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Bill Kaulitz: Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre

Mittwoch, den 7. April 2021
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Das Buch fällt auf, ist aber optisch alles andere als ein Hingucker. ZU sehen sind in Schwarz-weiß nur Augen, Nase und Mund von Bill Kaulitz, dazu seine Piercings. Zwischen den Augen ist Blut, vielleicht ein Einschussloch. Etwas Blut läuft auf die Nase runter. Über der Stirn prangt der krakelige, an einen Horrorfilm erinnernde Schriftzug mit dem Titel des Buches.
Und aus der Ferne sieht das Buch aus wie damals eine DVD aus der Videothek. An den Seiten sind die Buchseiten schwarz eingefärbt, dazu das billig und trashig wirkende Cover.
Der Inhalt des Buches ist das allerdings nicht.

Bill Kaulitz steht seit bald 20 Jahren in der Öffentlichkeit. 2003 nahm er an der Sat.1-Castingshow “Star Search”, und zu dieser Zeit war er im Magdeburger Raum schon mit seiner Band unterwegs.
2005 kam “Durch den Monsun”. Und die Band Tokio Hotel wurde der große Überflieger.
In seinem Buch “Career Suicide” erzählt Bill Kaulitz über seine ersten 30 Jahre. Über seine Kindheit, die Schulzeit, darüber wie er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Tom seine Bandkollegen Georg und Gustav kennenlernte und wie es zum ersten großen Hit kam.

Obwohl Bill Kaulitz erst 32 Jahre alt ist, hat er viel zu erzählen. Dabei wird schnell klar, dass sein Leben nie ein Zuckerschlecken war – auch und gerade nicht in der besten Zeit von Tokio Hotel.
Bill war schon immer jemand, der sich auffällig gestylt hat, für den das völlig normal war. Damit fiel er auf, schon in der Schule. Er schreibt von bösen Hänseleien und Attacken – aber auch, wie er das alles überstanden hat, wie sehr da auch sein Bruder eine große Hilfe war. Bill und Tom haben sich immer perfekt ergänzt.
Die Musik aber war die großen Leidenschaft – und ist es noch immer. Aber wer denkt, dass es nur toll ist, ein Star zu sein, der täuscht sich. Denn der Hype, der über Tokio Hotel hereinbrach, lässt einem schon beim Lesen den Atem stocken.

Recht schonungslos lässt Bill Kaulitz in “Career Suicide” sein bisheriges Leben Revue passieren. Er geht dabei auch mit sich selbst nicht zimperlich um. Das Buch wirkt, als ob er dem Leser alles persönlich erzählt. Manchmal spricht er den Leser auch persönlich an. Wer das Buch liest und Kaulitz kennt, kann sich sicher ganz gut vorstellen, wie er das einem gerade alles erzählen würde. Einige der Episoden sich bestürzend, andere lassen einen den Kopf schütteln. Aber am Ende steht auch der große Respekt vor einem jungen Mann, der extrem für seinen Traum gekämpft hat und fast an ihm zerbrochen wäre.

Bill Kaulitz: Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre
Ullstein, 381 Seiten
8/10

Hits: 124

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Osterkonzert der Berliner Philharmoniker

Dienstag, den 6. April 2021
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SO 04.04.2021 | 17.00 Uhr | arte

Menschen im Konzertsaal. Applaus. Eine Wiederholung?
Nein, keine Wiederholung. Dafür aber ein extrem rührender Augenblick. Denn etwas eigentlich völlig Normales war bei diesem Konzert etwas ganz Besonderes.

Wegen der Pandemie konnte das Osterkonzert der Berliner Philharmoniker nicht bei den Osterfestspielen in Baden-Baden stattfinden. Stattdessen traten die Musiker im eigenen Konzertraum auf, in der Philharmonie in Berlin – mit Publikum.
Denn das Konzert, das arte am späten Ostersonntagnachmittag ausstrahlte, war Teil eines Pilotprojektes, in dem es darum ging, wie solche Konzerte mit Publikum trotz Pandemie stattfinden können. Weniger Menschen als sonst, alle mussten Maske tragen, es gab wohl keine Pause.

