazu wurden die schönsten Fotos des Instagram-Kanals verwendet. Eine wichtige Nebenrolle spielt der Hund Tyson, der im Buch immer wieder kleine „Kommentare“ abgibt.
Die Erstauflage mit 6000 Büchern war schnell ausverkauft, bevor das Buch überhaupt erschienen war. „Das war alles so verrückt“, sagt Beate Balz und schmunzelt.

Inzwischen gibt es viele Anfragen für Lesereisen, im Herbst ist eine Tour geplant, es wird durch Niedersachsen gehen, durch Nordrhein-Westfalen, auch die Buchmesse in Frankfurt/Main im Herbst steht auf dem Plan. „Für das nächste Jahr gibt es auch schon Anfragen. Momentan arbeite ich von früh bis zum späten Abend. Der Garten bekommt auch nicht mehr die Aufmerksamkeit, die er bräuchte.“

Seit 2016 lebt Beate Balz mit ihrer Familie in Bärenklau. Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne. Die gebürtige Berlinerin lebte zuvor 15 Jahre lang in Hohen Neuendorf, auch dort schon in einem Schwedenhaus. „Ich bin eigentlich Bankkauffrau.“ Inzwischen hat sie sich selbstständig gemacht.

Sich wohlzufühlen – das ist ein Thema, das ihr sehr wichtig ist. Auf ihrem Instagram-Kanal @beate.balz teilt sie positive Lebensgedanken, gibt Tipps, wie man mit bestimmten Situationen klarkommt, aber es sind auch Deko- und Gartentipps, die sie mit ihren Fotos vermittelt. Ihr Spitzname: Miss Feelgood.
Den Namen hat sie von Hermann Scherer. Er veranstaltet den Speaker Slam, einen Rednerwettbewerb. „Er macht auch Coachings. Ich hatte einen Kurs mit ihm, wir kannten uns also, und er sagte zu mir: Du kannst doch quatschen, mache doch da mal mit!“ Sie ließ sich überreden. Zunächst fragte sie sich, was sie dort eigentlich erzählen soll. „Es sollte sich dann um meinen Garten drehen. Andere haben alles genau aufgeschrieben, ich habe mir vorher nur Gedanken gemacht.“
An diesem Tag standen insgesamt 96 Rednerinnen und Redner auf der Bühne – sie war eine davon. Sie sprach über ihren Einzug ins neue Haus in Bärenklau und wie sie es schaffte, dass bis zum Spätherbst auch der Garten in Schuss war – und über das Buch, das gerade entstanden war. „Ich bin auf die Bühne, und es hat mir Spaß gemacht.“ Man merkt es schnell, wenn man sich mit ihr unterhält – sie kann gut reden, und es ist immer unterhaltsam. Am Ende war ihr Fazit: „Traut euch, und ihr könnt alles schaffen.“
Das galt auch für ihre Teilnahme am Speakers Slam in Mastershausen in Rheinland-Pfalz. „Eine Jury hat über die Auftritte entschieden.“ Gleich bei ihrem Debüt bei diesem Wettbewerb hat sie den ersten Platz belegt. Sie bekam den Excellence Award. Es folgte ein Fernsehinterview und ein Auftritt in einem Podcast. Ob sie dort noch einmal mitmachen wird, stehe noch nicht fest.

Momentan steht aber ihr Bestseller im Mittelpunkt. Termine müssen koordiniert werden, mit Katrin Iskam steht sie im ständigen Austausch. Gerade erscheint die dritte Auflage des Gartenbuches. Und ein zweites Buch ist auch schon in Planung.

Hits: 68

RTZapper

Berliner Philharmoniker in der Waldbühne 2022

Donnerstag, den 30. Juni 2022
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SA 25.06.2022 | 20.15 Uhr | rbb

Das Saison-Abschlusskonzert der Berliner Philharmoniker in der Waldbühne ist immer ein ganz besonderer Höhepunkt der klassischen Musik. Mehr als 20.000 Menschen kommen zu einem der schönsten Berliner Veranstaltungsorte, um unter freiem Himmel ein Konzert zu genießen. Der rbb übertrug das Konzert am Sonnabend live. Im Ersten gibt es am 3. Juli die Aufzeichnung.

In diesem Jahr waren die Umstände aber besonders. Denn unter der Leitung des aus Russland stammenden Dirigenten Kirill Petrenko spielte das Orchester ausschließlich Werke von russischen Komponisten.
Kann man in Zeiten des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine einen schönen, lauen Sommerabend mit russischer Klassik verbringen?

