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Ein fräsender Roboter

Mittwoch, den 15. Januar 2020
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An der Sommerfelder Klinik für operative Orthopädie kommt neuerdings während einiger Knie-OPs spezielle Technik zum Einsatz

MAZ Oranienburg, 15.1.2020

Sommerfeld.
Ungefähr 50-mal war er in Sommerfeld schon im Einsatz. An der Sana-Klinik für operative Orthopädie unterstützt seit einem halben Jahr ein Roboter die Ärzte bei den Knie-Operationen. „Wir robotern seit einiger Zeit“, sagt der ärztliche Direktor Andreas Halder und lächelt.
Wobei „robotern“ in diesem Fall nicht heißt, dass die Ärzte am OP-Tisch nur noch danebenstehen. Aber das Gerät namens „Navio“ weiß millimetergenau, wie das Gelenk des Patienten aussieht und wo die Fräse angesetzt werden muss. Dazu werden an den Knochen sogenannte Tracker befestigt. Über diese verschafft sich der Roboter einen Überblick über das zu operierende Areal. Er arbeitet nicht selbstständig. Der operierende Arzt hält das Gerät mit dem Fräskopf in der Hand und muss es auch führen. Der Unterschied: Der Apparat weiß, welche Stellen zu fräsen sind, wie tief und wie genau zu fräsen ist. Er weiß, wann er sich ein- und wann auszuschalten hat. „Das Gerät macht auch Vorschläge“, sagt Andreas Halder. Im Sinne von: Soll ich dieses oder jenes ausführen? Der Arzt kann den Vorschlag annehmen, aber eben auch ablehnen. „Der Roboter würde nicht autonom handeln“, stellt der ärztliche Direktor klar. „Ein erfahrener Operateur ist weiterhin notwendig.“ Und er ergänzt: „Ein Roboter macht nicht aus einem schlechten Chirurgen einen guten Chirurgen.“

Ob der Roboter bei der Operation überhaupt eingesetzt wird oder nicht, werde auch immer vorher mit dem Patienten besprochen. „Es gibt welche, die fragen ganz gezielt danach,und es gibt auch Patienten, die das ablehnen“, erzählt Andreas Halder, der seit 2001 in Sommerfeld an der Klinik arbeitet. Der Vorteil des Roboters bei der OP sei eine sehr hohe Präzision beim Fräsen während des Eingriffs am Knie. Aber die Methode habe auch Nachteile: Weil die Tracker im Knochen befestigt werden müssen, gebe es zwei Knochenlöcher mehr. „Und die OP dauert etwas länger“, so der leitende Oberarzt Daniel Schrednitzki. Wobei es da nur um einen Unterschied von gut 20 Minuten gehe.

Pro Woche werden an der Klinik für operative Orthopädie um die 100 Operationen durchgeführt – der Roboter kommt momentan noch bei den wenigsten zum Einsatz. „Vielleicht einmal am Tag“, so Daniel Schrednitzki. „Wir möchten Erfahrungen sammeln“, sagt der 40-Jährige. Die Ergebnisse der ersten Zeit seien recht gut. „Aber wir müssen das auf Dauer abwarten, wir wollen sehen: Geht es dem Patienten danach besser?“ Wenn es so gelänge, dass der Patient nach der OP schneller zurück ist im Beruf und Sport, dann sei das ein Erfolg. Aber ob sich die Arbeit mit dem Roboter langfristig auf die Haltbarkeit der Prothesen auswirke, sei noch nicht zu beweisen.

Die Sana-Klinik investiert in die neue Technik viel Geld. Eine gute Million Euro lässt sich das Unternehmen das kosten. „Aber wir können uns vor der Technik auch nicht verschließen“, erklärt Andreas Halder. Auch jede OP mit dem Roboter koste extra: Um die 600 Euro kostet der Einsatz der Tracker und des Fräskopfes, so der 54-Jährige weiter. „Das geht ins Klinikbudget.“ Aber er wolle am Puls der Zeit bleiben. „Auch wenn ich nicht sagen kann, ob in zehn Jahren flächendeckend mit Robotern gearbeitet wird. Aber wir können schauen, was es wirklich bringt.“
Ein gutes halbes Jahr wurde an und mit der Technik geprobt, bevor sie am Patienten eingesetzt wurde.