Deshalb kochten die Emotionen hoch. Das war allen Beteiligten anzumerken – und wenn die Kommentatorin nicht in den ersten Applaus reingelabert hätte, hätte man das auch als Zuschauer genießen können.
Unter der Leitung von Kirill Petrenko spielten die Philharmoniker Werke von Tschaikowski und Rachmaninow. Aber den Leuten im Saal schien es völlig egal, was sie spielen – Hauptsache, sie spielen, und Hauptsache, sie sind dabei. Ein Gänsehautmoment.

-> Die Sendung bei arte.tv (bis 3. Mai 2021)

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RTZapper

Johann Sebastian Bach: Johannespassion BWV 245

Montag, den 5. April 2021
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FR 02.04.2021 | 0.00 Uhr (Sa.) | mdr-Fernsehen

Die oft am Karfreitag im Fernsehen ausgestrahlte Johannespassion von Johann Sebastian Bach gehört zu den klassischen Werken, das ich in vergangene Zeit mit am meisten gehört (und gesehen) habe. Es ist ein in weiten Teilen beeindruckendes Stück Musikkunst.
Aber erstaunlich ist auch, wie unterschiedlich die vielen Ensembles das Stück rüberbringen und welche unterschiedlichen Wirkungen es haben kann.

Viele Jahre zeigte der mdr am Freitag den Auftritt des Leipziger Thomanerchores. Der riesige Knabenchor sang, das Leipziger Gewandhausorchester spielte. Das Konzert fand auch 2021 statt, wurde aber nur im Internet übertragen. Der mdr zeigte stattdessen – warum auch immer – eine Konzertaufzeichnung mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks.
Zwischen den beiden Chören liegen Welten. Das liegt nicht nur an den interessanteren Stimmen der Thomaner, bei ihnen kann man den Texten, die sie singen, auch ein wenig besser folgen als beim BR-Chor. Es kommt auch immer auf das Erscheinungsbild an. Einer der Solosänger am Freitag im mdr stand in einem ziemlich labbrigen Pullover rum, und man fragt sich, ob der vielleicht erst fünf Minuten vor dem Konzert davon erfahren hat, dass er keinen Urlaub hat.
Einheitliche Uniformen sind zwar immer Geschmackssache, aber bei den Thomanern machen die Klamotten natürlich im Ganzen was her.
Vielleicht greift der mdr ja im kommenden Jahr wieder auf die Künstler im eigenen Sendegebiet zurück.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 2. Mai 2021)

Hits: 139

aRTikel

Die „Lindenstraße“ geht weiter

Samstag, den 27. März 2021
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Der Berliner Jörg Frisch (39) setzt seit einem Jahr in seinem Blog die alten Geschichten fort

MAZ, 27.3.2021

Berlin.
Die „Lindenstraße“ geht weiter. Zwar lief am 29. März 2020, also vor ziemlich genau einem Jahr, im Ersten die letzte Folge. Aber eigentlich war sie nie zu Ende. Zumindest wenn man Jörg Frisch und seinen Blog „Lindenstraße 2.0“ auf www.frischikowski.com im Internet kennt.
Denn der 39-Jährige aus Berlin schreibt seit einem Jahr die ehemalige ARD-Serie Woche für Woche weiter. Am Sonntag veröffentlicht er Folge 1810, es ist die 52., die Jörg Frisch geschrieben hat. Dann werden die Fans wissen wollen, ob Gaby und Andy Zenker wirklich die Senioren-WG von Helga Beimer und damit die Lindenstraße verlassen wollen.

„Ich habe die Lindenstraße seit frühester Kindheit geschaut“, erzählt Jörg Frisch. Anfangs schaute er mit seiner Oma. Nachdem sie 1990 gestorben war, blieb er dran. „Ich habe weitergeguckt.“ Er mochte das Alltägliche. „Durchs Schlüsselloch schauen.“
Aber auch die Aufreger. Wie der, als Klaus Beimer in die Naziszene abrutschte oder als eine ganze Folge im sächsischen Borna spielte. „Else Kling habe ich geliebt.“ Beeindruckend sei gewesen, dass es schon 1986 in der Serie ein Coming Out gegeben habe. „Das war einprägsamer als später der erste Männerkuss.“
Doch die Zuschauerzahlen sanken. Im Herbst 2018 verkündete die ARD das Aus der Serie Ende März 2020. „Ich konnte es nicht glauben und erst mal gar nicht einordnen“, sagt Jörg Frisch. Er saß gerade auf dem Flughafen, als die Eilmeldung gekommen war. „Ich habe geglaubt: Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, und ich hätte nicht gedacht, dass die das wirklich durchziehen.“
Er hält die Absetzung der Serie, die fast 35 Jahre lang sonntags lief, nach wie vor für einen Fehler. „Die Serie hatte ein Alleinstellungsmerkmal, sie zeigte den Alltag in Deutschland, und das über eine so lange Laufzeit.“ Eine andere Form des Bildungsfernsehens.