Man kann. Denn es ist falsch, die ganze Kultur eines Landes auszulöschen, weil aktuell und heute dieses Land Kriegsverbrechen begeht. Zumal die Kunst, die Musik, in diesem Fall mitunter Jahrhunderte alt ist.
Dennoch betonte rbb-Moderatorin Petra Gute, dass man an diesem Abend besonders an die Ukraine und Kiew denke – und dass so ein Abend ja schon sehr lange im Voraus geplant werde.

Ein Lied war dann doch kein russisches – denn immer am Ende wird die Berliner Luft, Luft, Luft gespielt – unter dem großen Applaus des Publikums…

-> Das Konzert in der ARD-Mediathek (bis 24. August 2022)

Hits: 106

RTelenovela

Überraschungsevent (53): 3 Schwestern #VollerLiebeImKampfmodus

Montag, den 27. Juni 2022
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(52) -> 8.6.2022

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte ich das Event planen, beim nächsten Mal ist sie dran.

Erstmals führte uns das Event zur Brotfabrik auf dem Caligariplatz in Berlin-Prenzlauer Berg. Dort gibt es nicht nur ein schönes Café, sondern auch ein Kino und ein Theater.
Im Theater sahen wir das Zwei-Frau-Stück “3 Schwestern #VollerLiebeImKampfmodus”. Komischerweise habe ich mir vorher gar keine Gedanken darüber gemacht, warum von drei Schwestern die Rede ist, obwohl doch nur zwei Frauen mitspielen.
Es geht um zwei Schwestern, die sich am Morgen unterhalten, sich anzicken, sich erinnern. An damals. An Familienrituale. Und dann kommen sie auf den Tag zu sprechen, genau vor 30 Jahren, als ihre große Schwester in einem Freibad ertrunken ist.
Es sind berührende Momente, wie sie sich an diesen Tag in scheinbar jeder Einzelheit erinnern.

Das Stück ist sehenswert. Anfangs wirkt alles ziemlich harmlos, sorglos, ein nettes Familienstück, und man selbst besinnt sich in der Zeit auch an ein paar Familienrituale und -verbindungen.
Doch dann dreht sich alles. Das große Drama, das große Nachdenken. Am Ende scheint nur noch Erschütterung zu herrschen, die beiden Frauen liegen am Boden.
Da fehlte ein bisschen der Kreis, der sich vielleicht schließen könnte. Ich wusste nicht genau, welche Botschaft uns das Stück am Ende eventuell mitgeben wollte. Ich war ein wenig ratlos, zumal mir das Stück zum Ende ein wenig zu verkopft vorkam. Aber dennoch: Es hat sich gelohnt, das gut 70 Minuten lange Stück gesehen zu haben.

Nur heiß war es. So richtig heiß. Das Brotfabrik-Theater ist sehr klein, scheint unter dem Dach zu sein, man muss zwei Treppen hochlaufen. Gerade mal drei Stuhlreihen gab es. Wir mussten uns hin und wieder Luft zufächern…

Hits: 106

RTZapper

Der Deutsche Filmpreis 2022

Montag, den 27. Juni 2022
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FR 24.06.2022 | 22.45 Uhr | Das Erste

“Lieber Thomas” hat am Freitag bei den Lolas abgeräumt – beim Deutschen Filmpreis 2022. Und das übrigens auch vollkommen zurecht. Aber dennoch muss man feststellen: Der deutsche Film steckt in einer tiefen Krise, aber so richtig will das scheinbar niemand wahrhaben.
“Lieber Thomas”, im Spätherbst 2021 angelaufen, haben bis Ende April etwa 63.000 Menschen gesehen. Ja, nicht 6,3 Millionen, auch nicht 0,63 Millionen, sondern 0,06 Millionen Menschen.
Und damit befindet er sich leider in illustrer Gesellschaft.

Es ist richtig und gut, dass sich der deutsche Film einmal im Jahr so richtig feiert. Am Freitagabend lief die Gala im Ersten – natürlich nicht live. Selbst im Nischenprogramm war keine Live-Übertragung drin.
Andererseits: Die Zuschauerzahlen sind sehr niedrig. Und sie sind sehr niedrig, weil es in der Gala meist um Filme geht, die die meisten Leute in Deutschland gar nicht kennen. Wegen der Coronapause gibt es einerseits eine regelrechte Filmschwemme, die kaum zu überblicken ist, die kaum zu bewerben ist. Und die Kinos haben allgemein ganz große Probleme, die Menschen zurück in die Säle zu holen.