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RTZapper

Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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RTelenovela

Zahnarzt (42): Schleim!

Sonntag, den 1. Dezember 2019
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(41) -> 25.5.2018

Mal wieder beim Zahnarzt. Die neue Methode bei der Behandlung scheint zu sein, Schäden im Gebiss zu entdecken und sie erst mal beim nächsten Termin beheben zu wollen.
Aber fertig waren wir diesmal trotzdem noch nicht. Erst zum Röntgen, und dann brauchen wir auch noch einen Abdruck vom Gebiss.

Ich saß auf dem Zahnarztstuhl, ahnte nichts Böses, im Hintergrund wurde irgendwas vorbereitet. Und plötzlich steht die Ärztin neben mir und schiebt mir irgendwas in den Mund.
Leichte Panik ergreift mich, weil ich erstens einen Schreck bekommen habe, zweitens nicht weiß, was ich tun soll. Ich beiße zu und beiße in etwas relativ hart Schleimiges. Die Paste für den Abdruck.
Ich muss würgen. Ich reiße mir das Zeug wieder raus, muss weiter würgen. Das Zeug ist überall in meinem Mund, ich spucke aus und würge immer noch.

Tja, ist wohl kommunikativ etwas schiefgelaufen. Der Ärztin ist das durchaus peinlich. Sie meint, da sei man wohl etwas unkonzentriert gewesen. Kurz herrscht Ratlosigkeit, aber dann beschließen wir, es mal beim unteren Gebiss mit dem Abdruck zu versuchen. Diesmal erklärt sie mir, was zu tun ist. Nämlich nicht zuzubeißen, durch die Nase atmen und warten. Das klappt. Und auch den oberen Abdruck bekommen wir dann noch hin.
Aber noch auf dem Nachhauseweg schmiere ich mir die Paste aus dem Gesicht.

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Sex Klinik: Bizarre Penisprobleme

Mittwoch, den 27. November 2019
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SO 24.11.2019 | 22.15 Uhr | TLC

Du musst dir deinen Penis waschen.
Falls dir das neu sein sollte, dann wäre vielleicht ein Besuch der “Sex Klinik” ratsam. Die ist am Sonntagabend bei TLC eröffnet worden, und dort wenden sich Menschen hin, die untenrum Probleme haben.

Wobei die Patienten dafür, dass sie Probleme haben, ziemlich crazy drauf sind. Sie kommen lächelnd in den Vorraum, in dem auf einer Couch lauter Leute sitzen, die über ihre mutmaßlichen Geschlechtskrankheiten plaudern. Wie man das eben so macht, wenn man zum Untenrum-Arzt geht.

Zach (23) zum Beispiel. Er macht sich Sorgen um seine Vorhaut. Die zieht sich einfach nicht mehr über die Eichel nach dem Sex. Oder sie lässt sich erst gar nicht zurückziehen. Zach will rausfinden, ob es sich um eine Vorhautverengung handelt und ob er eine OP braucht.
Eine andere Patienten hat zwar keinen Penis da unten, aber einen komischen Ausschlag nahe des Schambereichs. Ein anderer plaudert davon, dass er lieber ohne Kondom rummacht. Und wieder ein anderer zählt gerade auf, wie oft er in letzter Zeit Sex mit irgendwelchen Typen hatte.

