RTelenovela

Theaterlücke

Dienstag, den 23. April 2019
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Wer momentan über den Kurfürstendamm in Berlin fährt, wird nahe der Knesebeckstraße auf ein großes Loch treffen. Die Häuserzeile ist dort unterbrochen. In der Lücke liegt stattdessen ein großer Schutthaufen.

Wo jetzt die Lücke klafft, befanden sich noch im vergangenen Jahre bei beiden Kudamm-Bühnen. Es ist inzwischen fast ein Jahr her, dass wir dort die letzten Vorführungen in der Komödie und im Theater am Kurfürstendamm erlebten. Das Theater ist tot, die Komödie ist im Schillertheater untergebracht.
Da ist viel Wehmut dabei, wenn man nun vor dieser Lücke steht und den Schutt sieht, der da vor sich hinstaubt.

Aber immerhin wird dort etwas Neues gebaut, und immerhin wird dort auch die Komödie wieder ein Zuhause finden. Ein Jahr Jahre wird es aber wohl noch dauern…

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aRTikel

Überflieger: Vom Drescherfest bis zum großen Lichtspektakel

Samstag, den 20. April 2019
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Die aus Vehlefanz stammende Alice Paul-Lunow (38) plant in ihrer FirmaFine Emotion Events – alles beginnt am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium

MAZ Oberhavel, 20.4.2019

Vehlefanz.
Events sind ihr Ding. Schon in der Schule war das so, als sie am Hennigsdorfer Puschkin-Gymnasium den Frühlingsball organisierte. Inzwischen ist Alice Paul-Lunow Geschäftsführerin ihrer eigenen Firma. Das in Potsdam ansässige Unternehmen Fine Emotion gibt es seit acht Jahren. Erst kürzlich fand in der Landeshauptstadt das Tulpenfest statt. Im Herbst heißt es „Berlin leuchtet“ unter ihrer Projektleitung, außerdem findet das Lichtspektakel in Potsdam statt. Bedeutend ist auch die Veranstaltung „M 100“, zu der viele Medienschaffende nach Potsdam kommen.

Alice Paul-Lunow ist in Vehlefanz groß geworden, ihre Familie lebt dort noch immer. Dietmar Sturzbecher, dem der Alte Dorfkrug in Staffelde gehört, ist ihr Vater. „Ich wusste immer, dass ich mit Menschen arbeiten möchte“, erzählt die 38-Jährige. Am Puschkin-Gymnasium war sie Schulsprecherin. Schon mit 17 Jahren bekam sie die Gelegenheit, für eine Agentur Veranstaltungen zu organisieren. „Ich habe dann mit 18 ein Kleingewerbe angemeldet. Damals gab es ja noch nicht so viel in Hennigsdorf.“ Sie war dann an verschiedenen Aktionen im Einkaufszentrum „Ziel“ und in der Storchengalerie beteiligt. „Es gab mal ein Beachvolleyball-Event auf dem Havelplatz.“ Nach dem Abi im Jahr 2000 begann sie eine Lehre als Marketingkauffrau. „Damals gab es noch kein Studium zum Veranstaltungsmanager.“
Im Laufe der Jahre seien die Events immer größer geworden. „Man sammelt ja mit der Zeit immer mehr Kontakte.“ 2010 war sie für eine Festveranstaltung zum 125. Kudamm-Jubiläum in Berlin zuständig. „Mit 10 000 geladenen Gästen und einem großen Feuerwerk an der Gedächtniskirche.“

Wichtig für solche Veranstaltungen sei eine gute Vorplanung. „Dann gibt es den Spannungsmoment, wo dann die Sachen auch alle gelingen müssen. Immerhin ist es für den Kunden der eine große Tag, da ist es egal, ob was schief geht.“ Klar, es funktioniere nicht immer alles, aber im Idealfall bekomme das keiner mit. „Ich mag den Prozess, Dinge zu gestalten. Und das Tolle ist: man bekommt sofort ein Feedback.“ Insgesamt 22 Leute arbeiten in zwei verschiedenen GmbH, eine davon betreibt Gastronomie-Objekte wie den Kutschstall und das Freundschaftsinsel-Café in Potsdam. Am vergangenen Wochenende waren 18 000 Menschen beim Potsdamer Tulpenfest, trotz schlechten Wetters. Allerdings gibt es momentan rund um das Fest Unruhe, weil der frühere Ausrichter rechtlich dagegen vorgehen will und es selbst wieder in die Hand nehmen möchte.