Aber das führt dazu, dass zum Beispiel in der Kategorie der besten weiblichen Hauptrolle teilweise von Filmen die Rede ist, von denen selbst ich noch nie gehört habe – und ich beschäftige mich schon sehr intensiv mit dem deutschen Film.

“Die Schule der magischen Tiere” bekam den Preis für den zuschauerstärksten Film, bis Ende April 1,68 Millionen Leute die Kinderkomödie, und auch “Wunderschön” schaffte (zu recht) die Millionengrenze.Aber sonst sieht es echt finster aus. Weitere nominierte Filme hatten ein überschaubares Publikum: “Große Freiheit” sahen um die 20.000 Leute, “Toubab” um die 12.000 Leute, die Doku “Wem gehört mein Dorf?” etwa 6800. “Contra” immerhin etwa 0,64 Millionen.
Zwar keine großen Erfolge, aber es fehlten auch Filme an diesem Abend, denn eigentlich waren im vergangenen Filmjahr auch “Mein Sohn”, die Doku “Die Unbeugsamen”, “Nebenan”, “Je suis Karl”, “Nahschuss” oder “Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull” preis- oder erwähnungswürdig. So aber machte es den Eindruck, als habe man sich auf einen harten Kern konzentriert, und unter den Filmen alles aufgeteilt.
Klar ist aber: Der deutsche Film muss sich wieder darauf konzentrieren, sein Publikum zu finden. Viel zu viele tolle Filme gingen in den vergangenen Monaten sang- und klanglos unter.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 24. Juni 2023)

Hits: 114

RTelenovela

Überraschungsevent (52): 1992-2022 Deluxe-Burlesque

Mittwoch, den 8. Juni 2022
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(51) -> 27.3.2022

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte sie das Event planen, beim nächsten Mal bin ich dran.

Den Begriff Burlesque habe ich zwar schon mal gehört, ich weiß auch ungefähr, was dahinter steckt – nun habe ich zum ersten Mal eine Burlesque-Show erlebt.
Und zum letzten Mal.
Ich muss an dieser Stelle nochmal explizit vorwegschicken, dass es ja Sinn unserer Überraschungsevents ist, den anderen mit einem Event zu überraschen. Der/die andere weiß also nicht, was da kommt. Deshalb zählt es auch nicht, wenn man jetzt sagen würde: Du musst dir ja so was nicht ansehen.

Wir waren diesmal in Berlin-Schöneberg, in der “Kleinen Nachtrevue”. Das ist ein kleines Theater an der Kurfürstenstraße. Und wenn ich “klein” sage, dann meine ich das auch. Denn es passen vielleicht nur 30 bis 40 Leute in den Saal. Auf der rechten Seite ist eine Bar, vorn die kleine Bühne.
Als wir an unserem Tisch sitzen, kommt eine Frau auf uns zu und fragt, ob wir mal auf die Karte schauen wollen. Ich schaue sie an und überlege, dass sie ja offensichtlich gar keine Karte dabei hat. Sie öffnet ihren Mantel, drunter sind ihre Brüste gerade so in Reizwäsche verpackt, die Getränkekarte befindet sich auf den Mantel-Innenseiten.
Es ist, ehrlich gesagt, der Moment, bei dem ich weiß, dass das nicht mein Abend wird. Ich bin nicht prüde, aber das ist einfach nicht mein Stil. Salopp gesagt, ist mir diese Art und Weise zu blöd.

Gezeigt wurde eine Show mit Höhepunkten aus 30 Jahren Burlesque-Show in diesem Haus. “1992-2022 Deluxe-Burlesque – Die Anfang bis Ende Show”. Es könnte bald Schluss damit sein, denn das Haus, in dem sich die Revue befindet, soll 2024 abgerissen werden. Wie es dann für die Show weitergeht, sei noch offen, hieß es.

Die Show kurz zusammengefasst: Fünf Frauen und zwei Männer tanzen, zeigen Akrobatik, dazu ein bisschen Humor und viel Musik. Und fast immer ging es darum, dass sich alle ausziehen. Brüste, Strapse, auch komplett entblößte Körper – oben und unten – der Abend bot viel.
Wenn es um die Akrobatik geht, dann gab es sehenswerte Momente. Dass sich die Damen währenddessen auszogen, machte die Show allerdings oft irgendwie kaputt (ja ja, ich weiß, ist eine Burlesque-Show, siehe oben). Auf mich wirkten einige Momente unangenehm vulgär, zudem selten auch etwas unbeholfen.
Ein Typ, der mich in einer Szene an den jungen Otto mit seiner runden Brille erinnerte, wirkte etwas fehl am Platz. Der zweite Mann dagegen sorgte für die Szene des Abends, die wirklich lustig war und Spaß machte: Er kam als Nixe auf die Bühne und sang davon, dass sie, die Nixe, sich wünsche, eine Vagina zu haben (“Ein Mensch zu sein”).