Am 29. März 2020 hatte er sich mit Freunden getroffen. „Wir haben uns Highlight-Folgen angesehen, die Abschiedsdoku und dann die letzte Folge. Ich war schon enttäuscht und traurig.“ Allerdings: Zu dem Zeitpunkt wusste er schon, „dass ich weitermache“. Schon im Dezember 2019 war in ihm die Idee gereift. „Ich habe überlegt: Wie fängst du an?“ Bis kurz vor der letzten Folge habe er abgewartet, wie sich die Geschichten in der Serie entwickeln. „Ich wollte ja keinen Quatsch schreiben.“
Er legte sich Dateien an. In einer stehen die Feiertage und die Geburts- und Hochzeitstage der Lindenstraßen-Bewohner. In einer weiteren, wann eine Figur das letzte Mal vorgekommen ist. In einer dritten Datei entwickelt er den aktuellen Handlungsbogen, „wo ich schreibe, was wann passiert.“ Eine Woche nach der letzten Fernsehausstrahlung erschien Jörg Frischs erstes Kapitel, die eigentliche Folge 1759, im Internet. Jetzt gerade plant er bereits, was im Oktober 2021 passieren wird.
In der Regel schreibt er drei bis vier Wochen im Voraus. Wie in der wahren Serie gibt es jede Woche drei Handlungsstränge. Eine Folge besteht meist aus acht eng beschriebenen Seiten. „Kurz vor der Veröffentlichung schicke ich den Text an Freunde, zur Korrektur.“ Und natürlich gibt es – wie einst in der Serie – Aktualisierungen, wenn es nötig ist. Durch das Coronavirus ist das nötig – denn das wirbelt auch seine Geschichte ordentlich durcheinander.
Zum 35. Jubiläum im Dezember 2020 sollten Iffi Zenker und Roland Landmann im „Akropolis“ heiraten, und dafür sollten auch lange nicht gesehene Familienmitglieder zurückkehren – Corona machte das unmöglich. „Ich war so stolz auf die Folge“, sagt Jörg Frisch. Er musste sie umschreiben und eine Onlinehochzeit draus machen. Mit Jamal, einem Krankenpfleger, der einst als Flüchtling in die Lindenstraße kam, gab es im Sommer 2020 auch einen Corona-Toten.

Tatsächlich werden sich Fans der Serie in Jörg Frischs Texten sehr zu Hause fühlen. Wer die Geschichten der Serie in seinem Blog verfolgt, hat tatsächlich das Gefühl, dass die Handlung normal weitergeht. Die Texte lesen sich recht professionell, die Dialoge werden die Serienkenner beim Lesen in den Ohren haben.
Das bloße Schreiben einer Folge dauere um die zwei Stunden. „Ich habe da gewisse Momente. Andererseits schreibe ich mal drei Wochen gar nichts oder an einem Tag drei Folgen. Um die 400 Leser haben die Lindenstraße-Folgen auf seinem Blog. „Das ist okay, mehr wären natürlich immer nett“, so der Berliner, der eigentlich als Flugbegleiter arbeitet.

Vom WDR und den Produzenten der „Lindenstraße“, Hannah und Hans W. Geißendörfer, hat er bislang kein Feedback bekommen. „Ich habe sie mehrfach angeschrieben, auch einige Darsteller.“ Das einzige, was klar war, ist, dass er mit seinem Blog und der „Lindenstraße 2.0“ kein Geld verdienen darf. „Das will ich auch gar nicht“, so Jörg Frisch.