Für Alice Paul-Lunow spielt aber auch Oberhavel weiter eine Rolle. „Ich freue mich, wie sich die Region weiterentwickelt“, sagt sie. Sie lobt das Schloss Schwante, das Forsthaus in Sommerswalde und das Kremmener Scheunenviertel. Am Sonnabend, 27. April, ist sie beim Krämerwaldfest in Wolfslake, sie wird das Festprogramm moderieren. „Es ist total schön, dort wieder zu sein.“ Auch gehört sie zum Organisationsteam des Staffelder Drescherfestes, das am Alten Dorfkrug stattfindet.

Die Art der Veranstaltungen habe sich in den vergangenen Jahren durchaus geändert. „Früher gab es bei solchen Gelegenheiten immer, Champagner und Kaviar, aber das ist heute natürlich schwer erklärbar. Der Trend setzt auf Nachhaltigkeit und Regionalität. Es geht darum, Wärme zu vermitteln, die Leute abzuholen, sie sehnen sich danach, berührt zu werden.“

Sie hat zwei Kinder. „Das muss man gut organisieren, aber das haben wir sehr gut hinbekommen.“ Nachmittags nimmt sie sich Zeit für die Kinder, aber dafür wird abends noch mal gearbeitet. Momentan steckt sie schon in den Vorbereitungen für die Berliner und Potsdamer Lichterfeste. „Ansonsten lese ich sehr gerne“, sagt sie. Privat telefoniert sie ungern. „Ich versuche dann eher, Zeit mit lieben Menschen zu verbringen, da brauche ich auch keine laute Musik.“

Hits: 88

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: The Band – Das Musical

Mittwoch, den 17. April 2019
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DI 16.04.2019 | Berlin, Theater des Westens

Ja, ist es denn schon so weit? Sind wir wirklich schon so alt geworden, dass die Musik aus den 90ern schon Oldies sind? Und dass wir uns in einem Musical an damals bekannte Bands erinnern und denken: Wat war das schön damals?
Die Antwort ist simpel: ja! Wir sind schon so alt.
Im Berliner Theater des Westens läuft noch bis September das Musical “The Band”. Die Geschichte ist aufgebaut auf die Musik der Popgruppe Take That, die aber interessanterweise im gesamten Musical namentlich nicht benannt wird.

Die Geschichte ist simpel. Fünf Mädchen sind 1993 große Fans der Band, und sogar bei einem Konzert von The Band sind sie. Sie schwören sich ewige Treue, aber der Tod eines der Mädchen reißt die Gruppe auseinander.
25 Jahre später treffen sie sich aber alle in Prag wieder – sie wollen zur Reunion von The Band.

Klar, es geht um große Gefühle, um Liebe, Freundschaft, den Tod, die Zukunft – und natürlich um Musik. Die Songs von Take That bilden die Klammer dieses Musicals.
Fünf junge Tänzer, Sänger und Schauspieler – unter ihnen DSDS-Gewinner Prince Damian – stellen The Band dar. Sie tanzen wie einst Take That, kopieren sie aber weder im Aussehen noch im Gesang. Das nimmt den Machern den Druck, dass sie eine perfekte Take-That-Show bieten. Das ist nicht gewollt.
Aber dennoch funktionieren die Songs, sie machen Spaß und, ja, sie gehen an den entsprechenden Storystellen auch ans Herz.

Und eines muss man den Musicalleuten auch lassen: “The Band” ist cleveres Marketing für Zuschauerschichten, die vielleicht nicht so ins Musicals gehen. Denn Take That waren Anfang der 90er angesagt, die echte Zielgruppe des Musicals dürften also die um die 40-Jährigen sein. Und die Jugend von heute kennt die Band ja auch noch. Das ist auch der Grund, warum im Theater des Westens ungewöhnlich junges Publikum anzutreffen ist.
Und für die Rückfahrt sollte man sich schon mal die Take-That-Playlist zusammenstellen.

Hits: 142

RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Kastelruther Spatzen

Montag, den 15. April 2019
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SA 13.04.2019 | Velten, Ofenstadthalle

Die Volksmusik hat im deutschen Fernsehen kaum noch eine Lobby. Sie findet kaum noch statt. Das kann man gut finden oder, nun ja, ein bisschen weniger gut.
Wer in den 90ern den Fernseher eingeschaltet hat, wird in diversen Volksmusiksendungen immer wieder auch auf die Kastelruther Spatzen getroffen sein. Ihre Heile-Welt-Songs kommt vor allem beim älteren Publikum gut an.

Am Sonnabend kamen die Spatzen in die Veltener Ofenstadthalle. Schon eine Stunde vor Konzertbeginn gab es eine lange Schlange vor dem Einlass.
Fragt man die Senioren, warum sie gekommen sind, sagen sagen sie: wegen der schönen Texte. Die Musik sei gut. Und so manche Besucherin kann sogar davon berichten, dass sie bereits in Kastelruth war, um den Norbert dort mal zu besuchen.