Man muss dazu sagen, dass S. ein Fan von Burlesque-Shows ist und sie das unbedingt mal erleben wollte. Und dass es ihr auch gefallen hat. Dass ich nicht so begeistert war, ist also meine subjektive Meinung. Ich hatte den Eindruck, dass ich damit alleine war. Insofern: Fans des Genres kommen da ganz sicher auf ihre Kosten.

Hits: 101

RTZapper

Casper: Alles war schön und nichts tat weh

Dienstag, den 7. Juni 2022
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SA 04.06.2022 | 0.15 Uhr (So.) | 3sat

Als Casper am 24. Februar gegen 23 Uhr in einem Live-Konzert-Stream auf Youtube sein neues Album vorstellte, da hatten wir eigentlich ganz andere Sorgen. Es war der Tag, als die Ukraine von Russland überfallen worden ist. Den ganzen Tag wurden wir mit Nachrichten geflutet – Casper verzichtete dennoch nicht auf dieses Konzert und sorgte auf diese Weise am späten Abend doch noch für Zerstreuung. Wobei Zerstreuung das falsche Wort war: Es war ein bisschen der Kommentar zum Tag – und auch der Kommentar über unseren aktuellen Alltag mit seinen Höhen und Tiefen.

“Alles war schon und nichts tat weh” heißt das neue Casper-Album, und so hieß auch die Show, die Casper live auf Youtube streamte. Am späten Sonnabendabend zeigte 3sat eine leicht geschnittene Version dieses Konzertes.
Er und sein Team haben sich dafür unfassbar viel Mühe gegeben. Jeder Song hatte ein eigenes, mitunter aufwändig gestaltetes Set.
Mal stand Casper auf einer Art Blumeninsel. Oder er stand in einem Haus-Innenhof, im Hintergrund brannte ein Mülltonne. Für jedes Lied ein neues Bühnenbild.

In sich haben es aber auch die Songs selbst. Casper singt und rappt über bipolare Menschen, über Kriegsheimkehrer, die nicht mehr mit sich fertig werden und ein Blutbad anrichten – Casper sagte zu Beginn dieses Songs, er sei heute (am 24. Februar) so aktuell wie nie -, über die drohende Umweltkatastophe. Über das nahende Ende, “und wir fahren zur Hölle”.
Gerade an diesem Abend, nach diesem hochemotionalen Tag, sorgte dieses Konzert für viel Gänsehaut. Und auch mehr als drei Monate danach zeigt sich die Genialität von Casper. Teilweise atemberaubende, fesselnde Texte, tolle Sounds und Melodien – hochrelevante Songs.

-> Die Sendung in der 3sat-Mediathek (bis 3. Juni 2023)

Hits: 130

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Endlich wieder Party in der Beat-Fabrik

Montag, den 30. Mai 2022
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Nach 27 Monaten Pause eröffnet die Disco wieder – Feier zum 25. Jubiläum – lange Schlange schon eine Stunde vor Einlass

MAZ Oberhavel, 30.5.2022

Marwitz.
Die ersten Gäste kamen wohl schon gegen 19.30 Uhr. In den darauffolgenden zwei Stunden wurde es voll vor dem noch geschlossenen Tor der Beat-Fabrik in Marwitz. Die Schlange reichte bis in die Lindenstraße rein. Um 22 Uhr wurde dann draußen der Countdown gezählt: Drei, zwei eins …“ Es dauerte dann zwar noch eine gute Minute, aber dann öffneten sich tatsächlich die Tore zur Diskothek – und das zum ersten Mal seit 27 Monaten.

Ende Februar 2020 fand in Marwitz letztmals eine Disco statt – dann sorgte die Coronapandemie für eine Zwangspause. Während die Betreiber Susan Beastoch und Tom Wittenbecher anfangs noch davon ausgegangen waren, im Sommer 2020 wieder öffnen zu können – hat es dann doch noch zwei quälende Jahre gedauert.