Als die „Lindenstraße“ 1985 gestartet war, wusste keiner, wie lange sie gehen würde. Das ist jetzt bei Jörg Frisch auch so. „Mal sehen“, sagt er. „Ich habe schon ein paarmal gedacht, ich höre auf.“ Aber er will weiter Woche für Woche seine Fans bedienen. „Mit Carsten Flöter habe ich noch ein paar Ideen.“ Auch rund um Lisa und Murat werde es turbulent. Ein Jahr nach dem Fernseh-Aus ist die „Lindenstraße“ also noch lange nicht tot – sie lebt aber eben nur noch in Schriftform.

Der Blog „Lindenstraße 2.0“ auf www.frischikowski.com.

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RTZapper

Melodifestivalen 2021: Final

Montag, den 15. März 2021
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SA 13.03.2021 | 20.00 Uhr | svt1

Um zu begreifen, wie armselig der NDR in Deutschland den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gestaltet – nämlich seit 2020 nicht mehr öffentlich, sollte man einen Blick nach Schweden werfen. Dort steht seit Sonnabend fest, wer 2021 am Wettbewerb in Rotterdam teilnehmen wird: Tusse mit “Voices”. Wie es dazu gekommen ist, ist ein erstaunlich langer und aufwendiger Prozess – an dem natürlich die Zuschauer voll eingebunden sind. Dabei handelt es sich um das Melodifestivalen, das nicht nur an einem Abend ausgetragen wird, sondern an sechs!

Am Sonnabendabend zeigte der schwedische Sender svt1 das große Finale, aber auch im Radio wurde es live übertragen, natürlich auch im Internet. Alle Leute in Schweden können Songs einreichen, eine Jury entscheidet, wer dabei sein darf. Natürlich sind auch in Schweden bekannte Namen dabei.
Es folgen vier Show, in denen je sieben Songs vorgestellt werden, die ersten beiden kommen weiter. Es folgt eine weitere Show für die Ausgeschiedenen, die eine zweite Chance bekommen. Am Ende steht das Finale.
Das Medodifestivalen gehört zu den quotenstärksten Unterhaltungsshows in Schweden.

Spannend daran ist einiges. Alles ist transparent – im Gegensatz zu Deutschland. Weil die Shows von vielen Leuten gesehen werden, werden viele der Songs zu Hits. Weil es Runde um Runde weitergeht, man die Songs also mehrfach hört und mit den Favoriten mitfiebern kann, entsteht Identifikation.
Es machen auch Stars mit, auch ehemalige ESC-Teilnehmer sind beim Melodifestivalen wieder mit dabei. In Schweden hat niemand Angst davor, “verbrannt” zu sein, nur weil man den Vorentscheid nicht gewonnen hat. Wer in Schweden am Melodifestivalen teilnimmt, ist kein Loser, wer es dann nicht zum eigentlichen ESC schafft. Im Gegensatz zu Deutschland, wo angeblich viele der Vorentscheid-Teilnehmer angeblich nicht wollen, dass man erfährt, dass sie überhaupt teilgenommen haben. Was wirklich traurig ist.

Dass Tusse gewonnen hat, ist in Schweden also das Ergebnis einer wochenlangen Suche, eine langen Showreihe. Für die Schweden geht es nun weiter ins Halbfinale des Eurovision Song Contests. Was für die Schweden bedeutet: dran bleiben, mitfiebern! Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Interesse am ESC-Halbfinale extrem gering ist, weil Deutschland dort nicht mitmachen muss. Für die meisten Deutschen ist der ESC ausschließlich das Finale, und wenn Deutschland da nicht gut abschneidet – mit einem Song, der mangels Präsenz und Wettbewerb kaum bekannt ist -, ist die Stimmung am Boden.
In Schweden dagegen ist die ESC-Begeisterung auf einem ganz anderen Level – und das Melodifestivalen zeigt, warum. Diese Shows gibt es dort übrigens seit 1958, und sie sind in den Jahrzehnten größer und wichtiger geworden.

Dass der Jahrgang des Finales 2021 am Sonnabend auch sehr mittelmäßig war, spricht nicht gegen das Festival. Auch so etwas kann passieren. Aber andererseits hat Schweden allein in den 10er-Jahren viele tolle Songs im ESC-Wettbewerb gehabt – und nicht umsonst zweimal gewonnen.
Deutschland sollte sich dringend etwas von Schweden abgucken. Eigentlich hat das 2010-12 nur Stefan Raab verstanden, der damals etwas Ähnliches machte.

-> Die Show auf stv Play

Hits: 183

KeineWochenShow

#217 – Knalleffekt!