Googelt man nach Norbert Rier, dem Frontmann der Kastelruther Spatzen, springen einem dramatische Schlagzeilen in die Augen: „Schon viermal wäre er fast gestorben!“, heißt es da in einem Artikel vom vergangenen Jahr. Da ist von mehreren Unfällen und einer schweren Herz-OP die Rede. Aber der 59-Jährige hat sich davon erholt. Am Sonnabendnachmittag kamen 800 Menschen zur Show. Ausverkauft. Mehr wäre nicht gegangen.

Bevor die Spatzen kamen, trat noch Michael Heck im Vorprogramm auf. Mit einer Gitarre im Schlepptau brummte er seine Songs und erinnerte damit an Ronny, der vermutlich auch mit einer brummig-schmusigen Stimme schmusige Lieder sang. Muss man mögen. Praktisch war, dass Heck seine Band auf CD dabei hatte, da fiel es auch gar nicht auf, wenn er mitten im Song mal aufhörte, Gitarre zu spielen. Ob er überhaupt Gitarre spielen kann, wäre mal eine Nachfrage wert.

In der Zwischenzeit konnten sich Fans zum Meet and greet einfinden. Und so ändern sich die Zeiten: Ich kann mich erinnern, dass es früher bei Konzerten mit den Stars oft so ein „Meet and greet“ gab. Fans trafen ihre Stars – meist wurde sowas verlost. Heute müssen die Fans dafür extra zahlen, wenn sie ihre Lieblinge treffen möchten – einen guten Zwanziger kostet sie das zusätzlich. Was sie dafür bekommen? Bei den Kastelruther Spatzen in der Veltener Ofenstadthalle war das am Sonnabendnachmittag so: Die drei Gewin …, äh, Käufer des „Meet and greet“ (heißt so viel wie „Treffen und grüßen“) wurden in einen Versammlungsraum gebeten, in dem es stark nach Essen roch. Kurz zuvor hatten die Volksmusiker dort wohl noch gespachtelt. Die Fans waren aufgeregt – ein bisschen. Dann kamen Norbert Rier und seine Kastelruther Spatzenkollegen. Händeschütteln, Smalltalk, anstoßen mit Sekt, Gruppenfoto – und weg. Ziemlich routiniert abgespult. Manchmal drehte sich Norbert mitten im Gespräch weg. Fand er scheinbar nicht besonders interessant, das Ganze. Ein Pflichtprogramm, für das sich die Musiker gut bezahlen lassen. Kann man dafür mehr erwarten? Bestimmt.

Es dauerte nur wenige Minuten, die leicht enttäuschten Backstagefans waren noch gar nicht zurück in der Halle, da standen die Spatzen auch schon auf der Bühne. Gut zwei Dutzend Songs wurden gespielt. „Genieße den Augenblick und sei dankbar für alles, was du erleben kannst“, sagte Norbert Rier zum Publikum. Routiniert spielten die Musiker ihre Stücke. Worum es geht, erzählte der Sänger auch: „Um Probleme, mit denen sich die Leute beschäftigen.“ Ein Lied sei zwar nur drei Minuten lang, aber könne Anstöße geben.
Beim Lied “Das bist das Gold in meinen Herzen” sah man im Hintergrund den Norbert mit seinen Pferden. Ach, wie schön.

Fans finden das Konzert mit den Kastelruther Spatzen vermutlich völlig in Ordnung, vielleicht sogar gut. Aber eigentlich spulen die Musiker ihr Konzert eher uninspiriert runter. Wie viel Musik tatsächlich live kommt und wie viel aus der Konserve, ist ebenfalls fraglich.
Fans der Volksmusik zahlen relativ viel Geld für so ein Konzert. So richtig viel Liebe und Herzblut bekommen sie dafür nicht wirklich zurück.

Hits: 138

RTZapper

Schlager-Spaß mit Andy Borg

Mittwoch, den 3. April 2019
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SA 30.03.2019 | 20.15 Uhr | SWR-Fernsehen

Der Musikantenstadl: tot. Die Feste der Volksmusik: modernisiert, die Volksmusik: tot.
Aber die heile Welt ist noch nicht ganz ausgestorben. Beim SWR lebt sie weiter – sogar am Sonnabend zur Primetime. Auch wenn der “Schlager-Spaß mit Andy Borg” wie eine längst verschollene Wiederholung aus den frühen 90ern wirkt.

