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B96 – Südtour

Sonntag, den 9. November 2014
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Die B96 spielt im meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle. Die Bundesstraße führte jahrzehntelang durch Oranienburg (zu DDR-Zeiten als F96), inzwischen an Oranienburg vorbei. Auf dem Weg zur Ostsee fuhren wir jedes Jahr die 96 gen Norden ab – wir fuhren durch Gransee, Neustrelitz, Neubrandenburg, Greifswald, Stralsund, über den Rügendamm bis Bergen. Und den Weg bis Sassnitz, wo die B96 bis heute endet, kenne ich auch.
Aber die B96 südlich von Berlin? Für mich war das immer ein unbekanntes Stück Straße. Immerhin führt die mehrere hundert Kilometer für Zittau. Vor der Wende war die F96 die längste Fernverkehrsstraße der DDR.

In Bautzen traf ich auch auf eben jene B96. Ich beschloss, nicht Autobahn zu fahren und machte ich auf den Weg gen Norden.
Es zieht sich ganz schön. Die Reise führt durch kleine Dörfer und durch Cölln – hat natürlich mit dem großen Köln nichts zu tun.

Der Landkreis Bautzen gehört zum Gebiet der Sorben. Deshalb stehen auf sämtlichen Ortsschildern und Wegweisern auch die sorbischen Übersetzungen. Das ist gut gemeint und kulturell vermutlich wertvoll, aber für den ortsfremden Autofahrer mitunter anstrengend. Das deutsch-sorbische Mischmasch sorgt schon mal dafür, dass man den Überblick verliert und in den wenigen Augenblicken der Vorbeifahrt es gar nicht schafft, alles zu erfassen, was auf dem Schild steht. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, einen Wegweiser mit den deutschen Ortsnamen und einen zweiten mit den sorbischen aufzustellen.

In Hoyerswerda verlasse ich kurz die B96 und fahre ins Stadtzentrum. Es ist später Sonnabendnachmittag und nichts mehr los. Eine Gruppe etwa 30-Jähriger läuft zu einer Telefonzelle und – telefoniert. Dass es so etwas noch gibt, hätte ich im Handyzeitalter nicht mehr möglich gehalten.

Ansonsten besteht die B96 scheinbar aus vielen Umgehungsstraßen. Senftenberg bekommt der wissbegierige Autofahrer nicht mehr zu sehen. Die B96 knickt direkt hinterm Ortsschild ab. Auch Luckau wird umfahren. Eigentlich schade für diese Städte.
Irgendwo bei Finsterwalde tauchte erstmals die Entfernung bis Berlin auf den Schildern auf: 102 Kilometer. Inzwischen war es auch dunkel, und zu sehen war nichts mehr. Meine Lust auf die B96 war nur noch begrenzt.
Bei Luckau verließ ich die B96 und fuhr auf der B87 bis zur Autobahnauffahrt Duben. Wer weiß, wie lange ich sonst noch unterwegs gewesen wäre…

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Bautzen und seine knalldolle Kirche

Samstag, den 8. November 2014
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Dass ich in Bautzen eine ganz besondere Kirche (nicht ganz) betreten habe, das habe ich gerade eben erst gelesen. Der Petri-Dom wird nämlich von mehreren Konfessionen genutzt. Es gibt innen eine katholische und eine evangelische Ecke.
Leider konnte ich mir das nicht näher ansehen, die Kirche ist eine Großbaustelle. Nur der Vorraum lässt sich besichtigen. Der aber scheint ein kleines Mädchen auch schon sehr begeistert zu haben. “Es hat uns knalldoll gefallen”, schrieb es ins Gästebuch.

Ein Aufstieg in den Kirchenturm war jedoch möglich. Mehr als 200 Stufen sind zu erklimmen. Zunächst auf Betonstufen, dann auf Holz. Und mal abgesehen davon, dass ich mehr und mehr atemlos (an dieser Stelle ist kurz Platz für einen kleinen Helene-Fischer-Ohrwurm) war, der Aufstieg ist auch nicht so einfach.
Auf immer schmaler werdenden Treppenstufen ging es nach oben, an einigen Stellen musste ich mich mit beiden Händen an den Geländern festhalten, steil wie auf einer Leiter stieg ich Meter um Meter auf.

Aber ich wurde belohnt – mit einem schönen Ausblick auf Bautzen. Die Altstadt kann sich sehen lassen. Viele historische Häuserzeilen, mehrere Kirchen, ein rathaus und andere große öffentliche Gebäude und eine Burg. Bautzen hat mehr zu bieten als die DDR-Knast-Vergangenheit.

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