Lucas Heidel aus Hennigsdorf war dann der erste, der die Beat-Fabrik am Sonnabendabend betrat. „Ich bin hier, um Leute wiederzutreffen. Sitzen, quatschen, feiern“, sagte er. Er wolle, dass das Regionale nicht verloren geht. Sonst sei er in der vergangenen Zeit in Berlin feiern gewesen. Schon vor der Pandemie war er öfter in Marwitz – auch Ende Februar 2020, erzählte der 21-Jährige. „Manchmal so lange, dass man mit dem ersten Bus nach Hennigsdorf zurückfährt, Manchmal fährt man aber auch um 2 oder 3 Uhr noch woanders hin.“
Auch Marie-Sophie Mattner aus Oranienburg gehört zu den ersten Leuten, die reingekommen sind. „Es ist cool, wieder hier zu sein“, so die 22-Jährige. „Auch weil es ja in der Nähe ist.“ Der 19-jährige Moritz Schröder aus Vehlefanz war dagegen zum ersten Mal in der Beat-Fabrik. „Man kennt viele Leute hier.“ Als in Marwitz nicht gefeiert werden konnte, war er in Berliner Clubs oder auf eigenen Feiern, wie er sagte. Ebenfalls auf der Party war Eric Liepe, der bei der TuS Sachsenhausen Fußball spielt und am Sonnabend auch ins Tor traf. „Jetzt sind wir hier, um zu feiern“, sagte er am Sonnabend.
„Es ist eine Rückkehr zur Normalität“, sagte der Hennigsdorfer Kai Tilgner. Er ist eines der „Urgesteine“ in der Marwitzer Beat-Fabrik. „Ich habe hier 1996 schon angefangen, da war da hier noch eine Schuldisco“, erinnerte er sich. Von Anfang an gehört er zur Beat-Fabrik, legte Musik auf, inzwischen ist er Techniker. In den vergangenen zwei Jahren „fehlte ja jedem das Zwischenmenschliche, das hat ganz schön gelitten“, so Kai Tilgner weiter. Bevor es um 22 Uhr los ging habe eine freudige Stimmung geherrscht.

Susan Beastoch rief ihr Team kurz vor der Wiedereröffnung noch mal im Hof zusammen. „Schön, dass ihr da seit“, sagte sie. Für einen Moment erlebten die Anwesenden die Chefin sprachlos. „Und dabei wollte ich euch doch nur die Sachen rund um Fanta und Tonic und Getränkemarken erzählen.“ Am Ende wünschte sie: „Viel Spaß, bis morgen früh!“
Zunächst füllte sich am Sonnabend der Hof, es dauerte etwas mehr als eine Stunde, bis dann auch auf der Tanzfläche so richtig die Post abging. Gegen 23.45 Uhr waren schon etwa 600 Menschen in die Beat-Fabrik gekommen, wie Tom Wittenbecher zu diesem Zeitpunkt an der Kasse nachrechnete. Der Abend sei das Ergebnis von einer zweimonatigen Vorbereitung. „Man glaubt ja nicht, was man alles machen muss“, sagte er. Dabei habe es keine größeren Schwierigkeiten gegeben, „aber es waren viele Kleinigkeiten zu tun. Hier und da war etwas kaputt.“ Was nach 27 Monaten normal ist. „Aber deshalb konnten wir auch noch nicht im vergangenen Monat anfangen, weil da auch die Rüstung noch stand.“

Es war übrigens nicht nur der Tag der Wiedereröffnung der Marwitzer Beat-Fabrik, sondern es war auch der Abend des großen Jubiläums. Die Diskothek ist seit 25 Jahren am Start. „Das hätte ich damals niemals gedacht“, sagte Tom Wittenbecher am späten Abend.
Dieses Jubiläum nahm Sebastian Morgner, der Leiter der MAZ-Redaktion in Oberhavel, um kurz vor Mitternacht zum Anlass, den beiden Beat-Fabrik-Machern zu danken. Am DJ-Pult bekamen Susan Beastoch und Tom Wittenbecher kleine Pokale als Dankeschön für 25 Jahre Beat-Fabrik, aber auch dafür, in der Pandemie durchgehalten zu haben. Die beiden stehen zwar ungern im Mittelpunkt, aber in diesem Moment waren sie durchaus gerührt.

Es war ein Abend, der die Rückkehr zur Normalität und die Tatsache, wieder Party machen zu können, feierte. Getrübt wurde die gute Stimmung am Rande jedoch durch einen Zwischenfall beim Türsteher

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