Andy Borg begrüßt die Zuschauer aus einem Weinlokal. Wein ist immer gut, denn vermutlich braucht man einen gewissen Pegel, um diese Show in voller Länge zu ertragen.
Vorsichtshalber hat man bei der Vorspannmusik das rhythmische Klatschen des Publikums gleich mitvorproduziert. Wäre vermutlich auch zu aufwendig, wenn die Leute im Saal angeheizt werden müssen – es scheint sowieso schon sehr warm dort zu sein.
Der Andy stimmt uns mit einem feschen Lidl auf die kommenden zwei Stunden ein. “Wo gibt’s dies und das und viel Schlager-Spaß?”, fragt er in seinem Lied, und eigentlich möchte man lieber wissen, was dies ist und ob das spannender ist.

Stattdessen gibt es Schlager. Volkstümlichen. Die Nockis playbacken etwas über den schwarzen Sand von Santa Cruz, und das Publikum wirkt schon in Minute 4 seltsam abwesend. Als Bata Illic zu Gast ist, wirkt er ein bisschen heiser, und sein Alter merkt man ihm inzwischen deutlich an. Aber gut, dass auch er zum Jahrzehnte alten Playback die Lippen bewegen darf – schon wirkt er 40 Jahre jünger. Oder 50.
Dazwischen macht der Nady ein paar herzerfrischende Gags, eine Blaskapelle macht “Peng”, äh heißt “Peng”, die Amigos werden ebenfalls auf die Zuschauer losgelassen, deren Fernbedienung bedauerlicherweise kaputtgegangen ist.

Was Anita und Alexandra Hoffmann gesungen haben, weiß ich leider nicht mehr – es muss ein Koma gewesen sein, auch Helmut Lotti konnte mich davon nicht erlösen.

Es ist völlig in Ordnung, dass der SWR, das öffentlich-rechtliche Fernsehen, auch den volkstümlichen Schlager anbietet. Aber der “Schlager-Spaß” durfte vermutlich auch für viele 70-Jährige abschreckend wirken, weil sie sich für diese Show viel zu jung fühlen.

Hits: 141

RTelenovela

Countdown: Lesung in Bärenklau

Mittwoch, den 3. April 2019
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Heute mal wieder Werbung in eigener Sache. Am Freitag, 5. April 2019, lese ich aus meinem gerade erschienen neuen “RT Zapper”-Buch mit den besten Kolumnen von 2016 bis 2018.
Ich bin zu Gast bei der 11. Lesung im “Museum im Depot” auf dem Remontehof in Bärenklau. Es lesen verschiedene Autoren aus der Region, und ich werde einer von ihnen sein. Um 19 Uhr geht es los, der Eintritt kostet nichts.

Hits: 135

RTelenovela

Überraschungsevent (28): Die singende Orgel

Montag, den 1. April 2019
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(27) -> 18.2.2019

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte ich das Event planen, im April ist sie dran.

Obwohl ich das Event geplant habe, wusste ich selbst nicht, was da eigentlich auf uns zu kommt. Ich wusste nicht mal, wo sich der Ort befindet, wo wir hinfahren. Ich brauchte das Navi, um hinzufinden.
Das Ziel war die katholische Kirche St. Karl Borromäus in der Delbrückstraße in Grunewald. Dort fand ein Konzert mit dem Titel “Die singende Orgel” statt.
Seit 1928 befindet sich an der Stelle eine Kirche, die im Innenraum durch ein schönes, hohes und buntes Fenster besticht.

Zum Konzert selbst kamen nur etwa 30 Leute. Das ist schade, die Kirche hätte für sehr viel mehr Leute Platz gefunden, und kostenlos war es auch noch. Aber diese Art der Kultur hat es im großen Berlin vermutlich schwer.
Gespielt wurde Musik vom französischen Komponisten Jehan Alain. Gespielt der Orgel, mit Querflöte sowie Alt- und Sopran-Gesang.
Im Kirchenraum, in dem es schallte, wirkte die Musik wunderbar. Die Frauen sangen toll, sie sorgten für Gänsehaut. Leider ist das etwas, was ich an dieser Stelle schlecht beschreiben kann.

Bei den meisten Stücken standen die Frauen oben auf einer Art Balkon, dahinter war die Orgel. Den Spieler sah man leider nicht. Das ist immer ein wenig schade, wenn man die Musiker nicht sieht. Ich mag es, Musikern bei der “Arbeit” zuzusehen.

Es war wieder ein ganz besonderes Überraschungsevent, das für beide Seiten überraschend war und etwas bot, was wir in den drei Jahren so noch nie gemacht haben.

Hits: 134