Sonntag, den 28. Februar 2021
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RT Zapper feiert genau heute 25. Jubiläum – und deshalb ist das natürlich auch Thema in KeineWochenShow. In einem speziellen Interview fragt MetalMewes, was in den 25 Jahren so passiert ist. Und natürlich gibt es auch ein paar Hintergründe zum neuen Youtube-Kanal und zur neuen Sendung “Funk & Zapper”.

Außerdem lauschen wir den Mars-Geräuschen und sehen die Mars-Bilder. Die Corona-Müdigkeit macht sich breit, weil es sowohl bei den Zahlen auf und ab geht und weil es immer wieder Ankündigungen gibt, die später zurückgenommen werden müssen. Das nervt!
Wir sprechen außerdem über unsere ESC-Song für 2021 in Rotterdam – die Meinungen über Jendrik und “I don’t feel Hate” gehen auseinander! Das und mehr in KeineWochenShow #217 auf Youtube!

Hits: 157

RTZapper

Schlagerchampions – Das große Fest der Besten

Sonntag, den 28. Februar 2021
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SA 27.02.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste

Woran erkennt man, dass es der ARD an einer zeitgemäßen jungen Musikshow fehlt? Daran, dass Jendrik bei den “Schlagerchampions” auftreten muss und dort wie ein ungewollter Fremdkörper wirkt.
Jendrik ist Deutschlands Kandidat für den Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam. Er tritt dort mit seinem Song “I don’t feel Hate” auf. Ich finde ihn wunderbar! Es ist eine lockere Show, der Song ist eingängig und flott – und hat auch eine weltweite Botschaft. Und das vorgetragen von einem echten Sympathieträger.

Am Sonnabend sollte er erstmals seinen Song auf einer Bühne präsentieren. Dazu trat er im Ersten bei Florian Silbereisen und seinen “Schlagerchampions” auf. Beim “Fest der Besten” sollte unser Song für Rotterdam präsentiert werden. Es war das erste Lied an diesem Abend auf Englisch, schon das wirkte seltsam. Außerdem muss sich die ansonsten eher träge Regie es sich zum Ziel gemacht haben, bei dem Auftritt so richtig die Finger über das Regiepult fliegen zu lassen. Schnitte mitunter im Viertelsekunden-Takt ließen einen ganz schwummerig werden. Die Regie wollte das Kunststück schaffen, den flippigen Jendrik, den tanzenden Silbereisen und das jubelnde Publikum einzufangen – und ist daran gescheitert, weil die Schnitte am Ende so schnell waren, dass man schließlich gar nicht mehr mitbekommen hat.

Bock, länger mit Jendrik zu sprechen, hatte auch keiner, stattdessen sagte Florian Silbereisen danach flott den nächsten Act an. Da kann der Song noch so gut sein – in dieser Show wirkte er nicht, war er quasi fehl am Platz.
Aber wo sollte die ARD Jendrik sonst auftreten lassen? In den großen Quizshows gibt es keine Musikacts mehr. Musikshows abseits der Schlager gibt es nicht. Für Pop und entsprechende junge Künstler ist kein Platz in Programm – übrigens auch nicht im ZDF. Da gibt es ganz großen Nachholbedarf.

Und auch sonst kam bei den “Schlagerchampions” diesmal keine Stimmung rüber. Alles wirkte ein bisschen angestrengt. Den großen Silbereisen-Shows fehlen die große Halle, das große Publikum. Stattdessen fand die Show im Studio statt, offenbar war die Crew das Publikum. Das hatte anfangs Plastikluftschlangen in den Händen – nur leider klang das während der Auftritte so, als würde im Hintergrund schon die Bundeswehr einmarschieren. Ziemlich schnell hat man die Dinger weggelassen.
Marianne Rosenberg feierte ein Comeback (war sie jemals weg?) und sang zum x-ten Mal “Er gehört zu mir”. Maite Kelly und Roland Kaiser sangen zum x-ten “Warum hast du nicht Ja gesagt”, und dann kamen auch noch die No Angels zurück (keine Ahnung, wer darauf gewartet hat) und sangen den Hit von vor 20 Jahren, “Daylight”. Was Neues hatten sie nicht. Wäre ja auch zu viel Abwechslung gewesen.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 29. März 2021)

Hits: 166