Zac wird in den Behandlungsraum gerufen, und vor ihm sitzt eine Frau, die aussieht, als gehe sie gleich auf die nächste Party. Arztkittel gibt es in der Sex-Klinik auch nicht. Zach allerdings ist nicht hier, um ein Date klarzumachen, sondern um von seinem Untenrum-Problem zu reden.
Frau Doktor bittet ihn dann auch, blankzuziehen. Dankenswerterweise geht das Fernsehteam aber nicht raus, denn die “Sex Klinik” wäre ja nicht die “Sex Klinik”, wenn wir nicht auch alles zu sehen bekämen.
Also fummelt Zach an seiner Penisvorhaut rum und giggelt ein bisschen rum, weil er das ja noch nie gemacht habe. Also vor Frau Doktor und vor der Kamera.
Der Penis sieht seltsam aus, und das fällt nicht nur dem Zuschauer, sondern auch Frau Doktor auf. Und sie hat einen Verdacht, und fast schon möchte man sich, nun ja, die Nase zuhalten: Wie er sich den wasche?, will sie wissen. Er rubbele immer, und zeigt, wie er mit der Hand über den Körper rubbelt. Und weiter unten? Da ist Zac ratlos. Denn des Rätsels Lösung: Smegma. Unter der Vorhaut hat sich allerlei Kram gebildet, und wenn man den Penis nicht wasche, dann verklebt das Zeug. Die Diagnose: Alles nicht so schlimm, nur dreckig. Bitte mal waschen. Keine OP nötig.
Das nennt man dann wohl peinlich, dass ein 23-jähriger Mann nicht weiß, dass er sich da unten mal waschen muss.

Andererseits: So was soll es ja geben, und in der Hinsicht ist “Sex Klinik” fast eine Bildungssendung. Denn nun wissen es aus die Unwissenden.
Wie überhaupt diese Sendung pädagogisch erstaunlich wertvoll ist. Denn man kann es komisch finden, dass da Leute im Warteraum sitzen und sich über ihre intimen Sorgen austauschen. Aber andererseits soll uns das vielleicht sagen, dass man in dieser gesundheitlichen Hinsicht besser nicht so verklemmt sein sollten, mit niemandem drüber reden. Und dass man wirklich mal zum Arzt gehen sollte, wenn da unten was nicht stimmt. Dass man – wie einer der Männer praktizierte – auch einfach mal zur Vorsorge-Untersuchung gehen und sich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen sollte, wenn man besonders aktiv ist. Vermutlich wird man dann allerdings nicht auf so coole und gutaussehende Ärztinnen und Ärzte treffen

Nur an der Übersetzung kann man hier und da noch ein bisschen arbeiten. Die US-Dokureihe ist zwar nicht synchronisiert worden, aber ist mit einem “Voice over” versehen. Als der Arzt einen jungen Mann fragte, der ganz offensichtlich schwul ist, ob er ein “Power Buttom” sei, lautete die deutsche Übersetzung, ob er eine wilde Hummel sei. Der junge Mann kreischte erfreut auf – ganz offenbar ist er wirklich eine, ähm, wilde Hummel.

-> Die Sendung in der TLC-Mediathek

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Bundestag live

Freitag, den 8. November 2019
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DO 07.11.2019 | 9.00 Uhr | Parlamentsfernsehen

Aufmerksamkeit ist nicht zu verhindern, denn der Zwischenfall ist live übertragen worden.
Während der Debatte im Bundestag über eine mögliche Abschaffung des Bargeldes wird der CDU-Abgeordnete Matthias Hauer plötzlich sehr fahrig. Er zittert, sucht nach Worten – und irgendwann geht gar nichts mehr.
Die Herrschaften von der AfD verhöhnen ihn noch, lachen ihn aus, als Hauer mitten im Satz plötzlich nichts mehr sagt. Aber das Lachen blieb auch den Rechten bald im Halse stecken.

Matthias Hauer erlitt einen Schwächeanfall. Das Parlamentsfernsehen zeigt noch, wie einige Abgeordnete nach vorne rennen, um ihm zu helfen. Bald wird das Mikro abgeschaltet, man sieht noch, dass dem Mann geholfen wird. Dann sieht man sehr lange nur ein Bild von der Reichstagskuppel.
Über eine Stunde danach geht erst die Sitzung weiter, und der stellvertretende Bundestagpräsident Kubicki (FDP) mahnt an, dass man keine Bilder davon ins Netz stellen solle. Stichwort: Menschenwürde.

Menschenwürde aber scheint für immer weniger Menschen eine große Rolle zu spielen. Unter diversen Videos sind Hasskommentare zu finden, Hetzer kübeln ihre Häme aus. Da scheint es keine Hemmungen mehr zu geben, es handele sich ja schließlich um Meinungsfreiheit, und gerade solche Hetzer sind es dann, die die Meinungsfreiheit bedroht sehen, weil sie ihre Hetze nicht unwidersprochen verbreiten können.

Interessantes Detail am Rande: Anke Domscheit-Berg aus Fürstenberg, die für die Linke im Bundestag sitzt, schrieb später auf Twitter, dass die Arbeitsbedingungen im Bundestag menschenfeindlich seien. Es dürfe im hohen Haus nichts getrunken werden, selbst bei stundenlangen Debatten. Das müsse sich ändern. Wäre mal eine Diskussion wert.

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RTelenovela

21-mal Hustensaft

Sonntag, den 13. Oktober 2019
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Es hat mich mal wieder erwischt: Erst war es ein Kratzen im Hals, dann kam der starke Husten, und erst ganz zum Schluss der Husten und die komplette Erkältung. Ich habe vermutlich den Herbst nicht allzu ernst genommen und bin zu luftig rumgelaufen.
In der Oranienburger Apotheke meines Vertrauens wollte ich mir dementsprechend Hustensaft kaufen. Ich bin ja da eher ahnungslos, und so empfahl mir die Verkäuferin etwas, und ich kaufte das Zeug.

Zu Hause die Überraschung. In der Verpackung war gar keine Flasche. Normalerweise kenne ich Hustensaft in der Flasche, und dazu gibt es immer eine Kappe, in die man den Saft füllt.
Diesmal war alles anders: In der Verpackung befanden sich 21 (!) weitere Verpackungen. Der Hustensaft befand sich in 21 Portionen in ebenso vielen Plastikverpackungen.

Das ist natürlich einerseits gut, weil die Hustensaft-Portionen genau feststehen. Aber andererseits ist es der Wahnsinn. Sobald man das Zeug auspackt und die 21 Packungen steht, meldet sich dann doch das Umweltgewissen. Wenn man so was kauft und unterstützt, muss man sich nicht über den Plastikmüll überall wundern. Nächstes Mal frage ich explizit nach Saft in Flaschen. Gibt es nämlich auch noch.

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ntv-Nachrichten: Merkel zittert (schon wieder)

Donnerstag, den 11. Juli 2019
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MI 10.07.2019 | 13.00 Uhr | ntv

“Man muss sich keine Sorgen machen.” Merkel sei “ganz fest davon überzeugt, dass ich gut leistungsfähig bin”.
Die Medien machen sich aber doch Sorgen. Manche verwechseln allerdings das Sorgenmachen mit Sensationsmache.

Ja, es ist wieder passiert. Zum dritten Mal. Diesmal beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne in Berlin. Bei der Hymne hatte sie ihren Körper scheinbar nicht im Griff.
Ich habe es gesehen, am Mittwochmittag bei ntv. In den 13-Uhr-Nachrichten war das das Thema des Tages.
Man sah Merkel zittern. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.

Das war nicht viel Bildmaterial. Also noch mal von vorn. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Und weil man das Thema nicht gleich wieder fallen lassen wollte, nochmal: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Einen Experten ließ ntv auch noch mal zu Wort kommen, er saß sogar im Studio. Und während er sprach, gab es einen Splitscreen. Man sah den Experten und links Merkel. Zitternd. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Das Gespräch dauerte etwas länger, denn der Moderator hatte viele Fragen, und Sendezeit musste ja auch gefüllt werden. Also noch mal: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben. Und weil das Interview immer nicht zu Ende war: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.

Bitte versteht mich nicht falsch: Es war nicht eine ewige Szene, bei der die Kamera immer hin- und herschwenkte. Es war immer die selbe Sequenz. Immer wieder. Immer wieder. Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben.
Ich konnte einfach nicht mehr hinsehen, ohne dass ich mich hätte vor Wut übergeben müssen.

Ja, der Gesundheitszustand der Bundeskanzlerin ist nicht ganz unwichtig. Aber die Art und Weise, wie damit umgegangen wird – Moment, was läuft grad bei ntv? Ah: Die Kamera zoomte ran, schwenkte nach unten zu den Beinen und wieder nach oben -, ist doch ziemlich widerwärtig. Und wie oft soll Merkel eigentlich noch beteuern, dass es ihr eigentlich gut gehe, auch wenn das noch ein paar mal passieren könnte?

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